Wie grenzt man Diabetes mellitus Typ 2 vom metabolischen Syndrom ab?

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4 Antworten

Moin,

als metabolisches Syndrom wird ein Krankheitskomplex bezeichnet, der u.a. zum DM II führt. Zu den metabolischen Syndrom gehören Bluthochdruck (Hypertonie), schlechte Blutfettwerte (Dyslipoproteinämie, das bedeutet Erhöhung der LDL-Cholesterine bei Verringerung der HDL-Cholesterine), Insulinresistenz (allerdings noch nicht zwingendermaßen DM II) als Ausdruck eines gestörten Kohlenhydratstoffwechsels und stammbetonte Fettleibigkeit (abdomielle Adipositas).

Im Grunde begünstigen diese Erkrankungen sich gegenseitig. Es gibt Leitlinien, die die Kriterien anführen, ab welchen ein Arzt ein metabolisches Syndrom diagnostiziert. Dieses ist in dem Sinne eine Art Vorstufe zum DM II. 

So, habe ich deine Frage, zumindest von der humanmedizinischen Seite soweit beantwortet oder ist noch etwas offen?

Lieben Gruß :)

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Lonka11 17.01.2016, 20:09

Vielen Dank schonmal!
Zwei Fragen hätte ich tatsächlich noch. Bei DM II haben wir eine Insulinresistenz... beim metab. Syndrom auch schon... ab wann ist es DM II ?
DIe zweite Frage... Insulin begünstigt den Fettaufbau... warum nehmen die Menschen bei einer Insulinresistenz nicht drastisch ab?

Liebe Grüße!

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garfield262 17.01.2016, 20:49
@Lonka11

Gern! Die Definition eines DM I oder II ist nach Leitlinien der DGG das Vorliegen eines HbA1c ≥6,5%, gelegentlichen Plasma-Glucosewerten ≥200mg/dl, Nüchtern-Plasmaglucose von ≥126mg/dl bzw. ein 2h-OGTT mit venösem Plasmaglucose ≥200mg/dl.

Die zweite Frage ist tricky, erklärt aber auch, weshalb eine der unten angegebenen Antworten falsch ist. Der Unterschied zwischen DM I und II ist die Ätiologie, also die Entstehung. DM I ist verursacht durch einen Untergang der Beta-Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse, meist durch eine Autoimmunreaktion. Dadurch stellt sich ein sogenannter absoluter Insulinmangel ein, es wird also keines mehr produziert. Daher müssen DM I-Patienten Insulin spritzen. DM II bezeichnet in erster Linie eine Insulinresistenz der Rezeptoren aufgrund genetischer Disposition und langfristig hier Exposition von Glucose und Insulin. Es ist also durchaus Insulin verfügbar (zumindest in der Mehrheit der Fälle), hat jedoch an den Zielorganen nicht mehr die gewünschte Wirkung. Oft sind die Seruminsulinspiegel dabei sogar noch erhöht, da die Bauchspeicheldrüse durch hohe Blutglucosewerte dazu veranlasst wird, mehr Insulin zu sezernieren, was sich laborchemisch in erhöhten Insulin- und C-Peptid-Spiegeln bemerkbar macht. Dies ist in erster Linie in den Frühphasen des DM II, eben im metabolischen Syndrom der Fall.

Die Gewichtszunahme liegt jedoch sicher nicht allein an der Wirkung des Insulin allein. Man muss sich dabei auch die Lebensumstände des Patienten vor Augen führen. Obwohl DM II eine genetische Komponente hat, spielt auch die Lebensführung, insbesondere Nahrungsgewohnheiten, Ernährungszustand, Allgemeinzustand inkl. Stunden der sportlichen Betätigung pro Woche etc. eine wesentliche Rolle. Jemand, der einen DM II entwickelt hat, wird sich die 40-50 Jahre, die er bis zum Einsetzen der Krankheit möglicherweise gelebt hat, nicht viel um seine Gesundheit gekümmert haben. Diese Erklärung, die Gewichtszunahme resultiert möglicherweise lediglich aus Ignoranz oder sogar Resignation des Patienten gegenüber der Krankheit, darf nicht unterschätzt werden.

Habe ich deine Frage soweit zufriedenstellend beantwortet oder ist noch etwas unklar geblieben?

Lieben Gruß :)

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Cassiopeija 19.01.2016, 10:49
@garfield262

" Jemand, der einen DM II entwickelt hat, wird sich die 40-50 Jahre, die er bis zum Einsetzen der Krankheit möglicherweise gelebt hat, nicht viel um seine Gesundheit gekümmert haben."

Was für ein Blödsinn. Ich 36 Jahre alt, war schlank, hab mich gesund ernährt und bin 3 mal die Woche schwimmen gegangen und hab Typ 2 Diabetes bekommen.

