Wie haben sich Großfamilien früher in Deutschland finanziert?

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16 Antworten

Armut, Armut und noch mal Armut.

Mein Vater hatte 8 Geschwister und wenig zu beißen; er musste mit 13 Jahren schon arbeiten gehen. Der Rest der Familie hat sich mit einem Handwerk meines Großvaters, zwei Kühen, einer Sau und sechs Tagwerk Land mehr schlecht als recht über die Runden gebracht.

Extreme Sparsamkeit.

Jedes Kleidungsstück, jeder Schuh wurde repariert, geflickt und aufgetragen, bis zum Schluss immer noch ein Putzlappen draus wurde; die Schuhnägel wurden wieder aus den Schuhwracks herausgezogen und geradegeklopft. Abfall gab es bei meinen Großeltern nicht! Lebensmittel wurden aufgegessen, auch wenn sie bereits hart oder schimmlig waren und in die Suppe haben "mehr Augen rein- als rausgeschaut".

Gegenseitige Hilfe.

Nach Möglichkeit hat man sich in der Verwandtschaft geholfen: bei der Feldarbeit, wenn ein Kind außerhäusig untergebracht werden musste, bei Krankheit, im Sterben, aber auch bei Hochzeiten und Kindstaufen.

Dinge akzeptieren.

Bestimmte Dinge waren einfach, wie sie waren. Ob Kinder geboren wurden, hing von der Fruchtbarkeit der Eltern und auch von ihrer religiösen Einstellung ab. Solange beide Eltern leistungsfähig waren, ging es immer irgendwie. Besonders schlimm war, wenn der Vater des Hauses gesoffen hat; dann haben Weib und Kinder permanent gehungert. Wenn der Mann in einer kinderreichen Familie starb oder erwerbsunfähig wurde, war das eine Katastrophe; wenn die Frau starb, musste sich der Mann eine neue Frau (gern mit Kind) als Stiefmutter für seine Kinder suchen.

Ich könnte noch vieles anführen, z.B. dass früher alle paar Jahre mal wieder Krieg war oder dass es auch früher bereits wohlhabendere Familien gegeben hat.

Letztlich haben sich Großfamilien früher nicht "finanziert", sondern sie mussten mit dem auskommen, was da war, und ds war oft genug entsetzlich wenig. Ach ja: Die Familie meines Vaters hatte nur ein Fahrrad, kein Pferd, kein Auto und war niemals im Urlaub. Dafür durfte mein Vater und vier seiner Brüder auf Kosten des Großdeutschen Reiches halb Europa bereisen. Der Erholungswert war überschaubar.

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Ist es wirklich so, daß man sich diese nicht mehr leisten kann ? Oder ist es nicht vielmehr so, daß viele Menschen wegen ständiger Jobwechsel und Umzügen einem Kind die notwendigen Wurzeln nicht bieten kann ?

Ich könnte mir Kinder leisten, es fehlt leider die passende Erzeugerin dazu (Bewerbungen werden gerne angenommen).

Dazu fällt mir ein Blog ein, den ich gerne mit Dir und allen Interessierten teile:

https://dieliebenessy.wordpress.com/2012/12/17/liebes-familienministerium/

Und nochmal zu Deiner Frage: es war damals sicher kein Thema der Finanzierung, aber in einer Großfamilie war auch jeder für den anderen da. Man brauchte kein Geld für den Kindergarten, die Seniorenbetreuung. Kein Auto um Lebensmittel zu kaufen.

Der Wohnort war der Lebensmittelpunkt, der monatelang nicht verlassen werde mußte da auch die Arbeit vor Ort war. Man hatte ein soziales Netzwerk.

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Heutzutage sind wir alle anspruchsvoller geworden: Jedes Kind braucht sein eigenes Zimmer, jedes Jahr soll mindestens eine Urlaubsreise (möglichst weit weg) gemacht werden, die Kinder sollenihren Hobbys nachgehen können, jedes Kind ab einem bestimmten Alter soll ein ein Handy, ein Smartphone haben, die Kleidung eingfach vom älteren Geschwister auftragen will sicher auch keiner mehr.

Wahrscheinlich haben die Geschwister deiner Eltern und deine Eltern all das nicht gehabt und auch nicht erwartet. Früher reichte es, wenn man seine Kinder satt und sauber in die Schule schicken konnte. Da es bei allen nicht so besonders luxuriös zuging, fühlten sich die Kinder nicht benachteiligt. Heutzutage wäre "satt und sauber" zu wenig.

