Wie kamen die Menschen im Mittelalter auf die Idee, die Erde wäre ein Scheibe?

14 Antworten

Hallo Zahnschisser,

wie OlliBjoern ganz richtig geschrieben hat: Es ist falsch, dass im Mittelalter niemand wusste, dass die Erde eine Kugel ist. Die Berechnungen und Überlegungen der Antike waren durchaus den gebildeten Schichten bekannt. Im einfachen Volk natürlich nicht.

Weit verbreitet ist der Irrtum über die damaligen Vorstellungen, wegen des Mythos um Kolumbus: Kolumbus sei entgegen der damaligen Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe sei, losgesegelt, weil er als einziger an die Kugelgestalt glaubte und deshalb den Mut hatte, den Seeweg Richtung Westen nach Indien zu suchen. Und diese Geschichte ist krachfalsch.

Richtig ist, dass damalige Gelehrte wussten, dass die Erde eine Kugel ist und sogar ungefähr, wie groß sie ist. Wie Du selber schreibst: Nur Amerika war unbekannt. Das bedeutet aber, dass man davon ausging, dass ein nach Westen nach Indien segelnder Seefahrer Atlantik und Pazifik zu durchqueren gehabt hätte, bevor er auf bekanntes Land stoßen würde. Das aber wäre für die damaligen Reisegeschwindigkeiten zu weit gewesen: Der Proviant und das (saubere) Wasser hätte nicht so weit gereicht. Die Mannschaft wäre schlicht verhungert. Deshalb - und nicht etwa wegen der Scheibengestalt der Erde - hielt man den Westweg für nicht schiffbar.

Kolumbus vertraute auf eine Außenseiterposition, die des Italieners Toscanelli, der den Erdumfang - falsch - erheblich kleiner abschätzte als die Lehrmeinung. Mit dieser kleineren Entfernung wäre es machbar gewesen. Er konnte Isabella von Spanien überreden, 3 Schiffe zu riskieren, stach in See... und wäre verhungert, hätte er nicht den unwahrscheinlichen Dusel gehabt, dass Amerika praktisch nicht zu verfehlen ist.

Aus genau diesem Grund glaubte Kolumbus Zeit seines Lebens, in Indien gewesen zu sein und nannte die Ureinwohner Indianer. Allen anderen Gelehrten war aber nach seiner Rückkehr sehr schnell klar, dass man ein neues Land entdeckt hatte - eben aufgrund der anerkannten Berechnungen des Erdumfanges.

Grüße

P.S.: Im Übrigen frage ich mich persönlich eher mehr, wie man es schaffen kann, im 21. Jahrhundert noch an die flache Erde zu glauben, wie das einige Verschwörungsjünger tun. =)

Sehr gute Antwort, die zwar mein "Weltbild" etwas verändert (über das Mittelalter) aber dazulernen ist ja immer gut.

Zum letzen: Auf anraten eines anderen Kommentators habe ich mal auf youtube danach geschaut, mit fällt dazu wirklich nichts mehr ein. Zumal sich schon die ersten Sätze widersprechen bei diesen Verschwörungstheoretikern.

Das kann doch nur Spaß sein? Also wer daran "glaubt", also nee...

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@Zahnschisser

Das ist kein Spaß für die Verschwörungstheoretiker, die glauben allen Ernstes daran.

Die Verschwörungstheoretiker sind über den ganzen Erdball verteilt und untereinander vernetzt. Und darüber entwickelen sie immer neue Theorien und Ideen und verteilen sie über das Netz.

Aufpassen musst bei Veröffentlichungen vom KOPP-Verlag, dort versammeln sich sämtliche Verschwörungstheoretiker zu allen möglichen Themen und verbreiten ihre kruden Ideen im Buchformat.

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@Adlerblick

Wahrscheinlich wohl wahr :(

Es gibt auch Leute, die glauben daß die Kondensstreifen am Himmel irgendwelche Chemikalien wären, die bewußt ausgebracht werden, um das Klima zu ändern oder was weiß ich. Natürlich von hunderten Fluggesellschaften und jeder hält dicht und keiner sagt was :D

Aber daß es so weit geht, daß an Erdscheiben geglaubt wird, hätte ich dann doch nicht gedacht...

Ja, Kopp habe ich auch mal was gelesen, ist aber meines Empfindens einfach Panikmache. Eine ähnlich "gute" Seite dürften die deutschen "Wirtschafts"nachrichten sein.

Sputnik kann manchmal interessant sein, kann auch lustig sein - aber man ließt die Gegendarstellung und kann sich dann so in etwa denken, daß die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte der Extreme liegen mag.

Aber dann gibt es wieder welche, die alles 1:1 von RT glauben, aber anderen vorwerfen, alles 1:1 von den Amis zu glauben - da ist dann wohl keiner so wirklich besser. Oder beide selten dämlich, um es mal so zu sagen.

Am besten ist ohnehin die seriöse Tageszeitung "Postillon". Man darf nicht alles zu ernst nehmen und auch sein Leben nicht von Nachrichten leiten lassen. Informieren ja, Panik nein.

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Was mir auffällt, ist, dass hier kein einziges Mal das Wort »ptolemäisch« bzw. der Name des Klaudios Ptolemaios (ca. 90 - 160 n. Chr.) gefallen ist - erstaunlich bei einer Frage in der es um das Weltbild der Gelehrten des sogenannten Mittelalters (im Wesentlichen der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends n. Chr.) geht.

