wie funktioniert die soziale Marktwirtschaft? bitte mit Quellen wenn möglich

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4 Antworten

Du fragst "Wie läuft sie ab?" Nun, sowohl freie Marktwirtschaft wie soziale Marktwirtschaft sind rein theoretische Modelle, die sich Menschen ausgedacht haben. In der Realität hat keines dieser Modelle je so funktioniert, wie man sich das gedacht hat. Der Sozialismus war auch nur ein Modell, das bei ehrlicher und genauer Betrachtung noch weniger funktioniert hat. Je weiter sich die Wunschmodelle der Menschen von den Realitäten wegbewegen, um so heftiger ist das Scheitern. Was Europa und den EURO angeht, was sich inzwischen als eine rein dirigistische Staatswirtschaft herausstellt, bei der auch ein paar Private mitmachen dürfen, bekommst Du das ganze Durcheinander aktiv mit. Von der Idee der sozialen Marktwirtschaft ist da nichts mehr übrig, außer dass einige politische Schlagworte wie "soziale Gerechtigkeit" entlehnt werden, um die Dummen zu ködern, die dann zu spät merken, dass sie nur geleimt worden sind.

Die Theorie findest Du bei Wikipedia oder in Wirtschaft für Anfänger. Allerdings gibt es da bereits ein grundlegendes Missverständnis, weil immer von Privateigentum an Produktionsmitteln gesprochen wird. Das ist primitiv. Es kommt nicht auf das Eigentum an sondern auf die Verfügungsrechte. Selbst wenn Du ein Auto Dein Eigentum nennst, kannst Du nicht auf der Autobahn parken, nicht in jede Richtung fahren, die Dir lieb ist. Per Gesetz und Vorschrift schränkt der Staat Deine Verfügungsfreiheit ein. Schau Dir mal die Straßenverkehrsordnung an, wieviel da zwischen Dir und der Nutzung Deines Eigentums reglementiert ist. Auch was Firmen angeht: Jede Rechtsform (GmbH, AG, KG usw.) hat andere Reglementierungen. Und weil man bestimmte riskante, teils auch kriminelle Geschäfte in Deutschland nicht machen darf, gehen bestimmte Kreise nach Luxemburg, nach Zypern, nach London usw. weil sie es dort dürfen. Und wenn sich eine raffgierige Regierung wie die sozialistische Vorgängerregierung in Zypern verkalkuliert hat, dann ist Europa dafür da, dass die dummen Deutschen das mit Steuermitteln bezahlen. Da gibt es keinen Wettbewerb, da wird niemand demokratisch gefragt, das ist Brüsseler Schacher mit unserem Geld über unsere Köpfe hinweg.

Kurz und knapp: Was Du machen darfst bestimmt der Staat per Gesetz. Einen Staat gibt es aber nicht, sondern nur Politiker mit Klientelinteressen und großen Taschen. Und wenn die Leute zu bequem sind und nicht aufpassen, werden sie davon überrascht, dass die Politiker nur Gesetzte gemacht haben, die ihrem Geldbeutel und dem ihrer Klientel genutzt haben - so in Zypern, so in Griechenland, so in ... überall.

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samm1917 29.03.2013, 01:35

das dies theoretische modelle sind ist absolut richtig. leider hat bis jetzt nichts so funktoniert, dass man es als das perfekte system definieren könnte.

gute antwort, doch eigentum an den produktionsmitteln hat sehr wohl etwas damit zu tun. es geht ja genau darum, wie man die produktion organisiert und die erwirtschafteten güter verteilt. zudem: das eigentum an den produktionsmittel ist ja nicht dein auto, da autos nichts herstellen. das mit der verfügungsmacht ist hingegen sehr richtig. für alle gibt es gewisse gesetze und regeln, dies ist die aufgabe des staates. doch wenn du dein auto auf der autobahn parkierst kriegste grössere probleme als jene die kriege anzetteln und/oder ganze volkswirtschaften platt machen.

die frage ist also, wer macht diese regeln (theoretisch das volk) resp. wie beeinflusst man den souverän. und vor allem, wer ist für die umsetzung der konsequenzen verantwortlich. auch da haste grundsätzlich recht, es dreht sich alles ums geld.

