Wie groß sind die gesundheitlichen Risiken durch Windräder?

14 Antworten

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Hallo Kami1a,

Windkraftanlagen werden in folgenden Zusammenhängen diskutiert:

1) Die Windkraftanlagen verschandeln die Landschaft.

Das Schlagwort der "Verspargelung" unserer Natur ist da oft zu lesen. Richtig ist natürlich, dass Windräder oft exponiert liegen, nicht gerade klein sind und daher weithin sichtbar. Wirklich schön sind sie nicht.

Dem ist entgegenzuhalten, dass auch ein Kohlekraftwerk nicht wirklich zur Verschönerung der Landschaft beiträgt. Auch einem Kernkraftwerk wird das nicht gelingen.

Wenn wir nicht der naiven Vorstellung anhängen wollen, dass der Strom schon irgendwie aus der Steckdose kommt, wird man sich überlegen ,üssen, welche Stromgewinnungsmethode den kleinsten optischen Störfaktor darstellt. Oder anders gesagt: Hier brauchen wir Realismus vor Idealismus. Natürlich wäre ein unberührte Natur am schönsten, keine Frage. Nur dann gibt es eben auch keinen Strom. Sparen ist zwar richtig und wichtig, wird aber nicht reichen.

2) Die rotierenden Windräder stellen eine Gefahr für Vögel dar.

Es ist im Moment Gegenstand von Langzeituntersuchungen, inwiefern sich die Anlagen auf die Bestände auswirken. Betroffen sind vor allem einheimische Greifvögel (wie z.B. der Rotmilan) oder andere Großvögel wie der Storch.

Die Schätzungen variieren wie gesagt und sind Gegenstand aktueller Untersuchungen. Es könnte jedoch sein, dass bis zu einem Drittel der tot aufgefundenen Tiere der beobachteten Spezies auf Kollisionen mit den Windrädern zurückzuführen sind.

Da man weiters Indizien hat, dass die Vögel vor allem während der wenigen Sommerwochen, in denen sie ihre Jungen aufziehen, gefährdet sind, laufen auch Pilotprojekte, die prüfen, inwiefern man die Auswirkungen minimieren könnte, wenn man die Anlagen in diesen wenigen Wochen abschaltet.

Trotzdem: Nicht wegzudiskutieren ist, dass Windkraftanlagen für Vögel ein gewisses Gesundheitsrisiko darstellen, ja. Ob sie die Natur mehr schädigen als andere Kraftwerke (man denke an die gewaltigen ökologischen Eingriffe von Wasserkraftanlagen, Staumauern, Kohleabbau im Tagebau...) ist ein ganz anderes Thema.

3) Stroboskopartiger Schattenwurf

Erste Testräder standen oft sehr nahe an Siedlungen, so dass zu gewissen Tageszeiten der Schatten der Räder bi in die Gärten der Anwohner fiel. Unser Münchner Test-Windrad im Münchner Norden steht zum Beispiel in der Nachbarschaft einer Kleingartenanlage. 

Die betroffenen Anwohner klagten sehr über den im Takt über sie hinweg flimmernden Schatten. Der ständige Wechsel von hell/dunkel hat nicht wenigen den Aufenthalt im Freien verleitet.

Dieser Stroboskopeffekt ist real und einer der wichtigsten Gründe, warum Windkraftanlagen heute einen größeren Abstand von Siedlungen haben müssen.

4) Last but not least: Der kontrovers diskutierte Infraschall.

Richtig ist, dass Windkraftanlagen auch in gewissem Umfang Schall aussenden, darunter auch Infraschall - also Schallwellen, die wir nicht hören können, weil sie eine zu geringe Frequenz haben. Richtig ist auch, dass sich Infraschall im Boden recht gut ausbreitet. Und ebenso richtig ist, dass es mittlerweile über 500 Bürgerinitiativen gibt, die sich... auch unter Bezug auf verschiedene Messungen und Papiere gegen die Errichtung von Windkraftanlagen wehren.

Was in der lauten Protestbewegung  gar nicht thematisiert wird:

Ältere Windkraftanlagen (mit der sogenannten "Stall-Technik") haben erheblich mehr Infraschall erzeugt als moderne "Pitch-Anlagen" (ohne jetzt im Detail auf die Unterschiede einzugehen. Neu errichtete Anlagen laufen heute alle mit der neuen Technik, bei der der erzeugte Infraschall in der von der "TA Lärm" ohnehin vorgeschriebenen Abstandsgrenze zu Siedlungen keine Rolle mehr spielt.

