Wie ist mein Arbeitszeugnis zu beurteilen?

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10 Antworten

Ich kann in diesem Zeugnis nichts Schlechtes entdecken. Da Zeugnisse immer positiv formuliert sein müssen, könnte man höchstens durch nicht genügenden Überschwang auf Mängel schließen.

Wenn z.B. etwas über "gute Fachkenntnisse " steht, sind es eben nicht "sehr gute", "ausgezeichnete" oder "herausragende" Fachkenntnisse. Ob das nun schon als schlecht zu deuten oder so gemeint ist, weiß ich auch nicht.

Ein paar Dinge stören mich an diesem Zeugnis:

  • Du bist "kreativ"? Als was warst du beschäftigt, ist Kreativität in diesem Berufsbild gefragt??? Als Koch wäre das evtl. noch ok, aber z. B. als Servicekraft würde ich sagen, du warst planlos.
  • Mich irritiert die Reihenfolge Gäste - Vorgesetzte -Teamkollegen. Diese Reihenfolge lässt vermuten, dass es Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen gab. Üblich ist die Reihenfolge Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende. Ob die falsche Reihenfolge Absicht oder Unachtsamkeit ist, musst du besser beurteilen können.
  • "gelegentlicher Einsatz über die normale Dienstzeit hinaus" heißt für mich, du hast kaum mehr getan als nötig.
Nightstick 11.07.2014, 15:36

Obwohl man ein Zeugnis -wie @dereineWolf richtig ausführt- nur bei Vorliegen des gesamten (!) Zeugnistextes bewerten kann, ist dieser Auszug per se schon schlecht genug.

Über das von oben Genannte sind noch ein paar andere "Stolpersteine" vorhanden:

° "... und ging alle Aufgaben tatkräftig an." ==> hat sie aber nicht erfolgreich bewältigt

° ° ... erbrachte durchwegs qualitativ und quanitativ sehr gute Leistungen,..." ==> also schlechte Leistungen!

° "...und wünschen Ihr für die Zukunft alles Gute." ==> Hier fehlt "und weiterhin viel Erfolg". Diese Weglasssung wertet das Zeugnis ab. Diese Satz hätte als Letztes stehen müssen. Dies ist nicht der Fall und gibt ebenfalls zu denken.

Insgesamt kann man diesen Teil des Zeugnisses beruhigt "in die Tonne treten", und die Fragestellerin ist gut beraten, die angesprochenen Passagen in geeigneter Form zu reklamieren.

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Die meisten Sätze klingen für mich sehr positiv.

Dieser Satz könnte allerdings etwas Negatives beinhalten.

"Durch ihr vertrauenswürdiges, ausgeglichenes und loyales Verhalten wurde sie von unseren Gästen, ihren Vorgesetzten und Teamkollegen sehr geschätzt."

Normalerweise sollten die Vorgesetzten immer zuerst genannt werden. Werden sie das nicht, ist schon einmal etwas faul und ein Hinweis darauf, dass sich in dem Satz eine versteckte negative Bewertung verbirgt. Insbesondere wenn die Kunden zuerst genannt werden (was hier wohl den "Gästen" entspricht) ist das ein verdeckter Hinweis darauf, dass Du Geschäftsgeheimnisse verraten hast. Falls das nicht der Fall war, spreche den Personaler, der Dir dieses Zeugnis ausgestellt hat, darauf an, dass diese Formulierung so interpretiert werden kann, da sie möglicherweise unbeabsichtigt im Zeugnis gelandet ist. Ich kenne die Formulierung auch nur mit dem Wort "Kunden", nicht mit dem Wort "Gästen", würde aber im Zweifel davon ausgehen, dass dies ähnlich gelesen wird.

woflx 10.07.2014, 22:07

Das glaube ich eher nicht, ich denke, im Gastgewerbe dürfte es üblich sein, die Gäste immer mit der höchsten Priorität zu sehen.

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NoHumanBeing 10.07.2014, 22:09
@woflx

Ok. Dann scheint es ein durchweg positives Zeugnis zu sein. Allerdings habe ich schon oft gehört, dass Zeugnisse eigentlich nur bewertet werden können, wenn sie vollständig vorliegen, was hier nicht der Fall ist. Aber es macht auf jeden Fall einen guten Eindruck, wenn diese Formulierung nicht negativ gemeint ist.

