Wie gut muss man ein Instrument kennen um für es zu schreiben?

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10 Antworten

Grundsätzlich hängt das vom Instrument ab, ob und wie gut man es spielen können muss. Ambitustabellen sind nur sehr bedingt hilfreich, weil sie nur die physischen Grenzen der Tonerzeugung angeben, aber weder die klanglichen Schärfen mancher Lagen (z.B: hohe Lage in der Klarinette) wiedergeben noch die Schwierigkeiten bei der Tonerzeugung mancher Töne (z.B. tiefe Töne im Horn oder im Gesang) oder bestimmte Tonkombinationen (z.B. beim Übergang zwischen "Normalspiel" und dem "Überblasen") anzeigen. Und sie spiegeln auch nicht die in den jeweiligen Lagen zustande kommenden Lautstärken wider.

Hier einige Beispiele:

Klavier sollte man z.B. ein bisschen beherrschen, damit man weiß, welche Töne zusammen gegriffen werden können/müssen und welche Spreizungen oder Sprünge unmöglich sind.
Um leichte Stücke für Streichinstrumente schreiben zu können, muss man nicht viel mehr als die Leersaiten und den Umfang kennen.
Bei Gesang sollte man viel von den Möglichkeiten der Stimmen und von leichten und schweren Melodiegängen bescheid wissen.
Bei hohen Holzblasinstrumenten kann man so zwischen g1 und h2 nur wenig "falsch" machen, höchstens, dass man sich in Klangfarbe, erzeugbarer Lautstärke und dem Problem des Überblasens etwas verschätzt. Vergleichsweise problemlos ist in tiefer Lage ebenfalls das Fagott.
Von Blechblasinstrumenten sollte man unbedingt wissen, wie sie funktionieren, ansonsten bleibt die Instrumentation immer nur ein Ratespiel, ob die Töne nun gehen oder nicht. Das gilt ganz besonders für Horn und Trompete.
Gitarre muss man spielen können. Ansonsten wird man nie verstehen, warum z.B: die Terz G-H sehr leicht, die Terz H-D aber verhältnismäßig viel schwerer zu spielen ist. Wer sich nicht auskennt, sollte nur Akkordbuchstaben schreiben oder besser das Instrument ganz bleiben lassen.

Wenn Du Dir also generell unsicher bist und vielleicht nur Tonumfangtabellen vorliegend hast, dann beachte folgende Faustregeln: 

  • Gehe bei allen Instrumenten und im Gesang in der Höhe nicht bis zur Obergrenze ihrer Möglichkeiten, sondern bleibe immer nur im Mittelfeld.
  • Streichinstrumente können innerhalb ihres Umfangs fast alles. Es gibt auch mit ihren tiefsten Tönen keine Probleme (leere Saiten). Sie mögen Tonarten im Quintenzirkel zwischen Es-Dur und E-Dur. 
  • Holzblasinstrumente stellen auch eher wenig Anforderungen. Bleibe in den mittleren Lagen.
  • Blechblasinstrumente haben Probleme bei tiefen und recht hohen Tönen. Sie bevorzugen B-Tonarten.
  • Klavier ist selten ein Problem, wenn Du bedenkst, dass jede Hand im Durchschnitt fünf Finger hat und den Umfang einer Oktave greifen kann. Am Klavier ist jede Tonart gut spielbar.
TheStone 21.02.2017, 19:53

"Gitarre muss man spielen können. Ansonsten wird man nie verstehen, warum z.B: die Terz G-H sehr leicht, die Terz H-D aber verhältnismäßig viel schwerer zu spielen ist. " 

Ich kann nicht Gitarre spielen und versteh's trotzdem. 

Im übrigen sind Holzbläser genau so problematisch oder unproblematisch, wie alle anderen Instrumente auch. Wer sich nicht zumindest auf theoretischer Ebene mit der Spielweise der Instrumente für die er schreibt gründlichst auseinandersetzt, wird scheitern.

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Hi

Reicht der Tonumfang aus

Ein Tipp: Bei Saiteninstrumenten kann man den Tonumfangangaben trauen. Bei Holzblasinstrumenten muss man ein bisschen vorsichtig sein mit den Extremlagen. Blechbläser aber funktionieren eher wie Stimmen, d.H. man muss nicht nur die Grenzen einhalten, sondern auch die richtige Tessitura bedienen.

z.B. eine Trompete kann die zweigestrichene Oktave und höher komplett spielen. Aber eine Trompetenstimme ohne viel Pausen die nur aus solchen Tönen besteht ist nicht mehr normal.

Das ist nur ein Beispiel: Wenn man will dass es gespielt werden kann ist schon der Tonumfang nicht so ganz ohne.

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Ansonsten kommt es sehr drauf an was du schreibst eben. Relativ gemäßigte, "normale", gesangliche Noten können alle Instrumente spielen. Aber nicht alle können wahnsinnig schnell oder agil spielen oder gut Tonsprünge....usw.

Die Lautstärkenverhältnisse muss man sich vorstellen können einigermaßen. Den Klang der Instrumente muss man einschätzen können, damit man nicht etwas anderes schreibt als man eigentlich will.

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Dass man in der Regel erst ein Stück schreibt und den dann orchestriert ist dir klar (man muss gar nichts, aber das ist relativ ökonomisch).