Ebenso wird von Windkraftgegenern nicht thematisiert, dass Windkraftanlagen weniger Infraschall erzeugen als viele andere technische Gegebenheiten in unserer Umgebung.... unsere geliebten Autos zum Beispiel erzeugen erheblich mehr Infraschall. Wer Unwohlsein an sich beobachten will, weil er neben einer Windkraftanlage wohnt, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie er sich fühlt, während er mit dem Auto auf der Autobahn fährt: Im Innenraum ist die Infraschallbelastung dann nämlich um ein Vielfaches höher als das, was Windkraftanlagen erzeugen. Trotzdem wird die Infraschallbelastung beim Autofahren NIRGENDS thematisiert oder beklagt.

Auffällig ist weiters, dass die Zahl der Betroffenen schlagartig 2008 anstieg, nachdem der Infraschall erstmals als Gesundheitsrisiko propagiert worden war. Hier dokumentiert: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0076584

Ich zitiere:

"There are large historical and geographical variations in wind farm complaints. 33/51 (64.7%) of Australian wind farms including 18/34 (52.9%) with turbine size >1 MW have never been subject to noise or health complaints. These 33 farms have an estimated 21,633 residents within 5 km and have operated complaint-free for a cumulative 267 years. Western Australia and Tasmania have seen no complaints. 129 individuals across Australia (1 in 254 residents) appear to have ever complained, with 94 (73%) being residents near 6 wind farms targeted by anti wind farm groups. The large majority 116/129(90%) of complainants made their first complaint after 2009 when anti wind farm groups began to add health concerns to their wider opposition. In the preceding years,
health or noise complaints were rare despite large and small-turbine wind farms having operated for many years."

Oder anders gesagt: Bevor man gesagt bekommt, dass es einen krank macht, macht es das auch nicht.

Der Verdacht liegt deshalb sehr nahe, dass die dokumentierten Beschwerden, die Anwohner berichten vor allem psychosomatisch bedingt sind: Wer Beeinträchtigungen erwartet, erfährt sie auch an sich.

Das Phänomen ist im Mobilfunk bestens bekannt: Die Anwohner beschweren sich über Beeinträchtigungen, die sie durch die Elektrosmogbelastung durch neu aufgestellte Mobilfunkantennen spüren.... oft Wochen bevor diese tatsächlich eingeschaltet werden, aber halt, sobald sie sichtbar montiert sind.

Bei Windkraftanlagen ist es schwierig, eine Studie mit einer verblindeten Vergleichsgruppe durchzuführen: Man sieht die Anlagen und auch, ob sie laufen - anders als beim Mobildfunk.

Trotzdem kann man mit geschicktem Studiendesign nachweisen, dass  Nocebo-Effekte - also die Angst vor dem Infra-Schall eine wesentliche Rolle spielt: Im Labor setzte man Probanden verblindet Infraschall aus... und prompt äußerten die Testpersonen auch bei ausgeschalteter Anlage Beschwerden:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/wind-turbine-syndrome-krank-vor-angst-vor-infraschall-a-890407.html

Generell muss man leider auch sagen, dass hier sehr viel mit der Angst der Bürger gearbeitet wird. Hinter nicht wenigen der kritischen Veröffentlichungen zur Windkraft stehen Organisationen wie EIKE, die ja auch durch Leugnung des Klimawandels ihre Pfründe schützen wollen. Daneben tummelt sich über die Nähe zur Elektrosmog-Thematik, zum "freien Energie"-Mythos und zur konservativen "Verspargelungsthematik" nicht gerade wenig politisch sehr weit rechts orientiertes Publikum in der Debatte. Und natürlich ist jeder leidende Schrebergartenbesitzer auch gleich ein Experte... Entsprechend muss man sagen, dass viel Fehlinformation im Umlauf ist.

Genauer kann man sich hier informieren:

https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/erneuerbare-energien/faq-fragen-und-antworten

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Zusammenfassend muss man sagen, dass bei den aktuellen Abstandsvorschriften eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Infraschall weder nachgewiesen ist, noch zu erwarten ist (da andere Quellen einfach mehr belasten, ohne dass es zu Klagen kommt.) Schön sind die Dinger nicht. Es sei denn man sieht sie als Zeichen einer Gesellschaft, die auch wirklich etwas tut für die Energiewende und nicht nur in einem "Natürlich will ich auch alternative Energien... aber halt nicht bei uns" verharrt.

Grüße

Danke für das Sternchen! Freu mich

=D

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Ein Kraftwerk bewegt sich nicht und stellt somit keine Gefahr für Vögel/Fledermäuse dar, im Gegenteil, sie bieten Habitate für Vögel, z.B. Turmfalken. Ein Tagebau stellt nur einen temporärer Eingriff dar, nachher oder nach der Rekultivierung ist das Gelände ökologisch wertvoller als vorher (z.B. Steinbrüche).