"Kunden vor Vorgesetzten" ist auf jeden Fall negativ. Das bedeutet eben "im Sinne des Kunden gehandelt, nicht im Sinne des Unternehmens", im Zweifelsfall eben "dem Kunden gesagt, wie er die Dienstleistung, die das Unternehmen normalerweise durchführen würde, selbst durchführen kann". ;-)

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DarthMario72 11.07.2014, 10:03
@woflx

Nein, das ist falsch. Die Reihenfolge ist IMMER Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende.

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dereineWolf 11.07.2014, 13:06
@DarthMario72
Nein, das ist falsch. Die Reihenfolge ist IMMER Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende.

Das ist unrichtig.

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Nightstick 11.07.2014, 15:16
@dereineWolf

Ich finde es aber auch richtig - was sagst Du nun, @dereineWolf ?

Das Thema hatten wie bereits in einem anderen Thread, und ich bin nach wie vor der selben Meinung wie @DarthMario72

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dereineWolf 11.07.2014, 17:24
@Nightstick

Nightstick,

das ändert nichts an der Tatsache dass die Aussage-

Die Reihenfolge ist IMMER Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende

-falsch ist.

Das ist nunmal eine Tatsache, auch wenn sie sich dem Laien nicht erschließen mag.

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Nightstick 11.07.2014, 23:53
@dereineWolf

Ich bin kein Laie, falls Du von Dir auf andere schließt...!

Und es ist NICHT so, wie Du sagst !!!.

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dereineWolf 12.07.2014, 13:11
@Nightstick
Es gilt die Abfolge: Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter. Sonstige Gruppen wie z.B. Kunden können dann folgen oder auch an erster Position stehen...

Zitat Hesse/Schrader - Das perfekte Arbeitszeugnis - Eichborn AG 2006 als Anmerkung zum Zeugnis eines Einzelhandelkaufmanns.

Einige der Bücher von Jürgen Hesse und Hans Ch Schrader wie z.B. dieses sind, nicht zuletzt weil sie nahezu jeder Personalchef selbst irgendwann angeschafft, gelesen und jetzt zum Nachschlagen im Regal stehen hat, auch für den interessierten Laien zu empfehlen. Wobei sich alleine aus der Lektüre solcher Werken natürlich nicht die Kompetenz zum Verfassen eines fachgerechten Arbeitszeugnisses ergibt.

Und jetzt mache ich hier einen Strich drunter, ich sehe keinen Sinn darin Fakten in Frage zu stellen bzw. zu diskutieren.

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NoHumanBeing 12.07.2014, 13:41
@dereineWolf

Es mag vielleicht "unrichtig" sein, aber "Sonderbehandlung für das Gastgewerbe" halte ich für sehr unwahrscheinlich.

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Nightstick 12.07.2014, 16:22
@NoHumanBeing

So ist es - gewisse Zeugnisformulierungen manifestieren sich über die Jahre / Jahrzehnte, wie z.B. "...zur vollsten Zufriedenheit", oder eben die Reihenfolge bei der Bewertung des Verhaltens, z.B. "... sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Geschäftspartnern war..." - auch wenn irgendwelche "Zeugnis-Gurus" dies in ihren Büchern alternativ darstellen.

Ich habe in den letzten 30 Jahren ziemliche viele Zeugnisse analysiert und bewertet, und dabei festgstellt, dass diejenigen, bei denen die vorgenannte Reihenfolge nicht stimmte, auch an anderen Stellen Hinweise auf Schlechtleistungen enthielten.

Fazit (und damit schließe ich für mich diesen Thread): Meiner Meinung nach gibt es in der Praxis bei der Beschreibung des Verhaltens in einem Arbeitszeugnis keine branchenspezifischen Varianten.

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Hallo Lorelai200!