Zugzwang2 20.02.2017, 21:55

Danke für die antwort das war extrem hilfreich! Das man erst komponiert & dann instrumentiert ist mir klar, wobei es doch erstaunlich ist wie wenig (im verhältniss gesehen) literatur es dazu gibt.. Naja wir werden sehen wie es läuft, letztenendes wird es ja eh nie jemand zu ohren bekommen

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Grobbeldopp 20.02.2017, 22:00
@Zugzwang2

Kannst ja mal aus Spaß die Instrumentationslehre von Hector Berlioz lesen. Falls du mal französisch hattest. Ist natürlich extrem unaktuell aber was solls.

http://imslp.org/wiki/Grand\_trait%C3%A9\_d%27instrumentation\_et\_d%27orchestration\_modernes,\_Op.10\_(Berlioz,_Hector)

Ansonsten gibt es eine sehr gute und einigermaßen ausführliche Beschreibung der Orchesterinstrumente hier:

http://vsl.co.at/de/Academy

Außerdem ist es immer gut um ein Instrument kennenzulernen es in Reinform zu hören, also reine Flöten- Oboen- Klarinetten- etc. Ensembles/Solowerke.

Auch das Verständnis der Funktionsweise der Instrumente hilft sehr.

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Beatinfected 21.02.2017, 00:53
@Grobbeldopp

bei Streichinstrumenten muss man aber vorsichtig mit Akkorden sein. Da kann ich aus eigener Erfahrung (Geige) sagen, dass es oft nicht ganz so leicht weitgefächerte Akkorde zu spielen. 2 Noten dürfen natürlich auch nicht auf einer Saite liegen... also ich persönlich würde erst komponieren, und dann entsprechende Musiker fragen, was davon nicht spielbar sei und dann ändern - also wie hier schon vorgeschlagen wurde.

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Grobbeldopp 21.02.2017, 00:56
@Beatinfected

Ja, mehrstimmiges Streichen auf einem Instrument ist im Orchester gottseidank vermeidbar bzw. man kann ganz drauf verzichten, das ist das einfachste, ebenso wie Instrumente die man WIRKLICH kennen muss um dafür zu schreiben wie die Gitarre.

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Grobbeldopp 21.02.2017, 01:16
@Beatinfected

Das meine ich :-) natürlich kann man gewisse Klangeffekte ohne das akkordische Spiel nicht haben aber man kanns sich auch einfach machen.

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TheStone 21.02.2017, 19:57
@Grobbeldopp

Ein modernes Standardwerk zur Orchestration ist übrigens "The Study Of Orchestration" von Samuel Adler.

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Du solltest wissen, wie jedes einzelne Instrument im Detail gespielt wird, wie es klingt, und, wie übliche Stücke bzw. Stimmen für dieses Instrument in der Regel geschrieben sind. 

Die meisten Komponisten haben/hatten nicht Ahnung von allen Instrumenten. Dann kommt es schon mal vor, dass ein Triller in der Flöte total unpraktisch liegt oder ein Glissando in der Posaune nicht so super funktioniert.

Aber zum einen ist das gar kein Drama, denn gute Musiker wissen da, wie sie tricksen können. Klingt dann vielleicht nicht ganz perfekt, aber geht. Zum anderen geht das dann häufig so, dass der Komponist die fertigen Noten mal austeilt an das Orchester der Uraufführung und dann noch mal eine Korrektur-Runde statt findet. Weil die Musiker beschweren sich dann schon :D

Zugzwang2 20.02.2017, 21:50

Haha das ist gut zu wissen, danke

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TheStone 21.02.2017, 19:55
@Zugzwang2

"Die meisten Komponisten haben/hatten nicht Ahnung von allen Instrumenten. " 

Das halte ich für ein Gerücht.

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Monster1965 22.02.2017, 00:04
@TheStone

Von vielen sicherlich. Aber von allen?

Da hatte ich aber schon so manche Noten auf meinem Pult liegen, die mich daran zweifeln lassen. Sonst müsste man ja Vorsatz unterstellen :P

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Komisch, dass noch niemand auf das Problem der verschiedenen Schlüssel und transponierten Instrumente hingewiesen hat... Kennst du den Bratschenschlüssel? Weißt du, dass viele Bläser transponiert notiert werden müssen? (Klarinette in B, Horn in es etc. ) Da gibt es eine Reihe theoretisches Wissen als Voraussetzung, auch wenn einem moderne Notenschreibprogramme da schon viel helfen können.

Zugzwang2 02.03.2017, 00:20

Danke für den Hinweis, bin jedoch aufgeklärt über die verschiedenen Schlüssel, auch über die Transponisation der verschiedenen Instrumente.

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Du musst das Instrument nicht selbst spielen können, aber verstehen was möglich ist, wie man vll etwas spielen würde, welche SPieltechnicken es gibt und wie diese Klingen gehört absolut zum schreiben dazu.

Es hängt von den gewünschten Instrumenten ab.
Einen ungefähren Tonumfang müsstest du schon wissen damit deine Noten überhaupt spielbar sind

Ich weiß nicht, ob man deine 'Frage' beantworten kann. Wenn du dich sehr für Musik interessierst und Ahnung von Noten,.. hast, setzte dich doch eifnavh an den Schreibtisch und versuche es! Viel Glück
MfG

Zugzwang2 20.02.2017, 21:48

Naja ob das was bringt, auch wenn es nur zum spaß ist sollte es doch schon wenigstens wie musik aussehen aber trotzdem danke letztenendes wird es wohl doch darauf hinauslaufen

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Also wenn es "ohne musikalischen Mehrwert" sein soll - viel Spaß ! Dir sind keine Grenzen gesetzt. Mit der richtigen Software bekommst Du auch direkt Ergebnisse.

Zugzwang2 20.02.2017, 21:43

Danke den werd ich haben ;)

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