Wie geht ihr mit Leuten um die homophob sind?

...komplette Frage anzeigen

14 Antworten

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist kein Platz für sie.

Erst einmal: Ich bin selbst schwul. Daher ist es vermutlich verständlich, wenn ich sage, dass ich mit solchen Menschen am Liebsten gar nicht "umgehe". Allerdings ist es manchmal unumgänglich auch mit solchen Leuten zu arbeiten.

Ist dies der Fall, kann ich durchaus auch mit solchen Leuten produktiv arbeiten und mich auch mit ihnen unterhalten. Aber zu meinem Freundeskreis zähle ich sie dann nicht.

Daher also leben und leben lassen. Es ist deren Ansicht aber halt nicht meine. Ihre Meinung mag nicht richtig sein (meiner Meinung nach), aber ich werde mich nicht auf deren Niveau herablassen und anderen meine Meinung in beleidigender Weise aufzwingen.

Kommt darauf an.

Grundsätzlich ist mir die Meinung zum Thema "Sexuelle Orientierung" der Leute in meinem Umfeld egal. Ja ich mag sie auch wenn sie homophob sind, vermeide es aber mit diesen Leuten darüber zu sprechen. Denn die Argumentation ist leider meistens dumm und niveaulos. Stören tut mich Homophobie dann wenn diese auch bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck gebracht wird, bzw. im schlimmsten Fall wirklich beleidigende oder abschätzige Bemerkungen fallen. Solche Menschen hab ich aber dann eh nicht im Freundeskreis und ich mag mich damit auch nicht Umgeben.

Meine Devise lautet jeder darf seine Meinung zu jedem Thema haben, solange sie andere nicht herabwürdigt. Ich verstehe Homophobie zwar nicht, aber ich muss sie akzeptieren oder wie gesagt aus meinem Umfeld verbannen. Je nach dem Verhalten der Person.

Wenn sie von ihnen auch so geäußert wird, vertrete ich meine eigene Meinung oder, je nach Äußerung, ignoriere sie. Alles in allem halte ich allerdings großen Abstand zu Leuten mit so einer Einstellung. Ich finde sie unsympathisch und Freunde werden wir damit wohl nicht werden.

Vielleicht versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Menschen meiner Generation; ich bin 72. In den 50er Jahren, als der Zeit meiner sexuellen Bewusstwerdung, gab es den Begriff der Homosexualität nur in der wissenschaftlichen Literatur, die Kindern und Jugendlichen gar nicht zugänglich war. Gemeinhin sprach man, wenn überhaupt, nur von 175ern, nach dem Paragraphen des StGB in der damaligen Fassung, die selbst konsensuale homosexuelle Handlungen unter erwachsenen Männern mit Zuchthaus (bis zur großen Strafrechtsreform von 1969 eine verschärfte Form des Justizvollzugs). Das Bundesverfassungsgericht sah damals keinen Grund, diesen Paragraphen in Frage zu stellen, als es damals darum ging, warum Lesben (wie in dieser Zeit in Österreich) nicht kriminalisiert wurden. Ich kannte ein sehr aktives Gemeindemitglied seiner Baptistengemeinde, das die KZ-Inhaftierung der Homosexuellen in der NS-Zeit ausdrücklich billigte.

In der Sprache und Wertordnung der Erwachsenen, die wir Jungen ziemlich kritiklos übernahmen, hatte man, angelehnt an vermutete Sexualpraktiken, noch ganz andere Worte, die ich hier nicht wiedergeben möchte; kurz gesagt, homosexuelle Praktiken galten weitestgehend als "Sauerei hoch sechs", denn selbst harmlose heterosexuelle Doktorspiele fielen bei den Lehrern, so sie denn überhaupt das Thema aufgriffen, unter das Verdikt der Schweinerei.

