Wie ist die tatsächliche Rechtslage bei 'illegalem' Musik-Download?

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2 Antworten

Hallo wrestlingqueen,

das sind fast mehr fragen, als ich in 5000 Zeichen beantworten kann. Falls du noch grundlegende Info zum Urheberrecht brauchst, habe ich dazu hier mal einen Artikel geschrieben: http://www.utopianreflections.net/category/urheberrecht/

Ich fange mal mit den Grundlagen an: Nach deutschem Urheberrecht hat der Schöpfer eines Werks erst einmal das ausschließliche Recht sein "Werk" öffentlich zugänglich zu machen. (Urheberrechtsgesetz §12) Anschließend kann er dieses Recht gegebenenfalls an andere übertragen/verkaufen.

Ohne die direkte oder indirekte Erlaubnis des Schöpfers darf ein "Werk" aber auf keinen Fall veröffentlicht werden. Auch nicht im Internet (§19a UrhG) Es ist deswegen gestattet Musik, die man selbst gemacht hat, im Internet zum Download zur Verfügung zu stellen. Nicht aber Musik an denen fremde die Rechte haben.

Jetzt zu deinen Detail-Fragen:

Befindet sich der alleinige Musik-Download einer Datei in Deutschland in der sogenannten Grauzone oder ist er wirklich 100% illegal?

Es ist in der "Grauzone." Denn der Download von Werken zum persönlichen und privaten Gebrauch ist gemäß §53 UrhG als "Privatkopie" gestattet. Jedoch nur, wenn nicht "klar zu erkennen war", dass die Download-Quelle illegal ist. Ob und wie ein User "hätte erkennen müssen", dass eine Download-Quelle rechtswidrig ist, bleibt im Ermessen des jeweiligen Richters, der einen Fall beurteilt.

Gibt es eine Verjährung bei alleinigem Musik-Download?

Es gibt eine rechtliche und eine faktische Verjährungsfrist. Nach UrhG 102 und §§194ff. BGB verjährt ein Urheberrechtsverstoß 3 Jahre nach Kenntnisnahme des Geschädigten. Die faktische Frist ist kürzer: Nach dem gegenwärtigen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung müssen IP-Adressen nur 10 Wochen beim Provider gespeichert werden. Wenn der Urheberrechtsverstoß bis dahin unbemerkt geblieben ist, sind die Musik-Downloads faktisch nicht mehr nachweisbar.

Warum ist es so viel schwerer, jemanden beim alleinigen Musik-Download zu erwischen als beim Filesharing?

Beim Filesharing werden herunter geladene Songs sofort wieder hoch geladen und vom eigenen Rechner aus an andere User zum Download angeboten. Während die Filesharer bei der Filesharing-Plattform online sind, bieten sie also ununterbrochen Musik zum Download an.

Einfache Downloader können hingegen nur während der kurzen Download-Periode erfasst werden. (Oder hinterher über die Logfiles des Providers, die aber nur mit Richterlichem Beschluss von Strafverfolgungsbehörden eingesehen werden dürfen)

Haften Eltern für ihre (minderjährigen) Kinder?

Es wird dich überraschen aber: Nicht zwangsweise, wenn die Eltern ihre "Aufsichtspflicht" nicht vernachlässigt haben. "Beschränkt geschäftsfähig" ist man nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nämlich bereits ab 7 Jahren. Und ab da haftet man auch zivilrechtliche für Schäden. Sollte sich ein 8 Jähriger etwa Schadenersatz leisten müssen, so würden diese Ansprüche 30 Jahre lang bestehen bleiben, bis das Kind irgendwann als Erwachsener einmal Geld verdient.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, abgemahnt zu werden?

So genau weiß das niemand. Im Jahre 2014 wurden rund 75.000 Abmahnungen wegen Urheberrecht versendet. Wie viele Verstöße es gab, ist natürlich nicht aktenkundig. Man geht aber davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Urheberrechtsverstöße in Deutschland nicht geahndet wird.

Wie groß die Gefahr im Einzelnen ist, hängt davon ab, ob sich die konkrete Urheberrechtsverletzung mit automatisierter Software gut verfolgen lässt oder nicht. Bei Bildnutzungen und Musikuploads bei Youtube geht das einfach. Bei unerlaubten Cover-Versionen zB. eher schwer.

