Wie fühlt sich ein gesundes Selbst an?

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13 Antworten

Ein „gesundes“ Selbst hebt Dich hoch und lässt Dich tief fallen, es ist wie die Hitze im Sonnengewitter und die Kühle im Frösteln des eisigen Schneewindes der Dir die Kristalle ins Gesicht fallen lässt.

In der Morgenlandschaft Dir der Tag sich als Feind nähern kann und in der Abendlandschaft Du in tiefster Verzückung noch anfängst Dich in den Dir zuwinkenden Tag zu verlieben. Illusionen, Imaginationen, Konstruktionen – das Selbst ist nicht leicht zu bändigen und doch es hilft, das wir uns nicht verirren, nicht verwirren, im Licht und in der Finsternis uns hinauswagen in das Unbekannte und hineinwagen in das vermeintlich bekannte.

Glaube mir mit Deinem Selbst wirst Du Freund und manchmal Feind sein, aber Du wirst solange Du lebst Dich irren und auch alles wissen – der Weg zu sich selbst ist der schwerste Weg, da gibt es solange wir leben keine Schilder, die uns führen – nur das Selbst vermag die Zeichen zu deuten, bis wir dort angekommen sind, wo wir nichts mehr wollen, nur noch sind, was wir sind. Diese letzte Antwort weiß dann nur Dein Selbst - um all die anderen Fragen wirst Du täglich ringen - das ist Leben im Hier-sein (wir haben womöglich kein anderes, womöglich).

Mefista 26.11.2016, 21:16

DH!

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Wenn ich das so lese, empfehle ich Dir ganz dringend, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Du musst diese Erlebnisse in der Kindheit lernen, zu verarbeiten.

Allein, dass Du lernen musstest, Dich selbst zu lieben, das gibt mir schwer zu denken.

Du quälst Dich doch bestimmt und von einer Beziehung hast Du auch nichts geschrieben.

Ich hatte eine mehr oder weniger ganz normale Kindheit, ich konnte immer zu meiner Mutter, wenn ich Sorgen hatte und wenn ich traurig war, habe ich halt geweint und wurde getröstet. Über solche Dinge wie "Mein wirkliches Ich" mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich weiß, wer ich bin, was ich möchte und was ich anstrebe.

Deine Eltern haben es erreicht, dass Du ein Mensch bist, der sich anscheinend selbst nicht leiden konnte, der unwert war, und daher hast Du auch kein Selbstwertgefühl aufbauen können. Du tust mir sehr leid.

Lass Dir helfen, such Dir einen guten Psychotherapeuten. Wenn der erste nicht hilfreich sein kann, dann gehst Du zum nächsten.

Alles Gute. lg Lilo


othmarione 25.11.2016, 09:34

Danke für deine Antwort :-)

Ich bin in einer Partnerschaft - das meinte ich mit zweiter Lebensphase. Ich bin auch bei einem Psychiater, der sich sehr gut um mich kümmert. 

Ich bin auch schon sehr weit mit meinen Fortschritten, aber immer wieder hinterfrage ich mein tun. Ich frage mich, ob all diese Worte korrekt sind, welche viele Freunde (die ähnliches erlebt haben) meinen. Wie es wohl anderen Menschen, ohne diese Probleme, ergeht. 

Mein Therapeut verändert mich auf eine andere Art, als ich mich selbst erlebt habe. Es heisst oft, ich solle mir selbst treu bleiben, aber mein Therapeut zeigt mir genau eine andere Richtung, als ich es verstehe, weil meine Gefühle mich anderweitig lenken. Wahrscheinlich, weil ich es nicht anders kenne. Daher meine Frage.

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LiselotteHerz 25.11.2016, 09:42
@othmarione

Du grübelst viel zu viel, scheint mir zumindest so. Nimm doch das Leben einfach mal etwas leichter. Steh einfach morgens auf, freue Dich, dass Du körperlich gesund bist, eine Partnerin hast und nimm das Leben einfach so hin, wie es grade kommt. Ich bin kein Psychiater und weiß ja nun nicht, was dieser Mann so mit Dir bespricht. Aber: Wenn Du Dir selbst treu bleibst, heißt das in diesem Falle (so sehe ich das), dass Du Dir weiterhin ständig einen Kopf um ganz normale Dinge machst.

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JaniXfX 25.11.2016, 09:36

Sehe ich nicht so. Hier wird der Alltag noch nicht wirklich problematisch. Vielleicht ein Coaching oder eine Beratung - aber es ist sicherlich kein Krankheitsfall!

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LiselotteHerz 25.11.2016, 09:38

Wie alt bist Du denn inzwischen? Waren Deine Eltern streng religiös und haben womöglich irgendeiner Sekte angehört? Das alles hört sich für mich sehr strange an.