(lustige anektote betreffend kriminellen geschäften: die bank "goldman sachs" (gs) hat die buchhaltung griechenlands dazumals gefälscht, damit sie in die eurozone aufgenommen werden. das resultat davon sehen wir täglich in den nachrichten. die gleiche bank sitzt momentan im ausschuss welcher die krise griechenlands auffangen sollte. das problem: sie wettet gleichzeitig auf den kollaps griechenlands und der eurozone. das ist keine verschörung sondern seit jahren bekannt. dies nennt sich also fachberatung und demkratischer ausschuss.)

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berkersheim 29.03.2013, 12:47
@samm1917

@samm1917

Das Beispiel mit dem Auto sollte lediglich die eigene Erfahrung anzapfen, was der Unterschied ist zwischen der Aussage, dass ein Auto "mein Eigenturm" ist und was die Gesetze als Verfügung zulassen. Auch wenn Funktionäre im Sozialismus per Definition kein Produktionseigentum hatten, ist doch die Frage, welche Verfügungsrechte sie hatten, die immerhin so weit gingen, dass die kleinen Volkseigentümer am Ende des Experiments leer ausgingen und die ehemaligen Funktionären ihre Verfügungsrechte in Eigentumsrechte gewandelt haben und jetzt die neuen Millionäre im ehemals sozialistischen Land sind. Es geht also darum, sich nicht von Schlagworten blenden zu lassen, sondern genau hinzuschauen. Dein Beispiel mit Goldman Sachs passt da auch. Das sind ja Manager und nicht Eigentümer der Bank, die aber entsprechend gesetzlichen Regeln Verfügungsrechte haben und was sie damit an Risiko eingehen durften, hat der Gesetzgeber ausgeweitet. Außerdem hat trotz dieser Kenntnis auch die Deutsche Politik Herrn Draghi als ehemaligen Goldman-Sachs-Manager in die EZB berufen und hinter dieser Entscheidung stehen auch Grüne und auch SPD! Da kann man sich doch nur verwundert die Augen reiben.

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samm1917 29.03.2013, 14:00
@berkersheim

da hast allerdings recht. manager vertreten die eigentümer an den produktionsmitteln oder wie du sagst "sie haben das verfügungsrecht."

ich bin absolut der meinung, sich nicht von parolen blenden zu lassen. der sozialismus ist weitgehend daran gescheitert, dass seine eigenen theorien weder überarbeitet, noch kritisch hinterfragt noch an sich eingehalten wurden. im gegenteil, die "verfügungsmacht" (wie du es nennst) resp. das eigentum einiger parteifunktonäre an den produktionsmitteln funktionierte nach dem gleichen prinzip wie heute der neoliberalismus. beides endet(e) bekanntlicherweise in einem desaster.

das kommt dabei raus wenn man den gesunden menschenverstand bei seite lässt und blanke theorien als biebeln und nicht als inspiration auschaut.

wunderts dich wirklich, dass grüne und spd solchen massnahmen zustimmen? auch ihre politiker stehen auf den gehaltslisten von grossunternehmen und einflussreichen lobbys.

ich reibe mir eher verwundert die augen, dass die leute nicht langsam anfangen aufzustehen und fragen zu stellen. ich meine erst irland, dann griechenland, dann spanien, jetzt zypern. zudem wackelt italien seit längerem und frankreich wird als nächster kandidat gehandelt. entschuldigung aber im ernst... wiso schlucken die leute die durchhalteparolen, wenn nicht mal mehr die medien die situation beschöndiger können. für wie blöd kann man sich noch verkaufen lassen?

