Wie "funktioniert" Hochbegabung?

3 Antworten

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Nein, ein HB ahnt das nicht unbedingt, aber er spürt es, denn er ist, ob er will oder nicht, einfach anders.

Ein HB wird vieles als Selbstverständlich und Interessant ansehen, was anderen Menschen zu schwer ist, zu mühseelig, zu anstregend, zu abgedreht usw. und er wird nie verstehen, warum diejenigen, die ihn schräg finden, so oberflächlich un desinteressiert sind. Er mag es akzeptieren oder akzeptieren lernen, aber verstehen wird er es nie, denn HB heißt nicht nur schneller und effizienter denken, es bedeutet oft auch anders denken. Weniger linear (was nicht gleichbedeutend mit unlogisch ist), oft hochkomplex - was mitunter zu Ausdrucksproblem führt, selbst bei extrem hocher sprachlicher Begabung - und all dies absolut selbstverständlich.

Ein HB wird nie wirklich verstehen könne, warum bestimmte Details oder Zusammenhänge, die er als völlig selbstverständlich und nachgerade offensichtlich ansieht, anderen gar nicht auffallen.

Als HB muß man lernen, damit zu leben, daß man für andere oft Chinesisch redet, das auch noch zu schnell und zu komplex. Man wird es lernen, bis zu einem gewissen Gerad, aber es wird einen oft genug unglücklich machen, vor allem wenn die Kluft, insbesondere im Arbeitsleben, zu groß ist und man nur noch funktioniert, zehnmal schneller als alle anderen und drei- bis fünfmal besser. Die Konflikte sind vorprogrammiert, das kann sich, nehme ich an, jeder (?) vorstellen.

Was die Fakten von HB angeht, ist bislang wenig bekannt, allerding ist eine der Thesen in der Tat eine vielfältigere Verschaltung der Hirnzellen, schnellere Synapsenaktivität und möglicherweise auch eine flexiblere Neuroanatomie.

Ich lese oft, gerade im Internet, daß auf Hochbegabten rumgehackt wird, teilweise sehr unfair - damit wären wir beim Gerechtigkeitsempfinden. ;) Der HB kann nichts für seine Hochbegabung und kaum ein HB bildet sich auf diese etwas ein, eher im Gegenteil, sehr viele HBs sind erstmal gar nicht glücklich mit diesem Faktum und viele sind stets bemüht, sofern sie es bemerken, ihre HB zu verbergen - was allerdings aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmungen eines HB seiner selbst und der Außenwelt in Bezug auf den HB von vorherein zum Scheitern verurteilt ist.

Der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn von Hochbegabten hat, so vermute ich, insbesondere etwas damit zu tun, daß viele HB auch hochsensibel sind, aber auch damit, daß ein Hochbegabter oft automatisch weiter denkt als andere, und zwar ganz selbstverständlich und ohne dies aktiv zu "wollen". Ein HB denkt zumeist gleich die Konsequenzen und Auswirkungen mit, ohne über diese aktiv und angestrengt nachdenken zu müssen. Dafür ist offenbar eine andere Vernetzung und eine andere Denkweise (nicht-linear) die Ursache oder zumindest mitbeteiligt.

Die meisten Hochbegabten leiden insbesondere an der Kurzsichtigkeit ihrer Mitmenschen und der Umgebung - und das bedeutet nicht, daß ein HB andere für dumm hält! Er kann nur nicht verstehen, wieso Herr X oder Frau Y etwas tut oder behauptet und nicht sofort erkennt, worauf das mittel- und langfristig hinausläuft.

Hochbegabte sind, entgegen der landläufigen Meinung derer, die stets meinen auf uns herumhacken zu können und zu müssen, keineswegs eingebildet und arrogant, eher das Gegenteil. Wir sind äußerst hilfsbereite Menschen, kaum ein HB den ich kenne ist aufgeblasen oder schwingt theatralische Reden. Wir denken anders, wir reden anders udn wir leben auch anders, aber deshalb schauen wir noch lange nicht auf Menschen herab, die nicht hochbegabt sind.

