Wie gelange ich zu meinen schlimmsten Albräumen, zu den schlimmsten Ängsten, zu meinen tiefsten und schwärzesten Schatten?

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3 Antworten

Ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und kann daher im Wesentlichen nur aus meiner Praxis des Zazen heraus antworten.

Meiner Meinung nach begegnet man seinen inneren Konflikten, Widerständen und Illusionen früher oder später ganz automatisch.

Das ist auch ein Grund, weshalb ich Menschen mit psychischen Probleme davon abrate, Zazen ohne Rücksprache mit dem Therapeuten zu üben.

Sich vorsätzlich seinen "Schatten" auszusetzen, halte ich für überflüssig und eine unnötige Belastung, von der man nicht weiß, wie man sie verkraftet.

Ich würde einfach dazu raten, eine Achtsamkeitspraxis wie Vipassana, oder eben Zazen zu erlernen, da wird man unmittelbar mit sich selbst konfrontiert.

Sich selbst psychisch zu destabilisieren, indem man sich in psychische Krisen manövriert, ist aus meiner Sicht dumm und zerstörerisch.

Herausforderungen, an denen sich das "Ego" reiben kann, bietet das "Sitzen" bereits genug, ganz ohne Horrortrip - im Zweifelsfall bei einem Sesshin oder intensiven Retreat.

Drogen

Von Meditation mit "Substanzen", also etwa Halluzinogenen, halte ich persönlich absolut nichts und lehne diese Praxis auch kategorisch ab.

Künstlich zugeführte Substanzen verändern Prozesse in unserem Nervensystem auf eine Weise, die wir nicht vorhersehen können.

Wenn man sich bei der Meditation einmal richtig schlecht fühlen sollte, kann man einfach aufstehen - durch einen schlechten Drogentrip muss man durch.

Da es also bei Drogen keine "Reißleine" gibt und Prozesse in Gang gesetzt werden, die unnatürlich sind, halte ich nichts von Drogen.

Dazu kommt, dass wir, anders als indigene Völker, keine positiv besetzte "Rauschkultur" mehr haben und in der Regel negativ vorgeprägt sind.

Fazit

Also übe von mir aus Vipassana, Zazen, oder eine andere Praxis, aber halte dich von der künstlichen Induzierung von Krisen fern.

MindFlower 12.08.2017, 22:13

Du scheinst mir ein guter Ansprechpartner dafür zu zu sein. Ich würde dir gerne meine Intention so wie meine kleine Geschichte dazu schreiben wollen, um dich in meiner Lage versetzen zu können. 


Ich hatte schon mal die Begegnung gehabt, in der Angst verweilen zu müssen/wollen ohne Ausweg auf Erlösung. Es war wie ein Schwarzes Loch, alles wird hineingesogen und keine Kraft der Welt kann ihr entkommen. Ich will mich also nicht der Entscheidung aussetzen, ihr aus den Weg gehen wollen noch der Möglichkeit zu Denken hingeben, sie vermeiden zu können. Denn es bestärkt ebenfalls meine eigene Sicht davon, es gäbe in mir einen Teil, der bleiben muss, der überdauern muss, wo doch alles in mir sein Ende finden soll. 

In dem Sinne sehe ich Substanzen schon als Hilfsmittel, weil sie einen die oberflächige Wahl berauben einen Rückzieher zu machen.Und erst durch die Möglichkeit keinen Rückzieher mehr machen zu können/wollen, konnte ich so tief in ihr eintauchen.  Zugegeben, man sollte sich zu tiefst bewusst sein, warum man sowas nimmt oder wenn es soweit ist, bereit sein sich ihrer anzunehmen, ohne Rücksicht eigener Gründen. 

Nur ist die Situation folgende, dass ich einen Rückzieher in diesen Wandel mir definiert habe, und nun die Verbindung vor meinen geistigen Auge abgebrochen zu sein scheint, die mich jener Situation hat heraufbeschworen lassen. Ich war also kurz davor meinen Verstand zu verlieren, aber habe die letzte Hürde nicht auf mich nehmen wollen, was wie ein Verrat zu mir war.