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quellenangaben sind schwierig, da eine begrenzung der link-verweise existiert. ich versuche meinen beitrag so zu verfassen, dass du nur noch die stichwörter bei google eingeben musst.

als grundbaustein muss ich dir (soleid es mir tut) einen kurzen und radikal vereinfachten minimalcrashkurs in der heute allgemeingültigen wirtschaftstherie von karl marx geben. diese ist anerkannt, unterschiede gibt es bei der meinung der gegenmassnahmen. es ist wichtig einige grundmechanismen zu kennen, ansonsten versteht man die heutigen probleme nicht.

jeder unternehmer will soviel profit wie möglich für sich erarbeiten. also stell dir vor.

  • ein tischler macht einen tisch in einer stunde, welcher anschliessend zu 100 Euro verkauft wird.

  • sein lohn beträgt 30 Euro, die Materialkosten 20 Euro, Raummiete und Rückstellungen 20 Euro.

  • dies ergiebt einen gesammtaufwand von 70 Euro. die restlichen 30 Euro nennt man den Mehrwert. der Mehrwert fliesst in die taschen des fabrikbesitzers ohne das dieser dafür gearbeitet hat. dies ist möglich weil er die produktionsmittel (also die fabrik, geräte etc) zur verfügung stellt.

  • nun macht eine zweite tischlerei auf, welche die tische für 90 Euro verkauft. der konkurenzkampf beginnt. irgendwann ist der markt gesättigt (jeder hat einen tisch). dies bedeutet, dass ein unternehmen nur noch auf kosten des anderen wachsen kann (ausschaltung der konkurenz durch tiefe preise oder fusion resp. übernahme). es geht also darum die tische so billig wie möglich anzubieten. ein unternehmer hat zwei mögliche einspahrungsposten. 1. die qualität des materials oder 2. die löhne der angestellten resp. sozialleistungen usw. die löhne sind immer der höchste ausgabeposten eines unternehmens. sie werden also möglichst tief gedrückt. dies hat zur folge, dass die angestellten immer weniger geld zur verfügung haben, welches sie für konsumgüter ausgeben können (unterkonsumationstheorie). es folgt eine krisenspirale aufgrund mangelnder nachfrage.

der begriff soziale marktwirtschaft hat sich im laufe der zeit verändert. ursprünglich bedeute er "siehe link" winkeladvokat.

heute ist seine definition eher schwamming und nicht genau definiert. fakt ist: heute leben wir im zeitalter des neoliberalismus. in diesem system haben soziale anliegen und gleichheit keinen platz, resp. spielen eine klar untergeortnete rolle. im alltag sehen wir dies am andauerndem sozialabbau und an spekulationen jeglicher art. im neoliberalismus ist das oberste ziel die profitmaximierung. alles wird der verwertungstauglichkeit des freien marktes angepasst. kurz: das dikat des profits, spektive des freien marktes entscheidet über sein und haben. in der heutigen eurokrise vertitt der neoliberalismus die sparlinie von frau merkel. bei der bevölkerung, sozialausgaben etc sparen um die banken zu retten (welche anschliessend wiederum die wirtschaft stabilisieren könnten). der neoliberalismus ist strikte gegen das eingreifen/die regulierung des staates in die private wirtschaft (widersprüchlicherweise genau solange bis gewisse unternehmen mit steuergeldern gerettet werden müssen). fakt ist aber auch, dass kein anderes wirtschaftssystem so inovativ war und soviel geld akkumulierte wie der neoliberalismus. wie bereits erwähnt diente und dient dieses der privaten bereicherung und wurde/wird nur beschränkt zum wohle der gesellschaft investiert.

viele sehen den (neo-)keynesianismus als eine form der sozialen marktwirtschaft. der keynesianismus ist wie der neoliberalismus eine unterform des kapitalismus. im gegensatz zum neoliberalismus befürwortet der keynsianismus einen wohlfahrtsstaat und das staatliche eingreifen in die wirtschaftliche produktion. durch gesicherte minimallöhne, sozilalleistungen und eine staatlich absicherung sollte der konsum von wahrengütern sichergestellt werden. aufgabe des staates ist es, in krisenmomenten in die wirtschaft (nicht in staaten) zu inverstieren, damit neue anreize geschaffen werden. in der heutigen krise vertirtt herr hollande vorwiegend dieses model. der nachteil ist, dass nochmehr kredite aufgenommen werden müssten. der keynesianismus prägte die weltwirtschaft von 1945-ca. 1972, anschliessend wurde er von neoliberalismus abgelöst. ersterer ist bis heute eine typische wirschaftsposition der sozialdemokraten.

