Wie hätte die Welt sich entwickelt wen es kein Feuer gäb?

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Die Beherrschung des Feuers gehört zu den höchsten kulturellen Leistungen des Menschen und hat sein Leben wie kaum eine andere Entdeckung verändert. Spätestens mit der Beherrschung des Feuers war die Grenze zwischen Tier und Mensch überschritten, sofern man so eine Grenze überhaupt ausmachen kann. Denn alles in der Natur ist fließend.

Welcher unserer Vorfahren hat wohl die ersten Erfahrungen mit dem Feuer gemacht? Es ist allgemein bekannt, dass auch Tiere das Feuer, oder Besser die Folgen von Feuer nutzen, aber sie tun das eher passiv. Nach Buschbränden kommen vor allem die Räuber zurück. Adler kreisen über der vom Feuer verwüsteten Landschaft, und Leoparden durchsuchen die noch warme Asche nach toten Tieren oder machen Jagd auf jene, die zwar überlebt haben, sich nun aber nicht mehr verstecken können.

Können unsere nächsten lebenden Verwandten, die Schimpansen ebenso wie der Mensch ihre Furcht vor dem Feuer überwinden? Anscheinend nicht: Man hat bis jetzt noch keine Schimpansen oder andere Primaten beobachtet, die ein natürlich entstandenes Feuer gepflegt oder gar ein künstliches Feuer entzündet hätten. Die Furcht vor dem Feuer wiegt schwerer als die Neugier und dies nicht ohne Grund: Nur wer Respekt vor dem Feuer hat, überlebt es auch. Die Meidung von Buschfeuern und Brandherden ist eine Verhaltensweise, die sich evolutionär bewährt hat.

Als sich vor 2,5 Millionen Jahren das Klima in Afrika zu verändern begann und es zu immer längeren Trockenzeiten kam, schrumpften die Regenwälder des Äquatorialgürtels. Besonders der östliche Teil des Kontinents, der durch das immer breiter werdende Rift-Valley vom Rest klimatisch abgetrennt wurde war davon betroffen. Savannen mit ihren weiten Grasfluren und vereinzelten Bäumen breiteten sich aus. Aus den ursprünglichen Savannen hingegen wurden weite Steppen, Heimat für die großen Weidetiere. Doch sie mussten immer größere Strecken zurücklegen, um an frischen Graswuchs und zu den wenigen Wasserstellen zu kommen. Davon waren auch die ersten Menschen betroffen, denn auch sie waren wie alle Lebewesen vom Wasser abhängig.

Bei einer dieser Wanderungen oder bei einer Rast muss es dann geschehen sein: Der Himmel verdunkelt sich, Wolken türmen sich drohend auf. Blitze durchzucken den Himmel und das Grollen des Donners kommt immer näher. Dann ein greller Blitz, ein Knall zerreißt die Luft. Ein Baum hat Feuer gefangen, ein Ast senkt sich brennend zu Boden; die strohtrockene Savanne beginnt zu brennen. Eine Gruppe früher Menschen hat die Szenerie beobachtet - aus sicherer Entfernung. Dieser Vorgang wird für sie nichts Neues gewesen sein, denn Buschbrände waren aufgrund der klimatischen Verhältnisse häufiger als heute. Diese Menschen gehen zum Baum, dessen Inneres noch glimt. Die Glut betten sie in Rinde und Blätter. Sie werden das Feuer zu ihrem Lagerplatz tragen. Dort werden sie es wieder entfachen. Es wird ihnen Licht und Wärme geben und sie vor allem vor den nächtlichen Angriffen der Leoparden schützen. Das Feuer ist gefährlich - und das Feuer ist gut.

Eine derartige Szene mach sich vor 1,4 Millionen Jahren in Chesowanja, Kenia abgespielt haben. Jedenfalls fanden dort Archäologen ungefähr 40 kreisförmige Flecken und Klumpen aus gebranntem Lehm, zusammen mit Tierknochen und einfachen Werkzeugen aus Lavagestein. Waren die Verfärbungen tatsächlich Spuren vom »Lagerfeuer« oder doch nur die verköhlten Stümpfe niedergebrannter Bäume? Oder waren es die Stellen, an denen der Blitz eingeschlagen hatte?

