Wie erklären Muslime die Praxis der Abrogation von Versen?

... komplette Frage anzeigen

9 Antworten

Naja, das ist einer der vielen Taschenspielertricks des Islams, Gottes Wort als unveränderlich zu erklären und es trotzdem zu verändern, indem er die Änderungen gleich 'einbaute'.

Das liess sich aber nur für die Änderungen machen, die noch zu Zeiten Mohammeds stattfanden, da ja nur er Gottes angebliches Wort empfangen konnte. Also musste für spätere Änderungen einer neuer Trick her.

Und der bestand darin, die Hadithe und die Sunna dem Koran gleich- bzw. sogar überzustellen. Anhand dieser Jahrhunderte später erstellten Schriften, die auch immer erweitert und neu ausgelegt werden können, können selbsternannte "Gelehrte" also Gottes Gesetze nach Belieben definieren. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Zicke52
14.10.2016, 11:33

@Referendarwin: Danke für den Stern!

0

Beispiel Alkoholverbot im Koran

https://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholverbot_im_Islam

Auch Hartmut Bobzin weist aufgrund Sure 4:43 darauf hin, dass ein absolutes Alkoholverbot im Islam im Koran nicht von Anfang an bestanden haben kann und verweist dabei auch darauf, dass Wein in Sure 16:67 (ebenso wie der Honig) als eine der guten Gaben Gottes genannt ist (16,67).[2] 

Es wird so erklärt, dass sich Mohammed immer mehr zeigte, dass die Menschen mit Alkohol nicht umgehen konnten. Warum das nicht Allah schon von Anfang an wusste, wird nicht erklärt - weil unerklärbar. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die zusammengefasste Grundeinstellung hierbei ist: Nichts ist Gut; nichts ist Böse. Erst Allah sagt was es ist. Allah steht über die Dinge, also kann er die Meinung ändern. Feuer brennt nicht, Wasser nässt nicht und die Sonne geht nicht im Osten auf, wenn Allah es nur will. Allah geht nicht auf Mensch ein; Mensch hat sich dem Wille Allahs zu unterwerfen. Die Allmacht, Allwissenheit usw., die Allah zugesprochen wird, geht so weit, dass die immerwährende sekündliche Zerstörung des Universums und umgehende Neuerschaffung durch Allah tatsächlich gepredigt wird.

Natürlich ist die Abrogation ein Widerspruch - wenn auf göttliche Worte angewendet. Wer aufgefordert wird, Allah so zu sehen, der kann nur definitive göttliche Vorgaben erwarten.

Widerspruch aber, ist im islamischen Dualismus unbekannt. Auf die Abrogation bezogen wird deshalb gesagt: Durch die Aufhebung, schützt der religiöser Islam den politischen Islam. Das ist noch nicht mal falsch, wenn rein irdisch gesehen.

Es existieren diverse Ansichten.

Die Einen leugnen es. Weil sie selber es nicht kennen. Sind ehrlich, aber Ignoranten, was die eigene Religion angeht.

Eine andere Strömung leugnet es, aber als Strategie. Sie lügen vorsätzlich, weil die Lüge in dem Fall hilft, den Islam zu verbreiten. Das sind die, die nur gute Verse verwenden (Missionierung).

Die dritte Strömung, auch hier sehr stark vertreten, verwendet das Prinzip "tu quoque". Dieses Prinzip ist eigentlich der Versuch, die Position des Gegenübers zu diskreditieren. Die bekannte Argumentation: Die Bibel enthält auch Gewalt; die Bibel enthält auch Widersprüche. Die Sache an sich, die Abrogation im Islam, die wird so in den Hintergrund verdrängt. So eine Methode kann auch als argumentatorische Fehlzündung gesehen werden.

Interessant sind eher die, die darauf aufmerksam machen, dass es im Koran steht, dass Gott Verse ändern, annullieren kann, aber nirgends zu lesen sei, dass aufgehobene Verse von Allah waren. Dieser Hinweis mag oberflächlich klingen, aber hat es in sich. Macht es doch auf Aspekte aufmerksam, die gerne ausgelassen werden.

