Wie geht man mit einer sterbenden Frau um, die ihre Krankheit und ihren Tod verdrängt?

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Es sind ihre letzten Tage und wenn sie diese nicht mit der Auseinandersetzung mit ihrem baldigen Ende verbringen möchte so ist das zu akzeptieren. Vielleicht braucht sie den Gedanken, dass er bald wieder besser gehen könnte um die Situation zu ertragen, ich könnte es vor mir selber nicht verantworten da einzugreifen. Sicherlich haben ihr die Ärzte gesagt wie es um ihre Gesundheit steht und somit sehe ich keinen Handlungsbedarf. Wenn es dir schwer fällt zu ''lügen'', so bleibt immer noch die Möglichkeit es wie dawala zu sehen, ihre Leiden werden ja eher früher als später beendet sein. In diesem Fall sollte diese Frau im Mittelpunkt stehen und es so laufen wie sie dies möchte, denn wie gesagt, es sind ihre letzten Tage. Verstehe mich nicht falsch, ich kann sehr wohl nachvollziehen wie schwer das für Außenstehende sein kann aber überlege doch mal wie schwer es für sie sein muss, immerhin hast du die Hoffnung weiterzuleben, sie nicht.

Kleine Nebenbemerkung, ich kenne eine Frau die in der gleichen Situation auch ihre Krankheit zu verdrängen scheint. Allerdings nur auf den ersten Blick, sie mag einfach nicht mit anderen darüber sprechen. Wenn man ihr ganz genau zuhört und auch scheinbar belanglose Bemerkungen nicht überhört dann merkt man, ihr ist sehr wohl bewusst das es ihre letzten Tage sind. Aber genau deshalb will sie diese jetzt so verbringen wie sie es will. Ihr Leben lang hat sie nur nach dem Willen der anderen gelebt, in all der Trauer ist es schön zu sehen wie sie nun auf ganz sanfte Weise das Ruder übernommen hat.

Ja du hast Recht, es erspart den ''Hinterbliebenen'' viele Unannehmlichkeiten, wenn man seinen Abgang vernünftig plant und sich mit dem eigenen Tod, der ja zum Leben dazu gehört und an sich nichts schlimmes ist, vernünftig auseinandersetzt. Man sollte dies aus Rücksichtnahme netterweise auch tun aber wenn es einen Zeitpunkt im Leben gibt zu dem es angemessen ist egoistisch zu sein, dann gehört so eine Situation aber mit Sicherheit dazu.

Verdrängung ist eine völlig normale Reaktion bei sterbende Menschen. Es handelt sich um die erste von insgesamt fünf Phasen (Leugnen-Zorn-Verhandeln-Depression-Akzeptanz) nach dem Modell der amerikanischen Ärztin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, welches, wie ich finde einen guten Überblick über die verschiedenen Stadien des Sterbens verschafft - allerdings ist es so, dass jeder Mensch anders stirbt. Beim einen dauert eine Phase vielleicht einen Tag lang - beim anderen kann sich eine einzelne Phase auch über Jahre hinziehen. Wie man wirklich als Außenstehender (und damit meine ich jede, der nicht der Sterbende selbst ist) reagieren sollte, ist kaum zu beantworten, da ja jeder Mensch trotz allem verschieden ist. Es kann aber sicher nicht schaden, wenn du dich mal etwas in die oben genannte Arbeit einliest.

Hier schonmal ein erster Link:

http://christoph-student.homepage.t-online.de/Downloads/Sterbephasen.pdf?foo=0.43667018832209214

Es akzeptieren.

Klingt einfach und ist doch so schwer. Die Frau weiß garantiert, das sie bald sterben wird. Die Krankheit ist ja irgendwann diagnostiziert worden, sie wurde behandelt und irgendwann hat man ihr auch gesagt, das man es nicht mehr heilen kann und sie daran sterben wird.

Aber manche Menschen können das einfach nicht akzeptieren. Es gibt Sterbende, die erzählen dir z.b. bis zum Ende von der Bergwanderung, die sie im nächsten Jahr machen wollen. Und sind gleichzeitig zu schwach, um noch zur Toilette gehen zu können.

Was du brauchst, das ist der Austausch mit anderen. Es gibt zahlreiche Fortbildungen für Pflegende in dem Bereich, die sich genau damit auseinandersetzen. Dort findest du auch den Austausch mit anderen, denen es ähnlich geht. Vielleicht kannst du auch mal in einem Hospiz oder auf einer Palliativstation hospitieren? Es ist bestimmt mal sehr interessant für dich, das auch diejenigen, die in dem Bereich arbeiten immer und immer wieder gerade über dieses Thema diskutieren. Ich arbeite übrigens als Krankenschwester auf einer Palliativstation. ;)

Bücher gibt es unendlich viele. Sehr gut zum Thema Kommunikation fand ich "Gegen die Einsamkeit Sterbenskranker: Wie Kommunikation gelingen kann" von Ernst Engelke. Allgemeiner ist "Abschied braucht Zeit: Palliativmedizin und Ethik des Sterbens" von H. Christof Müller-Busch, aber ebenfalls sehr zu empfehlen.

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