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othmarione 25.11.2016, 09:42
@LiselotteHerz

Ich bin 23 und meine Mutter leidet wahrscheinlich (ohne ärztliche Diagnose) an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit Paranoia. Mein Vater gehorcht ihr, aus kulturellen Gründen. Und ja, religiös sind sie beide.

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LiselotteHerz 25.11.2016, 09:44
@othmarione

Das erklärt manches, Du bist leider das Produkt einer völlig unnormalen, verkorksten Kindheit. Was heißt hier: Aus kulturellen Gründen? Ich kenne keine Kultur, wo ein Mann einer schwer gestörten Frau gehorsam sein muss.

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Was du geschrieben hast - danke übrigens für deine Offenheit! - ist ziemlich komplex und ich kann jetzt nur mal ein paar Gedanken dazu sagen (statt insgesamt darauf einzugehen).

Ein Gedanke: Das 'Ich' (das eigene Wesen, die 'wahre' Person) steht eigentlich auch immer in Bezug zum 'Du' bzw.zu 'den Anderen'. Wirklich isoliert sind wir nicht. Als du dich zurückgezogen hast, war das eine Reaktion auf die Erfahrungen mit deinen Eltern. Dein 'Ich' hat sich auch dadurch herauskristallisiert, z.B. in dem Bewusstwerden darüber, was du auf keinen Fall willst und was du stattdessen willst.
Und jetzt scheint eine Phase zu sein, wo du ('dein Ich') ein Bedürfnis spürst, deine Selbsterfahrung (und dein 'Ich') zu erweitern durch den Kontakt zu anderen.

Zu deiner Frage: "Wie fühlt sich ein gesundes Selbst an?" ...
Ich glaube, dass es sich auf selbstverständliche Weise 'wohlig' anfühlt.
Es ist vergleichbar mit dem Zustand körperlicher Gesundheit: man ist sich dessen in der Regel nicht bewusst.
Erst wenn man aus der Balance gerät, fängt man an zu merken, dass es einem vorher bedeutend besser ging. Da wird der Unterschied richtig spürbar, bzw. eben bewusst.

Ein "gesundes Selbst" zu haben, geht meines Erachtens einher mit einem (ebenfalls meist nicht bewussten) Gefühl des Vertrauens - Vertrauen zu sich selbst ("Ich schaffe das schon irgendwie") und einem Grundvertrauen, dass einem die Umwelt eigentlich nicht feindlich gesonnen ist. Die Spannung zwischen diesem Grundvertrauen und der realistischen Erkenntnis, dass es dennoch Konflikte gibt und dass es auch Betrug, Gewalt  etc. gibt, kann man mit einen "gesunden Selbst" ganz gut ertragen.

Ein letzter Gedanke: "Ein gesundes Selbst" bedeutet nicht, dass man sich rundum und immer wohl fühlt. Aber es hilft natürlich dabei, die unangenehmen Realitäten des Lebens durchstehen zu können.


Ich habe mich mittlerweile davon verabschiedet, in meiner Vergangenheit rumzukramen. Es ist zwar manchmal hilfreich zu wissen, wieso man wie geworden ist, aber man darf nicht vergessen, dass man immer mit einer Intention sucht.

Du merkst z.B. dass nicht fähig bist deine Gefühle auszudrücken. Also durchwühlst du alle deine Erinnerung danach, zu finden, was diesem Schema entspricht. Das verzerrt die Wahrnehmung. Du wirst nämlich alles ausblenden, was genau dem Gegenteil entspricht. Wir neigen dazu, erst unsere Theorie festzulegen und dann dazu Beweise zu suchen, anstatt erst neutrale Bestandsaufnahmen zu machen und dann daraus eine Theorie abzuleiten.

So viel erstmal dazu. :)

Ich hatte als Jugendliche auch eine Phase, in der ich mit verdammt wenig Selbstbewusstsein rumgelaufen bin, hatte ziemliche Selbstwertprobleme und glücklich war ich auch nicht. Lustigerweise lag das alles an meinem Denken, was mir dann auch recht "schnell" klar wurde. Habe mich dann viel über Psychologie informiert, mich selbst reflektiert, habe gelernt immer ehrlicher zu mir und zu anderen zu sein, hab weiter gelernt, hab weiter umgesetzt... Und heute schätze ich mich glücklicher denn je. ;)

Ich weiß wer ich bin, was ich kann, was ich nicht kann, was mir wichtig ist, was mir nicht wichtig ist, wo ich hinwill, wo ich grade bin und - das ist wichtig - dass ich noch nicht ausgelernt habe und in zwei Jahren sicher wieder schlauer bin als jetzt. Das macht glücklich, und gelassen sowieso. ;)

Die Kindheit war bunt, abwechslungsreich und völlig in Ordnung.