Symptomatisch für den beklagenswerten öffentlichen Wissensstand ist wohl, dass im Wissensquiz »Jeder gegen Jeden« einmal behauptet wurde, das Bild der Erde im ptolemäischen Weltbild sei das einer Scheibe gewesen. Populäre Irrtümer dieser Art sind übrigens nicht zuletzt den Verfechtern der Aufklärung zu verdanken, die hier aus ideologischem Eifer eher das Gegenteil getan haben. 

Ohne das Verdienst der Aufklärer schmälern zu wollen, muss man zugeben, dass sie auch viel Unsinn verbreitet haben. So stellten sie die Römische Kirche deutlich reaktionärer dar, als sie es in Wirklichkeit war. Übrigens auch grausamer, denn sogar die Inquisition war in Wahrheit besser als ihr Ruf, was natürlich nicht besonders schwer ist.

Die philosophische Autorität unter den Gelehrten des frühen 2. Jahrtausends war Aristoteles (384 - 322 v. Chr.). Auch er nahm schon an, dass die Erde eine Kugel sei, um die sich der Himmel drehe (geozentrisches Weltbild).

Ptolemaios, ein griechischer Astronom und übrigens auch Astrologe, ist also nicht Erfinder des geozentrischen Weltbild, sondern verfeinerte es, um die von ihm beobachteten Unregelmäßigkeiten zu erklären.

Sein Weltbild erwies sich mit wachsenden Beobachtungsmöglichkeiten als immer komplizierter und soll zur verzweifelten Frage eines Gelehrten an Gott geführt haben, warum er das Universum denn so kompliziert erschaffen habe.

Eine philosophisch-theologische Auffälligkeit dieses Weltbildes tut sich übrigens angesichts der Tatsache auf, dass man sich oft die Hölle als im Inneren der Erde gelegen vorstellte. In Verbindung mit dem Geozentrismus würde dies bedeuten, dass ausgerechnet der Hölle also ein buchstäblich zentraler Platz im Universum eingeräumt wurde. Ich weiß nicht, ob dies vielen damaligen Gelehrten aufgefallen und ggf. auch aufgestoßen ist, aber ich hätte mich definitiv gefragt, ob das im Sinne des Erfinders sein kann, und zwar auch und gerade dann, wenn ich ein Geistlicher gewesen wäre.

Was Kopernikus, der Begründer des heliozentrischen Weltbildes in der frühen Neuzeit, übrigens war.

Völlig richtig, was du schreibst, nur:
Im Mittelalter hat niemand geglaubt, dass die Erde eine Scheibe ist. Auch die Kirche hat das nie gelehrt.

Gerne wird behauptet, dass Kolumbus sich mit den Jesuiten gestritten hätte, ob die Erde eine Scheibe sei und diese hätten es für unmöglich erklärt Asien auf Westkurs zu erreichen.
Das stimmt aber nicht. Dass die Erde eine Kugel ist, war allen klar. Bei dem Streit ging es um den Erdumfang, den Kolumbus viel zu niedrig angenommen hatte, obwohl er seit der Antike bekannt war.

Die bekannte Darstellung von einem Mann, der an den Rand der Erdscheibe kriecht, stammt aus dem 19. Jahrhundert und sollte wohl die Rückständigkeit des Mittelalters unterstreichen.

Der Glaube, dass die Erde eine Scheibe ist, ist heute jedenfalls verbreiteter (s. entsprechende Fragen "kritischer Geister" hier in GF).

Achso, ich dachte die Kirche hätte das gelehrt. Aber wieso wurden dann Menschen durch die Inquisition verfolgt, die das Gegenteil, also die richtige Variante verbreiteten?

Damit das einfache Volk es nicht weiß? Aber welchen Sinn sollte das ergeben? 

Das heißt, einige Leute haben damals schon die Geschichte verfälscht? Oder war es sowas wie Kunst? Gibt ja heute auch abstruse Kunstwerke...

Ähm er glaubt heutzutage an eine Scheibenform? Wo soll das denn verbreitet sein? Also ich kenne keinen, der das auch nur in Erwägung zieht...

Heute haben wir als endgültigen Beweis ja sogar Satelliten und die ISS...

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@Zahnschisser

Es wurde niemand von der Inquisition verfolgt, weil er gesagt hat, dass die Erde eine Kugel ist.

Die Kirche hat allerdings gelehrt, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums steht und die Sonne sich um die Erde dreht. Wer hier etwas gegenteiliges veröffentlicht hat, konnte allerdings große Schwierigkeiten bekommen.

"Ähm er glaubt heutzutage an eine Scheibenform? Wo soll das denn verbreitet sein? Also ich kenne keinen, der das auch nur in Erwägung zieht..."
Dann geh mal auf Youtube und gib "Flat Earth" oder "Flache Erde" als Suchbegriff ein.

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@vitus64

Dazu fällt mir jetzt wirklich nichts mehr ein. Mir fehlen die Worte.

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@Zahnschisser

Danke, daß Du mir ne Viertel Stunde des Lebens geklaut hast ;)

Also ich habe mir mal zwei solche Videos angeschaut. Wenn das jemand ernsthaft glaubt, möchte ich hier weg! Am besten auf nen anderen Planeten... äh Scheibe...

Was ich heute gelernt habe: Die im Mittelalter waren nicht ganz so blöd und in der heutigen Zeit mit INTERNET wird sowas geglaubt... hielt ich für schlicht unmöglich... Wie man sich täuschen kann...

ich bin fast schon schockiert

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