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Ich denke, dass ist einfach auch eine Frage der Prioritäten, und der sich verändernden Lebensansprüchen.

Wir waren 3 Kinder zu Hause. Mein Vater hatte nicht mal ne Ausbildung. Er war angelernter Arbeiter, in einem Industrie Konzern. 40 Jahre bei der Firma. In der heutigen Arbeitswelt, eher ungewöhnlich.

Klassische Rollenverteilung, Muttern blieb zu Hause, und Vadder hat malocht. 3 Schichten, Wochenendarbeit mit 12 Stunden Schichten.

Die Jüngeren haben die Klamotten, und das Spielzeug, der Älteren aufgetragen. Ein Schlafzimmer hielt 30 Jahre, ein Wohnzimmer 25, ein Fernseher 20, genau so wie ne Waschmaschine.

Und wenn man eine Wohnung mit mehreren Kindern gesucht hat, konnte man noch zwischen mehreren Angeboten wählen.

Da hat sich schon einiges verändert. Such heute mal ne Wohnung mit 3 Kindern, die man von einem Gehalt, bezahlen kann. Sechser im Lotto hat vermutlich, in manchen Regionen, größere Chancen.

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Hallo!

Man war früher alles in allem sparsamer & genügsamer, hatte andere Wertevorstellungen: Da brauchte man keinen Luxusurlaub dreimal pro Jahr unter den Sternen des Südens, musste nicht jährlich ein neues Smartphone und auch nicht alle drei Jahre einen neuen fetten Wagen kaufen & man verglich sich nicht so zwanghaft mit anderen, konnte auch mal zurückstecken. 

Kleidung wurde innerhalb der Familie solange aufgetragen bis sie wirklich durch war, man warf sie nicht einfach weg weil sich der Trend änderte wie das heute oft der Fall ist. Marken und Trends waren nicht gar so wichtig, außerdem gab es noch keine Statussymbole in dem Sinne & die Jugend wurde nicht so verwöhnt. Man musste sich seine Sachen noch erarbeiten und bekam sie nicht einfach geschenkt.

Ebenso fielen Weihnachts- und Geburtagsgeschenke sparsamer aus. Ich persönlich habe es noch in Erinnerung, dass man die Sachen bekam die man wirklich brauchte. Einen Pullover, ein paar Socken, 10-20 Mark, dann gab es einen selbstgebackenen Kuchen und den Kaffeenachmittag mit der Familie. Und? Man freute sich genauso :) War doch auch schön, mir hat es an NICHTS gefehlt. 

Und ein wesentlicher Faktor war der Umgang mit dem Geld: Man bezahlte alles in bar, nahm also keine Kredite auf ------> Verschuldung kam nie in Frage. Konnte man sich ein großes Haus, einen neuen Mercedes, eine neue Kücheneinrichtung oder einen exklusiven Urlaub nicht leisten, dann war es eben so. Punkt. 

Man sparte eher, auch war die "Kriegsgeneration" noch keine, die alles weggeworfen hat, sondern auch mal etwas zweifach verwenden konnte & außerdem ihre Sachen pfleglicher behandelt hat ------> man kannte ja noch andere Zeiten & erinnerte sich schmerzhaft an diese zurück. Teilweise sieht man das heute noch an älteren Leuten, die etwa ihre betagten Autos beinahe abartig liebevoll behandeln ------> der gute Mercedes C180 hat schließlich anno 1996 auch mal 45000 D-Mark gekostet & das war eine Stange Geld :)

Ich kannte das so in etwa auch von meinem Opa (geboren 1925). Er war zwar kein Extremsparer, hatte aber kein Problem damit einen Tag später die Reste vom Vortag zu essen & daraus auch tlw. wirklich leckere Variationen zu kochen, z.B. schnitt er die Knödel vom Sonntag auf und hat sie am Montag angebacken. Ich mache das auch noch so, aber ich bin damit einer von 10 die sowas noch praktizieren & es gibt Leute, die mich deswegen auslachen.

Ich bin bei meinem Opa aufgewachsen und habe seine Haltung nicht nur live mitbekommen sondern auch 1:1 übernommen. Fahre einen alten 1000 Euro Mercedes weil ich kein neues Auto brauche, Urlaubsreisen sind nicht so mein Ding & ich kaufe lieber einmal eine teurere, gute Möbelgarnitur vom Schreinermeister um die Ecke als alle drei Jahre eine Kompletteinrichtung der Wohnung vom Roller! Denn letzten Endes lügt man sich nur in die eigene Tasche, wenn man ständig das Billigste kauft... und auch hier dachten die Leute früher anders, denn man kaufte lieber einmal was sehr Gutes und behielt das dann 20-30 Jahre. Als mein Opa starb, habe ich z.B. auch seine Einrichtung nahezu komplett übernommen, weil die Sachen noch sehr gut waren und er sie pfleglich behandelte. 

