Wie ist die Sonderstellung des Menschen im Prometheus-Myzhos dargestellt?

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2 Antworten

Gemeint ist offenbar der Mythos, den Platon in seinem Dialog »Protagoras« darbietet. Eine Figur des Dialogs, der zu den Sophisten gezählte Philosoph Protagoras, erzählt im Zusammenhang mit der Frage nach der Lehrbarkeit der Tugend/Vortrefflichkeit (ἀρετή) einen Mythos (320 c – 323 a). Den Inhalt könnte er auch in einem Logos darlegen, doch wird eine unterhaltsame Art der Mitteilung gewählt, Protagoras vertritt Aussagen zur Anthropologie und Kulturentstehung (Platon hat den Mythos wahrscheinlich aus einer Schrift des Protagoras über den Urzustand, Περὶ τῆς ἐν ἀρχῇ καταστάσεως).

Dies ist nicht der einzige Prometheus-Mythos, sondern es gibt mehrere und diese in verschiedenen Versionen (Fassungen).

ein zusammenfassender Überblick dazu:

DNP-Gruppe Kiel, Prometheus. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 10: Pol - Sal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 402 – 406

Bei Hesiod kommt beim Prometheus-Mythos eine Erzählung von Pandora vor, bei der Übel durch eine Frau zu den Menschen kommen (verglichen werden könnte dies in der Bibel mit der Frau, die sich von der Schlange zum Übertreten eines Verbots verführen läßt).

1) Sonderstellung

Eine Sonderstellung des Menschen gegenüber anderen (sterblichen) Lebewesen wird in mehreren Hinsichten dargelegt.

  • Vernunftbegabung: Der Menschen hat eine Anlage der Vernunft/des Geistes (λόγος). Dies ergibt sich aus einem Gegensatz, wenn die anderen sterblichen Lebewesen als die nicht vernünftigen/nicht vernunftbegabten bezeichnet werden (τὰ ἄλογα Platon, Protagoras 321 a).

  • Bedürftigkeit und Unterlegenheit gegenüber wilden Tieren in den natürlichen Fähigkeiten: Der Mensch ist mit natürlichen Mitteln mangelhaft ausgestattet. Bei der Zuteilung von Fähigkeiten, die bei der Lebenserhaltung helfen, hat er nicht bekommen. Der Mensch ist ursprünglich nackt, unbeschuht (ohne schuhe), unbedeckt (ohne Decke/Bett), unbewaffnet. In der Neuzeit ist dafür der Begriff »Mängelwesen« geprägt worden, allerdings wird von Platon das Wesen des Menschen nicht wegen der Unterlegenheit (z. B. in der Kraft und Schnelligkeit) und Bedürftigkeit als damit bestimmt verstanden, ein Mängelwesen zu sein.

  • technische Kunstfertigkeit/Klugheit/Einsicht: Prometheus stiehlt notgedrungen, weil sein Bruder Epimetheus beim Zuteilen der Fähigkeiten für den Menschen nichts mehr übriggelassen hat, das technische Können/die technische Intelligenz (ἔντεχνος σοφία) der Gottheiten Hephaistos und Athene zusammen mit dem Feuer und schenkt dies dem Menschen. Der Mensch kann nur mit Hilfe von technischen Fähigkeiten und Kulturtechniken existieren, die auf der ihm vermittelten Intelligenz beruhen.

  • Religion: Der Mensch glaubt aufgrund der Teilhabe an göttlichen Vorzügen als einziges der Geschöpfe an Gottheiten und beginnt Altäre und Götterbilder zu errichten. ausgestaltete Sprache

  • ethische Einstellungen als Grundlage für die Bildung von Gemeinschaften: Die Menschen können Kleidung und Behausung herstellen und sich pflanzliche Nahrung verschaffen, sind aber in ihrer Existenz von wilden Tieren bedroht, da sie vereinzelt leben. Versuche, sich zusammenzuschließen und politische Gemeinschaften/Staaten zu gründen, scheitern bald, weil nur handwerkliche Kunstfertigkeit/Technik (δημιουργικὴ τέχνη) vorhanden ist, aber keine politische/gemeinschaftsbezogene Kunstfertigkeit/Technik (πολιτικὴ τέχνη). Die Menschen tun sich Unrecht an und schaden einander. Daher zerstreuen sie sich wieder. Die nötigen Kenntnisse waren in der Obhut des Zeus, in dessen Burg Prometheus nicht hineingelangen konnte und deren Wächter außerdem furchterregend sind. Zeus schickt, als die Menschen in Gefahr sind auszusterben, Hermes, der ihnen sittliche Scheu/Ehrfurcht/Respekt/Schamgefühl (αἰδώς) und Recht/Rechtsempfinden/Gerechtigkeit (δίκη) bringt. Jeder Mensch bekommt daran Anteil. Die volle Aneignung dieser Gaben als Sozialverhalten bedarf einer Unterweisung in der politischen Tugend/Vortrefflichkeit, ist nicht angeboren, sondern Ergebnis eines Erziehungsprozesses.

