Wie häufig kommt ein Kensho statistisch vor?

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2 Antworten

Ich habe in einem Buch (welches kann ich nicht rekonstruieren) gelesen, dass man in Japan im statistischen Schnitt nach 4 - 6 Jahren Zen-Praxis - natürlich unter Führung eines Meisters - Kensho erfährt. Das würde bedeuten, dass zwei Drittel der Adepten innerhalb dieses Zeitraums diese Erfahrung haben.

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Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und helfe dir gerne weiter.

Kensho, das "Schauen der eigenen Buddha-Natur" ist als besonderes Ereignis eigentlich nur im Rahmen der Koan-Schulung in der Rinzai-Tradition von Bedeutung und bezeichnet eine bestimmte Erfahrung.

Im Soto-Zen gibt es "Kensho" als besondere Erfahrung des Durchbruchs letztlich genau so wenig, wie das Ziel des Satori, denn das Zazen soll zum "shikantaza" dem absichtslosen Sitzen werden.

Doch egal, ob man das Kensho nun als wichtig oder unwichtig ansieht - es ist eine individuelle Erfahrung, die man meiner Meinung nach nicht statistisch erfassen kann.

Jeder Mensch ist konditioniert - durch Erziehung, Kultur, Lebenserfahrung - und er identifiziert sich mit den Bewertungen und Kategorien, die sich dadurch bilden. Dadurch hat er ein sehr individuelles Weltbild.

In welchem Maße man sich von dieser Fixierung auf das eigene "Ich" lösen kann, ist daher ebenfalls individuell verschieden. Manche werden vielleicht ihr ganzes Leben lang kein Kensho erleben, andere dagegen spontan.

Die alten chinesischen Zen-Geschichten sind voller Erzählungen von spontanen Kensho-Erfahrungen außerhalb des Zazen, was die unterschiedlichen geistigen Verfassungen der Menschen zeigt.

Die Grundlagen des Einzelnen sind völlig unterschiedlich. Manche haben ein eher schlichtes Gemüt, andere sind intellektuelle Philosophen, oder aber sehr auf die korrekte Form der Praxis konzentriert.

Daher kann man keine "Kensho"-Rate aufstellen.

Außerdem bieten solche Erfahrungen immer die Gefahr, dass das "Ich" daran hängen bleibt und man meint, etwas dauerhaftes erreicht zu haben.

Somit kann selbst bei Menschen die von sich behaupten, ein Kensho erfahren zu haben, immer noch sehr viel Egoismus im Spiel sein - die Erfahrung des Kensho ist kein Garant für einen guten Charakter.

Deshalb ist es aus meiner Sicht von besonderer Bedeutung, diesen Dingen eben genau keine übertriebene Wichtigkeit beizumessen, sondern weiter zu üben und dabei nicht irgendeine "Erkenntnis" vertiefen zu wollen.

Gerade wenn man dann danach strebt, eine solche Erfahrung erneut erleben zu wollen, kann es leicht sein, dass das Gehirn darauf reagiert - und die passenden Makkyo (Halluzinationen) produziert, die das Ego dann entweder überfordern, oder weiter füttern.

Darüber hinaus ist der von dir genannte Zeitraum von einem Jahr sehr kurz. Viele Menschen lernen in dieser Zeitspanne gerade einmal, korrekt zu sitzen und nicht zu sehr unter Schmerzen zu leiden.

Auch wenn ein Kensho theoretisch jederzeit geschehen kann, ist das Zazen eine wichtige Grundlage für die Fortführung der eigenen Praxis, anstatt beim Erfahrenen stehen zu bleiben.

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Kommentar von NewKemroy
26.05.2016, 11:41

Danke. Wie siehst Du das mit dem Streben und Nicht-Streben? Es gibt in allen möglichen Religionen, Traditionen, Sekten usw. einerseits die Streber, die soetwas wie Erleuchtung erreichen wollen. Hierzu würde ich die Katholiken, die Sufis, die Rinzei-Zennies und die Theravadins zählen. Und auf der anderen Seite gibt es jene, die sagen: Du brauchst nichts tun, is alles in Ordnung, lediglich solltest du sitzen (Soto-Zen), glauben (Protestanten) oder den Namen Gottes singen (Hare-Krishna).

Siehst Du auch diese Zweiteilung?

Und wie begründet sich Deine Position?

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