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@Luegendetektor

Tatsächlich sind Windkraftanlagen nicht ökologisch.Ihre Lebenserwartung liegt bei nur 10 Jahren.Der Rückbau muß oft unterbleiben,weil keine Finanzmittel bereit gestellt sind.Ruinenspargel sind ebenso eine Altlast wie Großkraftwerke,z.B.dem Betrieb mit Steinkohle.Lebensdauer 50 Jahre und mehr.Hier werden auch keine Vögel erschlagen und eine 500 M Zone wegen Eisschlag (Trümmerschatten 2mal Gesamthöhe) notwendig.Vor allem offshore -Anlagen haben extreme Oxydationsprobleme.Durch das Abschalten bei Starkwind / Sturm und das Ruhen bei Windstille macht es aus ökologischer Sicht schlechter,weil Anfahren von Kraftwerken mehr Emissionen macht,als warmer Regelbetrieb.

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Ganz klare Gründe gibt es,mehrere Kilometer zur nächsten Besiedelung einzuhalten.Wenn man schon für diese Verspargelung ist,ein paar Tatsachen.Bei Starkwind schalten die Anlagen ab.Bei Schwachwind / Kalme stehen diese.Dadurch wird es den konventionellen Betreibern von Kohle und Gaskraftwerken nicht mehr wirtschaftlich möglich die Grundlast zu erzeugen.Da RWE und EON am Rande der Insolvenz stehen,und die Regierung die Schadenersatzzahlungen verweigert,das höchste Gericht nur ein Bruchteil des Schadens anerkennen will,ist es an der Zeit Solidarität mit der Deutschen Industrie und den Energiebetreibern zu zeigen.Das gilt für Thyssen,Transrapid an die Chinesen ebenso wie für die Autoindindustrie.Hirnrissige Forderungen haben Deutsche Autobauer in die Krise geführt und nicht die Ingenieursleistungen,die eine Abschaltvorrichtung entwarfen.Der Eisschlag ist sehr gefährlich.Der Trümmerschatten ist also hier mit 500 Metern um die Anlagen einzurechnen.Vögel werden durch die Rotoren getötet.Je nach Intensität der Rotation entsteht ein hochfrequenter Ton,den man hören kann.Dieser Ton ist sehr nervig und sicherlich nicht gesundheitsfördernd.Die Anlagen selbst sind nach 10 Jahren verbraucht.Da keine Rücklagen gebildet werden,müssen die Kommunen den Abbau tragen.Darüber wird wenig gesprochen.Dortmund soll die deutsche Großstadt mit der höchsten Lebensqualität sein.Damit ist es vorbei,wenn das flirren der Rotoren im Sonnenlicht und das hochfrequente fiepen auf der Terasse und im Schlafzimmer,zumindestens bei offenem Fenster zu hören ist.Wird die Anlage gebaut,dürfte keine Stadt es mehr schaffen,sich gegen eine Anlage zur Wehr zu setzen.( Im Umkreis zumindestens) Dazu wird der Strom längerfristig unbezahlbar.Es wird weiter gespart,was den Strom noch teurer macht.Das Anwerfen alter Ölkraftwerke ist ökologisch so problematisch,aus kaltem Zustand auf Vollast zu fahren,so ökonomisch sinnlos,das man langsam umdenken muß.Ich wünsche Dir alles Gute im Kampf gegen die Anlage,und möchte Dir ein paar Argumente mit auf den Weg geben.Grüßle.

Man munkelt, dass der von den windkraftanlagen ausgehende infraschall (schallwellen mit sehr niedriger frequenz- für menschen nicht wahrnehmbar) gsundheitliche folgen haben könnte... im detail weiß ich nicht viel darüber. es konnte zumindest beobachtet werden, dass die in der nähe solcher anlagen befindliche tierwelt darunter zu leiden hat. manche anwohner berichteten von einem vibrieren im brustkorb und dadurch verursachte schlafstörungen, schwindel etc.

wissenschaftlich ist nicht belegbar, dass diese infraschallwellen einen effekt auf die gesundheit haben könnten. ferner werden durch meereswellen, die auf eine brandung schlagen auch infrawellen emittiert- und darunter leidet niemand. viele leute- darunter auch wissenschaftler- sind der auffassung, dass es sich um symptome handelt, die gerade durch die angst vor gesundheitlichen schädigungen, hervorgerufen wurden. das nennt man nocebo-effekt.

fest steht: windkraftanlagen sind nicht die einzigen infraschall-quellen in unserer umwelt. und die forschung tut sich schwer... auf jedenfall stört vielen leuten die ästhetik der windkraftanlagen und deren (eigentlich vergleichbar sehr niedriger) lärmpegel.

tiere, die diese wellen wahrnehmen können haben darunter zu leiden- so viel ist sicher. beim menschen sind die meisten weh-wehchen wahrscheinlich nur eingebildet. denn akkustische wellen können eigentlich nur schaden anrichten (als stress), wenn diese wahrgenommen werden und man diesen permanent ausgesetzt ist.


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