Wie funktioniert Love Boombing in Sekten, sind dort wirklich alle Nett, Hilfsbereit und Aufgesschlossen?

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5 Antworten

Zu deiner Frage, ob ein einmaliger Besuch eines Tempels, Gemeindezentrums, Ashrams usw. gefährlich sein kann

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Für Personen die psychisch labil sind, kann bereits eine Gruppenerfahrung in solch einem Umfeld gefährlich sein.

Es gibt viele neue sinnliche Eindrücke, eine bestimmte Stimmung, es gibt eine Erwartungshaltung, die Gruppe vermittelt bestimmte Gefühle - möglicherweise wird auch musiziert und gesungen.

Da kann es leicht passieren, dass eine labile Person plötzlich einen spontanen Gefühlsausbruch erlebt. Dieser wird dann fälschlicherweise als "spirituelle Erfahrung", eine "göttliche Verzückung" oder ähnliches interpretiert.

Wer also durch eine Lebenskrise, wie Arbeitslosigkeit, Partnerschatfsprobleme, oder psychische Erkrankungen schon "angeknackst" ist, könnte schon durch solche "Erweckungserfahrungen" manipulierbar sein.

Zu deiner Frage bezüglich Love Bombing und Anwerbung

Natürlich werden Sekten versuchen, neue Mitglieder anzuwerben, dabei gehen sie jedoch unterschiedlich vor.

Verschiedene Gruppierungen mit unterschiedlichen Lehren sprechen auch unterschiedliche Menschen an.

Jemand der Exotik und östliche Weisheitslehren interessant findet, wird sich zB von der Krishna-Bewegung angesprochen fühlen und irgendwelche konservativ wirkenden Gruppierungen langweilig finden.

Dagegen springt jemand anderes genau auf die Versprechen von geschäftlichem Erfolg und Kontrolle über das eigene Leben an und fände die Krishna-Jünger im babyrosa Gewand eher lächerlich.

Egal um welche Gruppierung es sich handelt - das Ziel ist es, wie bei einem Verkaufsgespräch, ein Produkt an den Mann zu bringen.

In diesem Fall wird versucht, die eigene Lehre als Lösung für die persönlichen Probleme des Menschen anzubieten. Viele Menschen die Sekten zum Opfer fallen, haben wegen individueller Krisen ein Bedürfnis nach Orientierung.

Das Gefühl, das man ernst genommen wird, man für seine früheren Handlungen nichr kritisiert wird und überhaupt für alles Verständnis findet, macht diese Gruppierungen sympathisch.

Auch hier ist wieder persönlichkeitsabhängig, welche Art von Vorbildern man anziehend findet und sich auf sie einlässt.

Wer auf der Suche nach einem Sinn in seinem Leben ist und dabei auf ständig lächelnde Menschen trifft, die offenbar alle tief in sich ruhen, ausgeglichen wirken und sich nicht stressen lassen, sind faszinierend und tolle Vorbilder.

Wer auf der Suche nach Ordnung in seinem Leben ist, wird sich durch disziplinierte Personen, die offenbar ihr Leben im Griff haben, schwer beeindruckt sein. Dort scheinen alle selbstbewusst und erfolgreich zu sein.

Das macht neugierig auf die Lehren und Methoden, die diesen Menschen angeblich so geholfen haben.

Die einen bekommen dann langsam zu hören, die Meditationsmethode nach Meister XY habe sie so ausgeglichen und zufrieden gemacht.

Die anderen bekommen dann langsam zu hören, das Programm XY zur Selbstentfaltung habe so reich und erfolgreich gemacht.

In beiden Fällen scheinen diese Vorbilder das perfekte Beispiel für die Effektivität der beworbenen Methode zu sein.

Die Anwerbung sind nicht sehr offensiv, sondern erfolgen subtil.

Es wird zu Info-Abenden eingeladen, zu kostenlosen Einführungen in die Meditation usw...es wirkt alles ganz unverbindlich...

Ein traditionelles Mittel bei der "Internationalen Bewegung für Krishna-Bewusstsein" (ISKCON), besser bekannt als "Hare Krishnas" ist beispielsweise das Angebot indisch-vegetarischer Küche und die Einladung zu Konzerten mit indischer Musik.

Ich selbst war mit einem solchen Vaishnava befreundet und ich habe da auch mit ihm gegessen und philosophiert. Es ist also keineswegs so, dass man mit einem Fingerschnippen konvertiert wird.

Eine Zeit lang habe ich regelmäßig mit Zeugen Jehovas über die Bibel gesprochen, bis ich den Kontakt abbrach. Auch sie haben mich nicht bekehren können.

Dann hatte ich Kontakt zu zwei verschiedenen japanischen Sekten. Die Anwerberinnen waren ziemlich attraktiv, also hat man sich etwas nett unterhalten und sich Werbeflyer in die Hand drücken lassen. ;-)

Auch diesen Verlockungen bin ich aber nicht erlegen.

Ich denke, wenn man über eine stabile Psyche verfügt und bereits "seinen Weg" gefunden hat, oder zutiefst Skeptiker ist, dann ist ein Kontakt mit Sekten nicht pauschal schädlich.

