wie erziehe ich meinen hund damit er keine angst mehr hat vor menschen und anderen hunden beim spazieren gehen?

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7 Antworten

Hallo,

mit so einem Hund hast du auch eine Menge Probleme übernommen. Solche Hunde haben nie gelernt, dass Menschen liebevolle und vertrauensvolle Geschöpfe sind - im Gegenteil. Vor Menschen müssen sie sich in Acht nehmen, sie werden von denen verjagt, geschlagen etc. pp.

Auch andere Hunde, die nicht um eigenen Rudel gehören, sind immer böse Konkurrenten um wichtige Ressourcen, insbesondere ums Futter.

Nun wird der Hund aus all seinem gewohnten Leben herausgerissen, kommt in eine Familie, wo sich viele Menschen liebevoll um ihn kümmern wollen, wird mit einer ihm völlig fremden Umgebung konfroniert, mit vielen fremden unbekannten Hunden - so ein Hund ist völlig verstört!!

Er braucht jetzt in allererster Linie Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe - und nichts, aber auch gar nichts, was ihn stresst. Auch mit den eigenen Liebesbezeugungen sollte man sehr sparsam und zürückhaltend sein, auch wenn diese noch so gut gemeint sind.

So ein Hund muss sich erst einmal an die völlig neue Umgebung gewöhnen, muss merken und lernen, dass Menschen gar keine bösen Geschöpfe sind, muss Vertrauen fassen, eine Beziehung und eine Bindung aufbauen.

Und erst, wenn er all das gelernt hat, dann wird er verstehen, dass seine Menschen ihm den Schutz bieten, den er braucht. Dass diese Menschen ihn vor fremden Menschen (die ihm noch Angst machen) und auch vor fremden Hunden (die ja eigentlich "Gegner" sind) beschützen werden. Dann wird euer Hund von ganz alleine aufhören, sich gegen andere Menschen und Hunde verteidigen zu wollen.

Solche Straßenhunde bedürfen eines ganz besonderen Wissens seiner Menschen - sie müssen ganz anders behandelt werden, als ein völlig unbedarfter Welpe oder ein Hund, der noch nie Böses erlebt hat ...

Es gibt dazu viele gute Bücher, die man sich unbedingt besorgen sollte, wenn man zum ersten Mal einen Straßenhund aufnimmt.

Empfehlen kann ich immer gerne das Buch von Martina Nau

Straßenhunde aus dem Süden

https://www.amazon.de/Hunde-aus-dem-S%C3%BCden-Familienhund/dp/3861278006/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1501861679&sr=1-2&keywords=Strassenhunde

Da kann man eine ganze Menge lernen und viele Verhaltensweisen des Hundes werden hier sehr deutlich ....

Alles Gute

Daniela

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Zuallererst solltest du den Hund ankommen lassen. 

Versetz dich mal in die Lage des Hundes: zuerst hast du vermutlich ein ziemlich bescheidenes Leben, dann landest du in der "Hölle", dann holen dich fremde Menschen da raus und dann wirst du nach kurzer Zeit in ein völlig fremdes Land gebracht. Fremde Gerüche, Geräusche und Menschen - das ist Stress pur. 

Wir sind mit unseren rumänischen Mädels die ersten Tage gar nicht lange spazieren gegangen. Damit haben wir gewartet, bis sie zu Hause "angekommen" sind. 

Wichtig ist, dass du dem Hund Zeit gibst und ihn nicht nur als armes, geschundenes Wesen siehst. Gerade unsichere und/oder ängstliche Hunde brauchen klare Regeln. (Was nicht heißt, dass der Hund nichts darf) 

Abgewöhnen solltest du das Verhalten nicht! Stattdessen musst du dem Hund Sicherheit geben und an der Ursache (z.B. Unsicherheit) arbeiten. Da ist ein gewaltfrei arbeitender Trainer ratsam, der sich die Situation live ansieht. 

