Wie ist das mit der Vergangenheit in der deutschen Sprache?

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6 Antworten

Na dann setze ich mal an:

Ihr Polen seid zwar auf den Vergleich mit Russen immer nicht so scharf, er ist aber angebracht. Das müsste etwa so ähnlich sein, wie die russischen Aspekte.

Aslo erstmal unterscheidet man im Deutschen 3 Vergangenheiten:

1. Präteritum (unvollendete Vergangenheit) hängt nicht vom Aspekt ab, es beschreibt eine Tätigkeit, die getan wurde: Ich las.

2. Perfekt (vollendete Gegenwart) Diese Zeitform beschreibt eigentlich den vollendeten Aspekt, geht aber in Richtung Vergangenheit: Ich habe gelesen. Er beschreibt, dass etwas gerade abgeschlossen ist. Es drückt aus, dass etwas vor dem Präsens passierte.

3. Plusquamperfekt (vollendete Vergangenheit) Diese Zeitform beschreibt ein Ereignis, das bereits in der Vergangenheit abgeschlossen war: Ich hatte ein Buch gelesen. Anders als im Perfekt, ist das Plusquamperfekt nicht unmittelbar vor dem Präsens geschehen, sondern kann auch weiter zurückliegen.

Innerhalb der drei Vergangenheiten (eigentlich nur 2, das Perfekt tendiert nur zu einer Vergangenheitsform) kann man allerdings ohne zusätzliche adverbiale Bestimmungen auch nicht sehen, ob man nun das ganze Buch oder nur ein paar Seiten las, denn an den Sätzen:

Ich las ein Buch.

Ich habe ein Buch gelesen.

Ich hatte ein Buch gelesen.

wird dies nicht deutlich. Viel mehr ist es Interpretationsfrage. In diesem Fall würde man dazu tendieren, zu denken, dass ein ganzes Buch gelesen wurde, weil man ein ganzes Buch als Objekt nennt. Sonst sagt man für gewöhnlich:

Ich habe (ein wenig) in einem Buch gelesen.

Das muss aber auch nicht immer sein, wenn du weiter nach Westen kommst, dann gibt es diese Ausdrucksform nicht mehr. Es ist sehr viel Interpretation im Deutschen nötig.

Mehr Fragen? PN oder Kommentar ...

Hoffentlich war das jetzt halbwegs anschaulich ...

Jetzt ist mir das schon etwas klarer geworden. Ja, alle polnische Verben haben zwei Aspekte einen vollendeten und einen unvollendeten (hien von mir falsh als die zwei Vergangenheitsformen der Verben genannt).

.... ich muss noch viel lernen :)

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@slyrth

Nicht nur die polnischen Verben - was hat mich das in Russisch genervt ... Aber ich bin durch!

Brauchste Unterstützung?

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@Johann242

Mark Twain hatte auf jeden Fall Recht - Deutsch ist manschmal zu schwer aber oft zu einfach um etwas zu ausdrücken. 

Ich muss bald TestDAF ablegen, deshalb lerne ich jetzt besonders intensiv und aus diesem Grund die Fragen .... ich werde sie ganz sicher öfter stellen :) 

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@slyrth

Mark Twain meinte ja auch: "Man sollte die deutsche Sprache ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen legen. Denn nur die Toten haben Zeit, diese Sprache zu lernen!"

DAF-Test? Am Goethe-Institut? Sehr fleißig! Na dann frag mal, wir werden dir helfen.

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@Johann242

Nicht am Goethe-Institut - es gibt jetzt viele Schulen - weltweit wo man TestDAF ablegen kann. 

Falls ich noch Fragen habe, weiss ich an wem soll ich mich wenden :) 

Ich danke dir. 

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Zu Deinem Punk 2 (Perfektform): Das Ereignis kann schon länger her sein, z. B. "Ich habe vor 35 Jahren geheiratet".

In der Umgangssprache geht es oft drunter und drüber mit den Zeitformen: Wenn eine Zeitangabe im Satz steht, wird das Futur durch die Gegenwartsform ersetzt (wie übrigens auch im Ungarischen): "Ich gehe nächstes Jahr in Rente."

Das Präteritum ist weitgehend zugunsten des Perfekts verschwunden (außer "war", "wurde" und "hatte"). Das Futur II kommt so gut wie gar nicht mehr vor. Wer sagt schon noch: "Ich werde den Brief geschrieben haben" oder "Die Kartoffeln werden gekocht worden sein"?

Das Plusquamperfekt wird meist falsch angewandt: "Ich war gestern im Kino gewesen."

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Danke für die gute Erläuterung der polnischen Formen. Also "ich habe gestern das Buch gelesen" heißt schon, dass ich das Buch ausgelesen habe (ansonsten hätte man gesagt "ich habe gestern in dem Buch gelesen", vielleicht nur ein paar Seiten). Das ist Perfekt.

