Wie erklären Nicht-Katholiken das Sonnenwunder von Fatima?

11 Antworten

Zunächst bekräftigend: Das "Sonnenwunder" haben auch die Skeptiker gesehen. Als Produkt von Glaubenserwartungen also zweifelhaft. Außerdem habe ich in einer Quelle gelesen, dass das Phänomen etwa in einem Radius von 17km zu sehen war, auch von Leuten, die gar nicht am Ort des "Wunders" waren.

Dem gegenüber folgende Einwände: Die Erscheinungen, die die Kinder (teils) gesehen haben, entsprachen ihrer religiösen Erziehung. Wir würden einige Szenen heute als kitschig, naiv bezeichnen. Mehr noch fällt auf, dass Maria üble Drohungen ausstößt. (Aus dem Gedächtnis: "Noch kann in den erhobenen Arm meines Sohnes zurückhalten", zu ergänzen: bevor er ein furchtbares Strafericht über die Erde verhängt). Das hat nichts mit dem liebenden Vater zu tun, den Jesus gepredigt hat.

Im Übrigen fällt bei den "Borschaften" in Fatima (wie auch in Medjugorje) auf, dass sie absolut banal sind. "Lieb sein und Rosenkraz beten": ok, ein religiöses Erziehungsmodell für portugiesische Hirtenkinder zu Beginn des 20. Jahrhundert.

Ich (Katholik) habe für mich daraus den Schluss gezogen, dass die Erscheinungen in Fatima wohl subjektiv aus der Sicht der Kinder echt waren, aber keine Botschaft von Gott an die Menschen über Maria. Gott hat es weder mit Drohungen noch mit Gaukelspiel (Sonnenwunder) nötig, die Menschen zu beeindrucken.

Zweifellos war die Seherin von Fatima übersinnlich begabt, konnte die Szenen vor ihren Augen erscheinen lassen und sie teilweise auch in die Wahrnehmung anderer, besonders ihrer kleinen Gefährten, projizieren.

Das "Sonnenwunder" hätte sie aber wohl überfordert. Am ehesten glaube ich die Lösung in der Richtung, dass es in dieser Gegend (wie man auch erforscht hat) seltsame atmosphärische Phänomene gab, und die Seherin musste "nur" Ort und Zeit voraussagen. Jedenfalls ist klar, dass die Leute nicht die Sonnenscheibe gesehen haben, sondern etwas anderes.

Aber was? Religiöse Indoktrinierungsgaukelei Außerirdischer per UFO? Einiges an den Berichten erinnert einen tatsächlich an UFO-Sichtungen. Auch sehe ich Parallelen zu der biblischen Erzählung der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor.

Zu berücksichtigen sind auch übersinnliche Phänomene, die von Versammlungen "Gläubiger" berichtet werden. (Etwa in "Jenseits den Todes" von Leslie Kean) Aber auch das in der Bibel berichtete Pfingstwunder, das sich übrigens vor einigen Jahren in einer Versammlung Gläubiger (verschiedener Kulturen) in Afrika ganz genauso ereignet haben soll (Flammenzungen, Fremdsprechen) (lt. Bericht in unserer Kirchenzeitung).

Fazit: Ich war in Fatima. Es ist schön, dass dort gemeinsam gebetet wird. Aber man sollte keine Zusatzreligion um Marienerscheinungen machen; ich halte sie alle nicht nur das, was sie angeblich sein sollen.

Mein normaler Kontakt im täglichen Gebet zu Gott ist mir lieber. Da bin ich ganz evangelisch ;-))

  1. Glauben Sie an die Bibel? Denn Gott bestraft in der Bibel Menschen für ihren Ungehorsam. Also warum sollte Maria das nicht androhen?
  2. War das Umwandeln von Wasser zu Wein durch Jesus auch "Gaukelspiel"?
  3. Wie konnte das Mädchen vorhersagen, wann und wo das Phänomen stattfinden würde?
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@HugoDeutsch
  1. Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube an Gott. Ich glaube, dass die Bibel ein sehr wertvolles kulturelles Dokument ist, aus der ich auch viel für meinen Glauben schöpfen kann. Die Lehren Jesu sind für mich zentral. - Ich glaube aber, dass die Menschen sich eher selbst bestrafen; Gott hat das gar nicht nötig. Beispiel: Klimawandel und seine Folgen
  2. Die Wundererzählungen in der Bibel sind nicht wörtlich zu nehmen. Manches kann man sich vorstellen, aber Wasser in Wein? Da müsste man ja annehmen, Jesus hätte dem Alkoholismus Vorschub geleiset :-))
  3. Ich sagte ja, sie war eine Seherin. D.h. sie konnte spüren, wann und wo sich Außergewöhnliches ereignen würde.
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Ich habe davon noch nicht gehört, aber es kann ja sein, dass das "Sonnenwunder" trotzdem passiert ist. Egal ob die Mutter von Jesus den Kindern erschienen ist oder nicht.

Ob das nun von Gott gewirkt wurde, oder ob es eine wissenschaftliche Erklärung gibt, die wir heute noch nicht kennen, lasse ich mal offen.

Woher ich das weiß:Hobby – Bibelschule, gute Predigten, Bibellesen, Austausch

Bist du katholike?

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@Kritisch222

Nein (nicht mehr), ich bin in einer Freikirche. Ich glaube also durchaus, dass Gott existiert und Wunder tun kann, aber sobald es um Heiligenverehrung geht, habe ich so meine Fragezeichen.
Noch dazu dass Maria nicht bis an ihr Lebensende Jungfrau war.

