Wie haltbar sind moderne Rassismusvorwürfe?

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11 Antworten

Ich bin absoluter Überzeugung, dass man sich mit derlei Dingen auseinandersetzen muss. Letzten Endes ist es doch nicht hinnehmbar jemanden der eine andere Meinung vertritt nicht im politischen Dialog ernst zu nehmen sondern ihn einfach mit der Rassismus und rechtskeule zu diskreditieren.

Es ist wichtig sich mit Sorgen und Ängsten auch anders denkender Menschen zu beschäftigen anstatt es totzuschweigen.

Und in manchen Punkten haben die Leute ja eventuell auch Recht bzw. berechtige Sorgen? Dann muss man an Lösungen arbeiten, das geht aber nur wenn man offen für den Dialog ist. Oder eventuell liegen diese Menschen falsch, aber lassen sich im Dialog auch überzeugen?

Und selbst wenn beides nicht greift. Einfach in eine Ecke stellen geht nicht. Außer vllt. bei verkappten Ultra Nazis, da ist der Dialog dann kaum möglch, aber die Meinung sollte dennoch ernst genommen werden.

Aber wo nimmt die Politik bitte mal die Meinungen der Leute ernst? Deutsche Demokratie ist eine Farce! Wir brauchen nicht mehr rechts oder mehr links wir brauchen mehr lager übergreifenden dialog und direkte bürgerbeteiligung!

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Über Rassismusvorwürfe im Allgemeinen kann ich schlecht etwas sagen. Da müsstest Du mir schon konkrete Beispiele nennen.

Ein Beispiel, das mir spontan einfällt, sind die Vorwürfe gegen Björn Höcke vor einigen Monaten, als er Rassentheorien verbreitet hatte.

Hier ein Link dazu:

http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/AfD-Hoeckes-Lehre-von-Menschentypen,hoeckeslehre100.html

Und in so einem Fall möchte ich persönlich keinen Dialog führen müssen. Mir wird nämlich ganz anders, wenn ich mir so einen Kram nur anhöre.

Natürlich kann es sinnvoll sein, diesen Quatsch mit biologischen Argumenten als pseudowissenschaftlich zu enttarnen, und in dem Sinne auch darauf einzugehen. Aber wie gesagt möchte ich persönlich das nicht machen müssen. Und wenn man solche Leute tatsächlich zum Schweigen bringt, wenn man den Rassismus als solchen benennt, soll mir das Recht sein.

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Kommentar von Gronkor
08.06.2016, 07:01

Du kannst gerne andere Beispiele nennen, Soulwax - insbesondere solche, bei denen Du den Vorwurf für unberechtigt hältst. Dann können wir darüber diskutieren.

Zu Deinem Fragetext möchte ich noch anmerken, dass man eigentlich einen Rassismusvorwurf sinnvollerweise gar nicht äußern kann, ohne auf den Inhalt einzugehen. Woraus soll sich sonst ergeben, dass eine Aussage rassistisch ist, wenn nicht aus ihrem Inhalt?

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Kommentar von Pudelcolada
08.06.2016, 16:35

Zu Deinem letzten Absatz:
Seit über hundertzwanzig Jahren wird auf Rassisten eingeredet wie auf einen alten Gaul, es wird argumentiert und wissenschaftlich widerlegt, aber es ist den Tauben Predigen.
Kaum ist die Argumentationskette schlüssig und lückenlos vorgebracht, schon geht der Mund des Rassisten und faschistoiden Nationalisten auf und beginnt trotzig:
"Ja aber trotzdem musst du doch zugeben... und ich habe ja nichts gegen *Minderheit eigener Wahl*, aber... Du musst doch die Überlegenheit von *Nation / Hautfarbe eigener Wahl* anerkennen, wenn du dir die Zustände in *...* anschaust." Usw, usw...

Es ist einfach so ermüdend, wie Don Quichotte gegen Windmühlen zu kämpfen, Windmühlen der Ignoranz, Selbstherrlichkeit und Dummheit.

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Wobei ich Dir recht gebe ist der völlig undifferenzierte Einsatz von Vokabeln wie "rassistisch" oder "Nazi", die ganz klar definiert sind.
Eine solche pauschale Benutzung trägt nichts zu einer offenen und sachlichen Auseinandersetzung auf der Grundlage von Argumenten bei und wird auch oft inhaltlich falsch angewendet, wahrscheinlich um den politischen Gegner zu diffamieren.

Allerdings gilt dieser Vorwurf für beide Seiten.
Wenn etwa Rechtspopulisten mit Ängsten von Bürgern arbeiten, indem sie Vorurteile pauschalisieren und daraus Bedrohungsszenarien bauen, dann ist das m.M.n. einer Auseinandersetzung nicht dienlich.