Falls man erwischt wird, wie hoch ist die (Geld-)strafe pro Lied?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil Gerichte hier viel Spielraum für Bewertungen haben. Der Schadenersatz soll den Künstler/Rechteinhaber dafür entschädigen, dass ihm durch den Download ein finanzieller Schaden entstanden ist. Was aber eine "angemessene Vergütung" ist, daran scheiden sich die Geister. Das Amtsgericht Köln hat in einem Filesharing Fall letztes Jahr einmal nur 10 Euro pro Song zugesprochen.

Hinzu kommen jedoch die Anwaltskosten für die Abmahnung, die der Abgemahnte tragen muss. Diese sind für nicht kommerzielle Ersttäter allerdings auf ca. 150 Euro gedeckelt.

Wir haben letztens im Unterricht ein Heftchen ausgeteilt bekommen (von der Bundesregierung) in dem steht, es seie erlaubt Videos von Youtube zu konvertieren;stimmt das wirklich?

Ja das ist korrekt. Der Download von Youtube-Videos und/oder Tonspuren ist eine Privatkopie gemäß §53 UrhG. Es gilt jedoch das gleiche, wie bei normalen Downloads: Wenn der User eindeutig erkennen kann, dass der Song bei Youtube illegal hochgeladen wurde, darf er ihn nicht herunterladen.

Ich hoffe das hilft dir weiter. Falls du weitere Fragen hast, kannst du hier drunter posten.

Ansonsten verzeihst du mir, wenn ich jetzt eine Pause mache. Dieser Post hat doch eine Weile gedauert ;)

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Kommentar von wrestlingqueen
19.12.2015, 15:50

Erstmal danke für diese sehr detaillierte und trotzdem sehr verständliche Antwort, damit hatte ich gar nicht gerechnet und es freut mich sehr,dass ich meinen Klassenkameraden jetzt echt gute Anworten geben kann ((:
Mir fällt so ganz spontan jetzt keine Frage mehr ein und deshalb kann ich ihnen nur nochmals danken dafür,dass sie sich die Zeit für meine Frage genommen haben und ihnen noch einen schönes (restliches) Wochenende zu wünschen ((:

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Kommentar von wrestlingqueen
17.01.2016, 13:38

Hallo erstmal... ich weiß das meine Frage schon vor fast einem Monat gestellt wurde, doch muss ich erst morgen das Referat halten und beim Überfliegen meines Referat-Textes wurde ich doch einmal noch ein bisschen unsicher, ob ich sie richtig verstanden habe. Nämlich bei der faktischen Verjährungsfrist, die ich meinen Mitschülern anhand folgendem Beispieles erklären wollte.

Person XY lädt sich am 01.07.2015 ein Lied von Rihanna aus einer illegalen Quelle herunter. Person XY bekommt aufeinmal Angst,erwischt zu werden. Da jedoch die IP-Adresse von XY nur 10 Wochen lang beim Provider der Quelle gespeichert wird, muss XY ab dem 09.11.2015 nicht mehr mit einer strafrechtlichen Konsequenz rechnen, weil der Download und damit auch der Besuch der Seite nicht mehr nachweisbar ist. Es gibt nach dem Löschen der IP-Adresse vom Provider also keine Möglichkeit mehr, erwischt zu werden.

Ist dieses Beispiel richtig? :))

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Der reine Download einer solchen Datei ist im Prinzip die Erstellung einer Privatkopie und rechtlich auch als solche anzusehen. 

Zunächst mal kommt es auf die Quelle des Downloads an. Konvertiertst du z.B. ein Youtube-Video, handelt es sich bei der Quelle um Youtube und damit ist diese Quelle in keinem Fall "offensichtlich rechtswidrig". 

Mehr Infos findest du hier: 

http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/privatkopie-im-urheberrecht.html

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Kommentar von wrestlingqueen
19.12.2015, 15:01

Im Umkehrschluss heißt das also,wenn die Quelle des Downloads illegal ist, ist auch der Download illegal , oder hab ich das jetzt falsch verstanden? (:

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