wie haben sich die Merowinger ausgelöst?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Keine der Darstellungen ist richtig.

Bei den Büchern ist nur mit bibliographischen Angaben wie Autor, Titel, Erscheinungsort Erscheinungsjahr, Verlag und Angabe der Seitenzahlen, wo dies steht, eine nähere Überprüfung möglich.

Unklar ist schon, wer die angeblich gestorbenen Söhne sind. Ludwig ist wohl eine Wiedergabe des fränkischen Namens Chlodwig.

Möglicherweise ist nicht gut verstanden worden, was in den Geschichtsbüchern steht.

In dem Zusammenhang der Fragebeschreibung haben sich die Merowinger nicht ausgelöst, sondern sie sind als im Frankenreich herrschende Königsfamilie von den Karolingern abgelöst worden. Der Übergang von der einen Dynastie (Herrscherfamilie) zur anderen geschah zu einer Zeit, als die merowingischen Könige kaum noch tatsächliche Macht hatten.

Bei den Höfen germanischer Könige gab einen Vorsteher des Hofes, dem Hausmeier (lateinisch: maior domus = Vorsteher des Hauses). Im Frankenreich trat der Hausmeier an die Spitze des Adels und das Amt löste sich bei Zunahme der Macht und des Einflusses des Adels allmählich aus der unmittelbaren Bindung an den König. Ursprünglich wurde das Amts des Hausmeiers vom König stets aufs Neue vergeben, Im Laufe des 7. Jahrhundert wurde das Amt des Hausmeiers in den einzelnen Teilreichen aber erblich und entwickelte sich immer mehr zu einer eigenen Größe neben dem König. Die merowingischen Könige waren über einen längeren Zeitraum hin fast alle minderjährig, als sie Könige wurden, und starben jung. Dies begünstigte eine zunehmende Kontrolle der Hausmeier über die tatsächlichen Regierungsgeschäfte.

Grimoald, Hausmeier im Reichsteil Austrasien/Austrien (östlicher Teil des Frankenreiches), brachte König Sigebert III. (herrschte 639 – 656/7) als dessen Ehe mit Chimnechilde zunächst kinderlos blieb, dazu, Grimoalds Sohn zu adoptieren, der den Merowingernamen Childebert bekam. Chimnechilde gebar dann zwischen 650 und 655 doch noch eien Tochter Bilichild und einen Sohn Dagobert. Als Sigebert 656/7 starb (nur 22 bis 24 Jahre alt – genaue Informationen fehlen), ließ Grimoald den kleinen Dagobert nach Irland schaffen. Damit war dieser abgeschoben und von der Thronfolge verdrängt. Sein leiblicher Sohn Childebert hatte eine Herrscherzeit von 7 Jahren bis zu seinem Tod. Es gab offenbar Widerstand gegen diesen Griff nach der Krone, der eine Art Staatstreich war. Grimoald wurde von Adligen aus dem Reichsteil Neustrien (Gebiet vom Kohlenwald im Pariser Becken bis zur Seine und Loire) hingerichtet, wahrscheinlich 662 in Paris.

Die Familie der Karolinger (für die damalige Zeit auch Pippiniden oder Arnulfinger genannt, nach den Stammvätern Pippin und Arnulf von Metz) kam aber nach einiger Zeit mit Pippin dem Mittleren und Karl Martell wieder zu großer Macht. Als Theuderich IV. 737 starb, ließ Karl Martell den Thron unbesetzt. Seine Söhne Karlman und Pippin setzten 743 nach 7 Jahren Unterbrechung noch einmal einen merowingischen König ein, Childebert III. (König 743 – 751), anscheinend, um durch die von diesem ausgehende Legitimität (Rechtmäßigkeit) ihre Stellung gegenüber Konkurrenten und Widerstände zu stärken.

Für den eigenen Schritt auf den Thron holte sich Pippin Legimation beim Papst, um gegenüber der traditionellen Legitimität der Merwowinger mit einem alten sakralen Charakter des Königtums zusätzlich eine eigene Rechtfertigung einzusetzen. Bischof Burchard von Würzburg und sein oberster Kapellan Fulrad kamen nach nach Romund stellten Papst Zachachias eine Frage zu den Köigen im Frankenreich, die keine königliche Macht/Gewalt hatten, ob es gut sei oder nicht. Der Papst antwortete, es sei besser, König heiße, wer die Macht/Gewalt habe, nicht wer keine königliche Macht/Gewalt habe. Die Päpste hatten in Italien zu dieser Zeit zunehmende Schwierigkeiten mit den Langobarden.

Mit diesem Gutachten als Stütze ließ sich Pippin 751 in Soissons zum König wählen/ernennen, durch die Bischöfe salben (was ihn als Erwählten Gottes ausweisen sollte) und huldigen.

Childreich III. wurde zwnagsweise zum Mönch geschoren (der Verlust des langen Haares nahm im zugleich ein Zeichen der königlichen Würde) und in ein Kloster geschickt, auch sein Sohn Theuderich wurde in ein Kooster eingewiesen. Papst Stephan II. (bzw. III.; sein Vorgänger Stephan starb, bevor er die Bischofsweihe erhalten hatte) kam 754 hilfesuchend ins Frankenreich. In einem Vertrag übernahm der Frankenkönig eine Rolle als Schützer des Papsttums. Der Papst erteilte Pippin und seinen Söhnen Karl und Karlmann in der Abtei Saint-Denis die Salbung.

