Wie ist es zu erklären, dass Gott Jakob nicht bestraft hat, nachdem er seinen Vater, Isaak, betrogen hat?

... komplette Frage anzeigen

15 Antworten

Sehr interessante Frage. Mir persönliche ist nur eine Stelle bekannt, wo Jakob seinen Vater betrügt, aber diese Stelle ist nur scheinbar ein Betrug an seinem Vater: es ist die Stelle, wo Jakob sich auf Anraten seiner Mutter Rebekka, die ihn mehr liebt als seinen Bruder Esau, als sein Bruder Esau ausgibt, um den Segen seines Vaters zu erbitten, der eigentlich nicht ihm, Jakob, sondern seinem Bruder Esau gelten sollte, dem Lieblingssohn von Isaak.

Somit haben wir folgende Symmetrie: Auf der einen Seite Jakob-Rebekka, und auf der anderen Seite Esau-Isaak. Der sog. Betrug Jakobs an seinem Vater wird so ein Betrug Jakobs an seinem Bruder Esau. Es ist auch ein klassisches Bruderzwist Thema, aber eben nicht nur. 

Entscheidend ist, wie Jakob sich den Segen des Vaters erschleicht: er verkleidet sich als Tier, indem er sich das Fell eines geschlachteten Böckchens umlegt, um die starke Behaarung Esaus zu imitieren. Mit anderen Worten: ein Tier wird zwischen die problematische Beziehung zwischen Jakob und Isaak geschoben und schützt Jakob vor dem Zorn des Vaters.

Soweit bin ich Rene Girard gefolgt. Warum Esau dem Jakob benachteiligt wird, gibt die Bibel keine Antwort. "Jakob liebte ich, Esau aber hasste ich". Warum ist unklar. Zum besseren Verständnis kann vielleicht betragen, Jakob nicht isoliert von seinem Bruder und der jeweiligen Beziehung der Eltern zu ihren Söhnen zu sehen.

Eine Erklärung ist noch darin zu suchen, dass Esau sein Erstgeborenenrecht für ein Teller rote Linsen dem Jakob verscherbelt. Er hat sein Erbe gering geachtet.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ab dieser Geschichte wurde Jakob selber in seinem Leben auch ständig betrogen: erst einmal verheiratete sein Schwiegervater ihn mit Lea statt mit Rahel, dann betrog er ihn um seinen Lohn, dann erzählten seine Söhne, dass Josef gestorben sei. Das war sozusagen die STrafe wo Gleiches mit Gleichem vergolten wird...

Ausserdem trachtete Esau ihm aus Rache für diese Geschichte nach dem Leben, aber er konnte ihn durch ein sehr substantielles Geschenk beruhigen...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ChristelMett
27.03.2016, 21:48

Nein, Esau fragte ihn sogar, warum er ihm all' diese Geschenke macht. Ein Handel hat da meines Verständnis nach, nicht stattgefunden.

1
Kommentar von Zicke52
29.04.2016, 20:12

Accountowner, das ist falsch! Es stimmt, dass Jakob Angst hatte und Esau mit Geschenken besänftigen wollte, aber das war nicht notwendig. Esau hatte ihm schon verziehen und fiel ihm unter Freudentränen um den Hals. Erst nachher fragte er Jakob, was denn mit den vielen Tieren gewesen sei, die ihm entgegengenommen waren, und erfuhr, dass es die für ihn bestimmten Geschenke waren. Und er wollte sie noch nicht mal annehmen.

Ein feiner Kerl, dieser Esau. Ist mir von den beiden Brüdern der weitaus sympathischere.

0

Na ja, Jakob hatte ja rechtmässig Anspruch auf die Privilegien des Erstgeborenen, da Esau sie ihm (gegen ein Linsengericht) verkauft hatte (was ihm als Geringschätzung vorgeworfen wird). 

Also hat je Esau versucht, Jakob über's Ohr zu hauen, als er seinem Vater nicht darüber informierte. Und der war allgemein seinen Schwächen gegenüber blind.

Rebekka war da hellsichtiger, wie auch Sara gegenüber Ismael, also war sie wahrscheinlich im Recht, als sie Jakob empfahl, als Esau aufzutreten, und auch Isaak bestätigt ja im Nachhinein, als er von dem Betrug erfährt, dass der Segen Jakob gebührt.

