Wie fange ich am besten an, eigene Produktideen zu verwirklichen?

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2 Antworten

Frust muss raus - stimmt! Aber Roman? Nö. Im Gegensatz zu anderen Fragen kennt man so wenigstens die Grundlagen - Aus meiner Sicht also eine herausragende Arbeit.

Leider ist die eigentliche Antwort in drei Bereiche zu unterteilen. Formales Wissen zu Unternehmensgründungen mit dem Wissen um die Durchführung. Dann der Bereich der Einführung des Unternehmens in die unterschiedlichen Bereiche. Der dritte Bereich klingt wie eine Wiederholung, besteht aber aus den Wechselwirkungen der Entscheidungen. Zwischen den formalen und den 'kaufmännischen' Teilen.

Formal sind solche Dinge wie die Rechtsform und deren Auswirkungen für Haftung, Steuerbelastung und Kapitalbeschaffung.

Als 'kaufmännisch' würde ich von der Idee über die Entwicklung der Idee zu einem marktreifen Produkt bis zu seiner Vermarktung überschreiben.

Dazu kämen dann auch wieder die ganzen Verwaltungstätigkeiten, die in weiten Teilen mit Buchhaltung überschrieben werden können.

Aber auch wenn ein Produkt bereits auf dem Markt ist, dann stellen sich noch einige produktseitige Fragen, ob nicht gerade hier es sinnvoll ist zu starten.

Denn der plötzliche Kindstod bleibt - wenn auch nicht mehr im medialen Fokus - ein wichtiges Thema. Oder auch die Folie zur temporären Verdunkelung.

Wichtig ist natürlich ob Deine Idee einen anderen Weg beschreitet. Denn hast Du durch Zufall den selben technischen Weg für die Problemlösung gefunden, dann kann es urheberrechtlich schwierig werden.

Für Kunden ist von Interesse welche Vor- und Nachteile in unterschiedlichen Wegen bestehen.

Bei Deinen genannten Ideen, hätte ich Dich nicht vor der Nutzung von Marktnischen gewarnt. Also nicht so eindringlich, wie es bei anderen oft notwendig ist.

Eine Nische hat leider das Manko, dass es vielleicht ein erkanntes Problem gibt, aber es kein Lösungsinteresse gibt. Vieles akzeptiert man im Tagesablauf ohne nach Rettung zu rufen. Und die Problemlösung müsste ja ein Angebot sein, was seine Investition Wert ist.

Daraus kommt das nächste Problem. Denen, die an einer Problemlösung interessiert sind, ist erst einmal zu zeigen für welchen Preis die Lösung zu haben ist. Dann muss dieses bei den Interessierten noch ins Budget passen.

Ein neues Produkt hat dann oft Schwierigkeiten in den Vertriebswegen. Also was ist richtig? Das Armband ist so ein Beispiel. Baby-Bedarf, Sanitär-Häuser, Apotheke? Wo suchen die Interessierten - wenn Sie von der Lösung Kenntnis haben - nach dem Produkt? Oder wo fragen die nach Lösungen?

Die an einer Lösung interessierten Leute, die auch einen Kaufwunsch haben nennt man Zielgruppe. Und da solltest Du gedanklich immer ansetzen! Wie wird mein Angebot für die Zielgruppe interessant? Oder wie kann ich Kaufhemmnisse beseitigen bzw. senken.

Daraus müsste man dann ableiten, was der Preis einer solchen Lösung sein darf. Und dann geht man den Weg zurück. Der Verkauf kostet Geld. Ein ggf. stattfindender Zwischenhandel hat Kosten und Profitinteressen, die Herstellung kostet Geld. Dazu kommen Kosten von Forschung und Entwicklung, sowie die Überleitung eines Prototyps in die Serienreife.

Das kann man bei einem Brötchen schnell sagen, aber bei anderen Dingen muss man wirklich Recherche betreiben.

Aus der Anzahl der Kaufwilligen schätzt man dann die tatsächliche Abnahmemenge. Daraus entsteht ein Volumen und die Frage: Wann erziele ich welche Einnahmen und wie weit decken die meine Kosten.

Das ist erst eine, wenn auch in Deinem Fall nicht so einfache Überlegung. Kann sich das lohnen? Ja oder nein. Kommst Du hier zu einem Nein, dann war es das noch nicht. Woran liegt es? Ist es der Preis? Ist der so hoch, dass die Zielgruppe nicht groß genug ist? Kann man noch mehr erreichen? Würden Kostensenkungen, Preissenkung und Verbreiterung der Zielgruppe einen Start sinnvoll machen?

Also ist ein Nein nicht endgültig. Es kann sich auch einfach durch Medien ändern oder weil die Zeit für eine Idee einfach gekommen ist.

Hast Du Dir ein 'Ja' erarbeitet werden die Schätzungen jetzt konkreter. Sie werden zu Planungen. Aus der Planung ergeben sich jetzt genauere Kosten. Bei der ganz allgemeinen Überlegung, da fragt man noch nicht nach Gründungskosten für ein Unternehmen, hier tut man das.

Überlegt sich auch genauer die Kosten für Verwaltung usw. Überlegt die Entwicklungsstufen. Welche Investitionen sind sinnvoll? Zu welchem Zeitpunkt?

Das treibt man wieder bis zu dem Punkt, wo man selber aus der Vermarktung aussteigen will. Also will man nur Hersteller sein, dann guckt man noch wie man das ab dieser Produktionsstufe 'vom Hof bekommt' und zu welchem Preis. Analog beim Direktvertrieb, wie organisiert man den und welche Kosten entstehen.