Bücher enthalten ausführliche Darstellungen, z. B.:

Martina Hartmann, Die Merowinger. Originalausgabe. München : Beck, 2012 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2746), S. 41 – 59

S. 57 (beginnend mit der Einsetztung des Königs Childereich III. im Jahr 743): „Anscheinend hielten die Söhne des 741 verstorbenen und in Saint-Denis begrabenen Karl Martell, Karlmann und Pippin, zur Sicherung ihrer Macht diesen Schritt für notwendig, vielleicht war es aber auch mehr der Hausmeier Karlmann, der ab der Dynastie festhalten wollte.“

S. 58 - 59: „Als Karlmann 747 die Hausmeierwürde niederlegte und in ein Kloster eintrat, sicherte sein Bruder Pippin die Macht im Frankenreich für sich und seine Nachkommen: Er schaltete die Söhne seines Bruers und auch seinen Halbbruder Grifo von der Nachfolge aus und betrieb die Absetzung Childerichs III. Offenbar fürchtete er den Rückhalt, den die merowingische Dynastie immer noch im Frankenreich genoss, und suchte sich eine neuartige Legitimation für seinen Schritt: Pippin schickte eine offizielle Gesandtschaft nach Rom, die den Papst fragen sollte, ob es besser sei, den als König zu bezeichnen, der die Macht besitze oder den, der sie nicht habe. Nachdem die Gesandtschaft mit der erwünschten Antwort aus Rom zurückgekhrt war, ließ Pippin Childerich III. zum Mönch scheren und ins Kloster Saint-Bertin bringen. Dort ist der abgestzte Merowingerkönig zu einem unbekanntem Zeitpunkt verstorben und vermutlich auch begraben worden.

Childerich, der bei seiner Einweisung ins Kloster zwischen 21 und 35 jahren alt gewesen sein dürfte – je nachdem, wer sein Vater war – hatte bei seiner Absetzung mindestens einen Sohn, der Theuderich hieß. Diesen schickte Pippin ins Kloster, abre nicht nach Saint-Bertin, sondern nach Saint-Wandrille. Anscheinend hatte er Angst vor einer Reaktion ‹königstreuer› Kreise im Frankenerich und wollte daher nicht beide, den abgestzten König und den potentiellen Thronfolger, in einem einzigen Kloster beisammen lassen. Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass trotz der zahlreichen in jungem oder sehr jungem Alter verstorbenen Merowingerkönige des 7. und 8. Jahrhunderts die Dynastie nicht ausgestorben war, als Pippin der Jüngere nach der Krone griff. Der Übergang der Zeit der Merowinger zur Zeit der Karolinger ist ein politisch und verfassungsrechtlich bedeutsames Kapitel der frühmittellalterlichen Geschichte, von dem die Quellen allerdings nur einseitig und dunkel berichten.“

Reinhard Schneider, Das Frankenreich. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Oldenbourg, 2001(Oldenbourg-Grundriss der Geschichte ; Band 5), S. 21 – 24

S. 23: „Der seit 747 als faktischer Alleinherrscher regierende Hausmeier Pippin hatte sich durch Herstellung des inneren und äußeren Reichsfriedens den Weg zum Staatsstreich geebnet. In offensichtlichem Einvernehmen mit den Großen des Reiches holte Pippin den Rat des Papstes ein, der künftig eine über den Augenblick hinausreichende legitimierende und das Königtum unterstützende Funktion haben sollte. Nach den berühmten Formulierungen der Reichsannalen […] ließ Pippin beim Papst Zacharias anfragen „wegen der Könige in Francien, die damals keine Macht als Könige hatten, ob das gut sei oder nicht.Und Papst Zacharias gab Pippin den Bescheid, es sei besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht habe, statt den, der ohne Macht blieb. Um die Ordnung (bzw. den ordo) nicht zu stören, ließ er kraft seiner apostolischen Autorität Pippin zum König machen.“

Der oft so strittig interpretierte Text kann nicht verdecken, daß ein weltlicher Formalakt, der Pippins Wahl zum Frankenkönig durch die fränkischen Großen beschloß, konstitutive Beeutung hatte und den bisherigen Hausmeier nunmher rechtlich zum König machte […]. Die 751 hinzutretende Königssalbung, die jetzt erstmalig bei den Franken bezeugt ist, hatte rechtsstärkende Funktion und wurde drei Jahre später vom Papst wiederholt und auch den Königssohnen zuteil.“

S. 23- 24: „Gegenüber Mißdeutungen späterer Zeiten, die seit dem sogenannten Investituturstreit im Responsum des Papstes von 751 das päpstliche Recht auf Einsetzung und Absetzung von Herrschern geradezu exemplarisch belegt sahen, muß die moralisch legitimierende Funktion der Auskunft von Papst Zacharias betont werden, ohne die Pippin und die fränkischen Großen offenbar nur ungern gehandelt hätten. Nicht einmal deutlich zu erkennen ist, ob es einer förmlichen Verlassung des letzen Merowingers noch bedurft hatte. So differierte Pippins Königszyklus, der ab November 751 berechnet ist, mit der Absetzung Childerichs III. deren Zeitpunkt liegt erst zwischen dem 22. Dezember 751 und dem 23. Januar 752. Childerich wurde geschoren und vermutlich in das Kloster Sithiu (St. Bertin) eingewiesen – über ihn und die gens Meroingorum sollte nach dem Willen der neuen Dynastie der Mantel des Vergessens fallen.“

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Willkommen in der Welt der Geisteswissenschaft, wo es zu einem Thema so viele Meinungen wie Forscher geben kann. ;)

Wenn du mich fragst war das größte Problem der Merowinger, daß die Macht der Karolinger immer mehr zunahm, bis man eine Möglichkeit fand, die Merowinger abzusetzen.

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