Wie fühlt es sich an, einen Bro zu haben?

3 Antworten

Hi,

da ich wohl im Gegensatz zu Dir selbst ziemlich schwul bin, kann ich Deine Frage(n) vielleicht relativ objektiv und angstfrei beantworten.

Zu Punkt 1 ("Fühlt sich das schwul an, bevor man einen Bro bekommt"): Ja, es fühlt sich ein bisschen schwul an, einen Bro zu haben - ohne dass Du deswegen schwul sein müsstest! Viele Schwule haben z.B. eine allerbeste Freundin, die sie bewundern, die sie manchmal auch ziemlich attraktiv finden und mit der sie sich zum Teil auch identifizieren . Ich glaube, diese Freundinnen sind für Schwule oft das, was für Heteros Bro's sind: Es sind Menschen, zu denen Du aufschaust, mit denen Du Dich irgendwie identifizierst, mit denen Du Dich prächtig austauschen kannst und zu denen wegen dieser Nähe vielleicht auch eine körperliche Anziehungskraft besteht, die Du aber deswegen trotzdem nicht lebenslang anfassen wolltest und nie und nimmer heiraten würdest, weil Dir dann (auf Dauer) eben doch etwas fehlen würde ;-)

Zu Punkt 2 (Wann habt Ihr Euren ersten Bro gefunden): Ich war einmal sehr verliebt in einen Kommilitonen. Irgendwann sprach mich sein Bruder an, der nicht ganz so gefährlich schön, aber immerhin attraktiv und bewundernswert war - und mich irgendwie mochte. Daraus entwickelte sich eine wichtige Freundschaft: voll schwärmerischer Bewunderung auf meiner Seite und bei klarer körperlicher Distanz voll Zuneigung und echtem Respekt auf seiner Seite (den Begriff "Bro" gab es damals noch nicht).

Zu Punkt 3 (Ist das Bro-Sein ein Aufblicken von beiden Seiten?): Ach, lass uns das Ding beim Namen nennen: es geht um Liebe. Aber Liebe von Mann zu Mann ist nicht gleich schwul! Mein Kronzeuge dafür ist der Hetero J. P. Jacobsen: Der schrieb schon 1880 in seinem Roman Niels Lyhne;

Ob es wohl unter allen Gefühlsverhältnissen des Lebens etwas gibt, das zarter, edler und inniger wäre, als die leidenschaftliche und doch so vollkommen schüchterne Verliebtheit eines Knaben in einen anderen? Solch eine Liebe, die nie redet, sich niemals in einer Liebkosung, einem Blick oder einem Wort Luft macht, solch eine klar sehende Liebe, die bitter über jede Unvollkommenheit, jeden Fehler des geliebten Gegenstandes trauert, eine Liebe, die Sehnsucht und Bewunderung, Selbstvergessenheit, Stolz, Demut und ruhig atmendes Glück ist." Na, findest Du Dich in dieser Beschreibung ein bisschen wieder? Dann hast Du in dem "coolen Typen" von dem Du sprichst, vielleicht ein Vorbild gefunden, an dem Du Dich orientieren, an dem Du wirklich wachsen kannst. Ob der andere auch ebenso zu Dir aufschaut? Es wäre ihm zu wünschen! Aber sei nicht niedergeschlagen, wenn er es nicht in den gleichen Maße tut. Auch hier gleichen sich Liebe und Freundschaft: sie verlangen nach einer gewissen Ausgeglichenheit nach beiden Seiten. Verhält sich der Andere nicht so, wie Du es von ihm erwartest, dann bist Du ihm vielleicht - trotz Deines Bedürfnisses, an einem Menschen wie ihm zu orientieren - bereits ein Stück voraus!

LG Akanthus

Beste Antwort!!! Ich muss halt noch ein bisschen warten. Die coolsten Typen sind irgendwie immer so um die 20-25. Danach wird es halt total erwachsen. :P

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Was ist eigentlich ein Bro? Ich würde ja sagen: Ein Kerl, zu dem man als Kerl in einer Freundschaft steht, die einen zu Sätzen treibt, wie "Wahre Liebe gibt es nur unter Kerlen" (im nicht-schwulen Sinne – eben weil Sex für die Beziehung keine Rolle spielt und daher auch nicht für diese Turbulenzen sorgen kann, an denen sexuelle Beziehungen regelmäßig kaputt gehen). Sollte Deine erste Frage beantworten.

Habe meine Bros (ja, geht auch in der Mehrzahl) erst vor ein paar Jahren gefunden, und wusste es am Anfang gar nicht. Hat sich entwickelt und viel mit Vertrauen und Respekt zu tun, die man sich gegenseitig verdient. Jemand, mit dem man auch total unterschiedlicher Meinung sein kann, sich aber einig bleibt, dass sowas kein Grund für schlechtes Benehmen ist und man sich gegenseitig unterstützt, ohne unehrlich zu werden. Jemand, dem Du nicht nur dein letztes, sondern auch Dein bestes Hemd anvertrauen würdest. Ich würde Bro schon mit "bester Freund" übersetzen, aber ein bester Freund gehört für mich auch zur Familie. Wir sind alle wir selbst geblieben, aber wir halten zusammen.

Klingt doch gut. Was ist mit dem "Aufseh-Faktor"? Bekommt man bei Euch überhaupt die Gelegenheit, sich überlegen/cooler/was-auch-immer zu fühlen? So etwas stört mich häufig, wenn ich mit Freunden verabredet bin... die haben dann halt immer so Charaktereigenschaften, die mich stören. Also so die Gesamtausstrahlung ist nicht so positiv... Vllt. muss ich einfach 'n paar mehr Leute kennenlernen oder so.

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@4n0n7m

Der Aufseh-Faktor...naja, da wir unterschiedlich spezialisiert sind, fällt es leicht, bestimmte Überlegenheiten auszubilden und neidlos anzuerkennen (Ende 20 und alle ein bisschen nerdy ;-) ich bewundere des einen vulkanische Gelassenheit, nutze des anderen IT-Kenntnisse schamlos im Tausch gegen Schokolade, Malzbier und Verschwiegenheit aus, habe selbst offenbar einige Vorzüge, die sie mir immer mal wieder auf's Butterbrot schmieren zu müssen meinen, und rege mich öfter mal über diese vulkanische Gelassenheit und die Freundin des anderen auf. Charaktereigenschaften muss man einzeln abwägen: Was ist am wichtigsten, was eher weniger? Wo liegen die eigenen Toleranzgrenzen und wie reagiert man darauf, wenn sie erreicht werden (da gibt es zwischen Anschnauzen + Entschuldigung annehmen, den Abend verlassen und den Kontakt ganz abbrechen viele viele Nuancen). Da es für mich eine Ergänzung zur Familie ist (und man sich da erstmal hocharbeiten muss), ist es für mich auch wie in der genetischen Familie: Man beharkt sich öfter mal, aber da man weiß, was man aneinander hat, bleibt man auch beieinander (wobei ich aber auch schon zur ultima ratio greifen musste, einem genetischen Familienmitglied die Verwandtschaft zu kündigen – Alle Toleranzgrenzen ultimativ überschritten).

Ach ja: Wichtig ist nicht, wie viele Leute; wichtig ist: Die richtige Art von Leuten.Meistens sind das wenige, aber die lohnen sich richtig.

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Ich kenne jemanden dem kann ich alles erzählen ohne das er mich verurteilen würde. wir sind uns sehr ähnlich deshalb denke ich

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