In dem Sinne geht es mir also nicht um Kontrolle. Es geht mir darum, die Kontrolle zu verlieren um meiner eigene Auslöschung begegnen zu können, die ich kurz durch einen Blick erhaschen konnte. In dem Sinne ist es nicht meine Absicht meinen Verstand den Umgang damit beizubringen. Ich will mich um meinen Verstand bringen, um alles zu beenden. Ansonsten ist jede Krise künstlich, weshalb ich durch aus jeder Krise erhaben sein will, weil sie nicht von Echtheit zeugt.  

Denn es gibt keinen Weg zum Ziel.


Falls du eine Verfehlung gemessen an meinen Zweck in mir erkennst, oder es stimmig erweitern kannst, bedanke ich mich dafür. Ansonsten bin ich ohnehin schon dankbar :)

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Enzylexikon 12.08.2017, 22:41
@MindFlower

Es muss nichts gewaltsam forciert werden, denn wie du selbst sagst, es ist ohnehin alles der Vergänglichkeit unterworfen.

Niemand ist gezwungen, vor den Zug zu springen - das Ende kommt ohnehin irgendwann. Heute, Morgen, in 90 Jahren...irgendwann.

Mir ist klar, dass es Menschen gibt, die richtiggehend süchtig nach "Grenzerfahrungen" sind, nach Momenten, in denen ihr Ego verschwindet.

Aber jede Ekstase, jedes "Einssein" oder jede "Auslöschung" ist immer nur eine bestimmte geistige Verfassung und nichts von Dauer

Egal wie lange du meditierst, oder wie viel Pilze du dir einpfeifst - ein ewiges "Nichts" gibt es genau so wenig wie ein ewiges "Etwas".

Meiner Meinung nach können wir in jedem Moment stets aufs Neue aufgehen - oder eben diese geistige Haltung wieder verlieren.

Ich kenne das von Sesshin und von Nahtoderfahrungen - es gibt einen Punkt, den man meint, nicht überwinden zu können.

Beim Sesshin erleben viele im Moment einer Krise, dass die Erfahrung des Jetzt alles ist was es braucht. Krise und Ziel sind eins.

Dann gibt es keinen Widerspruch mehr zwischen "wollen" und "sein" - die Erfahrung ist ein Gegenwartsmoment des Lebens.

Im Fall der Nahtoderfahrung wäre die letzte Konsequenz zu sterben - und das ist zwar sehr verlockend, aber auch egoistisch.

Deshalb kann ich niemandem zu konfrontativ-destruktivem Verhalten raten, selbst wenn das Leben ohne "Ego" verlockend scheint.

Vielleicht kannst du ja etwas aus meinen Aussagen ziehen, auch wenn wir in einigen Punkten nicht einer Meinung sind.

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Du könntest ja mal in Ruhe alle möglichen Horrorszenarien durchdenken... Was könnte alles im schlimmsten Fall passieren... 

Die Albträume von mir hatten häufig mit etwas zu tun was in meinem Alltag passiert ist.... möglicherweise ist das bei dir ähnlich... also kannst du es mit Situationen aus deinem Leben in Verbindung bringen und erforschen wieso dir das Angst macht und ob du irgendwas dagegen tun kannst... 

Mit Schatten - meinst du damit deine Schattenseiten - deine Schwächen/Fehler? 

Vermutlich kann es helfen intensiver darüber nachzudenken und auch mal mit anderen darüber zu reden... wie siehst du das und wie sehen es andere...  eben in die Tiefe forschen.

Ich empfehle dir die YouTube-Seite “Ichologie“

Ch8888 14.09.2017, 06:30

Und Arbeit mit dem inneren Kind bspw. MikeHellwig YouTube

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Ch8888 14.09.2017, 06:37

“Ichologie - Meditation und alternative Psychologie“ *

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