Wie ist ein RBMK aufgebaut?

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3 Antworten

Der RBMK ist physikalisch auch ein Siedewasserreaktor, hier gibt es keine Unterschiede. Die hier in einer genannten Antwort, dass die Moderation die Differenz bildet, ist falsch.

Im Gegensatz zu einem Siedewasserreaktor, wie er bei uns eingesetzt wird, gibt es keinen großen Druckbehälter, sondern 1661 einzelne Kanäle, in denen sich je ein Brennelement befindet, sowie 211 Steuerstäbe in separaten Kanälen. Die Moderation erfolgt nicht mit Wasser, sondern mit Graphit wodurch die Reaktivität generell positiv bei Wasserverlust ist, das heißt die Leistung zunimmt. Außerdem ist die Dampffeuchte höher, da die Leistungsdichte des Reaktors relativ gering ist, weshalb zusätzlich Dampfabscheider eingesetzt werden, um den Sattdampf vom Restwasser zu trennen. Die geringe Leistungsdichte führt auch dazu, dass es sich nicht um einen kompakten Reaktor handelt. Während die aktive Zone eines Siedewasserreaktors wie Gundremmingen B und C einen Durchmesser von nur 4,82 Meter bei einer Höhe von 3,71 Meter hat, ist sie beim RBMK mit 11,8 Meter Durchmesser und 7 Meter Höhe weitaus größer - was allerdings wieder zu negativeren Effekten führt. Ein Reaktor mit hoher Leistungsdichte kann leichter gesteuert werden als einer mit niedriger Leistungsdichte - insbesondere wenn er so groß ist wie der RBMK.

Das sind alleine im Reaktorbereich die Hauptunterschiede, die physikalisch und baulich gegeben sind. Vom Aufbau der Anlage selbst, das heißt von den Gebäuden her, differenzieren die Unterschiede zu westlichen Reaktoren, die im gleichen Zeitraum Ende der 1960er projektiert wurden, eigentlich kaum - bis auf die Blockgröße von 1000 MW, die für Kernkraftwerke durchaus zu diesem Zeitpunkt schon ambitioniert war.

In einem SWR ist Wasser sowohl Moderator als Kühlmittel. Das bedeutet, dass sobald das Wasser weg ist wird keine Leistung mehr produziert, es gibt nur noch die Nachzerfallsleistung.

Der RBMK Reaktor verwendet auch Wasser als Kühlmittel, also Kernspaltung verdampft Wasser für die Turbine. Aber moderiert wird mit Graphit, also kann auch ohne Wasser Leistung produziert werden. Im Falle einer Kernschmelze ist das ein Problem, weil dadurch Temperaturen > 2500°C erreicht werden können und nicht nur Spaltprodukte sondern auch Kernbrennstoff in signifikanten Mengen freigesetzt werden kann.

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