überzeugendere Hinweise auf Feuerstellen gibt es aus der Höhle von Swartkrans in Südafrika. Dort fand man einige Hundert Knochen von Antilopen und Zebras, sogar einige von Australopithecus robustus , dem häufigsten dort gefundenen Hominiden. Alle diese Knochen waren durch Kohlenstoffreste geschwärzt und mussten, so zeigen Laborversuche, einer Temperatur von 315 bis 480 Grad Celsius ausgesetzt gewesen sein; so heiß sind Holzfeuer. Diese Schichten sind eine Million Jahre alt.

Wer auch immer diese Feuer gehütet hat - der Australopithecus oder doch erst ein Hominide der Gattung Mensch - er musste eine ganz besondere Fähigkeit gehabt haben: die Fähigkeit, das Feuer zu bewahren. Wir wissen nicht, wann das erste Lagerfeuer brannte, ob vor 1,4 Millionen Jahren oder einer Million Jahren; wirklich zuverlässige archäologische Fundstellen sind alle jünger als 500.000 Jahre. Doch zu dieser Zeit musste Mensch bereits genügend Erfahrung mit dem Feuer gesammelt haben. Er hatte gelernt, dass verschieden Materialien unterschiedlich gut bennen, dass das Feuer niemals ausgeht, wenn es ausreichend mit Brennbarem versorgt wird. Der Schritt zur Beherrschung des Feuers dürfte die Entwicklung der Sprache und des Denkens gewaltig gefördert haben.

In den südafrikanischen Höhlen wurden Überreste vieler Australopithecinen gefunden. Dass sie darin gelebt haben, wie noch Raymond Dart vermutete, wird heute ausgeschlossen. Man nimmt an, dass diese Hominiden von Raubtieren in die Höhlen geschleppt wurden. Bisspuren an Schädel- und anderen Knochen zeugen davon, dass diese Hominiden noch Gejagte waren - vielleicht gerade deshalb, weil sie noch kein Feuer hatten. Spätestens der Homo erectus wurde selber zum Jäger und war auch imstande, Raubtiere zu vertreiben. In Zhoukoudian (China) wurden zusammen mit dem berühmten Pekingmenschen, dem asiatischen Homo erectus, Ascheschichten gefunden, die 460.000 bis 230.000 Jahre alt sind. In den gleichen Schichten lagen verbrannte Knochen und Steinwerkzeuge. Mit Werkzeugen, Jagdwaffen und vor allem mit dem Feuer hatte der Homo erectus ganz neue Möglichkeiten, sich in seiner Umwelt einzurichten. Er hatte keine Zähne und Krallen, um sich gegen angreifende Tiere zu wehren, doch konnte er Steine zu scharfen Klingen schlagen und mit diesen Speere herstellen (Schöninger Speerfunde). Die Speerspitzen konnte er im Feuer härten. Der Mensch erarbeitete sich sich so seine Vorherrschaft über die Natur. Gewiss war es ein langwieriger Prozess, der sich über viele Tausend Generationen erstreckt haben mag. Zuweilen wird der Mensch den Busch auch absichtlich in Brand gesetzt haben, wenn er den Nutzen solcher Buschbrände kennen gelernt hatte. Noch heute legen in Australien Aborigines künstliche Buschfeuer, um die Natur z erneuern. Nach jedem Feuer erwacht die Natur zu neuem Leben. Einige Pflanzen, so der australische Eukalyptus, warten sogar regelrecht auf das Inferno; ihre Samen keimen erst, wenn ein Buschfeuer tote Materie und Konkurrenten verbrannt hat.

