Wie ist die rechtliche Lage in Deutschland zwecks Schwangerschaftsabbruch?

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4 Antworten

Hallo Alexa,

Möglichst einfach zusammengefasst:

1. Abtreibung ist verboten und strafbar.

2. "Pille danach" zählt rechtlich(!) nicht als Abtreibung 

3. Es gibt 4 Ausnahmen zu Punkt 1 (sog. Indikationen: 

A) medizinische Indikation (Gefahr für die gegenwärtige oder zukünftige körperliche und/oder psychische Gesundheit der Schwangeren)

B) eugenische Indikation (Diagnose einer schwerwiegenden Behinderung des Kindes)

C) soziale Indikation (drohende Notlage)

D) kriminologische Indikation (Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauchs)

In diesen Fällen ist eine Abtreibung zwar rechtswidrig, aber straffrei, falls die weiteren Voraussetzungen des StGB 218 eingehalten werden (Beratung, Wartezeit und 12-Wochen-Frist)

Eine Ausnahme von diesen 12 Wochen gibt es nur bei der medizinischen Indikation: Hier kann der Abbruch bis zur 22. Woche erfolgen.

Allerdings ist in diesem Falle nur die Schwangere im Gesetz straffrei gestellt - für den Arzt KANN auf die Strafverfolgung verzichtet werden (d.h. der Arzt bzw. dessen Anwalt sollte sich vorher an die Staatsanwaltschaft wenden).

Vielen, vielen Dank für die ausführliche Antwort! Und wenn man aber z.B. in Holland abtreibt in der z.B. 22 SSW, kann man dann auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden?

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@alienaxx

Für die Schwangere besteht bis (einschließlich) der 22. Woche Straffreiheit, wenn eine Beratung nach StGB §219 stattgefunden hat.

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@alienaxx

Tut mir leid das sagen zu müssen, aber die ausführliche Antwort ist an verschiedenen Stellen fehlerhaft.

annemarie hat es weiter unten im wesentlichen richtig dargestellt.

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es gibt in Deutschland keine "eugenische" Indikation und auch keine "soziale Indikation".

"Indikation" heisst: jemand anderes als die Frau selbst (der Arzt) entscheidet, ob ein Schwangerschaftsabbruch begründet ist oder nicht.

In Deutschland gilt eine Fristenregelung. D.h. bis Ende der 12. Woche nach Empfängnis (= Ende 14. Schwangerschaftswoche, weil sich die SSW ab dem ersten Tag der letzten Mens, also ca. 14 Tage vor der Befruchtung rechnet) ist der Schwangerschaftsabbruch auf blossen Antrag der Frau (ohne spezielle "Indikation") straflos. Sie muss sich nur bei einer anerkannten Beratungsstelle beraten lassen und danach eine 3-tägige Bedenkfrist vor dem Eingriff einhalten.

Nach den 12 Wochen ist der Abbruch erlaubt, wenn ein Arzt befindet, die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren sei gefährdet. Dabei sind die gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren zu berücksichtigen. Man sagt dem manchmal "sozial-medizinische Indikation". Darunter fallen auch Vergewaltigung oder Missbildung des Fötus, die eine unzumutbare psychische Belastung für die Frau bedeuten würden.

Es gibt keine 22-Wochen-Frist. Ein Abbruch nach 22 Wochen wird aber nur in extremen Ausnahmefällen vorgenommen, z.B. bei grosser Gefahr für die Schwangere oder bei sehr schweren Fehlbildungen des Fötus. In diesen Fällen muss der Fötus vor dem Eingriff abgetötet werden (Fetozid). Andernfalls könnte das Kind überleben.

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@annemarie37

Es gibt eine indirekte 22-Wochen-Frist.

Denn § 218 StGB ist einer der Paragrafen, die auch angewandt werden können, wenn die Tat im Ausland geschieht.

Da aber in einigen anderen Ländern nach dortigen Gesetzen ohne Indikation nach der 12. SSW abgetrieben werden kann (vor allem Holland ist hier relevant), dies aber zur Strafbarkeit nach § 218 führen könnte, gibts dafür noch die Regelung, dass mit Beratungsschein eine Abtreibung für die Frau bis zur 24. SSW (bzw. 22. Woche nach Empfängnis) nicht strafbar ist.

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Hallo aliexaxx,

Bei der 22-wöchigen Frist handelt es sich schlichtweg um einen Sonderfall.

Ein Sonderfall ist dabei der sogenannte Spätabbruch nach der 22. Schwangerschaftswoche. In diesem Fall erfolgt vor der
Abtreibung der sogenannte Fetozid, also die gezielte Tötung des Fötus im
Mutterleib. Das soll verhindern, dass ein zunächst lebensfähiges, aber schwer
geschädigtes Kind die Abtreibung überlebt.

http://www.onmeda.de/schwangerschaft/abtreibung-voraussetzungen-17131-2.html

Alles weitere lässt sich einfach ergooglen. Wenn du selbst davor bist eine Schwangerschaft abzubrechen kommst du ohnehin nicht um eine Beratung vorbei - hier wird dir auch noch einmal alles ausführlich & verständlich erklärt und dabei wird sicher kein "Beamtendeutsch" verwendet.

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

Lg

HelpfulMasked

Vielen vielen Dank!!
Also gilt diese Frist nur bei z.B. behinderten Kindern?

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@alienaxx

Wann diese Frist genau gilt bzw. ab wann eine Behinderung darunter fällt weiß ich nicht. Das musst du an der jew. zuständigen Stelle erfragen.

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@alienaxx

Und außerdem: Ich will nicht abtreiben, halte aber einen Vortrag darüber.

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@toomuchtrouble

Als faul würde ich mich jetzt nicht bezeichnen, ich seh es nur als verwirrend an, da ich auf jeder Seite etwas anderes über die rechtliche Lage erfahre und nicht weiß, was jetzt stimmt oder nicht. Nur deswegen habe ich gedacht, ist es sinnvoll, eine Frage an die Community zu stellen.

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http://www.profamilia.de/erwachsene/ungewollt-schwanger/schwangerschaftsabbruch.html

http://www.onmeda.de/schwangerschaft/abtreibung-voraussetzungen-17131-2.html

Hier gibt es einige Kernaussagen zur rechtlichen Situation und zu den Abbruchsfristen, an denen Du Dich orientieren kannst. Hier werden auch die Gründe genannt, in welchen Fällen die Standardfrist von maximal 12 Wochen nach der errechneten Empfängnis auf 14 bzw. 22 Wochen oder beim sog. Spätabbruch  auch darüber hinaus ausgedehnt werden kann.

Halte dich an den Kommentar von annemarie37; das ist die richtige Zusammenfassung des aktuell geltenden Rechts.

Alles Gute für dich und viel Erfolg bei deinem Vortrag!

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