Wie hat sich Anaximander das Universum vorgestellt?

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Anaximander (Ἀναξίμανδρος [Anaximandros]) war ein ionischer Naturphilosoph des frühen 6. Jahrhunderts. Er stammte aus Milet, soll im Jahr 547/8 64 Jäher alt gewesen sein und wird als verwandter, Schüler und Nachfolger des Thales bezeichnet. Nach antiker Überlieferung hat er als erster Philosoph seine Lehren schriftlich festgehalten. Außerdem hat Anaximander vielleicht eine Karte gezeichnet und eine σφαῖρα, eine visuelle Darstellung des Himmels, gebaut. Ihm wird die Erfindung des Gnomon (γνώμων), des Zeigers der Sonnenuhr zugeschrieben (wahrscheinlich von den Babyloniern übernommen, Herodot 2,109; also eher als Weiterentwicklung zu verstehen): am Schatten eines ein senkrecht aufgestellten Stifts wird – unter anderem zur Konstruktion einer Sonnenuhr – der Stand der Sonne abgemessen. Anaximander soll die wichtigsten astronomischen Bezugspunkte entdeckt haben.

Die erhaltenen Texte sind in den Fragmenten der Vorsokratiker (FVS) gesammelt, eine Standardausgabe dazu ist von Hermann Diels und Walther Kranz (DK abgekürzt). Es gibt deutsche Übersetzungen der Fragmente.

Neben diesen Quellen können Nachschlagewerke zur Antike und Bücher zu den Vorsokratikern und zur Geschichte der Philosophie helfen.

Anaximander hat als Ursubstanz, Ursprung und Prinzip des Seienden eine unbegrenzte Natur, das Unbegrenzte (τò ἄπειρον [to apeiron]) angenommen, den sichtbaren Stoffen vorgeordnet.

Der Übergang vom Unbegrenzten zu einem entwickelten Kosmos, in dem sich die Gegensätze in neuem Gleichgewicht befinden, also die Entstehung eines ausgeformten Universums wird in der Überlieferung als Aussonderung (ἔκκρισις [ekkrisis]) oder Absonderung (ἀπόκρισις [apokrisis]= beschrieben.

Um das Ganze stellte sich Anaxiamnder eine feurige Hülle vor (also insgesamt eine Art Feuerkugel). Beim Zerplatzen dieser Hülle sind Kreise/Ringe entstanden, in den Feuer eingeschlossen ist. Durch Öffnungen ist es möglich, das Feuer als Himmelskörper wahrzunehmen.

Die zylinderförmige (FSV DK 12 A 10; nach Diogenes Laertios 2,1 kugelförmige [σφαιροειδῆ]) Erde, von gewölbter, abgerundeter Gestalt, einem Säulenstumpf ähnlich (FSV DK 12 A 11), befindet sich im Mittelpunkt/Zentrum aller Kreise/Ringe und beharrt so schwebend. Bei den Kreisen/Ringen ist der der Sonne der äußere, gefolgt vom Mond. Planeten und Sterne sind der Erde am nächsten.

Das Meer erklärt Anaximander als Überbleibsel der ursprünglichen Überflutung, wovon das Feuer den größeren Teil ausgetrocknet habe, den Rest durch Auskochung umgewandelt.

Christof Rapp, Vorsokratiker. Originalausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : Denker ; 539), S. 44 – 46 (Der Kosmos: Entstehung und Gestalt)

S. 45 (zu einer komplizierten Lehre FSV DK 12 A 109: „«Er (Anaximander) sagt, ein Warmes und Kaltes Erzeugendes sei bei der Entstehung unserer Welt aus dem Ewigen abgesondert worden, und aus diesem sei eine feurige Kugel um die Erde umgebende Luft herum entstanden, wie Rinde um einen Baum herum. Als diese (Kugel) dann geplatzt war und (das Feuer) in bestimmten Kreisen eingeschlossen wurde, seien Sonne, Mond und Sterne entstanden.»

