Wie gut sind heutige Pianisten im Vergleich zu Mozart?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Mozart lebte zu einer Zeit, als es noch keine auf ein einzelnes Instrument spezialisierte Berufsvirtuosen gab (diese kamen erst ab Beginn des 19. Jh. so richtig auf). Von den hinterlassenen Stücken wissen wir, dass Mozart ein hervorragender Pianist war, aber das allgemeine technische Spielniveau der großen Spezialisten hat sich am Klavier (wie auch auf den meisten anderen Instrumenten) im 19. Jahrhundert deutlich weiterentwickelt. Dies kann man an der Schwierigkeit der Virtuosenliteratur z.B. von Wölfl, Liszt oder Thalberg sehen, die auch den Anspruch der schwierigen Werke von Mozart übersteigt. Das heißt aber nicht, dass Mozart von vornherein ein schlechterer Pianist oder gar ein schlechterer Musiker ist. Es bedeutet nur, dass das technische Non-plus-Ultra nicht in seinem Ausdruckshorizont lag. Im Übrigen ist die technische Schwierigkeit bei Mozart geringer als die Schwierigkeit der astreinen künstlerisch-musikalischen Darstellung.

Mozart ist ein "Gott" der Musik, nicht, weil er ein mehr oder minder bedeutender Pianist war, sondern, weil er als Komponist Zeitloses geschaffen hat, das nach ihm in dieser Qualität so niemand vollbracht hat. Mozarts musikalischer Stil ist einzigartig und rührt Menschen auf der ganzen Welt seit Jahrhunderten in ihrem Innersten an, wie es seitdem nur die wenigsten und nur die allergrößten Künstler überhaupt auch geschafft haben, und dann auch immer nur auf die ihnen jeweils ganz eigene Art und Weise. Dies macht überragende Kunst aus. Und deswegen wird auch Mozart nicht vergessen, solange es menschliche Kultur gibt.

Ein anderer Punkt ist das musikalische Gedächtnis von Mozart. Hinter der Fähigkeit, ein Stück zu hören und sogleich nachspielen zu können, steckt viel musiktheoretisch-analytisches Wissen, eine enorme Musikalität, ein hervorragendes Gedächtnis und extrem viel instrumentale Übung. Die Fähigkeit, ein ganzes Stück nach Gehör nachzuspielen, ist eine auch heute noch seltene Fähigkeit. Musikhochschulen lehren die Grundlagen, wie man so etwas macht, etwa beim mehrstimmigen Notendiktat. Bei Mozart ist diese Fähigkeit in einer besonderen Ausprägung jedenfalls vielfach belegt. Ein modernes Beispiel für solche ungewöhnlichen Begabungen ist der Pianist Wilhelm Backhaus, der jedes Stück auswendig und beliebig in der Tonlage transponieren konnte. Einmal hat ein Orchester ihn "aus Spaß" damit überrascht, dass es ein Klavierkonzert (von Beethoven) in einer ganz anderen Tonart gespielt hat als im Original. Backhaus ließ sich nichts anmerken und hat das gesamte Konzert einfach ebenso spontan transponiert. Auch von ihm wird erzählt, dass er komplizierte Fugen nach einem Mal hören notengetreu aus dem Gedächtnis wiedergeben konnte.

Wow, sehr interessant. Vielen Dank!

1

nun, wenn du ein Ohrwurm das erste mal hörst, kannst du ihn auch nachsummen, und das selbst bei ungeschulten Musikliebhaber. Ist die Melodie mal im Ohr bringt man sie nicht mehr weg.

Bei einem Musiker & Komponisten ist es vergleichsweise eine Leichtigkeit, das Stück in eigener Interpretation nach zu spielen, ob besser oder schlechter, ist eine Entscheidung des Zuhörers.

Eine Fähigkeit die ganz bestimmt so mancher guter Musiker beherrscht.

Was möchtest Du wissen?