Allerdings kann man doch sagen, dass Jakob für seinen Betrug nach dem Prinzip "Gleiches gegen Gleiches" bestraft wurde: da auch er seinerseits insbesondere von Laban sehr oft betrogen wurde (Rachel mit Lea vertauscht, Lohn in Schafen und Ziegen nicht richtig ausbezahlt, Abreise verhindert). 

Zudem musste Jakob aufgrund dieser Geschichte seine Heimat verlassen, da sein Bruder ihm nach dem Leben trachtete, laut Überlieferung wurde er unterwegs von seinem Neffen ausgeraubt und musste völlig besitzlos weiter reisen, und bevor er zurückkom musste er seinen Bruder durch sehr substantielle Geschenke besänftigen... Also insgesamt hat Esau an dem Ganzen doch sehr gut verdient...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Gott hat keine Moral, wenn er an jemandem einen Narren gefressen hat, dann darf der sich fast alles erlauben.

Jakob und seine Mutter haben Isaak und Esau ganz übel betrogen, daran gibt's nichts zu rütteln. Das Argument, Esau hätte sein Erbe verachtet,  ist lächerlich. Hier wird das Opfer zum Täter gemacht. Jakob hat seinen Bruder auf schäbige Weise erpresst, indem er ihm die Suppe, als er am.Verhungern.war, nur gegen sein Erstgeburtsrecht gewährte. Sympathischer Kerl.

Beeindruckend ist aber, dass hier die meisten Nutzer auf Seiten des Betrügers stehen. Da sieht man wieder, wie gefährlich Glaube ist - er bringt den Menschen dazu, sein eigenes Gewissen auszuschalten und alle moralischen Grundsätze über Bord zu werfen: alles, was Gott gefällt, ist gut, und mag es auch noch so schlecht sein.

Übrigens, ich habe meinen Bruder schon öfters zu mehr als einer Suppe eingeladen, ohne sein Erbteil als Gegenleistung zu verlangen. Und er mich auch.  Aber was will man von einem gottlosen Wesen wie mir auch schon erwarten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo ChristelMett,

jetzt einmal ganz klar:

Der Bericht beginnt in 1Mo 25 und hat in der Elberfelder die Überschrift:

Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht

29 Einst kochte Jakob ein Gericht. Da kam Esau vom Feld, und er war erschöpft. 30 Und Esau sagte zu Jakob: Lass mich doch schnell essen von dem Roten14, dem Roten15 da, denn ich bin erschöpft! Darum gab man ihm den Namen Edom. 31 Da sagte Jakob: Verkaufe mir heute16 dein Erstgeburtsrecht! 32 Esau sagte: Siehe, ich gehe ja doch dem Sterben entgegen17. Was soll mir da das Erstgeburtsrecht? 33 Jakob aber sagte: Schwöre mir heute18! Da schwor er ihm und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob. 34 Und Jakob gab Esau Brot und ein Gericht Linsen; und er aß und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.

Da gab es keine Unehrlichkeit und keinen Betrug, nur die Verachtung und Geringschätzung des Erstgeburtsrechts von Seiten des Esau. Darüber schreibt Hebr 12, 16:

16 dass nicht jemand ein Hurer oder ein Gottloser sei wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte! 17 Denn ihr wisst, dass er auch nachher, als er den Segen erben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obgleich er sie10 mit Tränen eifrig suchte. 18

Der Erstgeborene empfing im allgemeinen den besonderen Segen des Vaters (1Mo 27:4, 36; 48:9, 17, 18). Darüber hinaus hatte er ein Anrecht auf zwei Anteile vom Vermögen des Vaters, das heißt, er empfing doppelt soviel wie jeder seiner Brüder

Im Fall der beiden Zwillinge hatte Esau mit dem Erstgeburtsrecht auch sein Anrecht auf diesen besonderen Segen auf Jakob übertragen.

Im Kapitel 27 wird nun in der Elberfelder als Überschrift über den Bericht gesetzt:

Jakobs Betrug - Isaaks Segen

Isaak meint, er müsse bald sterben und verabredet mit Esau, ihn zu segnen. Ob der Vater von dem Verkauf des Erstgeburtsrechts an Jakob weiß, wird nicht gesagt. Jedenfalls stimmt Esau gleich zu, kommt aber erst nach Jakob zurück und bekommt nur den zweiten Segen. Er war aber willens, seine Vereinbarung mit Jakob zu brechen und sich den Segen des Erstgeborenen zu holen, der jedoch inzwischen mit dem Erstgeburtsrecht Jakob zustand.