In einem Strafrechtskommentar für Polizisten hieß es damals sinngemäß: Jeglicher Geschlechtsverkehr unter Nichtverheirateten ist Unzucht. Man unterschied dann nur noch gewissermaßen zwischen natürlicher und widernatürlicher Unzucht. Diese Sicht der Dinge wird durchaus durch das Neue Testament (vom Alten brauchen wir da gar nicht zu reden, das verhängte schon für Holzsammeln am Sabbath die Todesstrafe und ließ Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorrha herunterregnen) unterstützt. So finden wir im Römerbrief des Apostels Paulus in Kap. 1,26 ff. Aussagen, für die der Begriff Homophobie noch geschönt ist. Es bedurfte schon gewaltiger exegetischer Klimmzüge, bis sich z.B. die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in diesem Jahr in Bad Neuenahr zur Absegnung der Trauung homosexueller Paare bereitfand.

Haben Sie also bitte auch Verständnis, wenn es für Mitbürger, die zu dieser Kehrtwendung, aus welchen Gründen auch immer, nicht bereit sind, ein Recht auf Gewissensfreiheit gibt. Derselbe zitierte Apostel Paulus fordert im 13.Kapitel des Römerbriefes der Obrigkeit untertan zu sein (klingt nicht gut in unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, aber so steht es da nun einmal). Daraus muss ich für mich selber akzeptieren, niemand wegen seiner sexuellen Orientierung zu beleidigen und zu diskriminieren. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich sowohl Homophobe, als auch Homo- und Bisexuelle. In unserer Zeit muss ich das aushalten. Dem sozialen Frieden ist aber mit einseitigen Ablehnungs- und Ausgrenzungstiraden, wie es in einigen Beiträgen dieses Forums anklingt, sicher nicht gedient.




CalicoSkies 19.06.2016, 19:14

ch kannte ein sehr aktives Gemeindemitglied seiner Baptistengemeinde, das die KZ-Inhaftierung der Homosexuellen in der NS-Zeit ausdrücklich billigte.

Inzwischen sind wir glücklicherweise so weit, dass das als Volksverhetzung strafbar ist.

Der komplette erste Teil deiner Antwort ist eine Erklärung "ich bin homophob, weil mir beigebracht wurde und weil es früher normal war, homophob zu sein"

Das ist allerdings keine Erklärung, denn man kann seine Homophobie ändern - diese Grundsätze, nach denen sich das Strafrecht richtet, unterliegen einem Wandel; und deswegen ist es natürlich auch völlig verständlich, dass wir keinen §175 mehr haben - und natürlich auch selbstverständlich, dass homo-, bi-, trans-, anderssexuelle Menschen genauso anerkannt werden.

Dein erster Teil zeigt mir, wie verbohrt die Deutschen damals gewesen sind - und ich bedauere es, dass die Politik so lange gebraucht hat, um Homosexualität nicht mehr zu verdammen... da waren uns andere Länder voraus.

Du bist daher das beste Beispiel für Homophobie von älteren Menschen - inklusive der Argumentation "früher war das so, also müsst ihr meine Meinung akzeptieren"

Aber: Nein, Homophobie muss nicht akzeptiert werden. Und zwar völlig ungeachtet dessen, wie es früher war - du lebst heute in einer Gesellschaft, die glücklicherweise ihre Sexualität frei leben kann; so solltest du dich auch verhalten.

. Diese Sicht der Dinge wird durchaus durch das Neue Testament

Auch hier: Warum sollte hier eine religiöse Argumentation sinnvoll sein?

Die absolute Mehrheit der Deutschen sind Atheisten (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/atheisten-gottlose-fordern-moral-monopol-der-kirche-heraus-a-835692.html) und warum sollte sich die absolute Mehrheit eine Unterdrückung durch eine Minderheit gefallen lassen?

Deutschland ist kein christlicher Staat, sondern ein laizistischer - wir haben eine Trennung von Staat und Kirche; und mit einer solchen Argumentation untergräbst du sie völlig.

Leider verhalten sich zahlreiche Politiker der Union genauso: Sie sind homophob, weil sie aufgrund ihres religiösen Glaubens Homosexualität ablehnen (oder aufgrund ihrer verbohrten Haltung, die durch den christlichen Konservativismus entsteht)

So finden wir im Römerbrief des Apostels Paulus in Kap. 1,26 ff. Aussagen, für die der Begriff Homophobie noch geschönt ist

Es ist nichtmal sicher, ob Paulus überhaupt von Homosexualität spricht.