Ob der Hund "nur" unsicher ist oder ob du einen "Angsthund" hast, wird sich zeigen, wenn der Hund sich eingelebt hat. Die Hündin meiner Mutter hat Anfangs auch vor allen fremden Menschen und Hunden Angst gehabt. Das hat sich von ganz alleine gelegt, nachdem sie wirklich Vertrauen zu uns gefasst hat. Sie wird fremde Männer zwar nie toll finden, muss sie aber auch nicht. Und nervige Hunde sind unter ihrer Würde ;) 

Die Hündin von meinem Ex und mir hingegen ist ein Angsthund. Deshalb haben wir uns, trotz Hundeerfahrung, einen Trainer dazugeholt. Bei ihr mussten wir wirklich in Minischritten arbeiten und immer Rückschritte in Kauf nehmen. Sie hat in den drei Jahren riesige Fortschritte gemacht, wird aber nie ein "mutiger" oder "einfacher" Hund werden. 

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Aaaaalso mal Piano ;-) 
Deine Hündin ist GESTERN erst zu Euch gekommen, was heißt sie steht jetzt noch stark unter Stress, das ist normal denn ein Umzug in ein neues zu Hause ist immer mit starkem Stress verbunden, man kann es den Hunden leichter machen, allerdings spielt ja auch bei Hunden aus Tötungsstationen (argh einfach ein grauenvolles Wort und ein noch viel grauenvollerer Gedanke) die Zeit eine große Rolle. 

Aber trotzdem alles langsam angehen lassen, erst einmal den Hund ankommen und sich erholen lassen. ;-) 

Haare aufstellen bedeutet erst einmal "nur" Aufregung, dieses Indiz alleine sagt noch nicht viel aus, außer eben das der Hund jetzt aufgeregt ist, also seine Erregungslage steigt. 

Dem Hund die Möglichkeit zum ausweichen bieten ist schon einmal ein sehr guter Ansatz auch muß nicht jeder Deinen Hund streicheln, denn möchte sie das nicht, so sollte man das beachten. 

Ein Pauschalrezept wie man einem Hund das "abgewöhnt" gibt es nicht, zumal bei vielen Hunden die ursprünglich von der Straße stammen auch der genetische Faktor "Angst" eine Rolle spielt, denn Angst ist vererbbar. 

Einen Bogen um andere Hunde und auch Menschen zu laufen wäre auch eine Möglichkeit und dem Hund Schutz vor "bösen" Menschen und Hunden bieten ist ein guter Ansatz. Schließlich soll sie ja lernen Euch zu vertrauen und vertrauen tut man jemanden der einen nicht in Situationen drängt in die man nicht will und vor denen man Angst hat sondern man vertraut jemandem der einem hilft. 

Setzt Euch vielleicht auf eine Wiese mit dem Hund weitwer weg von Menschen und streichelt sie, belest Euch vielleicht auch mal über die Trainingstechnik des Zeichen & Benennen aber bitte ausführlich, denn man kann auch Erregung konditionieren und genau das wollen wir ja nicht ;-)

Für den Anfang aber würde ich das Bogen laufen und sich selbst als Schutzbarriere anbieten nutzen, denn jetzt erst einmal viel Ruhe und runterkommen. Nicht direkt ans "unterbinden" denken, erst einmal dafür Verständnis haben, das der Hund erst gestern zu Euch gekommen ist, alles neu, neue Gerüche, neue Lebensumgebung auch neue Lebensumstände, das will verarbeitet werden.

Neue Reize sollte man erst einmal nur in Maßen nicht in Massen anbieten und diese eben wirklich soweit möglich portioniert.

Von Zwangsstreicheln oder Zwangskontakt zu anderen Hunden würde ich definitiv abraten, das nennt sich in der Fachsprache Flooding (Reizüberflutung) und ist allenfalls für Menschen geeignet, die kann man fragen ob sie die Reize noch aushalten oder ob nun gar nichts mehr geht, denn einen Lerneffekt erzielt man damit nicht.