Bestimmt war es wieder eine Kette von Zufällen, die schließlich dazu führte, dass vor einigen Hundertausend Jahren das Kochen erfunden wurde. Die Tiere, die bei einem Buschbrand umkamen, waren nicht nur ein »gefundenes Fressen«, sondern auch leichter zu kauen und bekömmlicher als rohes Fleisch. Auf keinen Fall war ihr Fleisch verdorben, wie es bei Aas häufig der Fall war. Gebratenes Fleisch war gutes Fleisch, und so wird sich allmählich auch unsere Vorliebe für gebratenes Fleisch entwickelt haben. Das Feuer tötete die Keime ab und machte das Fleisch haltbarer, so dass man es noch an den darauffolgenden Tagen essen konnte. Das Feuer erschloss unseren Vorfahren auch neue Nahrungsquellen, denn Blätter und Hülsenfrüchte, die roh ungenießbar sind, können im gekochten Zustand durchaus gegessen werden. Die Hitze zerstört zähe Pflanzenfasern und Giftstoffe. Wann genau der Mensch im Stande war, Feuer zu entzünden und mit welcher Methode, weiss man nicht. Zwei Methoden eignen sich zum Feuermachen, allerdings setzen beide einigen Aufwand und viel Geschick voraus. Zum einen kann ein Stöckchen aus Hartholz entweder mit bloßen Händen oder mit einem kleinen Bogen in weichem Holz gedreht werden. Reibung erzeugt Hitze, vor allem dann, wenn zwischen die Hölzer noch Sand oder Asche gestreut wird. Nach einigen Minuten Reiben entsteht so viel Hitze, dass ein getrockneter Baumschwamm zum Glimmen gebracht werden und als Zunder fungieren kann. Mit dem Zunder wiederum lässt sich leicht anderes brennbares Material wie trockenes Gras entzünden. Für die andere Methode wird Feuerstein gegen das Mineral Pyrit, ein Eisensulfid, geschlagen. Die davonfliegenden Funken werden mit dem Zunderschwamm aufgefangen und mit der Glut das eigentliche Feuer entfacht.

Von der Fähigkeit Feuer zu machen und es zu hüten hing schon bald das Überleben der ganzen Gruppe ab, gerade in kälteren Gebieten. Als Mittelpunkt des Lagers entfaltete das Feuer seinen ganzen Nutzen, es wärmte, gab Licht, hielt Raubtiere fern, und der Rauch wehrte lästige Insekten ab. Das Feuer macht auch ein Leben kälteren und unwirtlicheren Gegenden erträglicher, wenn nicht gar erst möglich, und verlängerte den Tag. Der Mensch konnte nun auch nach Sonnenuntergang noch arbeiten, spielen, essen oder Riten abhalten. Der Gebrauch des Feuers eröffnete dem Menschen neue Freiheiten, allerdings begab er sich gleichzeitig in eine starke Abhängigkeit, eine Abhängigkeit, die bis in unsere Zeit andauert.

Kurzum : OHNE FEUER WÄREN WIR WOHL NICHT HIER UND KÖNNTEN BLÖDE ANTWORTEN GEBEN.

Es gibt die wohlbegründete These, daß der Zugang zu energiereicher Nahrung die Selektion von Varianten mit größerem Gehirnvolumen fördert. Die Entwicklung der Spezies homo ging mit der Verdreifachung des Gehirnvolumens (und entsprechender Strukturveränderungen) in dem für Evolution erstaunlich kurzen Zeitraum von wenigen Millionen Jahren vor sich.

Der Zugang zu gegarter Nahrung hat daher einen Schub in den Entwicklungsmöglichkeiten erzeugt.

Beim rezenten Menschen ist justament die Zungenspitze der Punkt des Körpers, der die größte Hitze erträgt. Es ist also plausibel, daß Varianten von Vormenschen oder Frühmenschen einen Selektionsvorteil in der Fähigkeit zur Aufnahme heißer Nahrung hatten.

Der Mensch hätte sich bestimmt nicht weiterentwickelt. Ohne Feuer kann er nicht überleben.

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