Wie genau funktioniert die Kanji-Bildung?

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1 Antwort

Äääh, was? Als ob es für jedes Wort ein Kanji gibt!

Natürlich bestehen die meisten Wörter aus mehr als einem Kanji – nennen sich dann übrigens auch "Komposita".

Wie du vielleicht auch weißt, besitzen Kanji verschiedene Lesungen, je nachdem ob sie alleine stehen oder im Kompositum.

"Autobahn" heißt auf Japanisch 高速道路 (kōsoku dōro). Setzt sich zusammen aus den Zeichen "hoch" (高), "Geschwindigkeit" (速), "Straße" (道) und "Weg" (路).

Ansonsten gibt es noch die "Possessivpartikel" の (no), mit dem man Nomen miteinander verbinden kann. Im Falle von "Autoschlüssel" beispielsweise: 車の鍵 (kuruma no kagi), wörtlich so viel wie "Schlüssel des Autos". So funktioniert das im Groben.

Es gibt auch viele Wörter, die man gar nicht erst in Kanji schreibt, sondern vollständig in Hiragana – z. B. wenn ihr Kanji obsolet oder zu komplex ist oder sie schlicht und ergreifend keines haben. Oder es sind Lehnwörter aus anderen Sprachen, die man in dem Fall dann in Katakana schreibt, z. B. ガレージ (garēji) = "Garage" (vom englischen garage).

Verben und Adjektive sind an sogenannten Okurigana zu erkennen – Hiragana-Zeichen, die ggf. hinter dem Kanji stehen und zum Wortstamm gehören und die flektierbare Endsilbe. 

Verben enden in ihrer Grundform immer auf einem Laut der u-Spalte. 起きる (okiru) = "aufstehen" und 起こす (okosu) = "aufstellen", "verursachen" sind beispielsweise zwei Verben mit dem selben Kanji (起), besitzen beide jeweils zwei Okurigana (きる ki ru und こす ko su). Jedoch heißt das nicht, dass das Kanji 起 immer o ausgesprochen wird. Kanji können viele unterschiedliche Lesungen besitzen und die Wortstämme voneinander abweichen. Mit dem Kanji 開 ("öffnen") lassen sich die Verben 開ける (akeru) = "öffnen" (also transitiv) und 開く (hiraku) = "sich öffnen" (intransitiv) bilden. Unterschiedliche Wortstämme, wobei die Okurigana Aufschluss über die Lesung gibt – die man natürlich vorher auswendig gelernt haben muss. Wobei es bei 開 die kleine Besonderheit gibt, dass man die beiden Verben theoretisch anders rum lesen kann – hirakeru bzw. aku. Aber diese Lesungen sind weniger verbreitet.

Bei den Adjektiven gibt es grammatikalisch gesehen zwei Gruppen; die mit der Endsilbe い (i), auch "echte Adjektive" genannt, und die andere, die in ihrem Aufbau am ehesten Substantiven ähnelt ("substantivische Adjektive"). Die Verben der zweiten Gruppe haben oft keine Okurigana, aber wenn, wird die letzte Silbe nicht flektiert, sondern es kommt eine Form des Hilfsverbs だ (da) = "sein", oder な (na), wenn es attributiv steht, hintendran. Kann man な-Adjektive nennen.

新しい (atarashii) = "neu" wäre ein Beispiel für ein い-Adjektiv, ebenso しつこい (shitsukoi) = "hartnäckig". な-Adjektive wären 親切 (shinsetsu) = "freundlich" oder 変 (hen) = "seltsam". Beispiele für な-Adjektive mit Okurigana sind 新た (arata) = "neu" , "wiederholt" (hier auch wieder andere Stammlesung als 新しい); 好き (suki) = "mögen" (ja, "mögen" ist im Japanischen ein Adjektiv) und 嫌い (kirai) = "hassen" bzw. "verhasst". Man muss darauf achten, alle Zeichen zum Wortstamm dazuzuzählen und nicht versehentlich zu flektieren – besonders bei 嫌い (kirai), was genau wie ein い-Adjektiv aussieht, aber keines ist.

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Kommentar von Awesome9753
19.10.2016, 20:54

Vielen Dank,
da bin ich erst mal erleichtert das nicht direkt ein neuer Kanji entsteht, nur wovon gibt es eigentlich mehr? Possessivpartikel oder Komposita?

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