Wie hat Helmuts Kohl die Wiedervereinigung beeinflusst?

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8 Antworten

Kohl hatte keine Ahnung im Vorfeld von der kommenden unblutigen Revolution. Große Worte, aber sie treffen ja den Kern. Niemand war allerdings schlauer als Kohl, die Sache nahm ihren Lauf, nach dem fast aus versehen, die Öffnung der Mauer übers Fernsehen gesendet wurde. Die Ehrungen, als Kanzler der Deutschen Einheit, sind weit hergeholt.

Kohl saß am Abend vor dem Mauerfall bei einem ausländischen Staatsbankett und tat die Meldung mit einer verächtlichen Handbewegung und dem Kommentar: "Das kann warten bis wir in Berlin sind." ab.

Kohl stand auf der Mauer und konnte nicht mal di erste Strophe unserer Nationalhymne. Hätte er wenigstens den Text des Kinderliedes von Berthold Brecht - darf ja träumen - gekannt.... Ohne Willy Brandt hätte er schweigen müssen, Dieser stand hinter ihm und half ihm das Lied zu überstehen.

Kohl nahm kurz vor seiner Rede noch einen Anruf von Gorbatschow entgegen. In diesem Anruf erklärte Gorbatschow Kohl die UDSSR wolle keine Gewalt. Kohl solle die Bevölkerung beruhigen. Gegen eine Vereinigung sei von Seiten der UDSSR nichts einzuwenden. Jetzt sei die Hauptsache dass die Sache nicht eskaliere.

Es ist zu bedenken, wir sind die Besiegten. Damals wie heute sind klare Ansagen unserer Besatzungsmächte durchaus von einem deutschen Kanzler ernst zu nehmen.

Dass er gut reden kann verdankt er ja auch seiner Frau. Manche Einflüsse spielen also hier rein dass er so funktionieren konnte wie er funktionierte.

Ich wage sehr stark zu bezweifeln dass dieser Mann ohne Hannelore Kohl seinen Wiedervereinigungsplan hätte bauen können.

Sicher ist er hauptverantwortlich dafür dass wir uns heute einbilden in einem vollkommen freien Land ohne Besatzungsmächte zu leben. Laut 4 + 2 - Vertrag ist dies allerdings nicht der Fall. Damit wurde ein Grundstein gelegt welcher sehr ungut ist.

Darüber hinaus hat er maßgeblich dafür gesorgt dass viele Mängel der BRD auch in der BRD unbekannt waren und sind. So konnte diese einmalige historische Chance nicht genutzt werden dem Grundgesetz beider Hälften in Bezug auf Personenrechten Genüge zu tun.

Ein weiterer Aspekt wurde bis heute nicht beleuchtet nach meinem Wissen:

Kohl genießt ja bis heute Immunität. Aus geheimen Gründen wie es aus einem Urteil des BVG hervorgeht. Wir können uns belesen welche international agierenden Firmen wie lange ihre Gewinne wo versteuerten und ihre Verluste in Deutschland geltend machten. Wir können uns belesen für welche bankrotte Bahn die DB zwei Milliarden ausgab. Während sie zeitgleich fünf Milliarden Steuergelder erhielt. Ob er das was ausgekungelt hatte werden wir wohl nie erfahren. Aber die Frage darf gestellt werden ob dies der außenpolitische Preis gewesen ist den zu zahlen wir uns bereit erklärt haben auf diplomatischem Weg. - Tatsäche ist sicher: Wären wir Wessies gefragt worden wären wir kaum damit einverstanden gewesen. Wir hätten schlimmer geschimpft als jetzt wegen Griechenland. Eine Wiedervereinigung hätte es nicht gegeben. Davon kann ausgegangen werden.

Weiter ist Tatsache dass ohne Genscher die Wiedervereinigung kaum so glatt gelaufen wäre. Er hat gewiss hier hart gekämpft mit Kohl.

Insgesamt ist sein hervorstechenster Beitrag seine Machtgier, seine Herrschsucht die ihn getrieben haben sich immer wieder mit fähigen Menschen zu umgeben und im Bedarfsfall sich ihre Ideen und Vorstellungen zu eigen zu machen.

Ich versteh nichts :(.Was tut er jetzt für die Wiedervereinigung ?

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Für Kohl war dieser Tag ein Glücksfall, Gorbatschow dagegen wurde in seinem Land dafür geächtet. Wer hatte hier wohl Kreuz?

