wie ist es vor gericht zu sein?

8 Antworten

Der Angeklagte (im Strafprozess) oder der Beklagte (im Zivilprozess) sitzt neben seinem Anwalt - und sagt am besten gar nichts. 

Ein Strafbefehl wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft von einem Strafrichter des Amtsgerichts ohne mündliche Verhandlung erlassen. Das ist bei "Bagatellkriminalität" der Fall (was da genau mit gemeint ist, weiß ich nicht). 

Jedenfalls kann mit einem Strafbefehl eine Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zum einem Jahr) oder auch "Nebenstrafen", z. B. Führerscheinentzug, verhängt werden. 

Legt der Angeklagte - oder sein Anwalt - keinen Einspruch ein, kommt es gar nicht zu einer Verhandlung. 

Ich war zweimal bei Gericht, einmal als Zeuge eines Verkehrsunfalls mit tödlichem Ausgang, wobei die Verhandlung erst rund zwei Jahre nach dem Unfall stattfand. Da war ich schon umgezogen und hatte die Arbeitsstelle gewechselt - und den Unfall vergessen, verdrängt, ausgeblendet. 

Da man aber einer Ladung folgen muss, bin ich dann die rund 300 km gefahren und war innerhalb von gut 30 Minuten fertig. Es war aber damals ein mulmiges Gefühl, denn als Zeuge muss man ja die Wahrheit sagen, aber die Psychologie weiß, dass man nach einem so langen Zeitraum oft das sagt, was man für die Wahrheit hält, was wiederum nichts mit lügen zu tun hat. 

Das zweite Mal war ich als Beklagter vor Gericht, weil es um eine Hundebeißerei ging. Mein Hund, von einer Hundesitterin ausgeführt und dann von einem anderen Hund gebissen, verletzte dabei angeblich die Hundehalterin des gegnerischen Hundes. Sie hat dann meinen Hund "beschuldigt". 

Meine Hundesitterin wurde aber gar nicht geladen, weder als Zeugin noch als Beschuldigte (wegen einer eventuellen Verletzung der Aufsichtspflicht), obwohl Aussage gegen Aussage stand. Nur die Anwälte beider Hundebesitzer haben ihre Argumente ausgetauscht und auch hier war nach ein paar Minuten das ganze Verfahren erledigt. 

Der Richter entschied nämlich (und das ist Richterrecht, kann also unterschiedlich ausfallen), dass Erwachsene sich nicht in eine Hundebeißerei einmischen und die Hunde trennen sollen (was die Dame wohl gemacht hatte) und so ging das Verfahren für mich gut aus. 

Na ja, und wer wo sitzt, hängt auch von den Baulichkeiten ab. Bei dem Strafprozess war es wohl so wie es meistens in Filmen gezeigt wurde, bei dem Zivilprozess saßen wir parallel zum Richtertisch. 

Aber das ist ja auch egal; es geht nicht umdie Sitzordnung, sondern um ein Urteil. 

Auf der einen Seite sitz der Staatsanwalt auf der anderen Seite gegebenüber der Angeklagte mit seinem Verteidiger - am Kopende des Saals (oder Raums) sitz das Gericht / der Richter

Der Zeuge ist in der Mitte - dem Richter gegenüber - zwischen Staatsanwalt und Angeklagtem mit Verteidiger

hinter dem Zeugen sitzt das Publikum

Also das wichtigste ist dass man als Angeklagter einen guten Eindruck macht. Dann werden u.U. bestimmte Anklagepunkte fallengelassen bzw. eingestellt und für den Rest gibt es dann (bei Ersttätern) die Mindeststrafe.

Ganz dumm ist es allerdings wenn du so blöd warst eine Tankstelle oder einen Rentner mit einer Waffe auszurauben - dem Gesetzgeber ist es nämlich egal wie viel Beute du z.B. bei einem schweren Raub machst.

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