Wenn diese Drohkulissen dann auch noch mit rassistischen Verbalattacken unterfüttert werden wie etwa von einem Höcke, der sich genüsslich über das angebliche Paarungsverhalten von Schwarzafrikanern öffentlich auslässt und dafür bejubelt wird, statt ihm das Mikro abzunehmen, dann ist der Vorwurf des Rassismus eben nicht keine pauschale Keule mehr, sondern eine Tatsachenbeschreibung.
Genauso wenn ein Gauland und eine von Storch über die angebliche Gesellschafts(un)tauglichkeit dunkelhäutiger Fußbalnationalspieler schwadronieren, also eine nicht belegbare Verbindung zwischen Hautfarbe und Verhalten herstellen.
Dafür gibt es ein Wort: Rassismus, und diese leiernde Platte wird auch 2016 nicht schöner oder wahr.

Wenn dagegen eine Petry sich über die Pilgerfahrt von Özil auslässt, ist das nicht rassistisch, sondern etwas anderes:
Hier lebt jemand ungeniert sein religiöses Halbwissen und Vorurteilsdenken aus und verbindet beides mit nationalistischen Pseudo-Argumenten.
Ihre Argumentation, Özil zeige damit seine Untauglichkeit, zur Nationalmannschaft zu gehören, ist genauso albern und unhaltbar, wie wenn einem christlichen Fußballer der türkischen Nationalmannschaft dasselbe vorgeworfen werden würde mit der Begründung, auf der türkischen Fahne sei schließlich der Halbmond abgebildet und nicht das Kreuz.
Die Petry spielt hier also mit der Unwissenheit vieler Bürger, aus der Angst vor dem Fremdartigen entsteht. Mit nur ein wenig Bildung und persönlichem Kontakt wären die allermeisten dieser verunsicherten Bürger in der Lage, bei Muslimen zwischen "normalen" Gläubigen und Extremisten genauso zu unterscheiden wie bei Christen, bei denen es ja schließlich auch extremistische Gruppierungen gibt.

In meinen Augen besteht das Problem also auf beiden Seiten, wobei ich die (rechten) Populisten in der Bringschuld sehe, endlich ihre unsäglichen Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen zu unterlassen.
Stattdessen sollten sie sich auf der Sachebene argumentativ äußern, aber ich fürchte, da würden nicht viele Argumente übrig bleiben.
Populismus lebt nun einmal von Halbwahrheiten und Pauschalurteilen, vom Spiel mit Ängsten und Sorgen, also von Emotionen und eben nicht von sachlicher Auseinandersetzung.

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Bei Wiki kann man Interessantes darüber lesen, denn es gibt verschiedene Rassismen, neben dem biologischen auch den kulturellen, sozialen und religiösen Rassismus.

Unter anderem:
Für den Soziologen Albert Memmi dient Rassismus primär der Herrschaftssicherung.

"Der Rassist ist liebenswert, weil sein Opfer verabscheuungswürdig ist. Die Welt des Rassisten ist die des Guten, die Welt seines Opfers die des Bösen“ ...Zugleich verdient die gesamte Fremdgruppe, der das Stigma des Schädlichen und Aggressiven anhaftet, dass man sie angreift...
Der Rassist möchte in dem Stempel, den er dem Gesicht seines Opfers aufdrückt, dessen endgültige Züge sehen. Nicht nur, dass das Opfer einer Gruppe angehört, deren Mitglieder alle diese Makel tragen, sie tun es außerdem für immer. Damit hat alles seine Ordnung für die Ewigkeit. Ein für allemal sind die Bösen böse und die Guten gut..."

Darüber kann man sich mit dem linken Lager doch austauschen, wenn es über die Rechten ätzt.

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Kommentar von suziesext10
19.12.2016, 22:27

ganz tolle, beste Antwort, find ich :)

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Ich würde es selbst nicht hören wollen, weil man es zu so vielen Themen sagen kann, aber ich finde, da kann man nicht pauschalisieren.

Manche Rassismusvorwürfe sind berechtigt, andere dienen lediglich dazu, um jemanden mundtot zu machen.

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Ich erlebe das genau umgekehrt. Seit Jahrzehnten wird seites der empirischen Sozialforschung ein rechtsextremer, rassistischer und ausländerfeindlicher Bodensatz in der Gesellschaft ermittelt.

Seit Jahrzehnten wird dieser Rassismus begelitet von rechtsterroristischen Morden und Anschlägen. Deutschland wird überzogen von einer Welle von rassistisch und ausländerfeindlich motivierten Anschlägen auf Asylbewerberunterkünfte und Flüchtlingsheime, denen das rechte Lager mehr als nur klammheimliche Symphatie entgegenbringt.

Insofern muss man die Rechte durchaus "Ernst nehmen" und Rassismus und Ausländerfeindlichkeit weiter bekämpfen.