Ich würde mich selbst als "ruhig und gelassen" einstufen. Klar, gibt Situationen, in denen das nicht so ist - überwiegend aber schon.

Ich musste mich nicht selbst finden oder gar erfinden, das "ich" ist mit mir mitgewachsen und wurde nicht blockiert. Eine Erziehung ist immer auch "die Richtung der Eltern", und selbstverständlich prägend.

Der Moment, an dem ich meine Eltern loslassen musste, war dann aber nicht der Moment der Befreiung, sondern einfach nur "Colleen Teil II", es ging einfach weiter, es kam keine 180 Grad - Wendung in meinem "selbst".

Mein Selbstwertgefühl: normal. Ich nehme mich weder zu wichtig, noch gebe ich mich für alles her. So irgendwie dazwischen.

Gedanken mache ich mir jeden Tag, aber nicht über abstrakte Dinge aus meiner Vergangenheit oder Verluste und Entbehrungen.

Also kann ich eher behaupten, dass ich das Glück habe, "einfach so leben zu dürfen", einen Selbstverlust nie hinnehmen und erfahren musste und auf eine harmonische und gute Erziehung zurückblicken darf.

Dir auf dem Weg "zu dir selbst": alles Gute + viel Erfolg!

LG  C.C.

othmarione 25.11.2016, 09:36

Sehr einleuchtend erklärt. Vielen Dank!

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ColleenChambers 25.11.2016, 09:53
@othmarione

gerne - ist auch eine "schöne" Frage!

Mal was anderes zwischen all den "mein Handy geht nicht mehr" oder "welches Computerspiel soll ich spielen" - Beiträgen.

LG  C.C.

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Jemand mit einem gesunden Selbst hat ein gesundes Selbstwertgefühl, ruht in sich und ist ausgeglichen. Er muss niemandem etwas beweisen, er muss nicht angeben, um anerkannt zu werden und er hat es nicht nötig, andere klein zu machen. Er kann Kritik gut ertragen und überprüft, ob sie stimmt oder nicht.

Ein Mensch, der in jeder Hinsicht nicht extrem ist, sondern in seiner Mitte ruht.

Beneidenswert und selten erreicht.

Hi Othmarione,

als ich so Deinen Text las, klang der etwas erlebensfern. Erlebensfern meint nicht, dass Du nicht erlebst oder nicht "echt" bist, sondern das klang etwas metaphysisch und philosophisch. Aber unser eigenes Erleben (und Selbsterleben) steckt gar nicht in so abgefahrenen Gedankenergüssen. Es steckt im Konkreten, im wahren leben.

Dein Ich ist das, wie (!) Du die Dinge tust und siehst. Es ist das, wie Du morgens duschst. Oder aufstehst. Oder Kaffeekochst. Wie Du dem Postboten "Hallo" sagst und wie Du Fahrrad fährst oder auch mal einen Unfall machst. Es steckt in allen gelungenen und fehlgeschlagenen vollbrachten Werken unseres Alltags. Und Dein Ich ist einerseits, wie Du eine hochintellektuelle, poetische Rezension schreibst, aber auch, wie Du beim Kuchenbacken noch mal wie ein kleines Kind im Teig herummatscht. 

In dem, wie (!) Du diese Dinge tust, steckst Du. Du hast einen eigenen Umgang mit den Dingen. Wenn Du ganz für Dich allein bist, kannst Du Dich darin ja schon entdecken. Jetzt kommen Andere und lenken etwas davon ab - aber dabei ist es doch ein Leichtes, Andere zu beobachten wie (!) sie etwas tun und dabei zu erkennen, wie (!) Du das anstellen würdest bzw. wie Du es anders machst. Nur Mut: das lässt sich auch mit Ablenkung (wenn nicht gar viel leichter) erkennen ;-)

Ein gesundes "Selbst" fühlt sich sehr gut an.

Damit man diese Erfahrung machen kann, muss man es, das Selbst aber erst finden/erfahren/wahrnehmen können.

Die meisten von uns identifizieren sich ja mit dem, was sie von außen gelernt haben zu sein, sie sind geprägt worden und kennen sich selbst als Ergebnis dessen, was sie von außen über sich erfahren haben, die Reaktionen anderer auf ihr Aussehen, ihr Verhalten, das alles hat aber möglicherweise gar nichts mit ihrem Wesenskern zu tun.

 Man entwickelt normalerweise ein Bild über von sich selbst, dass mit dem, was man wirklich ist gar nichts zu tun hat, beispielsweise wird ein Kind, das langsam und bedächtig, etwas verträumt, aber überaus gescheit und gründlich von Natur aus ist, als faul bezeichnet, weil der  Erzieher/Elternteil unruhig und ungeduldig ist und das Kind seinen Erwartungen nicht entspricht.