Bei allen diesen Kosten habe ich ganz wichtige Punkte nicht genannt. Die Störungen im Ablauf und noch entscheidender - die Risiken. Wie kann man die Auffangen?

Alles dieses wird schriftlich festgehalten, in der Form eines Businessplanes. Der wird bei Dir umfangreich. Bei einem kleinen Betrieb, sogar einer One-Man-Show oder einer One-Frau-Show hat ein sinnvoller Businessplan einen Umfang von etwa 60 Seiten. Harte Fakten. Das könnte bei Dir umfangreicher sein. Weil gerade die Entwicklung bei den meisten Gründungsvorhaben nicht so einen Stellenwert hat.

Am Ende der Aufstellung des Businessplanes steht immer ein handfestes Ergebnis: Wie hoch sind meine Chancen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung.

In aller Regel ergeben sich während der Planungen und in der Gesamtschau noch Verbesserungsmöglichkeiten oder Alternativen zu Teilbereichen. Da gilt es dann wenn die 'grobe Richtung' passt zu entscheiden wie wichtig die Integration dieser Geschichten sein kann.

Leider sind Deine Ideen nicht rein im Gesundheitsbereich. Denn dann bräuchte man lediglich einmal den Weg für die Zulassung zu erarbeiten. Wären klinische Tests wichtig oder notwendig? Was ist, wenn das Gerät selber ausfällt und dadurch seiner Funktion nicht nachkommt? Was habe ich für eine Haftung mir selber gegenüber? Also ich könnte so ein Gerät wie das Armband nicht bis auf den Markt bringen. Wenn das einmal nicht funktioniert, ich könnte für mein Gewissen keine Garantie übernehmen. Da wäre vielleicht meine Empathie zu hoch. Aber auch da muss man für sich im Rahmen des Businessplanes eine Antwort finden. Natürlich auch für die Haftung gegenüber anderen - Stichwort Hersteller-Haftung.

Sicher kann man dieses Wissen sich nicht alles zu 100% aneignen. Unterstützung ist da angesagt. Vielleicht bereits im Bereich Ideenentwicklung. Aber auch ein vertieftes Wissen in den Bereichen, die Du bisher nur vom Ansatz kennst. Je tiefer das Wissen sein muss - oft eine Frage der Investitionsgröße - desto mehr Fachleute müssen an dem Plan mitarbeiten.

Auch dabei ist allerdings sicher zu stellen, dass die Führung bei Dir liegt. Nicht bei einem Unternehmensberater, Steuerberater, Rechtsanwalt, Techniker oder wem auch immer. Beratung kann man aber nur einschätzen und ihre Folgen, wenn man selbst auf einer vernünftigen Grundlage steht.

Übrigens sollte man auch vor weitergehender Beratung selber sicher sein, was man für einen Weg vor hat und die Ziele definiert haben. Darin haben sich Berater zu bewegen. Allerdings darf man dann auch nicht beratungsresistend sein und nur die eigenen Wege und Ziele sehen.

Wenn ein Weg schlecht ist oder ein Ziel so nicht erreichbar, dann ist es ebenfalls Beratungsaufgabe realistische Alternativen zu nennen. Deine Entscheidung wie es dann weiter geht. In der Regel verändern sich dadurch allerdings nur Zwischenziele. Wenn Du sagst, dass Du 2.4 Millionen im Jahr Gewinn brauchst, für Deine Familie und Dich, dann ist Ende, wenn einer sagt 1.2 sind aber nur möglich. Man muss auch die Konsequenzen entweder akzeptieren oder ziehen.

Für Dich vielleicht sogar ideal, was ich mit meinen Kunden veranstalten. Die Beratung tritt erst in dem Punkt ein, wo UnternehmerIn oder Gründungspersönlichkeit angefangen hat Entscheidungen zu treffen. Vor sehe ich meine Aufgabe in der Qualifikation.

Was ist denn mit Zielgruppen? Wie beschreibt man die? Wie sucht man die aus?

Was passiert denn mit mir, wenn ich auf einmal Umsatzsteuer zahlen muss? Wie ergeben sich denn so etwa die Einkommensteuern und was habe ich für Alternativen? Was kosten die? Wie funktionieren die?

Marketing? Was sind denn die Instrumente überhaupt? Wie wendet man die ganz grob an? Dann käme die konkrete Überlegung für Dich, welche Du wie anwenden willst. Danach hätten wir die Diskussion über die gesamten Marketingentscheidungen und über die Einzelentscheidungen und was Du Dir da für Vorgaben entwickelt hast.

Das Potential ist in jedem Fall da, bei Dir. Auch in die unterschiedlichsten Größenordnungen zu kommen. Laotse soll geschrieben haben - Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.

Viel Erfolg!

P.S. Ein ganz wichtiges Thema neben dem Businessplan ist Deine Familie. Welche Bereitschaft ist dort Dich auf Wegen zu unterstützen. Schließlich geht das von 'dem mache ich die Hölle heiß' über 'kann er doch machen' weiter über 'kann er doch machen, aber' (leider wird das aber oft nicht ausgesprochen[!] daher Vorsicht) bis hin zu 'das ist so super, da bin ich dabei und wenn Löwenzahn zum Essen sammeln müssen'.

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Also ich würde mit crowdfounding anfangen und mir einen Experten aus diesem Gebiet besorgen.

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