Wie funktionieren totalitäre Systeme?

6 Antworten

Totalitäre Regime und Systeme geben sich gerne eine demokratische Maske. Sie fallen durch die Mobilisierung der Massen auf wie etwa Napoleon oder durch die totale Unterordnung unter einen Führer der sich selbst als göttlich sieht wie etwa Hitler zu dem tatsächlich gebetet wurde. Oder die angebliche Durchsetzung des Volkswillen wie bei Stalin.

Allgemein haben totalitäre Systeme bestimmte Merkmale:

  • Eine herrschende Ideologie/Weltanschauung die dazu dient, durch Erziehung, Propaganda, Indokrination und Manipulation nicht nur das äußere Handeln, sondern auch das Denken und Fühlen zu beeinflussen und alle Lebensbereiche mit allgemeinverbindlichem Anspruch zu umfassen

  • Unterordnung des Einzelnen unter eine Gesamtheit (Kollektiv, Gemeinschaft, Gesellschaft, Volk) mit einem freiwilligen oder erzwungenen Verzicht auf individuelle Freiheit (wobei die Definitionshoheit über das Interesse der Gesamtheit tatsächlich bei einer einzigen Machtgruppe liegt und alle Individuen als solche nichts gelten)

  • weitgehende Abschaffung von Freiheitsrechten (entweder gibt es sie schon rechtlich nicht oder die Machthaber lassen ihre Ausübung tatsächlich nicht; die Medien werden stark gelenkt und Zensur ausgeübt)

  • Unterdrückung und Einschüchterung durch Terror, Kontrolle und Überwachung (Polizei auch in Bezug auf „politische Vergehen“, Geheimdienst, Spitzel, Lager)

  • monopolartige Konzentration der Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungsprozesse in einem Führungszentrum (keine Gewaltenteilung, alle Macht liegt bei derselben Person/Gruppe)

  • Mobilisierung gegen äußere und innere angebliche Feinde, wobei keine Alternativen und Vielfalt als grundsätzlich gleichberechtigt geduldet werden (andere Meinungen sind schlechte Gesinnungen, Verirrungen oder Unsinn, weil angeblich Sachzwänge herrschen)

In der Praxis kann entweder eher der Machtdruck/Gewalt vorherrschen (die meisten beugen sich aus Angst, Widerstand wird durch Einsatz überlegener Machtmittel gebrochen) oder stärker eine innere Bereitschaft (opportunistische Mitläufer sehen Chancen für persönliche Vorteile; in einer sozialpsychologischen Gruppendynamik entsteht ein Konformitätsdruck, Menschen gefällt es, sich von einer Gemeinschaft getragen zu fühlen, sie möchten von anderen anerkannt werden und Erwartungen durch erwünschtes Verhalten erfüllen; eine Sehnsucht nach Orientierung durch eine klare und verbindliche Ordnung führt zu einem Aufgeben kritischen Denkens und der Freiheit, die auch mit Unsicherheit, mühsamer Suche und Bekenntnis eigener Verantwortung verbunden ist)

Idealerweise sind die verschiedenen Kräfte im Staat etwa gleich stark und das System ist im Gleichgewicht.
Dann wird eine Partei zu stark, und nun geht es wie bei einem Schiff, bei dem die Ladung nicht fixiert ist: Sie verrutscht und das Schiff neigt sich zusätzlich auf diese Seite, bis es schliesslich kentert.
Was beim Schiff die rutschende Ladung ist, ist in der Politik ein Volk, das viele dumme, unkritische Mitläufer hat. Resultat: die Diktatur.
Dagegen gibt's ein Mittel: Man soll nur das glauben, was man selber kontrollieren kann. Das gilt besonders gegenüber den Massenmedien, die ja fast NIE neutral (ohne Hintergedanken) orientieren.
Man soll die Kraft haben, selber etwas anderes zu denken als die grosse Masse denkt und nachschwatzt. Und man soll nicht aus kurzsichtigem Egoismus etwas Unsinniges mitmachen, von dem man weiss, dass es falsch ist.

Was möchtest Du wissen?