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Meiner Meinung nach war sein Einfluss gar nicht sooo groß. Er bemühte sich eben um gute Kontakte nach Russland. Und als die Leute alle in die Botschaft geflohen waren, bemühte er sich, sie ausfliegen lassen zu können (dazu musste ja über ungarisches Gebiet geflogen werden) und dass sie dort bis dahin eben mit Essen und allem versorgt sind. Klassisch ist ja sein Satz in der Ungarischen Botschaft: "Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ihre Ausreise...." und der Rest ging im Jubel unter.

Ansonsten war er eben zufällig gerade Kanzler, als das passierte. Bewirkt haben es die Menschen, es war nicht von OBEN geplant. Es war eine klassische Revolution durch das Volk- mit der außergewöhnlichen Eigenschaft für Revolutionen, dass es gewaltfrei war. Naja- gute Beziehungen zu Russland haben sicher auch dazu beigetragen dass damals, als die Mauer durch eine falsche Fernsehdurchsage fiel und die Leute zur Mauer stürmten, nicht auf sie geschossen wurde.

Ich sage dir, was meiner Meinung nach zum Mauereinsturz führte:

  • die zivilcourage der Ungarn, die die Leute in der deutschen Botschaft auf ihrem Gebiet nicht so verrecken lassen wollten und sich daher dem russischen Bündnispartner wiedersetzten

  • die Leute, die die Flucht in die Botschaft wagten

  • Gorbatschov, der zumindest entgegen anderer russischer Führer vorher doch etwas menschlicher und morderater reagierte

  • die Menschen, die jeden Samstag ihre Samstagsdemonstrationen machten- das war unter Einsatz ihres Lebens, es war damals eher normal auf Demonstranten zu schießen

  • Reporter, die die Bilder der Demonstrationen aus dem Land schmuggelten, damit sie ins Fernsehen kamen- und damit durch die öffentlichkeit das leben der Demonstranten schützten

  • der Typ, der im schwarzen Kanal statt "Die Reiseregelungen sollen morderater gestaltete werden" versehentlich sagte "Die Grenzen sind nun offen"- worauf alles zur Mauer eilte und die Volkspolizisten die Massen nicht mehr halten konnten

  • Jeder, der an diesem Tag zur Mauer rannte, entweder um von ost nach west durchzumarschieren oder um vom Westen aus die Mauer mit Hacke und Schaufel und bloßen Händen einzureißen

  • Volkspolizisten, die nicht geschossen haben

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@guinan

Der Typ, der gesagt hat: die Mauern sind offen, war nicht im schwarzen Kanal und es war auch nicht der Typ (Karl Eduard von Schnitzler) aus dem schwarzen Kanal!

Der das sagte war das SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski im Zuge einer Pressekonferenz.

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@hauseltr

Danke- der Name war mir entfallen. Gut, dass er nicht gut zugehört hatte, was er sagen sollte -))

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Mit der Maueröffnung und dem vorherigen Prozess hatte er ja nicht viel zu tun. Man sollte auch nicht vergessen, dass man Willy Brandt einen Vaterlandsverräter genannt hat, weil er eine der beachtlichsten Taten eines deutschen Politikers vollbrachte (Kniefall in Warschau) und danach die Ostverträge auf den Weg brachte und unterzeichnete. Dafür bekam er den Friedensnobelpreis...

Der Zusammenbruch des Ostblocks begann in Polen, der Widerstand in DDR war kaum durch den Westen beeinflusst, sondern er entstand durch die Unzufriedenheit und den Starrsinn einiger Pfarrer und Aktivisten.

Die Mauer fiel auch durch die Öffnung des eisernen Vorhangs in Ungarn und der CSSR, da hatte Kohl nur sekundär etwas damit zu tun. Als die Mauer fiel staunten viele nicht schlecht, weder deutsche noch amerikanische Geheimdienste hatten eine Ahnung. In Berlin lies ein gewisser Schabowski eine Entscheidung des Politbüros auf eine Frage eines italienischen falsch ab, Stunden später lagen wir uns in Berlin das erste Mal ungeteilt in den Armen...

Mit dem Kohl hatte und habe ich so meine Probleme, vor allem wenn man nun das Buch seines Sohnes liest. Die deutsche Einheit im Sinne des Völkerrechts hat er massgeblich beherrscht, wie auch die Währungsunion. Diese Punkte kann man Ihm nicht absprechen...