Die obige Aussage kann stimmen, hängt aber vollig von der Verlagung ab. Ich kenne Leute (48 und 54 Jahre), die sind nicht nur dick, die sind Fettleibig, haben Probleme mit den Gelenken, aber keinen Diabetes.

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garfield262 19.01.2016, 11:35
@Cassiopeija

Ich rede von der Mehrheit der Patienten, bei denen ein mäßiges bis manifestes Übergewicht, insbesondere in Form einer Stammfettsucht, über einen langen Zeitraum besteht.

Ich habe bereits angeführt, dass ebenfalls eine genetische Disposition in die Ätiologie einfließt, welche u.a. Fälle wie den Ihren zu erklären vermag. Auch wenn es Patientengruppen wie Ihre gibt, bei denen trotz gesunder Lebensführung ein DM II auftritt, liegt diese gesunde Lebensführung jedoch bei dem Großteil der DM II-Patienten nicht vor. Nicht zuletzt wurde eine Gewichtsreduktion als entscheidende Variable zur Reduktion des DM II-Risikos gefunden.

Ich versuche, ein ähnliches Beispiel anzubringen, auch wenn der Vergleich etwas hinken könnte: Man könnte sich z.B. fragen, weshalb ein Teil der Lungenkrebspatienten zusätzlich an einer COPD leidet, obwohl diese Erkrankungen nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Eine mögliche Antwort würde lauten: Patienten, welche an beiden Krankheiten leiden, verursachten diese durch (langfristiges) Rauchen. Natürlich gibt es auch Lungenkrebspatienten, welche in ihrem Leben noch nie geraucht haben, was jedoch nichts daran ändert, dass Rauchen ein wesentlicher Lungen-CA-Risikofaktor ist, ebenso wie für das Auftreten einer COPD.

Ich hoffe, dieses Beispiel war keine zu abstrakte Übertragung und meine Kernaussage wurde dabei klarer.

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Hallo!

Das metabolische Syndrom vereint einge ganze Reihe von Merkmalen.

Dazu gehört unter anderem:

** Übergewicht - besonders viel Fett am Bauch

** Insulinresistenz

** Fettstoffwechselstörungen

** und Bluthochdruck

Weiters entstehen:

** Erhöhte Triglyzerid-Konzentrationen (≥ 150 mg/dl) • erniedrigtes HDL-Cholesterin

** Erhöhte Nüchternglukose (≥ 110 mg/dl)

Das Zusammenspiel von mindestens vier dieser Punkt wird dann eben Metabolisches Syndrom genannt.

Es ist natürlich richtig, dass einige Typ 2 Diabetiker diese Probleme haben, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Trotzdem kommen nicht immer so viele Symptome zusammen.

Ein Beispiel:

Viele Diabetiker haben mit erhöhter Nüchternglukose und erhöhten Triglitzeridewerten Probleme. Das alleine macht aber eben kein Metabolisches Syndrom.

Gruß Lirin

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hallo Lonka,

Der Diabetes II ist eine genau definierte 'Krankheit' (siehe ICD Klassifikation unten), wohingegen das sogenannte metabolische Syandrom, wie der Name schon sagt, ein 'Syndrom' ist, also ein Komplex von (vier) Symptomen, vier maßgeblichen Krankheitszeichen (in der Realität allerdings noch mehr). Auf der Website der Internisten-im-Netz ist es unter derm Stichwort 'was ist ein meta.....' steht alles eigentlich sehr gut und verständlich erklärt.

Diabetes mellitus Typ II wird dann auch weiter eingeteilt, je nachdem welche Komplikationen (bereits) vorliegen. Unter E10-E14 findet man den Diabetes mellitus, wobei Typ II als E11 klassifiziert wird. Hier hast Du sicher schon mal nachgeschaut:

http://www.icd-code.de/icd/code/E11.-.html

Jetzt solltest Du eigentlich verstehen, was einen Diabteiker Typ II von einem Metaboliker abgrenzt, oder?

Ein älterer Diabetiker (Typ II), sagen wir mal einfach ein 85-Jähriger muss nicht unbedingt Bluthochdruck haben oder übergwichtig sein (obwohl sie dies oft sind), wohingegen dies die Symptome sind, die einen Menschen zu jemanden machen der ein  'metabolisches Syndrom hat'.....

alles Gute weiterhin

EHECK




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Ich sehe den Unterschied darin, daß bei Diabetes 2 eine Erschöpfung bzw. Schädigung der Bauchspeicheldrüse eingetreten ist. Beim Metabolischen Syndrom noch nicht. D.h. der Metaboliker hat noch viel selbstgebildetes Insulin im Blut, der Diabetiker 2 evtl. nicht mehr.

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