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Kommentar von Lycaner1985
23.11.2016, 16:38

Keine Anmerkung, frühe haben die Sachen auch so lange gehalten. Heute wird alles so gebaut, dass es nach paar Jahren nicht mehr funktioniert(z.b. Waschmaschine, Fernsehen, Autos).

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Aber sie sind halt erheblich einfacher aufgewachsen. So durften sie eben zumeist die Kleidung der größeren Geschwister auftragen, Markenkleidung? Das war damals noch kein Thema, Kinderkleidung war auch alles andere als modisch. Und Handy und Computer brauchte man dann eben auch nicht gleich 8 mal.

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Frag mal deinen Vater oder Mutter, wie oft sie in Urlaub waren, als die noch Kinder waren. Oder ob sie solche Spielzeug besaßen, die 1/3 der Einkommen von Eltern kostet (z.b. Notebook, PS4, Apple 6). Außerdem wurden keine Markensachen eingekauft, sondern von älteren Geschwister getragen..... Dann war das Verhältnis zwischen Einkommen und Preisen besser. Man konnte für das Geld mehr kaufen. Die Mieten waren viel niedriger. Und es gab z.b. auch nicht jeden Tag Fleisch, sondern nur am Sonntag.  Ich schätze 50 % von dem, was man heute kauft benötigt man nicht und könnte auch ohne leben. 

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Es ging auf deutlich niedrigerem Niveau. Damals wollten auch noch nicht alle acht Kinder alle zwei Jahre das neuste iPhone zu Weihnachten.

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keine urlaube, keine teuren autos, nicht alle nase lang neue klamotten, keine klassenfahrten die ein vermögen kosten, Spielzeug das man sich geteilt hat...

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Ein Grund ist, dass sich die persönlichen Präferenzen weg von Familie und Kinder zugungsten von Luxus und Konsum verschoben haben.

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Wenn man sagt, dass man sich keine Kinder leisten kann, dann kommt das vom puren Egoismus. Man will auf nichts mehr verzichten, bzw. sich einschränken wegen eines Kindes !

Früher stand die Familie im Vordergrund, heute ist es der Luxus (Urlaub, Auto, Handy, Party) !

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Kommentar von Lycaner1985
23.11.2016, 16:21

Man kann heute wirklich weniger Kinder leisten oder wissen Sie vielleicht wieviel ein Paar Schuhe für Kinder zwischen 2-5 Jahren kostet und wie lange diese Schuhe getragen werden können? Außerdem, wenn das Kind nicht alles hat, was seine Mitschüler haben, wird das Kind zum Außenseiter, das will auch keiner......

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In den 50er Jahren floss das wenige Geld in die Kinder. Heute fließt es bei vielen in öfter neu gekaufte Autos, Smartphones, Flachbildschirme, in größere Wohnungen, Urlaubsreisen und teure Kleider.

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Kommentar von sukueh
23.11.2016, 15:57

Das war auch noch nach den 50er Jahren so :-)

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Vielleicht ist das einfach Egoismus? Ich habe vier Geschwister und wir sind alle glücklich aufgewachsen, ohne großen Luxus, da meine Eltern auch "einfache" Arbeiter sind. Migranten bekommen heutzutage auch noch genug Kinder in Deutschland, das Problem besteht komischerweise nur bei "Bio-Deutschen"

Das klassische Familienbild wurde einfach zerstört, da ist heutzutage die Karriere wichtiger.

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Man hat gearbeitet und lebte bescheidener. Die These, dass sich niemand Kinder leisten kann ist grundfalsch. Viele Menschen haben keine Kinder, da sie dann auf etwas verzichten müssten. Sie sind also blanke Egoisten.

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Früher ging es, weil es gehen musste.  Wäre alles so super gewesen,  dann hätte sich nichts geändert. 

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Ergänzung: Viele hatten einen Kleingarten. Man aß eben Möhren, Lauch und Kartoffeln und nicht Avocados oder Convenience Food wie gewaschenen Salat im Plastikbeutel. Erdbeeren erntete man im Juni und kaufte nicht die peruanischen rund um das Jahr. 

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