Aus dem ewigen Unbegrenzten gehen nach diesem Bericht nicht direkt die Gegensätze, sondern «ein – die Gegensätze Warmes und Kaltes Erzeugendes» (gnomimon) hervor. Dieses Erzeugende, das als zusätzliche Stufe zwischen dem Unbegrenzten und den Gegensätzen dient, ist einigermaßen rätselhaft, der griechische Ausdruck dafür wird auf Samen und Eier angewandt, so dass die Weltentstehung in die Nähe organischer Erzeugung gerückt wird. An ein Ei erinnert auch die Schilderung der feurigen Hülle, dies sich um das Ganze legt, wie die Schale um das Ei, und mit deren Aufplatzen ein fortgeschrittenes Stadium der Entwicklung beginnt.“

S. 46: „Die in DK 12A10 gegebene Kosmogonie führte die Vorstellung von Kreisen ein, in denen Feuer eingeschlossen sei. Diese Vorstellung wiederum ermöglicht Anaximander eine bahnbrechende Antwort auf die Frage, wodurch die Erde ihre Stabilität erhält; hatte Thales noch mit seinem Vorschlag, die Erde schwimme auf dem Wasser, das Problem nur verlagert, behauptet Anaximander, die Erde beharre schwebend, weil sie sich genau im Zentrum von allem, nämlich von den besagten Kreisen oder Ringen befinde (A 11). Denn, wenn sich etwas in der Mitte im gleichen Abstand von allen Rändern befindet, berichtet oder kommentiert Aristoteles (De caelo 295b10ff. = DK 12A26), komme es ihm um nichts mehr zu, sich nach oben zu bewegen als nach unten oder zu den Seiten hin; außerdem sei die Bewegung in entgegengesetzten Richtungen unmöglich, so dass es notwendig ruhe. Diese Erklärung für die Stabilität der Erde ist eingebettet in eine ausgearbeitete Kosmologie.

Die Erde selbst ist zylinderförmig wie das Segment einer Säule, die Tiefe dieses Zylinders beträgt ein Drittel seines Durchmessers. Auf einer der beiden Flächen befinden wir uns. Um die Erde herum liegen die Feuerringe, die in der Phase der Weltentstehung durch das Zerplatzen der feurigen Hülle zustande gekommen waren. Das eingeschlossene Feuer selbst ist nicht sichtbar, weil es von dunstiger, undurchsichtiger Luft umgegeben ist. Allerdings befinden sich in der Dunsthülle dieser Himmelsringe röhrenartige Öffnungen oder Ausblasestellen, durch die hindurch wir das Feuer als Himmelskörper wahrnehmen können. Bisweilen werden die Öffnungen verschlossen (warum, wissen wir nicht), wodurch die Verfinsterungen und Mondphasen erklärt werden können. Der äußere Ring ist der der Sonne, sein Durchmesser beträgt das 27fache (nach anderer Quelle: das 28fache) des Erddurchmessers. Es folgt der Mondring, dessen Durchmesser 18 mal so groß ist wie der der Erde. Die Planeten und Sterne schließlich sind der Erde am nächsten (vgl. DK 12A11, 18 und 21). Genaueres über die Sterne ist allerdings nicht bekannt; nach dem 27fachen und dem 18fachen Durchmesser wäre für den Sternring ein 9facher Durchmesser anzunehmen. Möglicherweise bilden die einzelnen Sterne je eigene Räder mit demselben Durchmesser, die versetzt zueinander liegen.“

Wolfgang Röd, Die Philosophie der Antike 1 : von Thales bis Demokrit. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage. München : Beck, 1988, S. 39 – 40 und S. 44 - 45

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@Albrecht

Sehr ausführlich, dankeschön!

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Anaximander war Schüler des Thales. Der war davon überzeugt, dass die Erde wie ein Schiff auf Wasser schwimmt. Anaximander geht einen Schritt weiter und sagt, dass die Erde von nichts gehalten werde, sondern ihre Stabilität im Raum dadurch habe, dass sie von allen "Dingen" den gleichen Abstand hält. Sie habe eine körperhafte Form (Diogenes Laertius sagt, er habe die Erde bereits als Kugel betrachtet). Wir laufen auf einer Seite, es gibt aber auch eine gegenüberliegende Seite (Antipoden). Wie Anaximander zu der Vorstellung einer Erde kam, die als Körper frei im Raum schwebt, wissen wir nicht. Bei ihm finden sich schon Urideen, die später Parmenides und Heraklit weitergeführt haben, nämlich, dass das ganze Sein unwandelbar sei (Parmenides), die Teile des Seins aber wandelbar (Heraklit). Er soll sogar schon (was man später eher dem Parmenides zuschreibt) gesagt haben, dass der Mond sein Licht von der Sonne hat und die Sonne "pures Feuer" sei. Laut Diogenes Laertius ist er der Erfinder der Sonnenuhr.

Und wie hat er sich die Sterne vorgestellt?

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