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@annie80

Maria war keine Jungfrau?????? Welche Kinder hatte sie denn? Ausser Jesus.

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@Kritisch222

Sie war es. In der Bibel steht, dass Josef keinen Verkehr mit ihr hatte bis Jesus geboren war. Was heisst, danach hatten sie Geschlechtsverkehr.

Und Jesus hatte jüngere Geschwister, das ist heute eigentlich unumstritten.

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@Kritisch222

Dass Jesus Geschwister hatte, kannst du an verschieden Stellen in den Evangelien nachlesen. Und man kann davon ausgehen, dass Jesus der Älteste war und nicht aus einer früheren Ehe von Josef waren. Sonst wären die vermutlich schon vorher erwähnt worden, also bei der Geburt von Jesus.

Ausserdem gibt es mind. zwei Episoden in der Bibel, die darauf hinweisen dass Jesus nach dem Tod seines Ziehvaters die Verantwortung für die Familie und für seine Mutter hatte. Dies war die Aufgabe des Ältesten. Einmal, als Jesus kurz vor seinem Tod - schon am Kreuz - seine Mutter dem Jünger Johannes anvertraut. Die andere weiss ich grad nicht, das ist irgendwann vorher, als seine Familienmitglieder ihn suchen und er "was besseres" zu tun hat.

Kein Sex bis nach der Geburt von Jesus:

Josef erkannte sie aber nicht, bis sie einen Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus.

Mt 1,25 ("erkennen" ist eine Umschreibung für Sex haben)

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@annie80

Bist du sicher? Die meisten Protestanten glauben auch, dass sie eine Jungfrau wahr.

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@Kritisch222

Was die Protestanten glauben, weiss ich nicht. Ich richte mich da nach der Bibel und dazugehöriger Fachliteratur bzw. was ich in der Bibelschule gelernt habe.

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@Kritisch222

Auch, die von vielen anderen Menschen, welche sich mit der Bibel auskennen. Ich bin damit nicht definitiv nicht alleine.

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Hier Auszüge aus „Erwachet“ 89 (8.3., S. 7), in dem zu Deiner Frage Stellung genommen wird:

>Papst Johannes Paul II. erklärte, daß „die Botschaft, die 1917 in Fátima übermittelt wurde, die ganze Wahrheit des Evangeliums enthält“. Das alles bedeutet, daß die bei solchen Erscheinungen übermittelte Botschaft mit der „Offenbarung“, der Heiligen Schrift, übereinstimmen muß. Ist das auch wirklich der Fall?

Was ist von der Höllenvision zu halten, die den Hirtenkindern in Fátima übermittelt wurde? Aus der Heiligen Schrift geht eindeutig hervor, daß Sünder nicht auf diese Weise bestraft werden, wenn sie sterben.

Jesus sagte selbst, wir sollten den fürchten, der sowohl Seele als Leib vernichten kann, und zeigte somit, daß die Seele sterblich ist. Andere Bibeltexte lehren unmißverständlich, daß die Toten ohne Bewußtsein sind und daß die Hoffnung, je wieder zu leben, auf der biblischen Verheißung beruht, daß es eine Auferstehung geben wird (Mat. 10:28; Pred. 9:5, 10; Joh. 5:28, 29).

...

Bibelgelehrte wissen, daß nicht alle wunderbaren Zeichen von Gott stammen. In dem Dictionnaire de la Bible, herausgegeben von F. Vigouroux, wird anschließend an die Erwähnung der Wunder, die die ägyptischen Zauberer vor Pharao und Moses wirkten, gesagt: „In den letzten Tagen werden falsche Propheten und falsche Christusse, alles Agenten des Teufels, viele Wunder wirken, um wenn möglich sogar die treuen Jünger Jesu Christi selbst zu verführen“ (Mat. 24:24; 2. Mose 7:8-13).

Was aber ist von einer Erscheinung zu halten, die, wie die Erscheinung von Fátima, die Menschheit aufruft zu bereuen und die Gläubigen bittet, für die Bekehrung der Sünder zu beten?

Interessanterweise wird in dem Buch Fátima—Merveille du XXe siècle (Fátima — Wunder des 20. Jahrhunderts), das Erscheinungen positiv bewertet, von dem Priester, der zur Zeit der Erscheinungen in Fátima amtierte, berichtet, daß er trotz des Inhalts der Botschaften Zweifel an ihrem Ursprung hegte. Er soll gesagt haben: „Sie könnten ja auch vom Teufel sein.“

Die Bibel zeigt tatsächlich, daß sich Satan „das Aussehen eines Lichtengels“ gibt und daß „auch seine Diener sich das Aussehen von Dienern der Gerechtigkeit geben“ (2. Kor. 11:14, 15), Herder-Bibel). Eine glaubhafte Botschaft ist daher kein Beweis, daß eine Erscheinung wirklich von Gott stammt.

Zu diesem Schluß kommt auch das (katholische) Werk Dictionnaire historique de la Bible, herausgegeben von Calmet. Es heißt darin:

„Wunder sind nicht immer ein sicheres Zeichen dafür, daß diejenigen, die sie wirken, gottgefällig sind oder daß ihre Lehre richtig ist, noch sind sie ein sicherer Beweis dafür, daß die Empfänger einer Vision mit einer Mission beauftragt wurden.“ ...<

Warum sollten sie denn etwas erklären (müssen)?

Man kann durchaus etwas ohne Erklärung im Raum stehen lassen.

Die haben entweder nie davon gehört, oder halten es für eine Lüge, oder für eine Sonnenfinsternis.

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