Wie findet ihr es, dass durch Annette Frier als Ella Schön jetzt Asperger auch im deutschen Fernsehen aufgegriffen wird?

4 Antworten

Ich denke es kann sowohl Vor als auch Nachteile haben. Durch Charaktere wie Sheldon Cooper, Sam (Atypical) und Spencer Reid (Criminal Minds) werden immer wieder Debatten aufgewirbelt. Leider habe ich das Gefühl das autistischen Menschen häufig nicht genug zu gehört wird und dadurch dass man den Begriff Autismus immer mehr hört, etabliert sich ein gewisses Bild in unseren Köpfen.
Darunter leiden allerdings Menschen wie ich, die nie als Autisten erkannt werden weil sie eben nicht in dieses Bild hinein passen. Zu dem beeinflusst die öffentliche Meinung auch durchaus mal Ärzte (meiner hat neulich zu mir gesagt "Alle Menschen sind ein bisschen autistisch") was zu Fehldiagnosen führen kann.

Andererseits helfen solche Serien auch, autistische Züge bei anderen Menschen (gerade Kindern) zu erkennen und je nachdem ob es notwendig ist, die nötige Unterstützung zu besorgen und Verständnis für den Betroffenen aufzubringen.
Außerdem bieten sie die Gelegenheit sich zu äußern und auch öffentlich die eigenen Gedanken zu Thema Autismus einzubringen.

Ich fände es besser wenn man mehr Charaktere mit Autismus hätte, die ebenso verschieden sind und verschiedene Probleme haben, wie die Menschen im echten Leben. Nicht immer nur das sozial Inkompetente Genie.

Ich bin weiblich, 16, im Spektrum.

Ich weiß nicht, ob es Vor- oder Nachteile für Betroffene bietet.

Ich denke es müssten dazu so viele Facetten beleuchtet werden und so eine Bandbreite an Möglichkeiten abgedeckt werden, das realistisch darzustellen ist nicht möglich. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Figur nach Diagnoserichtlinien erstellt.

Wenn schon solche verallgemeinernden Beschreibungen auf einem Medizin- und Gesundheitsportal zu finden sind: "Menschen mit Asperger-Syndrom sind kaum in der Lage, Beziehungen zu knüpfen, geschweige denn, Freundschaften zu schließen. Sie können weder Gestik, Mimik, Tonfall und Blickkontakt ihres Gegenübers einordnen noch die dahinter stehenden Gefühle nachempfinden." ... dann ist von dieser Serie wohl nicht viel zu erwarten. Wenn man sich auf dem Aspieforum umhört betrifft das weit weniger erwachsene Aspies. Es sind einige, inklusive mir, die verheiratet sind, Partnerschaften führen, auch Freundschaften führen (trifft auf mich nicht zu). Ich habe wenig Probleme mit Gestik und Mimik und dennoch im Gutachten den Zusatz "erhebliche soziale Funktionsbeeinträchtigung."

Mein Mann hat auch AS. Er hat aber keinerlei Probleme auf andere zuzugehen und tut sich mit Mimik nochmal leichter als ich, man könnte sagen, er hat damit so gut wie gar keine Schwierigkeiten (aus meiner Perspektive). Wir führen zwar ein Einsiedlerleben aber ein glückliches wo wir bis auf kleinere Reibereien seit 10 Jahren gut zurecht kommen.

Ich denke, wer betroffen ist, kennt seine Stärken und Schwächen, der wurde damit schon viele Jahre konfrontiert, dafür bräuchte ich jetzt keine Fernsehfigur.

Welches Forum ist das? asperger-forum.de(Schlechte Administration...)? aspies.de? aspergia.de? ...

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@GFrageNFrage

aspies.de

asperger-forum.de(Schlechte Administration...)

habe ich auch so erlebt.

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Kommt darauf an, wie sie es darstellen. Klar ist jeder Mensch verschieden, aber wenn die Zuschauer dadurch ein realistisches Bild bekommen, wie Autisten sein können, finde ich es nicht schlecht.

Ich weiß noch, wie wir in der Schule über Asperger-Syndrom gelernt haben. Die anderen konnten zwar sozusagen die "Symptome" lernen, sich darunter aber nichts vorstellen. Da wäre es von Vorteil gewesen, wenn sie ein realistisches Bild in Form einer Filmfigur gehabt hätten.

Aber man muss da schon darauf aufmerksam machen, dass es sich um eine Figur mit Autismus handelt. Ein paar Jahre zuvor hatten wir nämlich "the curious incident of the dog in the nighttime" gelesen und meine Mitschüler konnten damit überhaupt nichts anfangen. Für sie war die Figur einfach nur ein "Spinner". Und dass die Lehrerin auch nicht mit uns über das Thema geredet hat, war nicht hilfreich. So blieb ich die einzige, die das Buch verstanden hat.

Wenn die Darstellung aber unrealistisch ist, dann sehe ich es eher als Nachteil. Dann haben die Menschen ein falsches Bild und das hilft dann sicher nicht.

Bin übrigens die Schwester eines Aspergers.

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