Plusquamperfekt: ist eine "Vorvergangenheit", meist in einem Zusammenhang gebraucht: "als ich das Buch (aus)gelesen hatte, klingelte es an der Tür". Das Klingeln war schon Vergangenheit, und das Lesen war noch davor abgeschlossen. 

Der Unterschied zwischen Präteritum (es klingelte) und Perfekt (es hat geklingelt) ist vorhanden, wird aber in der Umgangssprache nicht mehr so wahrgenommen. Das heutige Umgangsdeutsch bevorzugt meist die Perfektformen (Präteritum ist aber häufig bei ich war, ich hatte, ich sollte, ich musste, also bei Modalverben).

Das Präteritum steht bei Dingen, die weit in der Vergangenheit liegen und keinen Bezug mehr zur Gegenwart haben. Märchen beginnen mit "Es war einmal" und nicht mit "Es ist einmal gewesen".

Bei einem Gegenwartsbezug steht das Perfekt: "die Brücke ist gestern fertig geworden" ("die Brücke wurde gestern fertig" ist natürlich auch verständlich, klingt aber komisch).

Die Theorie ist:
das Perfekt heißt im Deutschen "Vollendete Gegenwart", weil sie (eigentlich) eineTätigkeit bezeichnet, die bis eben noch getan wurde und jetzt abgeschlossen ist.

"ich bin angekommen"

Da der Deutsche im Umgang mit seiner Sprache mehr als salopp ist, wird das nicht immer so klar gesehen. Aber im Deutschen verwendet man auch das nahe Futur wie Präsens und bekommt dafür oft eine schlechte Übersetzung in andere Sprachen hin, die es mit dem Futur genauer nehmen.

"ich komme morgen an" ist nämlich eigentlich falsch. Es müsste heißen:
"ich werde morgen ankommen"

Aber so ist das eben mit der Umgangssprache.

Das Verständnis für den Zusammenhang im Präteritum lässt bei vielen auch zu wünschen übrig. Die deutsche Bezeichnung "Unvollendete Vergangenheit" meint nicht, dass die Tätigkeit heute noch unvollendet ist, sondern, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Beschreibung unvollendet war. Dass auch ein Bastian Sick dies nicht durchblickt, wie wir im Zitat in einem anderen Posting lesen konnten, spricht nicht für ihn, - wie auch manche andere Äußerung nicht, die er so macht.

"Ich wartete an der Haltestelle" - das ist zum Zeitpunkt der Schilderung durchaus noch nicht beendet.

Die Beendigung ist erfolgt, wenn man sagt:

"ich hatte an der Haltestelle gewartet", denn dann ist man inzwischen eingestiegen. Diese Zeit heißt "Vollendete Vergangenheit" (Plusquamperfekt). Sie wird auch so in vorzeitigen Nebensätzen gebraucht:

"nachdem ich an der Haltestelle gewartet hatte, stieg ich in den Bus ein"

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Hi slyrth,

1. czytalem entspricht dann wohl dem Imperfekt im Deutschen, das für Erzählungen und für nicht abgeschlossene Handlungen benutzt wird: ich las gerade ein Buch (als du mich anriefst) / Es war einmal eine schöne Königstochter . . .

2. przeczytalem scheint dem deutschen Perfekt zu entsprechen: ich habe das Buch gelesen (weil es mir empfohlen wurde). Das Perfekt beschreibt angeschlossene Handlungen. 

3. Darüberhinaus gibt es im Deutschen noch das Plusquamperfekt für Ereignisse, die noch früher abgeschlossen wurden. - Ich hatte das Buch schon gelesen, bevor du es mir empfohlen hast (Perfekt). 

Ich hoffe, das ist einigermaßen verständlich. Wenn nicht, frag bitte.

Es gibt im Deutschen kein Imperfekt ...

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@Johann242

Das Imperfekt gibt es sehr wohl. Ich habe es in der Schule gelernt, im Deutschen und Lateinischen etwa gleichzeitig. 

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Die abgeschlossene Vergangenheit ist der Perfekt:

Ich habe das Buch gelesen.

Dann gibs das Präteritum, mit dem man Handlunge in der Vergangenheit ausdrückt, ohne dass die vollendet sein müssen.

Ich laß ein Buch. 

Und den Plusquamperfekt, der Handlungen ausdrückt, die vor einem Zeitpunkt in der Vergangenheit liegen:

Ich setzte mich in den Sessel und laß ein Buch.

Alle Lehrer behaupten aber dass zwischen dem Perfekt und dem Präteritum (Imperfekt) gibt es gar keinen Unterschied - an Bedeutung wenigstens. 

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@slyrth

Das ist im Prinzip richtig, weil beides eine abgeschlossene Handlung beschreibt. Ich laß ein Buch und ich habe ein Buch gelesen ist von der Bedeutung her gleich.

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@slyrth

Das Imperfekt ist ist nicht gleich dem Präteritum, da es vom perfektiven Aspekt abhängt, das Präteritum jedoch nicht.