Hätte Kohl bei der Währungsunion gezögert, wäre es wohl noch schlimmer gekommen, der berühmte Plan, den er aus der Schublade zauberte hat funktioniert, leider wurde danach üppig geschlampt, für die Folgen zahlen wir z.T. noch heute.

Ein viel wichtigerer Punkt war die Einigung mit den Franzosen und Briten, die dem ganzen pessimistischer gegenüber standen als die USA und selbst die Udssr. Thatcher was not amused, sie warnte Ihre Landsleute öffentlich vor einem wirtschaftlich starken Deutschland, mit den Franzosen war es nicht viel anders, aber er überzeugte vor allem Mitterand (Hand-in-Hand am Brandenburger Tor).

Wir Berliner verdanken Ihm überdies auch noch einen Teil der Entscheidung für Berlin als Regierungssitz, die Verlegung von Bonn brachte aber im nachhinein fast nur Vorteile...

Kohl hat sich als Kanzler seinen Platz in der Geschichte redlich verdient, menschlich ist er selbst für seinen Sohn eine Enttäuschung, der Mann hat immer nur die Macht gesehen, da waren Menschen nicht so wichtig, wir wissen nicht wie die Wiedervereinigung mit einem Schröder oder Lafontaine verlaufen wäre, da fehlten vor allem letzten doch das Gespür für den historischen Moment...

Was tut er jetzt genau ???

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@Blackstaro

Die richtigen Menschen aussuchen, sich sogar von denen beraten lassen, deren gute Ideen übernehmen als eigene und sie umsetzen, die Diplomatie und die Wirtschaft an einem Strang ziehen lassen, Kontakte knüpfen und pflegen. Nach Außen vertreten, heilige Worte verbreiten, Lorbeeren kassieren.

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@dawala

So würde ich es nicht ausdrücken, aber sicher hat er sich vieles von anderen geklaut, das macht aber wohl jeder Politiker...

Wie gesagt lest das Buch oder diesen Artikel

http://www.zeit.de/meinung/2011-01/kohl-sohn-enthuellung

Wer Birne schon seit Teenagertagen hatte, der dachte irgendwann, dass die Regierungszeit unendlich ist. Sein Niedergang durch die Spendenaffäre zeigten Seiten dieses Mannes, die man vorher nicht einmal vermutet hätte. Insgesamt also erstaunlich wie ein Provinzler nur durch seine Gestalt und einen unglaublichen Machtwillen eine solche politische Präsenz erreichte. Das mit der Einheit und Europa wird man Ihm nicht wegnehmen können, es überstrahlt aber nicht seine menschlichen Defizite...

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@evaness

Sehr guter Artikel zu dem Thema...:-)

Wir erinnern uns auch an Kohls Auftritt 1989 - kurz nach der Grenzöffnung - im Schöneberger Rathaus, wo er als einziger der Versammelten einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt wurde...

Ich werde das Gesicht Willy Brandts an diesem Tag nie vergessen, für Ihn war es auch das Ende eines Traumas Wir haben Ihm 1993 die letzte Ehre erwiesen, man stand stundenlang für einen Mann, der wohl einer der wichtigsten Politiker der Bundesrepublik gewesen ist. Er der lange für Frieden und Versöhnung stand, als seine politischen Gegner sich in Revanchismus übten...

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er hat sehr klug die "gunst der stunde" genutzt und das politische tauwetter, das von der UdSSR kam durch perestroika- und glasnost-politik von gorbatschow für die deutsche wiedervereinigung ausgenutzt.

Mit der Revolution in der DDR hat Birne nicht viel zu tun gehabt. Als die Wiedervereinigung Ende 1989 debattiert wurde konnte man sich nur einen Staatenbund vorstellen.Später hat Kohl aber Gorbatschow soweit zur Wiedervereinigung überzeugen können das wäre sein Verdienst so denke ich.

Restutionsgesetz. (Einbahnstrassengesetz heißt es richtig) Mal in Kleinmachnow nach der Wirkung fragen. Hier war die ehemalige DDR ein selbständiger Staat, den man nicht neu zu bewerten braucht. Aussage einer Staatskanzlei. Alles Verdienste von Kohl. Übrigens, der Ausdruck: Belgisch Kongo, ist hier angebracht.

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Er hat rumgesessen und gewartet ( war zufälligerweise Bundeskanzler).

Dafür hat er Sprüche von blühenden Landschaften von sich gegeben.

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