Die Verse im Koran verpassen allen Handlungen Mohammeds so was wie eine göttliche Legitimität. Allah hat nie Mohamed widersprochen, korrigiert etc. Dies kann zu der Annahme führen, dass Gott eigene Worte und Befehle aufhob. Warum also die Behauptung, aufgehobene Verse seien nicht explizit als Worte Allahs bezeichnet worden?

Sure 22, 52 nach, ließ Allah das annullieren, was der Teufel in den Worten des Propheten beigetan hatte. Sure 16, 98-101 stellt den direkten Zusammenhang zwischen Rezitierung des Korans - Aufhebung - Schutz vor dem Teufel.

Dies deutet an, dass auch der Koran Aussagen des Teufels enthält, die als Worte Allahs verbreitet werden. Ein heißes Eisen. Was vehement dementiert wird, mit dem Argument, dass der Teufel kein Einfluss auf Nachfolger Allahs habe. Sahih Al-Bukhari, Band 4, Buch 53, Nr. 400 und Band 8, Buch 75, Nr. 400 aber, sagen was anderes über Mohammed aus.

Nun gut, die theologische OP diesbezüglich konnte so weiter gehen. Lieber die realistische Sichtweise:

Die prophetische Mission Mohammeds kann in drei Phasen geteilt werden. Die Anfänge, in Mekka, enthielten Botschaften der Geduld und der Toleranz. Angesichts des Misserfolges dort, fingen die Drohungen und Kritiken an. Diese Verse enthalten eine gewisse Agressivität, aber immer mit Strafen für die Ewigkeit.

In Medina, als die Bewegung bereits konsolidiert und stark genug war, erfolgte die Wandlung. Die angekündigten Drohungen für das Jenseits wurden Praxis im Diesseits. Aus Geduld und Toleranz wurde eine Null-Toleranz. Und just in Medina entstehen die Verse, die frühere aufheben.

Insgesamt, werden so um die 737 Verse aufgehoben. Es existieren 527 Verse von Intoleranz gegenüber nicht-Muslime und 164 Verse von konkrete Gewalt gegen nicht-Muslime. Keiner davon wurde aufgehoben.

So gesehen, also rein irdisch, ist die Abrogation kein Widerspruch: Der religiöser Islam schützte und schützt so den politischen Islam.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Zicke52
15.10.2016, 13:18

@JoJoPiMa: Sehr guter Beitrag. Man merkt, dass du dich mit der Materie befasst hast.

Besonders herausstreichen möchte ich "Allah hat nie Mohammed widersprochen": das ist mir auch schon aufgefallen. Aus dem Koran und den islamischen Überlieferungen geht hervor, dass Allah ein eifriger Diener Mohammeds war, nicht umgekehrt. Sogar Mohammeds Frau Aicha ist das nicht entgangen: "Oh Allahs Prophet, Euer Gott wundert mich. Immer entsprechen seinen Anordnungen Euren Wünschen!"

0

Auch in Bezug auf die Abrogation gibt es wie bei so vielen Dingen im Islam eine unterschiedliche Meinung unter den Gläubigen und auch unter den "Gelehrten".

Der etwas zeitgemäßere Islam-forscher Muhammad Asad beispielsweise verstand darunter im Gegensatz zu den meisten anderen "Gelehrten" dass sich dieses Prinzip nicht auf die Koranverse bezieht, sondern das mit der "Aufhebung" eher biblische Verse gemeint sind, die durch koranische Verse aufgehoben werden.  

Ansonsten bekäme der "friedliche" Islam ja auch ein dickes Problem, da die zum Kampf aufrufenden Verse in der 9. Sure ja alle möglichen friedlichen Verse aufheben würden.

Gut, diese Problem besteht natürlich auch ;-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von aelpler
14.10.2016, 20:04

Die Meinung der Gläubigen ist unwichtig, weil sie kaum etwas über ihren Glauben wissen. Die Gelehrten des Islams  sind sich einig, dass für den Umgang mit Ungläubigen (also Christen und Juden) der Schwertvers 9:5 gilt. Dieser Vers abrogiert allen anderen Verse, die sich auf den Umgang mit Ungläubigen beziehen.