seit neustem gibt es vorschläge aus der linken ecke der sozialdemokraten eine demokratische (soziale) marktwirtschaft zu etablieren. diese funktioniert ebenfalls kapitalistisch, allerdings mit sehr starken einschränkungen. firmen sollen genossenschafltich funktionieren. d.h. die angestellten bilden ein kollektiv, welches über die investitionen und die löhne bestimmt. so sollen exzesse der wirtschaft verhindert werden. die idee ist so gut wie de fakto utopisch. keine firma geht freiwillig dieses konzept ein. wird sie dazu verdonnert wandert sie einfach ab (globalisierung). so funktioniert ja genau das diktat des freien marktes.

schlussendlich gibt es noch den demokratischen sozialismus als gegenmodell.

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Alexa0126 28.03.2013, 14:04

Lass die Leute doch ihre Hausaufgaben alleine machen, sonst lernen die ja nie was!

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Der erste deutsche Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland Ludwig Erhard (1949 - 1963) führte in der jungen Republik die soziale Marktwirtschaft ein.

In diesem Wirtschaftssystem sind Fabriken, Handwerks- un Handelsbetriebe im Privatbesitz (fast alle Wirtschaftsbereiche gehören Privatpersonen!) und die Wahl des Arbeitsplatzes ist frei. Es werden möglichst alle Güter hergestellt und angeboten, für welche die Verbraucher Kaufinteresse zeigen. Nach dem Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft!" herrscht ein freier Wettbewerb, in dem das Verhältnis von Angebot und Nachfrage die Preise bestimmt. Die Löhne werden in der sozialen Marktwirtschaft von Arbeitergeber und Arbeitnehmer ausgehandelt.

Der Staat greift mit Regelungen in das Wirtschaftsgeschehen ein, um die Bürger gegen existenzielle Risiken, wie z.B. Arbeitslosigkeit, abzusichern. Angekurbelt und unterstützt durch Hilfen aus dem Marshallplan, führte die soziale Marktwirtschaft in den 50er Jahren der noch jungen Bundesrepublik zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Schon bald sprach man im Ausland von einem "Wirtschaftswunder".

Immer mehr Menschen konnten sich nach und nach nicht nur mit den wichtigsten Gütern des Lebens versorgen, sondern sich auch bis dahin unerfüllbaren Luxus leiten: einen eigenen PKW (Auto-Boom Ende der 50er Jahre), einen eigenen Fernseher, oder eine Urlaubsreise (bisweilen sogar ins Ausland).


Vorteile:

  • hohe Qualität der Produkte
  • große Auswahl an verschiedenen Waren
  • Sehr gute Versorgung

Nachteile:

  • Arbeitslosigkeit
  • Harter Konkurrenzkampf
  • Große Unterschiede zwischen Arm und Reich

In der Planwirtschaft der DDR war in Sachen Vor- und Nachteilen eigentlich alles umgekehrt: Dort hatten die Produkte mangelnde Qualität, es gab Versorgungsmängel und keinen Leistungsanreiz. Vorteilhaft war an der Planwirtschaft das, was an der sozialen Marktwirtschaft nicht funktioniert (hat): Hier gab es keine großen Unterschied zwischen Arm und Reich, der Arbeitsplatz war gesichert und es gab günstige Grundnahrungsmittel durch staatliche Zuschüsse!

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schau mal hier vorbei, da sind lauter nützliche Tipps drauf. Einmal für die Wirtschaftsformen aber auch für spätere Gebiete der Wirtschaft.

www.deine-lehre.jimdo.com

expirience

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