Als sich Jakob seinem blinden Vater, Isaak vorstellte: "Ich bin Esau, dein Erstgeborener; ich habe getan, wie du zu mir geredet hast. Richte dich doch auf, setze dich, und iss von meinem Wildbret, damit deine Seele mich segnet!" - da vertrat er als rechtmäßiger Eigentümer des Erstgeburtsrechts seinen Bruder Esau und bat seinen Vater um den dazugehörenden ersten, den "doppelten Segen."

Isaak wurde von Jakob nicht betrogen, er erlitt keinen Schaden, vielmehr wurde er davor bewahrt, seinen den Segen, der mit dem Erstgeburtsrecht verbunden war einem Unwürdigen zu erteilen.

Grüße, kdd


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Abundumzu
29.03.2016, 19:00

Eine treffende und logisch begründete Antwort.

Danke Dir kdd1945

--------------------------------------------------------------------------------------

--------------------------------------------------------------------------------------

5

Jakob war Träger der Verheißung des Bundes, den Gott mit Abraham geschlossen hatte. Gott hatte ihn erwählt und stand zu seinen Zusagen.

Trotzdem hatte Jakob auch die Folgen seines Fehlverhaltens zu tragen. Nach seinen Betrug an seinem Vater Isaak und seinem Bruder Esau musste Jakob fliehen. Während seiner Zeit bei Laban wurde er von seinem Schwiegervater betrogen und musste zweimal 7 Jahre für Laban arbeiten. Als er später wieder zurückkehrte, befürchtete er, dass Esau ihn umbringen würde.

Neben Gottes freier Wahl war der Glaube von Jakob entscheidend (Hebräer 11,21).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wie hart und auf welche Weise hätte er ihn bestrafen sollen? Schau dir doch einmal an, welche "natürlichen" Folgen Jakobs (Un-)Taten hatten.

Oder ist dies ein Spezialfall der Frage, wieso Gott viele Taten entweder überhaupt nicht bestraft bzw. belohnt oder auf eine Weise, die wir nicht als solche mitkriegen?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ChristelMett
25.03.2016, 16:48

Ich weiß noch nicht, wie es mit Jakob weitergeht. Es kann also durchaus sein, dass seine Lügen im "Großen und Ganzen" Sinn ergeben.

Bisher finde ichs aber ziemlich schäbig von ihm.

0

Jakob war der Träger des Monotheistishen Glaubens und Esau hat sein Erstgeburtsrecht für einen Teller Linsen verkauft an Jakob. Nachdem Jakob den Segen  von  Isaak bekommen hat ,und Esau sich deswegen so beschwert hat, musste Jakob fliehen, Gott Straft niht, Das macht der Mensch schon allein ,und oft viel zu hart,

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hat er doch.

Er wurde genauso betrogen von Laban, seinem Schwiegervater. Sogar zweimal. Einmal in bezug auf seine Frau, beim zweiten Mal in bezug auf seinen Lohn.

Manchmal  dauert es sehr lange, bis eine Tat Folgen hat, aber Gott straft sie ganz gewiß.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ChristelMett
25.03.2016, 19:21

Nein, wurde er nicht. "Laban" gibt es nicht.

0

Gott macht was er will und erbarmt sich wessen er will.
Er schaut in die Herzen der Menschen - das ist die Lehre !
Meinst du er sollte dich vorher fragen - oder hier im Forum ?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ChristelMett
25.03.2016, 16:50

Nein, natürlich nicht. Aber man wird ja wohl fragen dürfen.

0

Warum sollte Er ?

Das war doch genau nach dem Plan unseres ewigen Schöpfers, der den  Jakob als "Erstgeborenen" (Stammvater Israels - 1.Mose 35,10; Jes.44,5) wollte (1.Mose 25,26).

Die Gedanken Gottes sind doch anders als unsere (Jes.55,8).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Fiktion ist nicht den Gesetzen der Logik unterworfen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil Jakob der passende Erbe war (1.Mose 25,23.26).

Dass Esau der falsche war, erkannte man auch daran, dass er sein Erstgeburtsrecht "gering" achtete (1.Mose 25,34).

Jakob wurde später zu "Israel"umgenannt (1.Mose 32,28).

Die Gedanken Gottes sind eben anders als die der Menschen (Jes.55,8).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo ChristelMett,

Du fragst:

Wie ist es zu erklären, dass Gott Jakob nicht bestraft hat, nachdem er seinen Vater, Isaak, betrogen hat?

