Wie hat der Mensch damals ohne Computer gearbeitet?

10 Antworten

Je komplexer ein technischer Apparat werden sollte, um so mehr Ingenieure, Konstrukteure und zuletzt technische Zeichner waren daran beteiligt, eine Lokomotive erst zu entwerfen, dann in Baugruppen aufzuteilen und diese dann in Einzelteilen darzustellen, auf Blaupause oder Papier halt. Die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft- Verantwortlichen hatten früh erkannt, dass Einheitslokomotiven auch die Konstruktion wesentlich vereinfachen konnten, weil viele Baugruppen 1:1 wieder verwendet werden konnten. Gutes Beispiel dafür sind die BR 24 und 64, bei denen der Kessel, Fahrgestell und Triebwerksgruppe identisch waren. Lediglich die Wasserkästen der 64 seitlich des Kessels und der am Führerhaus angebrachte Kohlenkasten waren individuell zur 24. Die zog ja einen Tender für Wasser und Kohle hinter sich her. Die BR 03 und die BR 41 bekamen identische Kessel. So lassen sich viele Stunden "am Reißbrett" einsparen, was natürlich Kosten mindert. Auch die Teilefertigung konnte mittels Maschinen, die anhand von Schablonen Teile wiederholt fertigen konnten, trugen dazu bei, große Stückzahlen eines Bauteiles, kostengünstig zu fertigen.

Die Einbeziehung von Computern in die Werkstätten begann mit NC. Numeric Control half, dass entsprechende Maschinen mit vorprogrammierten Datenträgern "gefüttert" wurden und so ein genaues Abbild eines Werkstückes fertigen konnten. An der Maschine war keine Änderung des Teiles Möglich.

CNC (Computer Numerical Control) war die nächste Stufe der Digitalisierung. Die notwendigen Informationen zur Fertigung konnten nun auch an der Maschinensteuerung eingegeben werden oder immer noch vorab in der Arbeitsvorbereitung erstellt und gespeichert werden. Die Datenträger können geändert werden.

Als weitere wichtige Innovation galt CAM. (Computergestütztes Manufacturing).Alle daten, die das Bauteil betreffen, können aus einer Datenbank abgerufen werden. Der Maschineneinrichter ergänzt die Informationen zu den benötigten Werkzeugen im Programm und der Maschinenbediener kann loslegen. Inzwischen kann er mehr als 1 Maschine bedienen.

CIM (Computerintegriertes Manufacturing ist die Königsdisziplin. Maschinen, Konstruktion, Arbeitsplanung, Disposition und Arbeitsvorbereitung sind weltweit vernetzt. Entwicklung in z.B. Europa, Zusammenführung in den USA und die Einzelteilfertigung in Asien, und alles ist in wenigen Minuten oder in Echtzeit verfügbar. So ganz nebenbei können die Maschinen per Fernwartung instand gehalten werden. Das defekte Bauteil wird online erkannt und in meist weniger als 24 Stunden trifft ein Ersatzteil ein, dass von geschulten Kräften Vor Ort für das defekte Teil eingebaut wird. Das spart mal richtig Kosten. Das Servicepersonal sitzt vielleicht schon im Homeoffice, nationale oder sogar regionale Teileläger können Teile per Express zum Kunden senden. Ein Bagger z.B. wird direkt am Einsatzort wieder startklar gemacht.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Du hast eine gute Beobachtung gemacht: je mehr die Technik kann, desto weniger kann der Mensch selber..

Das fängt mit der Kraft an, wenn der Mensch seine Kraft bei der täglichen Arbeit nicht mehr braucht...

Natürlich war das alles genau, damals hat man die Teile eben nicht per CNC Programm gefertigt, sondern per Schablone und manuellen Maschineneinstellungen-
du kannst Problemlos auf 3/1000tel mm arbeiten, selbst mit konventionellen Dreh/Fräsmaschinen, und per Schliff ist noch höherer Genauigkeit möglich. Messgeräte (auch manuell) gibt es dafür.

Wieso wird dann heute so wenig ohne Computer gebaut? Ein Auto hätte viel weniger Dinge die kaputt gehen könnten.