1

Bedenke, dass gar keine Schrift jemals von Gott geschrieben wurde. Nicht beim jüdischen Glauben, den Christen noch den Muslimen.

Die Schrift mag noch so alt sein, sie wurde von Menschen geschrieben, die der festen Überzeugung waren, eine Eingebung gehabt zu haben. Dann kommen auch Geschichten rund um den Religionsgründer dazu und alles vor sehr langer Zeit.

Das behalte immer im Hinterkopf, wenn du in deinem heiligen Buch liest.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Zeig uns doch mal ein Beispiel ^^

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von josef050153
14.10.2016, 08:12

Z.B. wurde doch die Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka geändert, oder irre ich mich da?

2
Kommentar von MaxBaron
14.10.2016, 21:55

Jaa weil die Ahlul Kitab in richtung Jerusalem Gebetet haben und wir Muslime uns von den Kuffar unterscheiden sollen.

So hat Allah uns Geboten in Richtung Mekka zu beten.

Die Juden ihr feiertag ist Samstag der feiertag von den Christen ist Sonntag normalerweise würde jetzt Montag kommen doch Allah azza wa jal hat und bevorzugt und uns den Freitag als Feiertag gegeben Alhamduillah.

ALLAH macht gewiss, was ER will." (Quran 22:14)

0

sie erklären sich das zeitlich, historisch. Die sunnitischen Rechtsgelehrten unterscheiden die Suren, offenbart in Mekka, von denen offenbart in Medina. Sie sagen (natürlich) auch, nicht Gott habe geirrt, sondern der Prophet habe nicht richtig gehört, sondern etwas missverstanden. So einfach ist das, nicht wahr?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Abrogation wird angewandt, um Widersprüche im Koran aufzulösen. Begründung ist Sure 2:106: "Wenn wir einen Vers tilgen oder in Vergessenheit geraten lassen, bringen wir dafür eine besseren oder einen, der ihm gleich ist." Das wird so interpretiert, dass immer nur die neueste Verkündungen Allahs im Koran die richtigen sind. Die alten Verkündungen sind abrogiert, also ungültig. Was nun alte und neue Suren im Koran sind, wissen nur die Imame. Und die verraten das nicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Jogi57L
14.10.2016, 17:43

Adenauer soll auch mal sowas geäußert haben....

sinngemäß:

"Was interessiert mich, was ich gestern gesagt habe....."

nee.. so:

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

Konrad Adenauer

1

Lass doch einfach jeden das glauben was er glauben möchte. Du kannst es nicht allen recht machen, also lass es gleich sein.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Agentpony
13.10.2016, 08:07

Wie alle anderen Ideologien, müssen auch Religionen IMMER aufs neue kritisch hinterfragt werden. Wenn man es sich nicht gerade so bequem macht, wie Du.

2
Kommentar von Jessy74
14.10.2016, 07:59

@thisgirl0:

Besser wäre es ja eine Begründung zu liefern als wieder die Diskussion im Keim zu ersticken.

Nicht informiert genug oder ist es nicht möglich dies zu erklären?

LG

1
Kommentar von thisgirl0
14.10.2016, 23:32

@Jessy74, in meiner Frage und in den Kommentaren habe ich nirgends zielend eine einzige Religion beschützt oder andere Religionen irgendwie beleidigt oder ähnliches. Falls du das so aufgenommen hast ist das dein Problem liebes, interessiert mich nicht.

Ich "beschütze" nur die MENSCHEN(nicht die Religion!), die nicht wirklich fair behandelt werden, denn ich hasse Ungerechtigkeit. Das gilt für den Muslim, Christ, Schwulen, Schwarzen und auch für ein Tier. Für jeden.

Und na gut, das ist deine Meinung dazu. Ich persönlich betrachte es wie gesagt als sinn-frei mit Menschen zu diskutieren, die keine andere Meinungen akzeptieren können.

0

Was möchtest Du wissen?