Wie halten Psychiater und Psychologen das aus?

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13 Antworten

Erstmal sind Psychologen nur dann mit seelischem Leid konfrontiert, wenn sie auch Psychotherapeut sind und als solcher arbeiten.

Außerdem gibt es dafür die Ausbildung und nicht zuletzt (gerade bei Psychiatern) die selben Bewältigungsmechanismen wie bei anderen Ärzten (v.a Onkologen insbes. Kinderkrebs, Kinderärzte, Chirurgen, Notärzte usw.), wobei dies auch für Pflegepersonal gilt, für Erzieher, für Sozialarbeiter (hier sogar viel mehr als bei Psychiatern) usw. Dies sind in der Regel aber auch Tätigkeiten, die keine intensive Beziehung zum Patienten / Klienten erfordern, sondern eher eine diagnostische, medikamentös behandelnde, als Experte "nur" beratende Funktion usw.

Wirklich schwierig wird es bei Psychotherapie, weil hier eine mehr oder minder intensive therapeutische Beziehung oft über einen langen Zeitraum (mit Patienten, die eben oft Probleme bei der Beziehungsregulation haben und daher schwierige Beziehungenskonstellationen haben) gefragt ist (ist aber auch abhängig vom Verfahren, also in der Regel ist da Verhaltenstherapie weniger beanspruchend als dann sie Analyse mit mehreren Terminen pro Woche über Jahre auf der anderen Seite).

Die Diskussion, was aushaltbar ist, ist tatsächlich sehr heiß diskutiert. Das Bundessozialgericht, die Kassenärztliche Vereinigung und auch die Krankenkassen gehen davon aus, dass ein Psychotherapeut so rund 8 bis 10 Patienten am Tag "wegtherapieren" können muss (am besten noch in vollgestopften Gruppen), während viele v.a. beziehungsintensiv z.B. modern analytisch arbeitende Therapeuten nach 4-5 Patienten eigentlich emotional "durch" sind (und außerdem mehr Zeit für die Reflexion des Prozesses, Intervision und Supervision aufwenden mussen, nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell, was dann zum echten Problem werden kann). Na ja, das ist alles ein weites Feld ...

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Da gibt es schlimmeres. Menschen, die ständig mit einem psychisch kranken Partner oder gar Elternteil zusammenleben (müssen), sind da viel gefährdeter. Ein Psychologe hat wenigstens mit vielen verschiedenen Menschen zu tun, außerdem ist er durch die Ausbildung darauf vorbereitet.

Für Kinder, die dann auch noch von einem psychisch gestörten Elternteil abhängig sind und sich ihrer Macht beugen müssen, ist es sehr schwierig, ein gesundes Weltbild zu bekommen oder zu erhalten.

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Die Antwort auf deine Frage liegt direkt im ersten Satz: Ein Psychiater hat eine neurologische Ausbildung, das bedeutet, er kann beinahe alle Krankheiten fundamentiert und sichtbar im Gehirn nachweisen und die synaptischen Verbindungen erklären. Für ihn sind diese Patienten nicht krank, sondern haben eine andere Verbindung, in die man hineinschauen kann, die man strukturieren kann. Denn es gibt nirgendwo vollkommenes Chaos. Und genau hier muss der Psychiater/Psychologe das Muster erkennen und daran arbeiten. Ein Patient, der Stimmen hört, hat bspw. lediglich eine erhöhte Aktivität im auditiven Bereich, über die wir alle verfügen. Der Unterschied von ihm zu uns: das Gehirn verfügt nicht über die Botenstoffe, diese Aktivität sich selbst zuzuschreiben. Somit schreibt es diese Gedankengänge nicht sich selbst zu. Als ich das gelernt habe wurde mir wieder ein Teil der Fremdheit genommen. Verrückte sind nicht verrückt, sie haben nur andere Abläufe. Und das ist nicht belastend oder beängstigend, sondern wahnsinnig interessant. 

PS: Ein Psychologe hat im übrigen in der Regel keine neurologische Ausbildung. Darum beschäftigt sich auch zumeist ein Psychiater mit den allgemeinhin als verrückt bekannten Fällen (dissoziative Persönlichkeitsstörung, antisoziale Dysfunktion etc..)

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Oftmals haben Psychologen/Therapeuten ihren eigen Psychologen... usw. Es gibt aber auch bestimmt welche die das gut trennen können und die Arbeit nicht mit nach hause nehmen. Für sensibelchen ist dieser Beruf nichts! ♡liche Grüße

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Das Zauberwort heißt Professionalität. Braucht man auch bei der Polizei oder im Rettungsdienst.

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Hallo Binomina,

von meinem Psychologen weiß ich, dass Psychologen einen Supervisor haben, mit dem sie Probleme besprechen können.

Auch schaffen es viele, die Probleme anderer nicht so nahe an sich ranzulassen, dass sie davon nicht selbst ergriffen werden.

Mein Psychologe hatte mir damals sehr geholfen. Später habe ich für ihn die Buchhaltung gemacht. Wir hatten dann auch viele Gespräche privater Art. Und er sagte mir, dass er mich nun nicht mehr behandeln könne, da wir fast ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hatten.

Du siehst an dem Beispiel, dass immer eine gewisse Distanz gewahrt bleiben muss.

Alles Gute

Virginia

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Die meisten sind selber bei Kollegen...es kommt aber auch immer darauf an welche Klienten man hat denk ich...;)

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Pathologen sehen auch (fast) täglich Tote... nicht jeder kann solche Berufe ausüben. Man muss sein "Arbeits-Ich" auf der Arbeit lassen und das Private schön privat lassen. Also keine Sorgen, Nöte und Probleme der Patienten "mit nachhause" nehmen.

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Das ist wie bei jedem Beruf man muss lernen privates von beruflichem zu trennen Und die meisten die diesen Beruf ausüben fühlen sich gut, wenn diese anderen helfen können

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Ich hab in der verwandschaft eine Psychologin die geht selber zum therapeuten.

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Kommentar von KuwePB
07.02.2015, 14:51

In Woody-Allen-Filmen therapieren sie sich alle gegenseitig.

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Sieh dir mal die Spezialisten genauer an,bei den meisten hat ihre Arbeit irgendwie abgefärbt.

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Kommentar von Binomina
07.02.2015, 14:39

Bei dem Vater einer alten Freundin aus der Grundschule: Der ist echt eiskalt gewesen! Der hat nie gelächelt oder so, war echt gruselig!

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Es macht den meisten einfach Spaß. Sehr viele genießen es, Menschen mit seelischem Leid auszunutzen, um sich selber besser zu fühlen.

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Das ist in der Tat sehr schwierig. Sie grenzen ihr Privatleben strikt davon ab. Anders geht es nicht.

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