Wie ist das möglich, daß auf der einen Seite die Unterbringung in Pflegeheimen zich Tausende €s kostet und auf der anderen Seite die Arbeit nichts kosten darf?

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3 Antworten

Unser Gesundheitssystem ist völlig marode und müsste in vielen Bereichen überarbeitet werden,als erstes nimmt sich die Pharmaindustrie den größten Teil,alte Menschen nehmen heute häufig bis zu 16 Medikamente,ich arbeite seit den 80er Jahren im Krankenhaus,und die Kurvenblätter von damals reichen oft gar nicht,alle Pillen aufzuschreiben.
Die Preise macht die Industrie selber-einmalig in der Welt. Unter Kohl und Schröder wechselten die Gedundheitsminister wie in der Schießbude,keiner kommt gegen die Pharmalobby an,keiner schafft eine echte Reform. Als Philipp Rösler FDP-Vorsitzender wurde,trat er sofort seinen Job als Gesundheitsminister in die Tonne und übernahm die Wirtschaft,Gesundheit sei "ein undankbares Amt",hieß es offiziell. Ich sagte damals,aha,wir sind also der rotznasige,außereheliche Affärenbalg der Ministerien..
Die alten Menschen werden immer älter,aber nicht unbedingt gesünder oder glücklicher,als ich mit meinem Job anfing,wurde noch erwähnt,wenn jemand weit über 80 war. Heute nehmen wir in einer Woche mehrere 90jährige auf,einige noch mit eigenem Haushalt,auch ein paar 100er waren schon da.
Jeder fürchtet sich vor "an Maschinen angeschlossen zu sein" und fuchtelt mit Patientenverfügungen herum,schicken aber die alten Leute nachts mit Blaulicht in die Notaufnahme,um im überzeugten Ton zu verkünden,die Oma wollte nie gequält werden. Wir haben überhaupt kein normales Verhältnis zum Ende,in Heimen kann man mit PEG-Sonden jeden grauenvollen Zustand fast Jahrzehnte konservieren,damit hätten wir auch den armen Jesus schön lange am Mast halten können. Der hatte nur ein paar Stunden.. Am Personal wird gespart,wo es nur geht,und so ist oft auch die Versorgung. Es ist teils schon bittere Ironie,wenn unterbezahlte,osteuropäische Pflegekräfte heute die pflegen,die früher mit Wehrmachtspanzern ihren Großeltern quer durch die Hütte gefahren sind-und sich z. T.auch heute noch so aufführen..
Das Thema ist wie die Sonne.. Umso näher man kommt,desto unerträglicher wird's. Wir brauchen einen Stop des Medikamentenwahnsinns,ein Bewusstsein dafür,daß der Tod das natürliche Ende ist und kein Behandlungsfehler. Wir brauchen gerecht bezahlte,motivierte Kräfte in erträglicher Zahl.

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allein in Berlin sind im vergangenem Jahr 43 Strafanzeigen wegen Abrechnungsbetruges gegen private Pflegedienste gestellt worden,

außerdem wegen Beschäftigung von nicht ausgebildeten Pflegehilfskräften, meist aus Osteuropa, die hier illegal und zu Hungerlöhnen angestellt werden, wobei auch Menschen mit hohem Pflegebedarf oft nur unzureichend versorgt werden.. die Strafen dafür sind moderat bis kulant (zu nennen) - es wird abkassiert auf `Teufel komm raus ` , und ein Menschenleben zählt immer weniger

diese W**erköpfe, wie du schreibst, müßten an den Pranger (gestellt werden), sonst kriegst du dieses Übel nicht an der Wurzel gepackt..

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Auch für Minijobs gilt der Mindestlohn von 8,50 pro Stunde. Oder mehr, wenn ein Tarifvertrag dies besagt.

Wenn ein Heim-Betreiber dennoch hohe Gewinne erwirtschaften kann, dann gibt es meist bald Mitbewerber, die es auch versuchen.

Dadurch sinken dann die Gewinne, falls auch die Preise sinken. Falls nicht, haben wir keinen funktionierenden Markt, sondern ein Oligopol oder einen Missbrauch.

Gruß aus Berlin, Gerd

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