Dir wird durchwegs mit diesem Zeugnis die Note 2 bestätigt, allerdings gibt es zwei drei Stellen, wo vllt dein Arbeitgeber nicht wusste, dass er da was nicht so gutes schreibt:

  1. "Sie ... ging alle Aufgaben tatkräftig an"- hier fehlt ein wenig die direkte Überleitung zum Erfolg, den du dann hattest. Ohne Erfolg heißt das, dass du zwar alles versucht hast, aber nichts geschafft hast.

  2. Ich würde NIEMALS eine Bereitschaft zu Überstunden in ein Arbeitszeugnis schreiben, je nach Personaler wird das auch als "Mit der kann man alles machen" abgestempelt- das lässt man einfach weg. Einsatzbereitschaft ist hier die bessere Formulierung.

  3. "Loyales Verhalten" ist eine sehr unglückliche Formulierung. Es ensteht der Eindruck, dass du alles mitgemacht hast ("loyal" wird eben leider auch gerne für Hunde verwendet) also eine Ja-Sagerin bist.

  4. Wahnsinn! Die Normale Reihenfolge ist "Vorgesetzte, Teamkollegen und Gäste" . Andersherum heißt das hier, dass du den Gästen u.U. viele Zugeständnisse gemacht hast und dass es Probleme mit Chef und Kollegen gegeben hat. Entweder wusste das hier jemand nicht, oder es war Absicht.

Hoffe ich konnte helfen! Wenn du nochmal sowas hast, lies dir doch mal diesen Artikel durch: http://karriere-guru.de/wie-du-mit-diesen-10-beispielen-versteckte-botschaften-in-arbeitszeugnissen-erkennst/ dann kannst du's vllt selbst beurteilen :)

Der Gegensatz von "...ausgesprochen initiativ und kreativ..." zu "...durchwegs ... sehr gute Leistungen..." (statt "stets hervorragende Leistungen") fällt auf. Es klingt nach einer übereifrigen, planlosen Persönlichkeit. Grundsätzlich ist das Zeugnis aber positiv formuliert, man will Dir keine Schwierigkeiten machen.

Lorelai200 11.07.2014, 10:05

Was sollte da denn eher stehen?Danke für die Antwort!

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woflx 11.07.2014, 15:09
@Lorelai200

Du bist nicht zufällig die Aushilfe, um die es in dieser Frage geht: http://www.gutefrage.net/frage/neue-besen-kehren-gut- ?

Wenn Du Dich in dieser Beschreibung zumindest ein bißchen wiedererkennen kannst, solltest Du es beim nächsten Bewerbungsgespräch erwähnen und erklären, daß Du in Zukunft an Dir arbeiten willst, Deinen Übereifer in geordnetere Bahnen zu lenken.

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Hallo Lorelai,

und wenn hier noch so viele Hobby-Kryptologen meinen mit Schulnoten um sich werfen zu können, tatsächlich lässt sich auf der Basis von einem solchen Textauschnitt keine konkrete, seriöse Gesamtwertung herausarbeiten. Zudem ergibt sich die Aussage eines Zeugnisses nur bedingt aus der Summe der getätigten Einzelwertungen.

Für die sinnvolle Bewertung und Kommentierung eines Zeugnisses benötigt man den vollständigen Text, quasi von der Über- bis zur Unterschrift. Dann muss hier nicht weiterhin an einzelne Sätze herumorakelt werden. Grundsätzlich sollten der zu würdigende Zeitraum, die erlernte bzw.bekleidete Tätigkeit, die Branche und die Unternehmensgröße genannt werden.

Möglicherweise bedarf es in gerade diesem Fall aber auch weiterer Angaben, die einen erheblichen Einfluss auf die in deinem Zeugnis enthaltene Wertung haben können.

Der Text eines Zeugnisses beginnt nunmal mit dem Wort Zeugnis oder einem seiner Verwandten und er endet mit einer Unterschrift. Nur in diesem Kontext lässt er sich halbwegs seriös werten. Fast jede Formulierung in einem Zeugnis kann in einem geänderten Zusammenhang für eine gänzlich andere Aussage stehen. Jede der auf den ersten Blick positiven Aussagen kann durch den ausgelassenen Teil abgewertet werden.

