Wie habt ihr die Lockdown-Zeit genutzt?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich habe die Zeit enorm viel damit verbracht mein Leben zu reflektieren, was ich verbessern könnte und was ich falsch mache. Und da ich nix zu tun hatte machte ich enorm viel Sport und brachte mich somit auf ein Gewicht mit dem ich mich wohlfühle ^^

Anfangs habe ich (wie wahrscheinlich viele) mit dem Gedanken, wie ein Lockdown verlaufen sollte, eben nichts anfangen können. Die erste Vermutung war (wie bekanntgegeben wurde von der Arbeit), dass es mal 3 Wochen dauern würde, "und dann sehen wir weiter". Für diese Zeit waren wir von unserer Arbeit aus schon mal für das Werken von zu Hause ausgestattet. Das waren wir zwar schon vorher, für den Fall des Falles, aber nun war es wirklich notwendig. Ich bemerkte mit der Zeit, dass ich mir alles besser einteilen konnte und letztendlich geht es jetzt sogar flexibler, da man ja an keine fixen Zeiten mehr gebunden ist. Das funktioniert zwar nicht bei jeder Arbeit, aber in unserem Fall als CAD-Techniker schon. Allerdings ist es schon auch so, dass man Kolleg*Innen direkt auch sehen sollte, selbst wenn man online auch kommunizieren kann. Diese Bürotage gibt es mittlerweile auch wieder. Vor dem Lockdown konnte ich mir ein Arbeiten von zu Hause nicht vorstellen, jetzt ist sogar das Arbeiten im Büro schon eher ungewöhnlich für mich 😃. Es geht insgesamt sogar mehr weiter, eben wegen der Zeiteinteilung, die auf den ganzen Tag ausgedehnt werden kann, es kann ja auch dazwischen etwas anderes erledigt werden.

Ansonsten ist es eigentlich nicht viel anders als sonst. Wir besitzen seit 20 Jahren ein Haus, und da gibt es zB im Keller noch immer einen weiteren Ausbau bzw Fertigmachen von Arbeiten. Dies passiert im Kleinen immer wieder (auch vor dem Lockdown schon), aber viel mehr ist es auch in dieser Zeit nicht gewesen. Es könnte auch aus dem Grund sein, dass, wenn man sowieso viel Zeit zu Hause verbringt, man dann auch umso lieber wieder unterwegs sein möchte. Z.B habe ich mir angewöhnt, einen "Weg zur Arbeit" trotzdem stattfinden zu lassen. Da ich sonst öffentlich mit dem Bus zur Arbeit fahre, und nun die Gehzeit von insgesamt ca 30 min wegfällt (2x 10 min von daheim zum Bus, 2x 5min von der Arbeit zum Bus), mache ich mich oft am Morgen zu einem Spaziergang oder einer Laufrunde auf. Ich wollte nämlich niemals durch den Lockdown zunehmen, und die Gefahr wäre sehr wohl da. Zwar mache ich sonst auch Sport, aber er würde situationsbedingt weniger werden,eben wegen Wegfallen des Arbeitsweges.

Die Treffen mit Freunden und Verwandten haben sich im Lockdown eher reduziert. Das hat Vor- und Nachteile. Man kommt drauf, dass es Leute gibt, die man gewohnterweise immer sehr oft sah, aber ich sage mal so, es macht auch nichts aus, wenn es weniger ist. Mit gewissen Leuten spricht man letztendlich doch eher immer das selbe, und wenn die Treffen auf die Hälfte oder gar um ein Viertel reduziert werden, sieht man, dass es so auch recht gut ist. Andererseits war ein Erweitern der Freundeskreise, wie das vorher auch schon geplant war, nun im Lockdown nicht möglich. So gesehen hat er einen gewissen Stillstand zur Folge gehabt. Und man überlegt ja nun auch mehr, wie oft ein Treffen mit mehr Leuten nicht eine Ansteckung zur Folge haben kann. Gut oder schlecht ? Ich verstehe zumindest, dass dies die jüngere Genration belastet, aber auch für nicht mehr so junge ist es ungewöhnlich.

Andererseits sind wir auch in einer Phase des Lebens (meine Frau und ich beide nun schon über 50; ihren 50er haben wir dieses Jahr im Mai im Lockdown so gut es möglich war, gefeiert. Es fand im Garten zu einer Zeit statt, in der man bereits wieder mehr als 10 Leute einladen durfte wegen Corona-Bestimmungen), in der wir uns auch weiter neu orientieren. Das heißt, jeder möchte auch Dinge tun, die er bisher nicht getan hat und die man sich im Leben noch vorgenomen hat. Nicht alles kann man immer gemeinsam machen, da jeder in einer Partnerschaft auch eigene Interessen hat. Bei ihr ist es Gartenarbeit, die sie gerne macht, das geht genau so im Lockdown. Singen im Kirchenchor, was sie seit ein paar Jahren macht, ging eine Weile nicht (es singen auch 2 Freundinnen von ihr dort), mittlerweile ist es wieder möglich. Eine dieser 2 Freundinnen, die ich nun auch schon lange kenne, kam gerade im Lockdown aber oft zu uns auf Besuch, wo es zur Angewohnheit wurde, dass viel im Garten gesessen wird , was dann irgendwie typisch für die Lockdown-Zeit wurde. Im Freien war es ja o.k., und es war ja nur eine Person (manchmal dehnte sich die Partei auf ein paar aus), und war oft recht nett, da das eine oder andere Glas Wein auch getrunken wurde, und wir verstehen uns auch sehr gut 😄.

