Wie kamen Lautverschiebungen zustande?

5 Antworten

Lautverschiebungen sind ja ein längerer Prozess, das passierte ja nicht "von heute auf morgen". Dennoch sagt man, dass sie "schubweise" auftreten konnten, von längeren Stabilitätsphasen gefolgt. Im Germanischen sind sie relativ gut bekannt, dennoch besteht über die Ursachen nicht wirklich Einigkeit.

Grammatik ist wieder etwas anderes.

Das Beispiel mit dem "pf" ist ja interessant. "Pf" gibt es nur im Deutschen (ist soweit ich weiß ist das ein Ergebnis der 2.Lautverschiebung). Man sehe Deutsch "Pfeife", English "pipe", Schwedisch "pipa". Deutsch hat aber auch  "piepen" (das neben "pfeifen" existiert, mit leicht anderer Bedeutung).

Ich denke eher, dass solche Änderungen im täglichen Gebrauch auftraten (und die Umgebung glich sich daran an, wenn eine Änderung auftrat, die attraktiv war, warum auch immer). Muss nicht mal was mit Lesen und Buchstaben zu tun gehabt haben (ich denke mal, dass die meisten Leute nicht mal schreiben/lesen konnten damals).  

Muss auch nicht unbedingt eine Vereinfachung gewesen sein (das "pf" ist eigentlich ein recht komplexer Laut). Eine Anekdote fällt mir dazu ein: eine Vietnamesin, die recht gut Deutsch spricht, sagt "knuprig" (die Kombination s+p+r ist zu komplex in knusprig). Später las ich zufällig über Hänsel und Gretel. In der Urfassung (Grimm, 1812) heißt es:

"Knuper, knuper, kneischen, wer knupert an meinem Häuschen?“

Sieht so aus, als sei das -s- später eingeschoben worden. Warum, weiß ich nicht. Manchmal fielen Laute weg oder wurden verschoben, manchmal können aber auch Laute hinzukommen.

Wenn du eine abschließende Erklärung dafür findest, ist dir ein Platz in der Ruhmeshalle der Sprachwissenschaft sicher.

Es gibt, meines Wissens, für diesen Prozess noch keine schlüssige und allgemein anerkannte Theorie. Es ist naheliegend, dass sich bestimmte Formen im Sprachgebrauch ganz natürlich und innerhalb eines großen Sprachraums verbreiten, besonders, wenn es um Formen der Vereinfachung geht, wie das bei den Lautverschiebungen der Fall ist.

Warum das allerdings zweimal in relativ kurzer Zeit und in Schüben geschah, ist immer noch ungeklärt.

Dass Herrscher dafür verantwortlich waren, die das verordnet haben, ist aber ausgeschlossen. Zum einen gab es zu dieser Zeit keine wirklich geschlossenen Herrschaftsbereiche, in denen so etwas hätte flächendeckend durchgesetzt und kontrolliert hätte werden können. Zum anderen lässt sich Sprache nicht verordnen, so dass eine Anordnung von oben noch lange nicht dazu geführt hätte, dass die Menschen dann tatsächlich so sprechen.

Durch die zweite oder (alt)hochdeutsche Lautverschiebung, sind die hochdeutschen Sprachvarietäten entstanden.

Mit dem Oberbegriff Hochdeutsch werden deshalb linguistisch die  hochdeutschen Dialekte und die drei Standarddeutsch (in at, ch und de) bezeichnet, nicht nur das Standarddeutsche.

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Korrektur:

Mit dem Oberbegriff Hochdeutsch werden deshalb linguistisch u. a. die hochdeutschen Dialekte und die drei Standarddeutsch (in at, ch und de) bezeichnet.

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