Lorelai200 11.07.2014, 14:41

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Der Zeitraum, die Tätigkeit, Branche, Unternehmensgrösse, Titel etc. ist alles enthalten. Ich habe nur den Ausschnitt zu meiner Person hierhin kopiert, da der andere meines Erachtens nach gut ist (hat auch nicht viel mit mir zu tun, nur die Auflistung der Tätigkeiten).

Zur weiteren Info: Es handelt sich um einen Job in einer Bar (Nebenjob als Studentin). Ich werde mich zukünftig nicht mehr auf Gastronomiejobs bewerben, da ich das Studium bald fertig habe.

Daher eine Frage hierzu an alle: Inwiefern ist dieses Zeugnis überhaupt wichtig für meinen weiteren Werdegang, der mit der Gastronomie nichts zu tun haben wird? Danke und LG

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dereineWolf 11.07.2014, 15:19
@Lorelai200

Hallo Lorelai,

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Der Zeitraum, die Tätigkeit, Branche, Unternehmensgrösse, Titel etc. ist alles enthalten.

davon bin ich ausgegangen, dennoch ist es für das Verstehen eines Zeugnisses wichtig den vollständigen Text zu kennen. Wenn du ihn nicht vollständig einstellen möchtest musst du dich eben mit den bisherigen, wenig sinnvollen Antworten die du erhalten hast zufrieden geben.

Zur weiteren Info: Es handelt sich um einen Job in einer Bar (Nebenjob als Studentin).

In dem Fall bzw. bei diesem Job ist es auch völlig in Ordnung wenn die Reihenfolge Gäste, Vorgesetzte, Teamkollegen lautet. Lass dir da nichts anderes einreden.

Ich werde mich zukünftig nicht mehr auf Gastronomiejobs bewerben, da ich das Studium bald fertig habe.

Daher eine Frage hierzu an alle: Inwiefern ist dieses Zeugnis überhaupt wichtig für meinen weiteren Werdegang, der mit der Gastronomie nichts zu tun haben wird?

Wenn man bei den Bewerbungen um die 1. Anstellung nach dem Studium ein Zeugnis beilegen kann, das belegt dass man auch während des Studiums nahezu durchgängig gearbeitet hat, sagt das zunächst dass man fleißig und belastbar ist, auch wenn man branchenfremd tätig war. Zudem kann eine Zeugnis Eigenschaften wie Auffassungsgabe, Zuverlässigkeit, die Soft Skills aber auch die persönliche Führung als positiv bewerten. Auch das muss nichts mit dem eigentlichen Berufsziel zu tun haben.

20 Jahre und 4 Arbeitszeugnisse später wird solch ein Zeugnis natürlich vergleichsweise unbedeutend. ;)

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Hey also es ist rechtlich nicht zulässig wirklich was schlechtes in so ein Zeugnis zu schreiben. Deswegen gibt es oft verdeckte Informationen. Genau weiß ich das jetzt leider auch nicht, was was heißt. Kannst es aber mal googlen

Teppichdackel 10.07.2014, 21:58

Rephuhn hat sich bemüht, die Fragestellung zu erfassen und eine sachdienliche Lösung in gutem Deutsch anzubieten. Dabei setzte er seine vorhandenen Kenntnisse auf dem Gebiet des Arbeitsrechts und der Internetrecherche tatkräftig und umfassend ein. Wir danken Rephuhn für seinen Einsatz und wünschen ihm für weitere Antworten, auch in inhaltlicher Hinsicht, alles Gute.

:-)

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DarthMario72 11.07.2014, 10:16

Wow, das ist mal ne hilfreiche Antwort...

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Liest sich echt gut, aber wie ich die Schlingel kenn, verbirgt sich da was ganz fieses drin^^

Das ist im Prinzip eine gute (2) Beurteilung, die durch einige Formulierungen allerdings etwas abgeschwächt wird. Insgesamt eine 2-. Der künftige Arbeitgeber macht keinen Fehler, wenn er dich einstellt.

Lorelai200 11.07.2014, 10:21

Danke für die Antwort. Welche Formulierungen wirken abschwächend?

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Naja er geht auf nichts im Detail ein... Hast du was schlimmes gemacht?

Teppichdackel 10.07.2014, 21:46

Das ist ja nur ein Auszug.

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