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Es muss dringend ein Dialog geführt werden aber nicht mit Nazis mit Rechtskonserativen etc allerdings schon.

Gerade die AFD (scheint) wichtige Anliegen vieler Bürger zu thematisieren wenn man die Diskussion verweigert oder/und permanent "Totschlagargumente" nutzt fördert dies Politikverdrossenheit und radikalisierung.

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Kommentar von Matermace
08.06.2016, 03:10

Ich sehe das Hauptproblem der AfD darin, dass sie zwar selbst eher rechtskonservative als rechtsextreme Positionen vertreten, aber dennoch bei jeder Gelegenheit Rechtsextreme in Schutz nehmen. Das macht einen differenzierten Umgang schwierig.

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Kommentar von Bananensandwich
08.06.2016, 03:18

Und warum nicht mit denen? Außer natürlich sie sträuben sich. Grade wenn doch jemand so völlig an der Sache vorbei denkt sollte man es doch zu mindest probieren. Wenn man dann merkt ok geht nicht kann man es dann immer noch lassen. Aber doch nicht von vorn herein ausschließen.

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Na ja , deine Frage beantwortet sich von selbst. Natürlich müsste ein Dialog geführt werden. 

Wenn ich heute eine Einwanderungspolitik wie in Kanada fordere, wird nicht mit Gegenargumenten geantwortet, sondern mit der Nazikeule. Wenn ich sage, dass nach geltendem Recht abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden müssen, genauso. Wer sagt, dass jeder souveräne Staat eine Grenze haben muss, also eine Haustür, über die er bestimmt, dann schallt es erneut "Rassist". 

Sie entziehen sich der Argumentation durch diese Etiketten, die sie auf Andersdenkende kleben. Ich wäre sehr interessiert, einmal ein gutes Argument zu hören, warum eine unbegrenzte Einwanderung sinnvoll und möglich sein soll.

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Kommentar von atzef
08.06.2016, 08:02

Wer eine Einwanderungspolitik wie in Kanada fordert, plädiert für mehr Einwanderung, als wir derzeit in Deutschland haben!!! Die Einwanderungsgesetze in Kanada sind weit offener und liberaler als die sehr restriktiven Bestimmungen dazu in Deutschland. :-)

Niemand widerspricht dir, wenn du forderst, dass abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden müssen. Nur ist das in der Praxis nicht immer so einfach, insbesondere wenn der Herkunftsstaat nicht kooperiert.

Jeder souveräne Staat hat eine Grenze, über die er frei disponieren kann. So etwas muss man gar nicht erst fordern. Da würde dir also ob der symbolpolitischen Einrennung sperrangelweit geöffneter Türen eher völlige Verständnislosigkeit "entgegenschallen" denn der Vorwurf, ein "Rassist" zu sein. Ein Grenzregime, wie wir es vor Schengen hatten, behindert nicht nur die Reisefreiheit, sondern vor allem auch den Warenaustausch und würde automatisch zu einer Verteuerung der Preise und einer Belastung unserer Export- und Speditionswirtschaft führen unnd damit Arbeitsplätze gefährden.

Ich habe auch noch nie jemanden eine "unbegrenzte Einwanderung" fordern hören. Beleg das mal bitte.

Wie viele verwechselst du einfach Einwanderungspolitik mit Flüchtlings- und Asylpolitik bzw. bringst das durcheinander.

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Den Menschen nicht zuzuhören bzw sie für ihre Meinung zu verurteilen ist auch eine Art des Rassismus.

Deutschland hat in jeder Hinsicht bei der Integration versagt. Wir haben es nichtmal geschafft unsere eigenen Leute richtig zu integrieren. Jahrelang wurde weggeschaut was zur Folge hatte, dass es eben diese Rechten und Linke Lager gibt. Beides sind Teile der Gesellschaft, welche nicht richtig integriert wurden.

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Kommentar von atzef
08.06.2016, 08:07

Du hast anscheinend ein totalitäres Verständnis von "Integration". Für dich scheint das so eine Art dispositiver Pflichtenkanon zu sein... Der aber wäre verfassungsfeindlich und eben gerade gegen unsere freiheitliche Demokratie gerichtet.

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Kommentar von Pudelcolada
08.06.2016, 16:40

Nein, das ist keine Form des Rassismus, sondern eine Form von Intoleranz.
So langsam verkommt das Wort Rassismus zu einem Synonym für
"Finde ich doof, weiß aber nicht, wie ich es benennen soll".

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Leider verstehe ich nicht, was du wissen möchtest. Ich weiß auch nicht, wie man "Äußerungen mit Rassismus zum Schweigen" bringt.

Gruß, earnest

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Ich finde es falsch zu früh Rassismus zu schreien. Ohne eine konkrete Äußerung als Beispiel zu haben kann ich da aber schlecht Stellung beziehen^^

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