Wie kam es zur Sturmflut 1962?

7 Antworten

Es lag an einem Orkan. Die Auswirkungen der Sturmflut waren teilweise durch die vorherigen Hochwasserschutzmaßahmen und das Katastrophenmanagement mitbeeinflusst.

Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse aus dem Hamburger Abendblatt:

Es war die schwerste Flutkatastrophe in Hamburg und Umgebung seit 1855: Die Sturmflut von 1962 forderte insgesamt 340 Tote, 20 000 Menschen wurden obdachlos. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 überschwemmten 220 Millionen Kubikmeter Wasser die Hansestadt (60facher Inhalt von Binnen- und Außenalster). Ein Sturm, zeitweise mit Orkanstärke 13, trieb die Wassermassen aus der Nordsee in die Elbmündung hinein. Um 0.14 Uhr brach der erste Deich, es folgten weitere 60 Deichbrüche in Hamburg, Kirchwerder, bei Cranz und Neugraben sowie in Wilhelmsburg. Die Menschen wurden besonders in den tiefgelegenen Gartenkolonien im Schlaf von der Flut überrascht. Sie wurden zu spät gewarnt. Mehr als 25 000 Helfer waren unter der Leitung des damaligen Polizeisenators und späteren Hamburger Innensenators Helmut Schmidt im Einsatz. Erst nach vier Wochen war das Wasser wieder abgezogen.

Wer sich mit der Thematik genauer beschäftigt, kommt zu erschreckenden Ergebnissen:

  • Schon am frühen Abend des 16. Februars waren an der Nordseeküste sowie an Weser, Ems und dem niedersächsischen Teil der Unterelbe die ersten Krisenstäbe in den Kreisverwaltungen zusammen getreten.

  • die küstennahen Standort von Bundeswehr, US-Streitkräften und Britische Rheinarmee waren bereits um Mitternacht über den kleinen Dienstweg alarmiert und an die Deiche in Marsch gesetzt worden, als klar wurde, dass die Kräfte der Feuerwehr nicht ausreichten.

  • in gefährdeten Gebieten lief schon um Mitternacht die Evakuierung der Bevölkerung: in Bremen wurden z.B. schon um 21:00 Uhr, also noch zur Zeit des Tideniedrigwassers die gefährdeten Kleingartengebiete geräumt.

  • als in Hamburg um 6:00 Uhr morgens Innensenator Schmidt das Kommando übernahm und erst ab diesem Zeitpunkt wirkungsvolle Rettungsmaßnahmen eingeleitet wurden, liefen anderen Orts bereits die Aufräum- und Reparaturarbeiten.

Die Februarsturmflut 1962 deckte schonungslos gravierende städtebauliche und verwaltungsorganisatorische Mängel auf. Ein wirkliches Gefahrenbewusstsein war sowohl in der Hamburger Bevölkerung, als auch in der Hamburger Verwaltung damals nicht vorhanden. In Bremen, wo man dieselben städtebaulichen Probleme hatte, hatte man die Gefahr rechtzeitig erkannt - bei den 7 Toten dort handelte es sich ausnahmslos um Menschen, die sich geweigert hatten, ihr Haus zu verlassen. Quelle: Die Zeit

Sturmfluten bei uns im Norden entstehen, wenn der Wind stark aus Nord/Nord-West kommt und damit die Flüsse staut. Bei Hamburg staut er dann die Elbe, die dann nicht gegen den Wind in die Nordsee fließen kann. Da der Fluss aber immer weiter fließt, staut er sich erst dort, wo Deiche sind und dann überschwemmt er alles.

Heute sind die Deiche ganz anders gebaut.

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