Ist die Evolution mit der Lehre der grossen Abrahamitschen Religionen (Christentum und Islam) vereinbar?

28 Antworten

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Hallo Wiessbegieriger,

die Evolution ist mit jeder Religion vereinbar, so lange diese nicht fundamentalistisch, sondern "aufgeklärt" verstanden wird.

Der wesentliche Punkt hierfür, ist die Einsicht, dass die Frage "Glaubst Du an Gott oder an die Evolution?" ein grundsätzlicher Kategorienfehler ist. Es handelt sich hierbei einfach nicht um zwei Gegensätze einer Begriffswelt.

Peter Hess vergleicht diese ein falsches Dilemma erzeugende Frage in seinem mMn für Dich lesenswerten Text

http://ncse.com/religion/start

mit der Frage "Ist eine Banane gelb oder krumm?"

Beide Adjektive stehen zueinander nicht im Gegensatz. Sie können beide zutreffen. Oder beide nicht zutreffen. Es kann auch nur einer von beiden zutreffen. Oder der andere.

Man kann Gott nicht dadurch beweisen, indem man die Evolution widerlegt. Ebenso kann man die Evolution nicht nachweisen, indem man religiöse Aussagen widerlegt.

Naturwissenschaft beschäftigt sich immer mit gesetzmäßig in der Natur ablaufenden Prozessen. Naturwissenschaft sucht diese Prozesse zu erkennen, zu verstehen und daraus zuverlässige Aussagen über die Natur abzuleiten.

Sinnfragen (im Sinne der Philosophie) behandelt die Naturwissenschaft nicht. Grundsätzlich nicht. Wenn der Naturwissenschaftler fragt "warum passiert dies?", so meint er "welcher Prozess ist dafür verantwortlich, dass dies passiert?".

Sinnfragen sind Deutungsfragen des Daseins. Und diese existenzialistische Fragestellung fehlt der Naturwissenschaft. Sie ist dafür nicht zuständig. Wir betreten mit existenzialistischen Fragen das Gebiet der Philosophie.

Die Religion wiederum gibt nun eine mögliche Antwort auf die philosophische Fragestellung nach Sinn und Deutung des Daseins, nämlich, den Sinn und die Deutung, dass der Mensch als Gegenüber von Gott zu sehen sei.

Ob man sich dieser religiösen Antwort auf die philosophischen Grundthemen anschließen möchte, das ist also vollkommen unabhängig von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie unsere Welt nun einmal aussieht.

Das ist der wesentliche Punkt: Es ist schlicht kreationistisch zu fragen "Glaubst Du an Evolution oder an Gott?". Es sind 2 unabhängige Fragen, mit denen sich jeder von uns beschäftigen muss: "Überzeugt Dich die Datenlage, die die Naturwissenschaften als Belege der Evolution angehäuft haben?" und "Glaubst Du an Gott?".

Religion überschreitet ihre Kompetenz, wenn sie Aussagen über Prozesse macht, die in der Natur ablaufen. Wenn Religion sagt, die Welt sei erst 10 000 Tage alt, dann ist das ein Betreten des Kompetenzbereiches der Naturwissenschaften - und damit widerlegbar.

Naturwissenschaften dürfen also darauf hinweisen, dass die Schöpfungsgeschichte der abrahamitischen Religionen (zu der übrigens auch noch das Judentum zählt; sollte man so am Rande schon mal erwähnen...) keinesfalls als historischer Tatsachenbericht stimmig ist.

"Schöpfung" an sich ist jedoch ein philosophisches Konzept. Es bezeichnet den Gedanken, dass das Dasein an sich seine Existenz etwas verdankt, was nicht Teil der Schöpfung selbst ist.

Damit ist auch klar, dass das Konzept "Gott" selbst nicht zum Gegenstandsbereich der Naturwissenschaft gehört. Die Naturwissenschaft beruht auf dem sogenannten "schwachen ontologischen Naturalismus". In dieser metaphysischen Annahme über die Welt, geht man davon aus, dass man die Welt durch Beobachtung erkennen kann und sie erklären kann, ohne auf Transzendentes (also "Übernatürliches") zurückgreifen zu können.

"Gott" ist weder ein gesetzmäßiger noch ein vollständig innerhalb der Natur ablaufender Prozess. Und damit auch nicht Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften. Religiöse Aussagen über die Welt (statt über Gott) hingegen sind testbar und damit grundsätzlich widerlegbar.

Du kannst Dich also bei der Wahl Deiner Religion nicht wirklich sinnvoll nach den Naturwissenschaften richten. Vielmehr solltest Du Dich mit den Aussagen und Glaubenskonzepten innerhalb der einzelnen Religionen beschäftigen. Die willentliche Entscheidung "ich will jetzt an einen Gott glauben und suche mir einen aus" erscheint mir persönlich jetzt etwas merkwürdig - aber das ist Deine Entscheidung... ;-)

Vielleicht solltest Du einmal die Begriffe Pantheismus oder Panentheismus googeln...

Ansonsten verlinke ich Dir jetzt noch einen Text der evangelischen Kirche, der sich mit dem Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft beschäftigt.

Grüße

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Sternantwort.

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Danke für deine grandiose Antwort.

