Wie geht das, und geht das überhaupt?

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5 Antworten

Es wäre hilfreich, wenn  die Begriffe „Erwachen“, Erleuchtung“, „Satori“ mit Vorsicht gebraucht würden. Sie werden einerseits unangemessen überhöht und andererseits unangemessen abgewertet.

In meinem Verständnis zielen sie  auf Erfahrungen, die  jedem begegnen können, wenn nicht  jede Erfahrung abgewehrt, negiert wird, die nicht mit unserem sprachlichen Vermögen, unserem logischen Denken bewältigt werden kann.

Sehr problematisch finde ich es, wenn „Erleuchtung“ als ein dauerhafter Zustand gedacht wird; als könne man auf einem bestimmten „Schulungsweg“ zu einem lebenslangen Zustand der Verklärung, des Schwebens über den Dingen gelangen. Das halte ich für einen  Irrtum.

Allgemein bekannt ist doch, dass unser  Bewusstsein immer nur einen kleinen Ausschnitt unserer Wirklichkeit erfassen kann. Der unvorstellbar größere Teil unseres Wirklichkeitserlebens ist „unbewusst“, d.h. es prägt uns
zwar, aber wir können diese Prägungen nicht willentlich ins Denken befördern.

 „Erleuchtet“ bin ich in den Augenblicken, in denen ich Teil der Erfahrung bin, die mir sprachlich, rational nicht zugänglich ist.

Für jeden Rationalisten, der nur das Denkbare als wirklich gelten lässt, ist das natürlich Unsinn.

 Ich meine dagegen, dass etwa in jedem schöpferischen Tun, bei dem sich die Grenzen zwischen meinem Ich und dem künstlerischen Geschehen verwischen, sich solche grenzüberschreitenden Erfahrungen einstellen
können.  Auch im Naturerleben, in der Musik, in der Dichtung, in der Liebe können wir „erleuchtet“ werden.

Um über die Rationalität hinausgreifende Wirklichkeitserfahrung zu machen, haben Religionen ja schon immer Meditations- und Kontemplationsverfahren entwickelt.

Nun wäre es sicher abwegig, wenn man etwa künstlerische Erfahrungen und religiöse „Durchbrucherfahrungen“ gleichsetzen würde. Aber sie stehen – so glaube ich -  in enger Beziehung zueinander.

Wenn ich auch meine, dass wir mit diesen Begriffen vorsichtig umgehen sollten, so finde ich es doch sehr wichtig, wenn wir in einer offenen Auseinandersetzung mit „sprachübersteigenden Wirklichkeitserfahrungen“ ein nahezu auf das Messbare reduzierte „Wissenschaftsgläubige“ überwinden könnten.

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Kommentar von Pescatori
07.08.2016, 18:10

 Hallo nebolinchen,

noch ein Nachtrag einen Tag später:

Deine interessante Frage hat mich so sehr beschäftigt, dass ich sie wohl eher für mich als für Dich beantwortet habe.

Du fragtest ja, wie das geht – mit Erwachen oder Erleuchten?

Dxmklvw hat ja dazu  einen interessanten Beitrag geschrieben.

Ich finde es gut, wenn man versucht, nicht etwas gleich als Spinnerei abzutun, sondern es den eigenen Denkmöglichkeiten anzupassen.

Wenn Du fragst, wie das geht, dann würde ich sagen, es geht ohne mein  bewusstes Zutun, es ereignet sich. Ich erlebe etwas völlig Ungeplantes, das mich überrascht, oft auch gefühlsmäßig zutiefst berührt.

So etwas kann jeder erleben und er/sie  mag es auch ruhig „Erleuchtung“ nennen.

Zum Schluss noch die Korrektur eines Schreibfehlers: Statt „Wissenschaftsgläubige“ musste es natürlich „Wissenschafts- gläubigkeit“ heißen.

Grüße von Pescatori

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Verschiedene Religionen und Esoteriker meinen durch praktizieren ihrer vorgegebenen Praktiken könnte man derartige Zustände erreichen und meist versprechen sie auch immer gewisse Boni die mit diesen Zuständen einhergehen, wie Weisheit, Verständnis und/oder übernatürliche Kräfte.

Wikipedia zu "Erleuchtung":

bezeichnet eine religiös-spirituelle
Erfahrung, bei der jemand den Eindruck erhält, sein Alltagsbewusstsein
sei überschritten worden und er habe eine besondere, dauerhafte Einsicht
in eine – wie auch immer geartete – gesamtheitliche Wirklichkeit erlangt

Oder anders ausgedrückt geht es um eine Illusion, die jeglicher Beweise entbehrt. Einem Gefühl.

Psychologisch gesehen, können derartige Empfindungen jedoch selbst verursacht werden. Durch ausreichendes Gedankentraining kann man sich derartige Empfindungen einfach selbst generieren, weshalb es in diesem Sinne keine "echte Erleuchtung" gibt.

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Plötzlich zu der Erkenntnis kommen, daß man sich zuvor in wesentlichen Punkten geirrt hat, obwohl man sie für die "absolute Wahrheit" hielt, kann man als "erleuchtet" bezeichen.

Aber ebenso kann sich jemand "erleuchtet" fühlen, der plötzlich ganz klar "erkennt", daß ein Unfall nicht durch leichtsinniges Verhalten entsteht, sondern alleine durch eine über den Weg laufende schwarze Katze.

Kurzum, "erleuchtet" ist so etwas wie plötzlich etwas anderes glauben als zuvor, ohne daß damit etwas über den Wahrheitsgehalt ausgesagt wird. Denn wahr ist für uns nur deshalb etwas, weil wir glauben, daß es wahr wäre.

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Verschiedene Religionen bieten dieses Heilsversprechen an. Leider auch genug bei denen es nur über deine finanziellen Mittel erreichbar ist.

Mit Psychologie hat das aber wenig zu tun.

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Erwachen bzw. Erleuchtung ist das Heilsziel des Buddhismus.

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