Wie gehen Ärtze mit dem alltäglichen Tod um?

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8 Antworten

Der Umgang mit dem Tod naher Verwandter oder Freunde ist eine höchst individuelle und situative Sache. Mit anderen vertrauten Personen darüber sprechen ist aber immer eine gute Maßnahme.

Individuell deshalb, weil jedem Mensch andere Arten von Verarbeitungsstrategien für sich entwickelt hat. Verdrängung und Kompensation (Sport, Arbeit, andere Beziehungen), Fatalismus ("Es ist halt wie es ist"), ernste Professionalität, expressive Emotionalität...

Jeder Art des Umgangs ist auf seine Weise der Richtige, sofern es dem Betroffenen hilft.

Situativ deshalb, weil es davon abhängt, inwieweit die Betroffenen sich auf die Situation vorbereiten konnten. Eine länger andauernde, schwere Krankheit bereit die Betroffenen "schleichend" darauf vor und kann ggf. sogar als Erlösung empfunden werden. Ein plötzlicher Tod dagegen löst schockähnliche Zustände aus, weil es unerwartet geschieht. Dies ist viel schwerer zu akzeptieren und zu verarbeiten. Situativ auch, weil es von dem Opfer abhängt, der Tod eines eigenen Kindes wiegt für die meisten Menschen schwerer als der Tod der Urgroßmutter. Einfach, weil das erste nicht erwartet und nicht der "gesunden" Reihenfolge entspricht, das zweite dagegen antizipiert ist.

Der Umgang von Ärzten mit dem Tod ist sicherlich eine ganz andere Sache, für sie ist es einfacher (und notwendiger) eine professionelle Distanz aufzubauen und zu wahren. So ähnlich, wie wenn wir in der Zeitung oder im Fernsehen von einem Unglück hören. Es macht uns zwar betroffen, aber leider (oder Gott sei Dank) hinterlässt das nur selten nachhaltige Spuren, weil andere Dinge an Priorität gewinnen und das Unglück verdrängen. Des weiteren haben (zumindest einige) Ärzte eine gewisse Routine im Umgang mit dem Tod (so schlimm das vielleicht klingen mag), die aber auch bitter nötig ist, um in Krisensituationen adäquat reagieren zu können. Ein Unfallchirurg, der sich die ganze Zeit Sorgen um einen möglichen Tod seines Patienten macht, kann keine Hochleistung in seiner Arbeit bringen.

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Kommentar von SturerEsel
12.07.2011, 18:38

Sehr gut, DH!

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Wenn es sich um Menschen handelt, zu denen man keine Beziehung hat, dann ist das etwas ganz anderes. Wie hier schon geschrieben wurde, ist es einem dann "egal". Gerade wenn man in einem Beruf arbeitet, in denen man mit kranken Menschen zu tun hat, ist es wichtig, da nicht die großen Gefühle reinzustecken. Andernfalls kann man schon nach wenigen Monaten den Beruf wechseln, da man sonst daran kaputt gehen würde.

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Es wäre gelogen, wenn man pauschal sagte, es wäre den Ärzten egal, wenn ein Patient stirbt. Wahrscheinlich haben sie tage- oder wochenlang um das Leben gekämpft.

Es macht allerdings einen wesentlichen Unterschied, ob der Patient 80 oder 8 Jahre alt ist. Ein alter Mensch hat sein Leben (hoffentlich glücklich) gelebt, ein Kind zu verlieren ist auch für Ärzte keine schöne Erfahrung.

Wer einen Angehörigen verliert - wie ich vor kurzem meinen Vater - muss seine Trauerarbeit selbst oder in der familiären Gemeinschaft leisten. Für ihn galt, was ich oben sagte. Da sein Ende sehr kläglich war, ist es für ihn selbst und auch die Angehörigen eine Erlösung gewesen.

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hallo, diese Frage stelle ich mir auch manchmal. Fest steht, dass das Sterben eines Patienten besonders im Krankenhaus eigentlich nicht sein darf, denn sie sollen ja in der Regel als geheilt oder wenigstens stabil entlassen werden. In manchen Fällen habe ich das Gefühl es bedeutet eine Art Versagen, wenn Ärzte den Tod zulassen müssen. Manchmal wäre es wirklich besser, sie könnten es auch akzeptieren, wenn ein Mensch es nicht schafft, die Krankheit zu besiegen trotz Hilfe der Medizin. Es gibt immer noch Situationen, wo Ärzte ruhig einen Schritt zurücktreten könnten und nicht noch Diagnostik betreiben, die k e i n e Konsequenz mehr hat. Also ist es wirklich wichtig, zu mindest eine Patientenverfügung zu machen, damit es wenigstens einen Anhaltspunkt gibt, für eine menschliche und würdige Entscheidung, die im Sinn des Patienten getroffen wird. Blacky04

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Bin zwar kein Arzt, hatte aber eine zeitlang beruflich mit dem Tod von Menschen zu tun. Ehrlich gesagt: Nach einer Weile war es mir egal. (Bei nahestehenden Personen sieht das natürlich anders aus.)

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Kommentar von philosophus
12.07.2011, 18:35

Danke für die Ehrlichkeit und Offenheit.

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  1. stehen die Personen den Ärzten in der Regel nicht Nahe

  2. Am Anfang versucht man das nicht an sich ranzulassen, nach und nach klappt das auch und man wird abgehärtet

Das kannst du aber überhaupt nicht mit dem Tod von Verwandten vergleichen.

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Kommentar von philosophus
12.07.2011, 18:30

Da hast du eigentlich recht. Ich hab das wohl zu technisch gesehen und wollte eine allgemein gültige Regel.

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Beim Sterben ist jeder der erste, aber bisher hat es noch jeder gekonnt. Wenn man aus beruflichen Gründen täglich damit konfrontiert wird, wie z.B. Ärzte, Bestatter, Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, muss man sich eine professionelle Haltung dazu zueigen machen, man darf es nicht an sich heran kommen lassen, sonst kann man seinen Beruf nicht ausüben.

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Der Tot ist ein Teil des Lebens,um damit fertig zu werden Verdrängt man Den eigenen.

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