Wie heißt dieses Gedicht und wie findet ihr es?

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2 Antworten

Das ist nicht von Rilke.

An den Richter
(von Georg von der Vring 1889-1968)

Noch denk ich, mein Richter,

Du wirst mich nicht fragen;

Doch wenn du mich fragtest,

Was könnt ich Dir sagen?

...Ich war wie ein Laub, und der Sturmwind verblies mich -

Das wäre nur Ausflucht,

Ich werd es nicht sagen.

...Kein kluger, kein redlicher Freund unterwies mich -

Das wär nicht die Wahrheit,

Ich werd es nicht sagen.

...Was feind war, verblieb; was lieb war, verliess mich -

Das wäre mir Schmach,

Und ich werd es nicht sagen.

...Ich war wie ein Kind, und die Welt verstiess mich -

Das wäre wohl war;

Doch ich werd es nicht sagen.

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Kommentar von moonchild1972
27.12.2015, 12:54

Vielen lieben Dank. Ich kannte es aus meiner Jugend...ich habe es all die Jahre gesucht, nur niemals wieder gefunden.

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Kommentar von moonchild1972
27.12.2015, 14:06

wie findest Du die Aussage des Gedichtes? Ist es nicht wunderschön und unendlich traurig? Wie ist Dein ganz persönlicher Eindruck, wie Vring diese Situation ausdrückt, vor dem Richter zu stehen? Er redet von Ausflucht, er redet von Wahrheit und er redet von Schande. Was immer der Angeklagte getan haben mag, welche Tragweite hat es auch vor ihm selbst? Und im Bezug auf die anderen Verbrechen, die andere Menschen vor ihm getan haben? Wie schwer wiegt so ein Verbrechen im Verhältnis? Und sind wir nicht vor dem wissenden Richter alle gleich? Wir kennen den Richter nicht. Irgendwann stehen wir vor dem großen Richter, der schon viel gesehen, gehört und erlebt hat, ja, und jeder Mensch könnte unser Richter sein. Aber unser schlimmster Richter sind wir im Grunde genommen selbst. Ich würde gerne noch mehr schreiben, aber ich glaube dafür würde die Seite nicht ausreichen. Im Grunde genommen weiß niemand wirklich vorher, was er in bestimmten Situation tun würde und wie das Leben spielt. Wir können die besten Absichten haben und trotzdem schuldig werden.

Wie findest Du das Gedicht? Ist es auch nicht sehr wortschön? Es sind nur wenige Worte, aber sie haben sehr viel Ausdruckskraft. Eines kenne ich noch von Vring. "nasse Rosen" sie drücken Schwermut aus, Verwegenheit, Einsamkeit, Melancholie und Sinnlichkeit...und Vergänglichkeit...eben wie wir Menschen sind.

Was ganz anderes: Wie findest Du eigentlich Khalil Gibran? Er hat so wunderschöne Geschichten geschrieben. Sein bekanntestes Werk ist "Der Prophet"... aber er hat noch so viele schöne andere Geschichten geschrieben....hättest Du Interesse, Dich mit mir darüber aus zu tauschen? generell über Lyrik, Philosophie, Moral, Ethik, Religion, MENSCHSEIN? Ich will keinen Wissensaustausch, ich möchte einfach nur mit jemanden nachdenken und mich über Inhalte austauschen... ich möchte einfach nicht damit alleine sein.

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