Beachtet das was Eure Hündin Euch mitteilt, Haare aufstellen, erstarren (Freeze) und auch Beschwichtigungssignale/Übersprungsverhalten sollten beachtet werden. Ein z.B. über die nase lecken, pföteln, schnüffeln mit Blick zum vermeintlichen Feind, das sind alles Signale die Beachtung finden sollten und dann kann man wenn sie bei Euch angekommen ist, mit Training anfangen. 

Ein Alternativverhalten in Form z.B. eines Handtouches ist immer eine gute Möglichkeit um den Hund mit der Hand gut zu lenken, z.B. auf die linke oder rechte Seite zu führen um dann eben als Barriere zu fungieren. 

Aber wie ja schon geschrieben, erst einmal Ruhe und ankommen lassen. ;-) 

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Kommentar von spikecoco
05.08.2017, 10:19

ich finde es höchst bedenklich, wenn Tierschutzorganisationen diese Hunde an Menschen abgeben, die so gar kein Wissen diesbezüglich haben. 

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Ich würde mit dem Hund zu einer Hundeschule gehen und mir dort Hilfe suchen. Ansonsten hilft wahrscheinlich nur viel Geduld. Der Hund hat wahrscheinlich viel schlimmes erlebt und es wird dauern, bis er das Vertrauen aufbaut, dass ihm nicht wieder das Gleiche hier passiert.

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du solltest dir professionelle Hilfe holen, also Trainer die dich und deinen Hund neutral beurteilen, und mit deinem Hund und dir einen Trainingsplan der auf euch zugeschnitten ist erarbeiten. Vorab kann ich dir nur empfehlen, lasse diese Wundertüte erst einmal ankommen, die ersten Tage verbringt ihr in eurem näheren Umfeld.

Dann musst du sehen wie stressressistent er ist, du musst sehen, wie er auf Umwelteinflüsse reagiert. Dann müssen Gegenmaßnahmen von dir ergriffen werden. Nur welche und wie kann ich dir von hier auch nicht sagen, denn es gibt nichts pauschales. Jeder Hund ist eine eigenständige Persönlichkeit.

Ich könnte dir auch nur in einer persönlichen auf euch zugeschnittene Unterrichtsstunde helfen, hier geht es mit gut gemeinten Ratschlägen mancher Laien nach hinten los.

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Kommentar von Elocin2910
04.08.2017, 19:15

Na die Stressresistenz hättest ja schon erkennen müssen, wenn der Hund schon die Haare hoch stellt deutet das ja schon auf einen erhöhten Erregungslevel hin, das sollte man wissen wenn man mit Hunden arbeitet! 

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Sie ist erst seit gestern da.....dann noch aus der Tötungsstation. Was der Hund jetzt erstmal braucht ist Vertrauen, Zuwendung und viel Liebe.

Dann kann man irgendwann mit der Erziehung anfangen.

Toll das du dem Hund ein Zuhause gibst !!!! <3

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Hallo,

lasse ihr doch erstmal Zeit anzukommen,

sich an die neuen Begebenheiten zu gewöhnen, die neue Umgebung, die Menschen in ihrem Umfeld, an regelmäßiges Futter und Streicheleinheiten ........

Da ist jetzt erstmal viel Geduld und Verständnis gefragt.

Wenn sie merkt, dass es ihr von nun an gut gehen wird, verändert sich auch langsam ihr Verhalten, ihr Misstrauen und die Angst werden verfliegen.

Zur Unterstützung könntest Du in etwa 4 Wochen mal einen Termin bei einem Hundetrainer vereinbaren.

Ich habe auch einen Hund aus dem Tierheim, anfangs hat er sich immer geduckt, wenn ich meine Hand gehoben habe, um ihn zu streicheln. Heute kuschelt er sich an mich ........

Hab Geduld !

Schön, dass Du diesem armen Seelchen ein neues Leben schenkst, er wird es Dir danken mit all seiner Liebe.

Liebe Grüße

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