Ich habe etwas in der Lockdown-Zeit trotzdem durchgeführt (soweit es möglich war) und zwar habe ich seit 2018 wieder verstärkt Radtouren durch Österreich fortgesetzt, die ich vorher schon mal bis zu einer gewissen Stelle gefahren war. Ich hatte also 2019 und 2020 (dies dann schon im Lockdown) viel im Freien mit dem Rad verbracht, und es waren wirklich gute Touren, die mich letztendlich durch alle unsere Bundesländer geführt hatten, die ich zwar alle schon tlw kannte, aber mit dem Rad ist es wieder eine ganz andere Erfahrung und ich hatte einiges Neues gesehen. Dieses nahm im Jahr 2020 sogar 3 Wochen ein. Es ist auch gesellschaftlich interessant, da man viele Leute trifft und herumkommt.

Mich mehr dem Musik-Spielen zu widmen, hatte ich gerade im Lockdown nicht verwirklicht. Schon zwar, aber es wurde im Lockdown nicht mehr. Dieses Hobby (entweder mit anderen Leuten oder für mich selbst) ist für mich weiterhin wichtig.

Als wir am 11. November mit unserer Tochter, die nun schon ausgezogen ist und mit der wir immer einen guten Kontakt pflegen, eine kleine Wanderung im Wienerwald unternahmen (es war eher kalt), nahm ich mir für den Nachmittag und Abend zu Hause vor, mich nun endlich auf "diesem Gute-Frage-Portal" mal anzumelden, und "da auch mitschreiben zu können". Seit diesem Abend hat dies ziemlich mein Leben verändert, da ich mir nicht gedacht hätte, was ich da nun alles schreiben würde, und welche Leute ich (zwar "nur" online) kennenlernen würde, und das ist ja zwar auch vllt eine typische Lockdown-Tätigkeit, möchte ich mir aber weiterhin gerne beibehalten. Eigentlich verbringe ich (zwar nicht jeden Tag, aber viele) oft weit über eine Stunde täglich damit, hier zu schreiben, und ich tue es sehr gerne.

Über das Leben (wie du in der Frage schreibst) habe ich auch viel nachgedacht, was ich aber sonst auch immer wieder tue.

Für dein Buch wünsche ich alles Gute ! Wenn man eine Idee hat , sollte man diese auch irgendwie im Leben mal verwirklichen. Es kann zwar auch oft länger dauern, letztendlich denke ich mir, sollte man es doch irgendwann in einer Form tun, denn alles was man mal geschaffen hat, und dokumentiert ist und vollbracht, lebt weiter, und wenn es immer nur im Kopf ist, dann sollte es auch eben mal verwirklich werden 😊

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich versuche gerne, Dinge von verschiedenen Seiten zu sehen

Nachdem ich mit meiner nebengewerblicher Tätigkeit durch die C-Vorschriften insgesamt 9 Monate aufs Abstellgleis gestellt wurde, ohne jeglichen finanziellen Ausgleich zu erhalten, werde ich voraussichtlich auch in Zukunft wenig Steuern zahlen, da mir viele Einnahmen weggebrochen sind.

Alleine die Tatsache, dass ich einer regulären Tätigkeit nachgehe, hat mich vor Schlimmeren bewahrt. Dadurch bin ich zu dem Schluss gekommen, nicht mehr so viel selbstverdientes Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, wie bisher. Ich habe also mehrere Erkenntnisse gewonnen:

  1. Ich werde meinen Konsum so weit wie möglich einschränken
  2. Schwarzgeld stinkt nicht
  3. Respekt ist keine Einbahnstraße

Hab meditiert, bin gejoggt, habe Artikel geschrieben (über dies und jenes, liebe journalistisches schreiben), bin viel mit Freunden auf Berge gegangen, habe Netflix zeitweise abonniert, habe viele neue Podcasts entdeckt, habe auch die Süddeutsche Zeitung zeitweise online abonniert.

Insgesamt viel neues entdeckt und entspannt aber auch viel einsam gewesen und es hat an der psyche gekratzt

LG

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich habe versucht, mit mir selbst etwas besser zurechtgekommen, habe neue Filme/Serien geschaut und Musik gehört, neue Freunde kennengelernt …

Woher ich das weiß:Hobby – Schule, Dokumentationen, Bücher etc.

Was möchtest Du wissen?