Wer die Auffassung vertritt, es sei super toll ein HB zu sein, der möge froh sein, keiner zu sein, denn die Realität eines HB ist bitterer, trauriger und härter als viele derer, die meinen uns auf einen Sockel stellen zu müssen um sodann auf uns herumhacken zu können, sich auch nur ansatzweise vorstellen oder erträumen mögen.

Wow, dass ist ja mal eine tolle Antwort! Vielen, vielen Dank dafür! :) Aber wer hackt den die ganze Zeit auf Hochbegabten herum? Mir ist schon aufgefallen, dass wenn hier jemand im Forum glaubt hochbegabt zu sein und danach fragt, die Reaktionen nicht immer besonders freundlich ausfallen. Ich habe in meinem Leben bisher nur ein gleichaltriges Mädchen kennen gelernt die hochbegabt war und auch sie hat nicht damit angegeben und erst als ich sie ganz direkt danach gefargt habe, hat sie es mir erzählt. Ich habe eigentlich nur noch eine Frage: Wenn jemand, laut IQ-Test, knapp hochbegabt ist, kann das dann ein Zufall sein? Ich habe ja schon oft gelesen, dass diese Tests nicht sehr ausagekräftig sind und es passieren kann, dass jemand in dem Test nicht das Ergebnis ereicht, dass seinen Fähigkeiten entsprechen würde? Noch mal ein großes Dankeschön für diese detailierte Antwort!

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@Penelope012

Die Aussagekraft von Intelligenztests ist allgemein recht umstritten, nicht allein wenn es um die Diagonse von Hochbegabung geht.

Das Problem ist hier die Standardisierung in die Bereiche Mathematik, logisches/räumliches Denken und Sprache. Alle anderen Intelligenzbereiche kommen in den IQ-Test nicht vor (sportlich, musisch, künstlerisch/gestalterisch etc. p. p.).

Zudem leiden viele Hochbegabte an Depressionen und diese führen faktisch oft zu schlechten Ergebnissen in allem, was hohe Konzentration erfordert und zudem Durchhaltevermögen.

Ein hohes Ergebnis in einem IQ-Test kann zwar Zufall sein, aber man selbst weiß wohl immer irgendwie, wie man das einzuordnen hat und ich würde auch beim Zufall eher dazu raten, HB anzunehmen, statt sie für sich selbst abzulehnen, außer man ist wirklich felsenfest davon überzeugt, daß man "einfach Glück" hatte. Hat man es in mehreren IQ-Tests, wird man wohl irgendwann zu der Überzeugung gelangen, daß es wohl mehr sein muß als nur Glück... ;)

Einen guten Überblick über das "Problem" Hochbegabung und auch insbesondere deren Diagnostik, dennoch imho sehr gut verständlich geschrieben, finden man in:

Jürgen vom Scheidt: Das Drama der Hochbegabten

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Vielen Dank für diese sehr gute Zusammenfassung, die mit wenigen Worten das Wichtigste auf den Punkt bringt. Vor allem die Situation von HB bezüglich des Neids anderer ist gut beschrieben. Denn auf HB's wird tatsächlich herumgehackt, so als ob sie sich ein zu großes Stück vom Kuchen der Intelligenz in unberechtigter Weise genommen hätten. Aber was kann ich dafür, dass ich HB bin (und nebenbei auch noch Autist).

Manchmal wäre ich auch lieber kein HB, denn Nicht-HB's leben sich leichter und unbeschwerter. Das ist jetzt wohlgemerkt keine Ironie oder gar Sarkasmus, sondern ganz einfach eine Lebenserfahrung.

LG

Werner

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@WPOAS

Das man es sich als Nicht-Hochbegabter leichter lebt glaub ich dir gerne. Vorallem wenn man auch noch Autist ist. (Tut mir sehr leid für dich, hoffentlich ist es nicht so schlimm) Trotzdem hat sich die Situation für Hochbegabte Kinder merklich gebessert! Sie werden öffter als solche erkannt und entsprechend gefördert. (Naja, nicht immer-aber schnon immer öfter!)

