Wie ist die Aussage, "ein Bildsehen ergibt sich aus der Gleichzeitigkeit von İmagination und Wahrnehmung" zu verstehen?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Kann man so sagen, obwohl mir diese formelhafte Aussage nicht gefällt. Egal, was wir tun, ob lesen, Bild sehen, Musik hören, Spagetti essen usw., unser Ich schleppt immer einen Teil Historie mit sich rum. Wir sind keine erfahrungslosen Menschen. Es ist immer Erinnerung mit im Spiel, manchmal auch verklärte. "Bei Mutti waren die Spagetti besser." Wie weit Imagination im Spiel ist, die muss nicht immer rückwärts orientiert sein, Hoffnungen, Sehnsüchte sind nicht selten auch mit Bildern oder Schlüsselbegriffen liiert und werden dadurch wachgerufen, das hängt natürlich auch vom Erfahrungsschatz ab. Jemand mit Kunsterfahrung geht anders in eine Kunstausstellung als ein Bäuerchen vom Dorf, der von vielem einfach nur überrascht ist. Oft spielt Kunst auch selbst auf Werke anderer Künstler an, was wiederum nur der erkennt, der diese kennt. Ich selbst gehe - um mein fotografisches Auge zu schulen - gern in Ausstellungen des Impresionismus und der Kunststile davor. Dann schaue ich nicht mal so sehr nach den Bildinhalten sondern nach der Perspektive, der Lichtführung, den Bildstrukturen. So gibt es vielfältige Einstellungen, mit denen man bewusst und auch unbewusst Eindrücke verarbeitet, interpretiert. Wir sind interpretierende - auch bildinterpretierende Wesen, die bei ihrer Interpretation aus unterschiedlich großen Speichervolumina schöpfen können.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Happiness88
04.02.2016, 21:14

Vielen herzlichen Dank. 

0

Wahrnehmung ist ein psychophysikalischer Prozess. Reflektierte Lichstrahlen treffen auf die Netzhaut, das Gehirn erkennt ein Bild. Die Imagination, mal als Vorstellungskraft verstanden, interpretiert das Gesehene. Deshalb sehen Menschen physikalisch dasselbe, erleben und emfinden es aber individuell unterschiedlich (Rohrschachtest bereits genannt).

Schönen Tag noch, SKY

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Man nimmt ein Bild nicht einfach nur wahr, wie ein Film, der auf eine
leere Leinwand projiziert wird, sondern das Gehirn sucht gleich nach
bekannten Mustern im Gesehenen.

Das führt beispielsweise dazu, dass man beim Rorschach-Test irgendwelche Motive sieht, obwohl die Tintenkleckse gar kein festes Muster haben und rein zufällig sind.

Das gleiche geschieht im Alltag und auch bei der Betrachtung von Gemälden - die Vorstellungskraft (Imagination) beeinflusst unsere Wahrnehmung und führt dann meist auch zu einer Bewertung des Gesehenen.

Wir sehen zB ein Gemälde mit einem Baum. Das ist erst einmal reine Wahrnehmung. In unserer bildlichen Vorstellung (Imagination) erinnern wir uns an einen echten Baum und sagen "Wow, sehr realitätsnah" oder "Schlecht getroffen, sieht eher nach verknöcherter Hand aus"

Das kann aber auch abstrakt sein und muss sich nicht auf die Realität beziehen. So weiß zB niemand, wie das Jenseits aussieht, oder ob es existiert. Dennoch spricht uns vielleicht das Bild einer mit goldenem Licht überfluteten Wiese an und wir sagen "Ja, genau so stelle ich mir das Jenseits vor".

In diesem Fall haben wir eine Wahrnehmung (Bild) und dann eine Vorstellung von etwas, das wir noch nie gesehen haben (Imagination).

Wahrnehmung,  Imagination und Interpretation formen dann das Bild, das wir sehen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Happiness88
04.02.2016, 21:14

Herzlichen Dank auch Ihnen.

1

Im Prinzip passt hier dieselbe Antwort, die ich dir neulich betreffs 2-stufigem Sehen gab.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?