Wie kann eine Kolik bei Pferden ausgelöst werden?

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oft ist falsches Futter, zu wenig Wasser, das hohe Alter (ab 25-30 aufwärts gibt's schon mal Aussackungen im Darm) schuld,

aber auch Streß, Vergiftungen, zu hohe Stückgröße von Saftfutter, Schlingen beim Fressen, fehlende Futterpausen(1-2 Stunden) vor dem Gurten, Bewegungsmangel, falsche, nicht artgerechte  Haltung, fehlendes angrasen, fehlendes Heu-füttern vor dem Umstellen auf anderes Gras

Koppen, Luft-schlucken, 

und sicher hab ich noch was vergessen....

Da "Kolik" ja erstmal ein Überbegriff für jeglisches schmerzhafte Geschehen im Bauchraum des Pferdes ist, gibt es schonmal viele verschiedene Koliken - und dazu noch diverse Ursachen.

- Stress oder Schmerzen in anderen Körperregionen können dem Pferd sprichwörtlich auf den Magen schlagen. Da muss es nicht zur Kolik kommen, das Pferd kann gesund bleiben, aber auch mit Magengeschwüren zu tun bekommen - in deren Folge auch schon wieder Koliken möglich sind.

- Futter in Portionen. Das Pferd ist ein Dauerfresser, das heißt, seine Nahrung nimmt es quasi über den ganzen Tag rund um die Uhr auf. Es schläft für unsere Begriffe extrem wenig, beschäftigt sich auch mal mit anderen Pferden, aber überwiegend frisst es. Seine Nahrung kommt also natürlich über viele Stunden verteilt daher. In der Pferdehaltung hat man nicht immer die Chance, das so zu verteilen. Hiesiges Heu ist sehr nahrhaft, die meisten Pferde bekommen Stoffwechselstörungen, wenn man sie unbegrenzt davon fressen lässt. Nun gibt es die Möglichkeit, mit Netzen, Stabraufen, Futterautomaten das alles möglichst stark zu verteilen, nur hat diese Möglichkeiten nicht jeder. Entsprechend bekommen die meisten Pferde früh und abends einen Berg Heu, der grade in Boxenhaltung, wo sie sich oft langweilen mehr inhaliert als gefressen wird. Beim Kraftfutter ist das noch schwieriger, wenn das auf 2- oder 3-mal täglich gegeben wird, das Pferd aber eine gute Portion bekommt. Die Fütterungssysteme der Aktivställe sind beispielsweise so eingerichtet, dass jegliche Nahrung des Pferdes in bis zu 24 Portiönchen eingeteilt wird (minimal halt das, was der Automat minimal ausgeben kann, bei Hafer in ganzem Korn mit einem guten Litergewicht sind das 60 Gramm). Ein Pferd, das 700 Gramm Hafer bekommt, bekommt also umgelegt auf ganzzahlige Ausgabeeinheiten 720 Gramm. In Automateneinheiten heißt das, alle zwei Stunden werden 60 Gramm ausgegeben. Ist das Pferd nun 4 Stunden auf der Weide und sieht keinen Grund, zum Automaten zu gehen oder bleibt es lieber an der Raufutterraufe oder will es einfach mal nicht fressen, dann bekommt es beim nächsten Besuch halt 120 Gramm = 2 Fördereinheiten. Im herkömmlichen Boxenstall bekommt es 350 Gramm auf einmal. Was das bedeutet bei einer Gesamtkraftfuttermenge von 3 kg, die auch einige Pferde bekommen, kann man hochrechnen. So eine große Menge ist für den Verdauungstrakt sehr schwer auf einmal zu verarbeiten. Das kann dann gut auch mal zu Verschlingungskoliken kommen, wenn großere Mengen "schweren" Futters in den Darm geschickt werden und sich das Pferd möglicherweise danach bewegt.

- Bewegung nach Fütterung. Als ich reiten gelernt habe, was es absolut verboten, ein in Boxen gehaltenes Pferd in den ersten zwei Stunden nach Fütterung herauszuholen. Die sollten da ruhen. Definitiv. Sich nicht bewegen, ok, frei bewegen dürften und sollten sie sich, aber nicht vom Menschen gezwungen oder auch nur animiert. Kolik? Damit habe ich wenig Erfahrung, haben diese Pferde praktisch nie gehabt. Heute sehe ich Menschen ihre Pferde aus dem Offenstall holen und sofort eine Portion Müsli - vom Volumen her 3 kg Hafer entsprechend - hinstellen, weil sie sich so freuen, wenn die Tiere in Erwartung des Futters angerannt kommen. Während des Fressens wird geputzt, danach gesattelt und geritten. Muss ich noch was sagen?