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@Arlon

Ist es nicht, denn das Perfekt ist eigentlich eine abgeschlossene Gegenwart, es ist vorzeitig zum Präsens. Das Präteritum kann Jahre zurückliegen, das im Perfekt geschilderte Geschehen muss unmittelbar vor dem jetzigen Geschehen passiert sein - alles andere ist ein falscher Ausdruck.

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@Johann242

Also ich muß ganz ehrlich gestehen, dass ich 22 Jahre aus der Schule raus bin, dass mich deutsch nie interessiert hat, dass ich mir nie gemerkt habe, was Genitiv und was Dativ ist und dass ich mir als Muttersprachler darüber auch nie Gedanken mache. Aber ich kann dir sagen, dass es gibt: Ich laß ein Buch. Ich habe ein Buch gelesen. Ich wollte ein Buch lesen. Frag mich aber nicht nach den Zeitformen. Für mich ist das alles Vergangenheit. Aer sicherlich werden hier noch mehr User auftauchen, die dir das nötigeWissen vermitteln können.

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@Arlon

Tja, aktives Sprachwissen ade, kann ich da nur sagen. Schließlich sollte man zumindest wissen, wie man die Tempora richtig bildet ... Auch 22 Jahre nach der Schule. Nur, weil ich 22 Jahre den Unterricht los bin, heißt es noch lange nicht, dass ich nur deshalb nichts mehr wissen brauche ... Aber ihr seid dann solche, die sich darüber beschweren, dass zu viel Englisch im Deutschen mit drin ist, was ...?!

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@Johann242

Diesen Unterschied gibt es in der deutschen Sprache nicht mehr so deutlich. Gerade in der gesprochenen Sprache hat das Perfekt das Präteritum fast vollständig verdrängt.

Ich fuhr gestern nach Berlin. = Ich bin gestern nach Berlin gefahren.

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@Johann242

"Imperfekt" ist die Bezeichnung, die man vormals für das "Präteritum" verwendet hat. Da es sich aber bei dieser Zeit im Deutschen eben nicht um eine unvollendete Vergangenheit handelt, ist man von dieser irreführenden Bezeichnung abgekommen.
Im Deutschunterricht wird heute nur noch der Begriff "Präteritum" verwendet.

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Dein Plusquamperfekt (übrigens neutral: DAS Plusquamperfekt) ist ein schönes Präteritum ... Wenn, dann müsste es heißen: Ich hatte mich in den Sessel gesetzt und ein Buch gelesen. Immerhin bildet sich das Plusquamperfekt mit dem Präteritum von "haben" oder "sein" und dem Partizip II des Verbs ...

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@Johann242

Ich hatte mich gesetzt und ich setzte mich ist doch der gleiche Abwasch.

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@Arlon

Nein, denn du hast kein Präteritum von "haben" oder "sein" und damit ist es Prätzeritum und kein Plusquamperfekt ... Schlags nach ...!

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@Johann242

Ich meine von der Bedeutung her. Mal abgesehen davon, dass: Ich hatte mich gesetzt." kaum jemand sagt.

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@Arlon

Von der Bedeutung her auch nicht. Das Präteritum drückt keinen vollendeten Zustand aus.

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@Johann242

Ich hatte mich gesetzt = Ich habe irgendwann mal irgendwo gesessen. Ich setzte mich = Ich habe irgendwann mal irgendwo gesessen.

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@Arlon

Offensichtlich haben die Lehrer recht - wer eine Fremdsprache erlernte der kennt sie besser als die Muttersprachler - wenigstens wenn es um die Grammatik geht. 

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@Arlon

Nein, das Plusquamperfekt beschreibt eine vollendete Vergangenheit, das Präteritum eine unvollendete Vergangenheit. Nimm es hin, schlag es nach drangsaliere den DUDEN-Verlag, aber ich kann mit dir auch gerne in die Ursprünge des deutschen Sprachsystemes gehen und dir ziegen, ab wo wir in etwa das Plusquamperfekt haben ... Meine Facharbeit habe ich noch griffbereit.

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@slyrth

Tja, slyrth, zumindest weißt du, dass man die drei Vergangenheiten unterscheidet, nicht, wie einige andere hier ...

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@Johann242

Na egal. Ich spreche wenigstens eine Sprache, die einige Polen lernen möchten. Andersrum sprechen Polen eine Spreche, die kein Deutscher lernen möchte.

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@Arlon

Nicht nur Polen ... Deutsch ist doch meistgesprochene Sprache (Muttersprache) in der EU. Glaubt mir es gibt immer mehr Deutsche die auch Polnisch lernen :) 

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@Johann242

Das Präteritum beschreibt keine unvollendete Vergangenheit. Dieser Gleichsetzung kommt wohl immer noch von der früheren -irreführenden - Bezeichnung "Imperfekt".

Beim Plusquamperfekt geht es um Vorvergangenheit. Es wird nur dann verwendet, wenn eine Handlung der Vergangenheit noch vor einer anderen Vergangenheit liegt.

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