Betrug verlangt jemanden, der durch Unrecht geschädigt wurde.

Es wurde mir einmal die Frage gestellt:

"Wie kann ich Kindern von 4-6 Jahren anhand des Berichts über Jakob und Esau vermitteln, wie wertvoll und nützlich Ehrlichkeit ist.

Das kannst Du sehr leicht darstellen, ohne auf die listigenTaktiken verschiedener Ratgeber eingehen zu müssen. Du erzählst die Geschichte ohne Abstriche und peinlichem Herumdrucksen, etwa so:

Gott hatte Abraham und Isaak, den Opa und den Papa von Jakob und Esau sehr lieb. Darum versprach er ihnen, dass sie die Ur-ur-ur-ureltern von Jesus sein würden.

Diesen Segen konnte Isaak nur an einen seiner beiden Söhne weitergeben, und er hatte sich praktisch schon für Esau entschieden. Esau wusste das, aber es war ihm "Wurscht", es bedeutete ihm nichts, gar nichts. Jakob wäre aber sehr gerne ein Vorfahre von Jesus geworden,

Nun, eines Tages kam Esau müde und hungrig von der Jagd nach Haus. Jakob kochte gerade ein kräftiges, leckeres Linsengericht. Als das der hungrige Esau sah,rief er sofort: "Her damit, Jakob! Und zwar schnell Sonst sterb´ ich vor Hunger." Jakob brachte ihm sofort eine große Schüssel voll, sagte dann aber: "Hier, mein Bruder, aber Du musst mir dafür den Segen überlassen."

Esau war so gierig nach dem Eintopf, dass er rief: "Was soll mir der Segen, was interessiert ´s mich, wer der Ur-ur-ur-urgroßvater von Jesus wird? Gib Du mir jetzt das Essen, dafür sollst Du den Segen haben, ...wenn es mal soweit ist.

Esau war aber unehrlich, und dachte nicht daran sich wirklich an die Vereinbarung zu halten, als Isaak kurz bevor er starb, den Segen geben wollte. Er tat alles, um dem Jakob den Segen wieder wegzunehmen.

Als ihm das nicht gelang, wurde er rot vor Wut und plante, seinen Bruder Jakob zu ermorden. Die kluge Mutter der beiden Brüder, Rebekka, schickte Jakob zu Verwandten, wo er viele Jahre blieb, arbeitete, heiratete und sehr reich wurde. Esau jedoch blieb all die Jahre krank vor Wut und Hass auf Jakob, weil er nicht ehrlich zu sich selbst war, und nicht zugeben wollte, dass er im Unrecht war.

Für Dich noch Maleachi 1:2,3 und Hebräer 12:16.

Grüße, kdd

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ChristelMett
27.03.2016, 22:14

Hallo kdd1945,

vielen Dank für deine Antwort!

Ich kenne die Überlieferung ein wenig anders. Ich gehe mit dir konform, dass Isaak hungrig und alt war und er forderte sein Söhne auf, ihm ein Lamm zu schlachten, damit er genug Kraft hat, um Esau zu segnen. Denn er war sein Erstgeborener.

Esau ging also auf die Jagd, um seinem Vater ein Mahl zu zubereiten zu können ( so, wie sein Vater es mochte).

Rebecca, die Frau Isaaks, sagte zu Jakob ( der ja mittlerweile blind war), dass er sich seinen Segen geben lassen soll - meines Verständnis nach- also eine Intrige. Er nahm dafür Vieh aus eigenen Reihen und war demnach, selbstverständlich schneller als Esau bereit, seinem Vater ein Mahl zu bereiten.

1
Kommentar von Zicke52
29.04.2016, 01:15

Na, da hast du den Kindern ja ganz dicke Lügen auf's Brot geschmiert. Esau hat nie gesagt, dass es ihm.egal ist, der Ur-Ur ..Großvater von Jesus zu sein, der wusste von dem gar nichts. Er hat gesagt "was habe ich von meinem Erstgeburtsrecht, wenn ich vor Hunger sterbe?" Und Jakob, der miese Typ, hat das ausgenutzt.

Arme Kinder.

Da lobe ich mir profane Kinderbücher, die sind pädagogisch sehr viel wertvoller und haben einen moralischen Kern.

0

Was möchtest Du wissen?