Albrecht 09.09.2013, 05:52

2) Vergleich

Der Vergleichstext ist wohl in der Bibel, Altes Testament, Genesis (1. Buch Mose) 1 - 3 (Schöpfung der Welt, Erschaffung des Menschen und Vertreibung aus dem Paradies/dem Garten Eden). Bei der Auslegung ist zu berücksichtigen, daß manches wohl übertragen/gleichnishaft zu verstehen ist. Bei einem Vergleich werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede gesucht. einige Einfälle.

Gemeinsamkeiten

  • göttliche Erschaffung des Menschen und göttliche Herkunft seiner Eigenschaften/Fähigkeiten

  • Erde ist ein Ausgangsstoff bei der Formung des Menschen (bei Platon, Protagoras formen die Gottheiten die sterblichen Lebewesen aus einem Gemisch von Erde, Feuer und allen Stoffen, die sich mit Erde und Feuer verbinden lassen; in der Bibel wird der Mensch aus dem Staub des Erdbodens geformt und Gott haucht ihm Lebensatem in die Nase, gibt ihm also Lebendigkeit; bei Platon, Protagoras steht dazu nichts, in anderen mythologischen Darstellungen kommt aber etwas Ähnliches vor)

  • anfängliche Nacktheit des Menschen

  • Sonderstellung des Menschen (in der Bibel Gottesebenbildlichkeit, außerdem Herrschaft über die anderen Lebewesen)

  • Mensch hat zuerst pflanzliche Nahrung

  • Mensch nicht gut geeignet, als Einzelwesen zu existieren (bei Platon, Protagoras ist die politische Gemeinschaft am wichtigsten, in der Bibel bekommt zunächst nur einfach der Mensch (Adam) mit der Frau (Eva) eine Gehilfin)

  • ethische Einstellung/Einsicht ist von Bedeutung

  • Schamgefühl tritt als Erscheinung beim Menschen nicht sofort auf, sondern ist eine spätere Entwicklung (wobei die Begriffe nicht ganz gleich sind, bei Platon, Protagoras ist Scham die sittliche Scheu, eine wünschenswerte Gabe, die Gemeinschaftsbildung ermöglicht, in der biblischen Urgeschichte wird ein Verlust an Unbefangenheit und das Gefühl, bloßgestellt zu sein, hervorgehoben)

Unterschiede

  • mehrere beteiligte Gottheiten (Polytheismus) bei Platon, Protagoras (auch die Brüder Prometheus und Epimetheus, die von Gottheiten mit der Zuteilung von Fähigkeiten an die sterblichen Lebewesen beauftragt werden, sind selbst Götter, wenn auch als Titanen ein anderes Göttergeschlecht als die olympischen Gottheiten), ein Gott (Monotheismus) in der Bibel

  • kein Diebstahl technischer Kunstfertigkeit in der Bibel

  • Bedrohung durch wilde Tiere spielt bei Platon, Protagoras eine entscheidende Rolle, in der Bibel gibt es im Garten, in den Gott den Menschen hineingesetzt hat, keine solche Bedrohung

  • in der Bibel ist das Einnehmen eines eigenen Urteils (Erkenntnis über gut und schlecht/böse) mit einer Entfernung von Gott, dem Übertreten eines Verbots (von den Früchten eines bestimmten Baumes zu essen) und einem Zusammenhang von Schuld und Strafe verbunden (was so als Gewordensein erzählt wird, kann vielleicht übertragen als Kennzeichnung menschlichen Daseins ausgelegt werden), bei Platon, Protagoras sind ethische Einstellungen/Einsichten eine Gabe der Götter zur Rettung der Menschen und ein Gegenmittel gegen die Zerstörung von Gemeinschaft durch Begehen von Unrecht, wie es vorher geschehen ist

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meinst wohl Mythos.....Prometheus war ein titane, hat also nix mit der Bibel sondern mit griechischer Mythologie zu tun...er wurde von den Göttern verbannt weil er versuchte die menschen mit ihresgleichen auf dieselbe ebene zu hieven...;-) gruss temar...

temar23 03.09.2013, 13:52

anm. nach der himmlischen schlacht wurden aus den verlieren die Titanen, welche dazu verdammt wurden in alle Ewigkeiten im berg Tartaros eingeschlossen zu bleiben und die sieger gingen als götter hervor......übertragen auf die biebel?....würde behaupten das es da keinen zusammenhang gibt..........aber irgendwelche theorethiker werden sich schon was dazu einfallen lassen......;-)

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