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Die Bibel ist kein Naturkundebuch. Die Schöpfungsberichte wollen in einer bildreichen Sprache lediglich aussagen, dass alles aus Gottes Hand kommt. Dabei ist ohne Belang, auf welche Weise und innerhalb welcher Zeit dies geschehen ist. Gott ist Gegenwart und steht über jedem Zeitbegriff. Die Erschaffung der Welt kann in Milliarden von Jahren erfolgt sein und ist für Gott doch nur ein Augenblick. Deshalb besteht auch für Christen kein Widerspruch zur Evolutionslehre.

Ganz im Gegensatz dazu steht der Evolutionismus, der aus christlicher Sicht abzulehnen ist. Er behauptet, Phänomene zu erklären, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der naturwissenschaftlichen Methode fallen: Die geistigen, seelischen und freiheitlichen Akte.                                                Philosophisch ist es nicht möglich, dass Leben eine materielle Ursache hat. Nur Gott kann Leben hervorbringen. Nur Lebendes kann Leben weitergeben. Materie kann nicht Geist hervorbringen. Naturwissenschaftlich kann dieses Problem nicht beantwortet werden, da die naturwissenschaftliche Methode dies nicht erfasst.

Deshalb steht nicht die Evolution (als sukkzessive Entfaltung des Lebendigen) im Widerspruch zum Glauben an den Schöpfer, sondern die Behauptung, die Entstehung des Lebens und der verschiedenen Arten sei naturwissenschaftlich vollständig beschreibbar (also der Evolutionismus).

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Du wirst nicht allzu viele seriöse Wissenschaftler finden, die der Überzeugung sind, ALLES sei vollständig erklärbar ..

Insofern klingt für mich dieser Teil deiner Antwort wie "einen Pappkameraden aufbauen und ihn dann schlagen".

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Philosophisch ist es nicht möglich, dass Leben eine materielle Ursache hat. Nur Gott kann Leben hervorbringen. Nur Lebendes kann Leben weitergeben.

Genau das ist halt keine philosophische Frage, sondern sehr wohl eine naturwissenschaftliche Frage. Denn wir fragen hier nach in der Natur ablaufenden Prozessen.

Du behauptest hier also von vorneherein, dass keine natürliche Erklärung möglich ist.

Damit behauptest Du letztlich viel mehr zu wissen, als Naturwissenschaftler. Denn während Naturwissenschaftler versuchen, denkbare Wege zu rekonstruieren, behauptest Du schon zu wissen, dass alle denkbaren Wege sich als falsch herausstellen.

Tatsächlich gibt es sogar sehr konkrete Vorstellungen darüber, welche Wege entstehendes Leben genutzt haben könnte.


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Ich kenne keine Schöpfungs"berichte", sondern nur GESCHICHTEN, LEGENDEN, MYTHEN.

Nur Lebendes kann Leben weitergeben.

Das ist nur eine Vermutung! Nur weil der Mensch derartiges noch nicht beobachtet hat, muss es nicht unmöglich sein.

Das Leben irgendwo einen Anfang haben MUSS, ist völlig logisch. Die Idee Gläubiger, das UNSER Leben einen Anfang haben müsse der in Gott zu finden sei, enthält den groben Fehler, dass dann auch Gott einen Anfang haben müsste....

. Er behauptet, Phänomene zu erklären, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der naturwissenschaftlichen Methode fallen: Die geistigen, seelischen und freiheitlichen Akte.    

Diese "Phänomene" lassen sich aber naturwissenschaftlich erklären. Alles Gedankliche/Geistige ist nichts weiter als ein chemisch/elektrischer Prozess. Sobald die Energieversorgung des körpers aufhört, zerfallen die entsprechenden biologischen Dinge. Damit ist erwiesen, dass auch Gedanken nur Biomasse sind!

Übrigens ist "seelisch" nichts anderes als "körperlich".

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In der Bibel steht am 1. Tag und am 2. Tag und das sind auch aufeinander folgende Tage nicht Millionen von Jahren weil die Pflanzen 1 Tag vor der Sonne geschaffen wurden und die pflanzen würden nicht Millionen von Jahren ohne Sonne auskommen.

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Bei der EKD sieht das so aus:

Aus christlicher Sicht kann man die Evolutionstheorie durchaus für richtig halten, wenn man nicht biblizistisch die Schöpfungserzählung aus 1.Mose 1 für einen Tatsachenbericht hält und das zeitbedingte weltanschauliche Material des Kapitels von den tiefer liegenden Glaubensaussagen zu unterscheiden weiß.

https://www.theologie-naturwissenschaften.de/themen/evolution-und-schoepfung.html

Und in der katholischen Kirche sieht es ähnlich aus:  "Biblische Schöpfungsaussagen sind ihrer literarischen Form nach keine protokollartigen Berichte über den Entstehungsvorgang der Welt, sondern ursächliche Sinndeutungen", erläutert ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Es falle in die Kompetenz von Naturwissenschaftlern zu erklären, wie die Welt entstanden sei. "Die theologische Schöpfungslehre fragt dagegen, warum überhaupt etwas ist."

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Deine Sätze in die Ohren der Fundamentalisten ...

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@earnest

Was ich bei denen nicht kapiere: Wenn die Fundamentalisten wirklich glauben, ihren Weg zur Wahrheit gefunden zu haben, warum sollten sie sich dann durch Nichtgläubige bedroht fühlen?

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Welcher Religion kann man wirklich vertrauen und an ihr glauben, wenn man hypothetisch nach einer geeigneten suchen würde?

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