Allerdings wird auf Minderheiten immer herumgehackt, ganz besonders wenn sie auch noch den Neid der anderen (des Norms) auf sich ziehen. Wer behauptet es gäbe keine Hochbegabung lebt sowieso noch in der Vergangenheit...

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ich finde deine Antwort klasse. Bis auf den Punkt, dass auf Hochbegabte rumgehackt wird. Ich bin selber hochbegabt und auf mir wird auch nicht rumgehackt. Die meisten Leute in meinen Umfeld sind überrascht von dem was ich weiß und sagen mir wie schlau ich doch bin... ich sage aber auch nicht jedem das ich hochbegabt bin, es weiß eigentlich nur mein bester Freund und eine gute Freundin von mir. Ich weiß nicht viellleicht liegt das auch an meinem Umfeld... und ich als Hochbegabte denke schon das es gut ist hochbegabt zu sein. Oder besser gesagt, ich bin froh zu wissen, wieso ich mich in vielen Situation von anderen unterscheide...

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@finjafrog

Ich schrieb nicht ohne Grund, daß ich oft, gerade im Internet, lese, daß auf Hochbegaten rumgehackt wird. ;)

Die Medienberichterstattung ist voll von Problemfällen, die Kommentare dazu führen bei mnir mitunter zu akutem Brechreiz.

Ich selbst war leider "zu früh" hochbegabt, da gabs noch keine speziellen Förderungen und wenn ich jetzt sehen, daß an der gleichen Schule, die gleichen Lehrer, die damals dafür gesorgt haben, daß ich "gegangen wurde", jetzt einen auf Hochbegabtenförderung machen - kann ich diesen ganzen Hype dann auch wieder nicht wirklich ernst nehmen, das ist meines Erachtens zum größten Teil Etikettenschwindel, damit irgendwelche Einrichtungen sich das Label "wir arbeiten mit den Intelligenzeliten" ans (virtuelle) Revers heften können, und am Ende entsteht in der (breiten) Öffentlichkeit vor allem Neid, Ablehnung und schlimmstenfalls Haß.

Mir ist das alles, ehrlich gesagt, zu kurzsichtig, zu effektheischend, zu gesponsert und gepusht, als dass ich das ernst nehmen könnte und wollte.

Und ich sehe da viel zu viel Doppelmoral...

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Wer hochbegabt oder hochintelligent ist, der weiß das einfach ... genau so wie du weißt, ob du schwimmen kannst und wenn ja, wie gut, genau so weißt du es, wenn du einen über den Durchschnitt hinausgehenden hohen IQ hast.

Kann sein, dass du nicht weißt wie hoch und du weißt ganz sicher auch nicht warum, aber du weißt es, und die anderen in deiner Umgebung, welche deinem raschen Erkennen und Denken nicht folgen können, die haben Probleme mit dir ... und du mit ihnen. Und wenn du Pech hast, und nicht sehr streibar bist, dann wirst du wegen deiner Intelligenz auch noch gehänselt ... und ... gemobbt.

Mich stimmt es nachdenklich, dass hochbegabte Menschen normalerweise eigentlich sehr gute und soziale Charktereigenschaften haben (z.B.: großes Gerechtigkeitsempfinden, ausgeprägtes Sich-In-Andere-Hinein-Versetzen,...) und trotzdem oft geächtet oder sogar gemobbt werden.

Intelligenz wird ja in unserer Zeit sehr groß geschrieben und dass gerade hochintelligente Menschen solche Probleme haben spricht nicht gerade fürd unsere Gesellschaft...

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@Penelope012

Liebe Penelope012,

das ist schon immer so gewesen und hat nichts mit unserer Zeit zu tun, wer anders ist als alle anderen(im bezug auf Intelligenz) ... der wird (wenn er sich lässt) entweder "verfolgt" und an den Rand der Gemeinschaft gedrängt, oder er wird Chef ...

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Auch wenn du das sicherlich nicht hören willst, aber diese Fragen kann man nicht so einfach beantworten. Tatsächlich wissen Hirnforscher wesentlich weniger über die Vorgänge im Gehirn, als es in den Medien oft stilisiert wird.

Eigentlich Schade... Aber vielleicht weiß ja doch jemand was...

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