- Die Art der Futtermittel. Die Angst vor Hafer steht für mich da ganz im Vordergrund, dieses "Hafer macht Pferde kirre". Ja, ist halt so, wenn ich vorne Energie rein stecke, werden die Pferde gehfreudig. Das kann ich kanalisieren und zu meinen Gunsten nutzen, ich kann aber auch Angst davor haben. Warum nennt man ein Kraftfutter so? Weil man schon in vorhergehenden Jahrhunderten (ich meine, schon Xenophon hätte sich dazu geäußert) wusste, dass es Kraft gibt, also eine Ergänzung zum Raufutter ist, wenn das Pferd mehr leisten soll als es mit Raufutter kann. Wenn ich meinem Pferd nicht so viel abverlange, kürze ich ihm das Kraftfutter. Bin ich nicht ganz unbegabt im Umgang mit dem Pferd, sodass es andere Dinge auf die Palme treiben, werde ich bei weniger Kraftfutter ein ruhigeres Pferd haben. Ich muss also keine Angst vor dem Hafer haben, sondern wissen, warum ich so viel davon gebe. Geht es nur um den Futterneid und das Randalieren zur Fütterungszeit, kann ich auch drei Körner in den Trog werfen. Das Pferd zählt nicht nach, sondern sagt "toll, hab auch was bekommen". Aus der Angst wird heute ein Geschäft gemacht: haferfreie Kraftfutter werden angeboten. Da kommt alles mögliche rein, doch der Natur entspricht das nicht. Hafer ist zwar auch nur Grassamen, aber halt hochgezüchtet seit vielen Jahrhunderten und damit eben energiereicher als wenn sie einfach Gras (frisch oder als Heu) fressen. Andere Getreide sind noch weiter weg von der natürlichen Nahrung und deshalb noch schwerer zu verdauen und liegen den Tieren im Magen. Die bewegen sich dann aus demselben Grund weniger aus dem der Mensch mit einer ganzen Schweinshaxe im Bauch keinen Marathon laufen möchte und auch das Volleyballspiel gerne die anderen spielen lässt.

- Kreislaufkoliken haben wir hauptsächlich, wenn die Pferde viel stehen, z.B. in Boxenhaltung oder wenn sie gesundheitlich nicht besonders fit sind, sodass sie von sich aus auf Bewegung verzichten. Eines unserer Pferde hat sich in diesem Jahr am Skelett verletzt und dann einfach mehr Zeit an der Raufe verbracht, nicht mit den anderen auf die Koppel gegangen, so selten wie möglich zu Wasser und Kraftfutter und prompt war sein Kreislauf an einem besonders schwülen Tag so erledigt, dass ich den Tierarzt brauchte, weil Hausmitteln ihn nicht mehr in Schwung gebracht haben. Es kann auch sein, dass sie generell ein bisschen geschwächt sind oder auch durch vorhergehende Anstrengung und nicht fit genug sind, beispielsweise besonders warmes Wetter (oder besonders schwüles, trockene Hitze geht ja oft deutlich leichter) wegzustecken.

- Aufgasungen haben wir gerne auch bei wenig Bewegung und / oder Saftfutterüberschuss. Das kommt deutlich seltener vor, wenn sie immer die Möglichkeit haben, von der Weide zu einer Raufutterstation zu gehen, sich selbst nach eigenem Befinden aussuchen können, was sie wann fressen wollen.

Und nun gibt es noch x andere Ursachen und Kombinationen aus solchen und viele Faktoren, die man gar nicht wahrnimmt, sodass viele Koliken einem Rätsel aufgeben, wie es dazu kommen konnte. Generell sieht man aber, wenn man ein bisschen rumfragt, dass es in einem Offenstallsystem mit Bewegungsanreizen deutlich weniger Koliken gibt als in Boxenhaltung, in Haltungen mit möglichst verteilter Fütterung deutlich weniger als in welchen mit Fütterung 2x täglich. Ob und wie man in der eigenen Pferdehaltung optimieren kann, muss halt immer der Betreiber entscheiden, der letztendlich wirtschaftlich über die Runden kommen muss. Dazu muss er neben der Anlagenausstattung und -instandhaltung auch die Service-Arbeitszeiten in die Waagschale werfen und dann gut abwägen. Genau wie die einzelnen Pferdebesitzer ist auch nicht jeder Betreiber zu überzeugen, dass ein Systemwechsel nötig ist.

Warum ging früher Ständerhaltung und zweimal füttern am Tag gut? Weil die Arbeitsleistung im Vergleich zur Gesamtfuttermenge eine völlig andere war, niemand auf die Idee kam, Hafer zu zerkleinern, sondern für gutes Kauen sorgte und in Arbeitspausen immer auch gefüttert wurde, weil es immer Raufutter vor Kraftfutter gab - und weil kein unkontrolliertes Zufüttern stattfand, wie es heute oft ist, dass die Pferdebesitzer sich gar nicht drum kümmern, was genau ihr Pferd im Stall bekommt und ob das möglicherweise sowieso schon ausreicht. Der Mensch mit seinem Hätscheltrieb will immer selber was geben und dann stellt er eine Schüssel Müsli hin.

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