Wer allerdings unsicher ist, wo er im Leben steht, wohin sein Leben führen wird, bei dem es kriselt und Probleme vorhanden sind, sollte sich von solchen Gruppierungen fernhalten.

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Kommentar von KasselFan
03.03.2016, 22:29

top Antwort ;)

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Es gibt in jeder menschlichen Gruppe (also nicht nur in religiösen...) Individuen, die mehr oder weniger freundlich gegenüber Neuankömmlingen auftreten.

Aber es gibt auch die anderen. Also die, welche unfreundlich sind und bleiben, egal, wie nett Du ihnen gegenüber zu sein versuchst.

Wer sich einer Gruppe anschließt und meint, er kann da nicht mehr raus, sollte einfach mal die wahren Gründe für das "ich kann nicht" genauer anschauen. Ist das wirklich ein "ich kann nicht" oder eher ein "ich will nicht"? 

Viele wollen die berühmte eierlegende Wollmilchsau. Also ein rundum perfektes Wunschpaket. Aber das gibt es nicht einmal im Paradies.

Wer also denkt, er kann aus einer Kirche nicht austreten, weil er dann seine Familie oder Freunde verliert, der ist ohnehin bereits aus den falschen Gründen in der jeweiligen Kirche "Mitglied" (Mitläufer?).

Und wenn man den Kontakt zu Freunden und Familie verliert, weil man ausgetreten ist, dann sollte man diese Versager in Sachen Mensch durch Menschen ersetzen, die eben nicht versagen. ;)

Wer sein persönliches Glück von anderen Menschen abhängig macht ist selber schuld, wenn er abhängig ist.

warehouse14

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sekten sollte man grundsätzlich meiden und religionen kannst du "anschauen" in dem du dir die grundsätze dieser dann anschaust, z.b. die entsprechenden schriften usw.......

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Kommentar von JTKirk2000
04.03.2016, 06:25

Interessant dabei ist, dass es auch "Sekten" gibt, die ihren Ruf entsprechend der modernen Bedeutung des Begriffes völlig zu Unrecht haben. Die Religion, der ich angehöre, wird auch oft als Sekte bezeichnet. Dinge, die es früher einmal in Einzelfällen gegeben hat, werden von Außenstehenden als immer noch aktuell und verbreitet angesehen und so weiter. Ebenso auch was sozialen Druck angeht, den es in dieser Religion aber, soweit mir bekannt, nie gegeben hat und den ich auch nie in irgendeiner Form wahrgenommen habe, auch da ich in meiner Familie der einzige bin, der dieser angehört. Es wurde von mir nie verlangt, zu missionieren oder den Kontakt zu Familien oder Freunden abzubrechen, nur weil sie nicht derselben Religion angehören (wollen).

Ebenso ist es mit bereits mehreren in unserer Gemeinde so gewesen, dass sie zunächst unsere Versammlungen und das, was darin erzählt wurde, sehr interessant fanden - sogar so sehr, dass sie sich dieser Religion anschlossen, aber dennoch wurden sie wieder inaktiv und begeisterten sich nicht mehr dafür. Das ist zwar sehr schade, aber die Entscheidungen werden respektiert. Wenn die Leute nichts mehr von der Religion oder deren Gläubigen nichts mehr wissen wollen, geht dieser Bruch nicht von denen aus die aktiv geblieben sind, sondern das Gegenteil ist der Fall, dass diejenigen, die inaktiv geworden sind, nichts mehr davon wissen wollen. Auch wenn es Mitglied ausdrücklich aus der Religion austreten will und eine entsprechende Aussprache wünscht, wird ihm dahingehend nichts erschwert. Einzige Bedingung ist, dass, wie in vielen anderen Dingen auch, mindestens zwei Zeugen erforderlich sind. Aus diesem Grund, würde ich vom örtlichen Gemeindeleiter dabei zu sein, als ein Ex-Mitglied eine solche Aussprache zum Zweck eines Austritts wollte. Da diese Person auch eine schriftliche Bestätigung des Austritts wollte, wurde diese, obwohl das eigentlich eher unüblich ist, entsprechend zugesandt. 

Falls sich jemand die Frage stellt, welcher Religion ich angehöre, dann braucht man nur auf meinem Profil nachschauen und wird sicher fündig.

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Hier findest Du einen Überblick über Hintergründe, Ursachen und
Wirkungsmechanismen. Der Artikel zeigt mögliche Beitrittsgründe, Entwicklung einer Mitgliedschaft vom Beginn bis zur Loslösung, mögliche Auswirkungen, Ursachen und Folgen auf. Konkrete Schaubilder und Diagramme verdeutlichen Abläufe und Entwicklungsphasen. Damit bietet er mögliche Erklärungsmuster an, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

http://www.sektenwatch.de/drupal/node/5

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KasselFan, ich habe deine anderen Fragen gelesen. Ich muß sagen, ich bin etwas irritiert. Was bezweckst du mit deiner Fragestellung?

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