Wie ist es zu erklären, das die AFD laut der Auswertungen von Infratest rund 400.000 Wähler der Linke oder auch 40.000 Wähler der Grünen gewinnen konnte?

18 Antworten

Alle politischen Grundeinstellungen, sei es liberal, christlich, sozialdemokratisch, konservativ, national, umweltbewusst, sind für sich  richtig und wichtig, nur nicht zu jeder Zeit.

Die Grünen gibt es erst, nachdem die schlimmsten Umweltsünden des ungebremsten Wachstums der 50er und 60er bereits in den Griff bekommen wurden. Heute müssen sie Bedrohungen erfinden, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

Wir sind bereits sozialdemokratisch oder links. Der Arbeitnehmer braucht nicht noch mehr Rechte (naja, was im Niedriglohnsektor mit den H4-Empfängern passiert, ist eine Sauerei ;-).

Christlich sind wir auch. Es gibt bereits ausreichend Wohlfahrtseinrichtungen.

Nun rücken andere Einstellungen in den Vordergrund, zum Teil völlig zu Recht.

das liegt daran:

Die Linken standen früher an vorderster Front im Kampf gegen die
Religion. Sie haben den modernen Atheismus erfunden und setzten sich
auch politisch mit allem Nachdruck für die Beseitigung der Religion ein.
Karl Marx schreibt am Anfang seines berühmten Buches Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: „Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“. Marx bestimmt Gott in Anlehnung an Feuerbach als ein Produkt des Menschen, genauer: ein Produkt der Projektion menschlicher Fähigkeiten und Wünsche. Die Religion ist für ihn Ideologie, falsches Bewusstsein. Sie
lenkt als „Opium des Volks“ die Menschen von ihren eigentlichen
Problemen ab. Mit ihrer Hilfe wird das Volk von der herrschenden Klasse
unterdrückt. Ein Ziel des Kommunismus ist daher die Abschaffung der
Religion.

Die Kritik, die von linker Seite seit der Aufklärung gegenüber dem Christentum vorgetragen wurde, wird gegenüber dem Islam gar nicht geäußert. Gemeint ist nicht nur die Religionskritik der französischen Aufklärer (La Mettrie, Holbach,
Diderot) sowie die Religionskritik von Feuerbach und Marx, sondern auch
die in der Psychoanalyse geäußerte Ablehnung des Monotheismus. Für Freud
und viele andere Psychoanalytiker, wie z.B. Fromm, ist Gott eine
Vaterfigur, von der sich der einzelne Mensch lösen muss. Religion ist
eine „universelle Zwangsneurose“, die auf der Verdrängung ungelöster
Triebkonflikte basiert. In der auf Emanzipation des Menschen
ausgerichteten 68er Bewegung spielte die Mischung aus marxistischer und
psychoanalytischer Religionskritik eine wichtige Rolle.

Die Einzigen aus dem linken Spektrum, die eine homogene Kritik am Islam
äußern, sind Feministinnen wie Alice Schwarzer. Doch sie kritisieren den
Islam nicht aus links-atheistischer, sondern aus frauenrechtlicher
Perspektive. Sie machen aufmerksam auf Phänomene wie die
Ungleichbehandlung von Frauen in islamischen Ländern, den Zwang zum
Kopftuch-Tragen, die Zwangsheirat, den Ehrenmord und die
Genitalverstümmelung.

Für Oskar Lafontaine gibt es sogar „Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion“. Sie bestehen in der Hervorhebung der Gemeinschaft, in der Verpflichtung zu teilen und im Zinsverbot. Die unüberwindbaren Unterschiede wie die Verneinung der Existenz Gottes und die Ablehnung jeglicher Religion sowie jeglicher religiöser Autorität, aber auch die Befürwortung der Abtreibung, der sexuellen Freizügigkeit und der gleichgeschlechtlichen Ehe durch die Linken werden von ihm verschwiegen.

Die Linken sind an einem echten Dialog mit dem Islam gar nicht
interessiert. Um einen solchen Dialog zu führen, müssten sie sich mit
religiösen Inhalten auseinander setzen, wozu sie verständlicherweise
nicht bereit sind. Da eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht möglich
ist, spannen sie den Islam für ihre politischen Ziele ein. Die von ihnen
angestrebte Allianz mit dem Islam soll sich in einer gemeinsamen Front
gegen die Politik der USA und Israels sowie in dem gemeinsamen Kampf
gegen das Kapital und das freie Unternehmertum manifestieren. Sie
denken nach dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ Doch
die Aussichten für die Etablierung einer solchen Allianz sind klein,
denn nichts ist für die Muslime so fremd wie die gottlosen Linken.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wie-atheistisch-ist-die-linke-noch

„Der Islam ist rechter als die ganze AfD“

https://www.welt.de/politik/deutschland/article169309909/Der-Islam-ist-rechter-als-die-ganze-AfD.html

40000 von den Grünen würde ich als normale Wählerwanderung abtun. Es gibt halt immer einen Anteil von Wählern und Wählerinnen, die keine Idee haben, was sie wählen sollen.

Aber 400000 von der Linken, tatsächlich so viele ? Das ist ernst und muss diskutiert werden.

Nun haben ja beide Parteien unterm Strich dazugewonnen, besonders die Linke. Die Zugewinne stammen aus dem Westen, im Osten hat sie Stimmen verloren. Die Linke ist jetzt also im Westen angekommen. Endlich, würde ich sagen.

Im Prinzip halte ich diese Entwicklung für gesund. Aber es bedeutet natürlich, dass die Linke solche Wählerinnen und Wähler verliert, die sie vor allem als Interessenvertreterin der Ostdeutschen gesehen haben. Etliche meinen wohl nun, diese Rolle in der AfD zu sehen.

Na ja, das ist relativ einfach zu erklären. Im Osten sind Die Linke eine "Establishment" Partei, während die im Westen um einiges Linker auftreten, weil die da auch viel weniger Verantwortung haben. Wer im Osten nun gegen die Flüchtlingspolitik ist, der wird definitiv nicht mehr Die Linke wählen.

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