So kann ein Kind schon recht früh auf irgendeine Weise abgestempelt werden und wenn es ein wenig sensibel ist, wird es annehmen, es wäre so, wie die anderen es sehen/haben wollen, es bemüht sich (unbewusst natürlich) möglicherweise sogar, den Erwartungen der Außenwelt zu entsprechen,es verbiegt sich quasi um den anderen zu gefallen/ihren Erwartungen zu entsprechen.

Es gibt etwas, das in Indien als "Selbstverwirklicheung-" bezeichnet wird, das mit dem, was wir im Westen darunter verstehen überhaupt gar nichts zu tun hat - bei uns wird Egoverwirklichung als Selbstverwirklichung gesehen - das uns erfahren lässt, wer und was wir wirklich sind.

Hat man diese Erfahrung gemacht und ist seinem Wesenskern begegnet, ist das eine unglaubliche Erlösung, man fühlt sich befreit und kann lernen sich und sein Selbst (und die ganze Schöpfung) zu lieben.

Das hängt immer so ein bisschen von der Tages Form abhängig.

Du musst erst die Wertschätzung für alles verlieren, um es dann wieder wertschätzen zu können.

Wenn du nichts mehr zu verlieren hast, fühlst du dich wirklich frei.

Klar muss man sich selbst finden. Dir hat wahrscheinlich die komplette Selbstfindungsphase in der Pubertät gefehlt. Einfach nachholen...

Ich finde die Frage sehr interessant, weil ich denke das eine Antwort darauf
unglaublich viel über einen Menschen verrät.
Ich denke auch das die Antworten massiv variieren werden.

Ich persönlich war früher "Blender" ich wollte immer mehr und besser sein als ich war, deswegen stand lügen auch auf der Tagesordnung.
Ich war nie glücklich mit dem wie ich aussehe, mit dem was ich bin und mit dem was ich erreicht hab im Leben.
Daher wurden immer Storys erzählt und glaubhaft verkauft damit ich mich in diesem Moment gut gefühlt habe.

Woran das lag weiß ich nicht, meine Kindheit war normal nichts besonders tolles nichts besonders schlechtes, dennoch war ich immer von Hübschen Menschen mit teuren Klamotten oder einem Intelligenten auftreten beeindruckt, das waren alles Eigenschaft die in meiner Kompletten Familie seit Generationen nicht vorhanden sind.

Die Lügen wurden irgendwann klar, aufgedeckt und ich wurde als dummer schätzer enttarnt, das hat mich so dermaßen mitgenommen und gestört das ich beschlossen habe nichtnur so zu tun, sondern so zu sein.

Hab als Erster in der Familie einen Akademischen Abschluss hingelegt, bin jetzt in der Projektleitung tätig und verdiene sehr gut, des weiteren habe ich mich sehr viel im Fitnesstudio aufgehalten und einen sehr guten Körper erarbeitet.

Dann war ich einer von den Leuten die ich immer sein wollte, trotzdem hat es mich nicht glücklich gemacht und ich hab mich nicht wirklich sehr viel besser oder glücklicher gefühlt, das einzige was gut war, ich musste nichtmehr lügen.

Heute habe ich eine glückliche Beziehung mit meiner Freundin die ich nicht zuletzt durch die erarbeiteten Attriubute erst kennengelernt habe, wir sind glücklich und wenn ich in einem Satz mein Leben beschreiben würde dann würde ich sagen:

Ich bin dankbar für alles was ich habe und wertschätze jeden Tag in meinem Leben.

Ich ist immer ein Witz. Ein Konzept ein Abziehbild. Und wenn da drei Ichs in einem sind, dann zählt man Drei. Aber das was man ist, das wird nie mitgezählt. Und das, obwohl es das Einzige ist was zählt.

Das zu sein was man ist und Ich zu sein (oder das zu glauben) sind vollkomen verschiedene Dinge.

Der Unterschied ist: Man kann es nicht haben, man kann es nur sein.

Wohl endet Tod des Lebens Not,

doch schaudert Leben vor dem Tod.

Das Leben sieht die dunkle Hand,

den hellen Kelch nicht, den sie bot.

So schauert vor der

Lieb

’ ein Herz,

als wie von Untergang bedroht.

Denn wo die Lieb’ erwachet, stirbt

das Ich, der dunkle Despot.

Du laß ihn sterben in der Nacht

und atme frei im Morgenrot.

(Mewlana Dschelaladdin Rumi, 1207-1273)

Ich bin ehr ein ruhiger mensch der auch mal seine Meinung zu verschiedene Anlässen aüßern tut

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