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@Philipp796

Ach das, naja. Es ist eben auch gewollt das Dinge kaputt gehen, und viele feinere Funktionen lassen sich ohne Computer nur bedingt umsetzen. Wie z.B die Optimierung vom Verbrauch durch Präzisionssteuerung der Einspritzung.

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@AvarageTrashbag

Ohne Computer wären wir jetzt vermutlich sogar schlechter dran als die vor 200 Jahren, weil wir an die Computer und an das angenehme gewöhnt sind.

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@Philipp796

Würden von heute auf morgen alle Computer auf magische Weise nicht mehr funktionieren (definiere auch mal Computer- denn den kann man auch mechanisch bauen) gäbe es natürlich erst einmal Chaos, aber schlechter dran als vor 200 Jahren wären wir nicht. Wir würden nicht unser gesamtes Wissen verlieren.

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@AvarageTrashbag

Das meiste Wissen ist doch auf Festplatten gespeichert. Wikipedia würde auch nicht mehr gehen. Alles was ab 1940 gebaut wurde, würde nicht mehr funktionieren.

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@Philipp796

Das meiste Wissen gibt es auch noch auf dem Papier.
Wir haben Archive dafür, die sogar nichts anderes machen, als ununterbrochen Daten aus Digitalen Medien in andere Formen überzuführen, für den Notfall.

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@Philipp796

Computer in dem Sinn gibts erst ab etwa der 80er sagen wir mal grob
Mein Vater war bei der Bahn, die sind auf CAD umgestiegen 1993, davor war noch alles händisch auf dem Reisbrett zu zeichnen und die haben auch erst ca 2006/7 begonnen das "alte" langsam zu digitalisieren und sind heute noch lange nicht fertig damit

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@MichaelSAL74

Warum eigentlich erst so spät? Die Technik hat doch so vieles vereinfacht...

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@Philipp796

Überleg mal, was an Betriebssystem und Software und an Rechenleistung zur Verfügung stand. Die fingen mit 25 oder 33MHz CPUs an.

Damals bekamen wir zu Hause unseren ersten PC:
80286SX25, 55MB HDD; 2MB Arbeitsspeicher, Grafikkarte mit 256kB, bernsteinfarbener 14" Monitor, 24 Nadeldrucker mit MS-DOS5.0 ab Werk (das Komplettpaket kostete 3500 Märker). Selbst dann auf MS-DOS6.22 und WfW3.11 plus MS Works (Office-Suite) "upgegradet" und das reichte.
Damals hieß es "100MB Festplatte? Wozu? Braucht man nicht, die kriegt kein Mensch jemals voll".

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@MichaelSAL74

Naja es war neu und deswegen teuer. Heute gibt es Office Rechner Neu für 200€ mit 1TB Festplatte. Im Jahr 2021 hat aber wirklich keiner mehr die Ausrede warum er seine alte Technik nicht aufrüstet. In Südkorea oder China, auch in den USA ist alles viel weiter als in Deutschland. In deutschen Schulen gibt es sogar noch Röhrenmonitore...

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Bevor man damals eine Lok gebaut hat, haben technische Zeichner am Reißbrett Zeichnungen der einzelnen Komponenten angefertigt.

Anhand der technischen Zeichnungen hat man dann die Werkzeugmaschinen manuell eingestellt.

 - (Computer, Geschichte, Maschinenbau)

Wie hat man riesige Gussformen gemacht, ohne die Schablone dafür zu haben? Damit meine ich wirklich diese richtig großen, für Außenteile des Zuges zb.,..

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@Philipp796

Die Macht man auch heute ohne Schablonen. Dafür gibt es noch heute Menschen, xfie sich modellbauer nennen und Dolche Sachen zum Teil in Handarbeit herstellen

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@Philipp796

Die Urmodelle für den Formenbau wurden anhand der Zeichnungen in Handarbeit und auf konventionellen Maschinen angefertigt.

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Immerhin gab es schon 50 Jahre vor dem ersten Computer Eisenbahnstrecken und Eisenbahnen.

Die ersten Lokomotiven gab es Ende des 18. Jahrhunderts, die erste Eisenbahnstrecke 1825. Das war mehr als 100 Jahre, bevor es Computer gab.

Alles auf Papier, klar aber das war doch nicht genau?

Berechnungen dauerten eben länger. Genau waren sie trotzdem.

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