Auf den Ersten Blick könnte man annehmen, dass Paulus hier tatsächlich von Homosexualität spricht - wenn da nicht der vorhergehende Vers wäre (ich zitiere: "welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und dem Geschöpf mehr Ehre und Dienst erwiesen als dem Schöpfer")

Bei diesem Vers handelt es sich damit um eine Verurteilung von Tempelprostitution und von Riten, bei denen Homosexualität Teil einer Anbetung eines Götzen oder anderen Gottes war - was im damaligen historischen Kontext in Rom der Fall war.

Paulus verurteilt hier damit nicht Homosexualität im heutigen Sinne (sich liebende, homosexuelle Partner) sondern - historisch gesehen
- sehr wahrscheinlich die Anbetung der Göttin Kybele, die durchaus auch mit homosexuellen Praktiken und Riten einherging.

Mehr Informationen zu dieser Bibelstelle und zu dem historischen Kontext: http://www.gaychristian101.com/does-romans-12627-condemn-homosexuals.html

Haben Sie also bitte auch Verständnis, wenn es für Mitbürger, die zu dieser Kehrtwendung, aus welchen Gründen auch immer, nicht bereit sind, ein Recht auf Gewissensfreiheit gibt.

Du darfst glauben, an was du möchtest - solange du Homosexuelle nicht angreifst oder unterdrückst.

Du musst daher auch akzeptieren, wenn die Politik irgendwann mal die Öffnung der Ehe durchsetzen möchte - denn wenn du dagegen wetterst, unterdrückst du Homosexuelle...

Ich sags jetzt mal wie ihr Christen: Homophob darfst du schon sein, aber es halt nicht ausleben :3

Daraus muss ich für mich selber akzeptieren, niemand wegen seiner sexuellen Orientierung zu beleidigen und zu diskriminieren.

Wenn du gegen eine Öffnung der Ehe wetterst, tust du aber genau das.

Dem sozialen Frieden ist aber mit einseitigen Ablehnungs- und Ausgrenzungstiraden, wie es in einigen Beiträgen dieses Forums anklingt, sicher nicht gedient.

Es dient auch nicht dem sozialen Frieden, wenn du homophob bist und deine Homophobie mit "früher war es so, ich wurde so erzogen, ich will daran festhalten" rechtfertigst...

Ich als Homosexueller will deine Toleranz gar nicht - aber ich will, dass die Ehe geöffnet wird und ein vernünftiges Adoptionsrecht festgelegt wird, was homosexuelle Paare / homosexuelle Ehen miteinschließt.

Du wirst dagegen sein - und genau hier ist der Knackpunkt: Es dient auch nicht dem sozialen Frieden, wenn du aus religiösen Gründen eine Bevölkerungsgruppe rechtlich benachteiligen möchtest.

Genau das tust du nämlich mit solchen Aussagen - und genau das tun auch die Mehrzahl der Mitglieder der Union, die im Bundestag vertreten sind (und immer noch die Öffnung der Ehe blockieren)

0
KHLange 20.06.2016, 19:39
@CalicoSkies

Erst einmal meine Anerkennung für die gewaltige Arbeit, die in dieser Arbeit steckt. Respekt auch für Ihre Kenntnisse des Standes der Exegese des Römerbriefes; diese Exegese war es übrigens, die mich mein Theologiestudium (nur Lehramt Religionslehrer) nach zwei Semestern abbrechen ließ, weil ich meinen Lehrern durch meine anerzogene religiöse Ausrichtung nicht folgen konnte und wollte.

Als gelernter Historiker (ich habe die Fakultas Politik) muss ich jedoch im Detail der Aussage widersprechen:

"Deutschland ist kein christlicher Staat, sondern ein laizistischer - wir haben eine Trennung von Staat und Kirche"

Das stimmt nun wirklich nicht so ganz. Das Grundgesetz bezieht sich in seiner Präambel durchaus auf Gott. Es hat drei Artikel der Weimarer Verfassung übernommen, die das Miteinander vo Kirche und Staat regeln. Der Religionsunterricht ist in den meisten öffentlichen Schulen integraler Bestandteil der Stundentafel. Geschichtlich hat das alles seine Wurzeln in der Säkularisierung am Anfang des 19.jahrhunderts, aber ich bin sicher, dass Sie die historischen Details kennen. Insofern ist es nicht richtig, von einem laizistischen Staat wie etwa Frankreich zu sprechen.

Es ist leider ein Faktum, dass dem größten Teil der deutschen Bevölkerung, auch in meinem Freundeskreis, der Glaube an Gott , abhanden gekommen ist. Aber gäbe es nicht genau diese religiöse Ausrichtung, wäre ich nicht gebunden in meinem Glauben, so hätte ich mit der Homosexualität überhaupt kein Problem; ich tue mich, zugegeben sehr schwer, von einmal bezogenen Positionen abzuweichen.

Den liberalen Anpassungen meiner evangelischen Kirche kann ich nicht folgen, da sie für mich häretisch sind, dennoch fühle ich mich an mein Konfirmationsversprechen gebunden und verbleibe in der Kirche bis ans Ende meiner irdischen Tage. Ich möchte nicht am Ende derselben vor meinem himmlischen Richter stehen und mir neben all meinen anderen Unzulänglichkeiten auch noch Untreue vorhalten lassen.

Mir ging es in diesem Dialog eigentlich nur darum, klarzustellen, dass hinter der sogenannten Homophobie (ich halte den Ausdruck für nicht besonders glücklich, da Phobien, wie wir vom alten Sigmund Freud wissen, häufig Ausdruck einer gestörten Psyche sind) oft ein echtes Gewissensproblem steckt.

Ich habe niemals gesagt: "früher war das so, also müsst ihr meine Meinung akzeptieren", sondern bezogen auf Römer 13:

"Daraus muss ich für mich selber akzeptieren, niemand wegen seiner sexuellen Orientierung zu beleidigen und zu diskriminieren."

Unterstellen Sie mir also bitte kein Stammtischniveau. Das ist nicht fair. Zusammengefasst: Ich hätte mit der Homosexualität keine Probleme, würde mich nicht mein Glaube binden. Und Glaube ist Gehorsam. Schon mein alter Pastor, der mich konfirmiert hat, lehrte uns: Freiheit ist nicht Zügellosigkeit. Das hat mich für den Rest meines Lebens gebunden.

0

Im Grunde wohl so, wie mit jedem anderen auch - die Meinung zur Sexualität anderer Menschen tangiert mich im Grunde ja nicht.

Bei diskriminierenden Äußerungen vertrete ich allerdings auch meine Meinung.

Sie ignorieren, ist ihre Meinung und das ist ihr gutes Recht. Ich möchte nur nichts von ihren fehlgeleiteten Problemen hören!

Solange man es keinem aufzwingt, kann doch jeder denken was er will.

Nun ja, eigentlich gar nicht, da alles was sie sagen nur falsch ist. Sie selbst können es ja nicht wissen, da sie nicht schwul/lesbisch sind. Manchmal denkt man sich schon was die Leute eigenrltlich labern, aber da sollte man nicht drauf eingehen. 

Ich gehe nicht mit ihnen um, ich umgehe sie.

Ich lache sie aus.

Ich behandle sie entweder wie Luft oder wie Müll ^^

Das selbe wie von Rassisten, Sexisten, politischen Extremisten, anderen menschenverachtenden Kreaturen. Abstand.

Meinst du homophob oder heterosexistisch? Das wird nämlich gerne mal verwechselt...

Mit den gehe ich garnicht um,die sind mir gleichgültg.

Wichtiger wäre ,wie gehen die mit den Menschen um, die sie hassen und vor denen sie Angst haben,wenn auch mit Gleichgültigkeit,dann wäre ja alles ok.

Was möchtest Du wissen?