Wie erkannte man das Pferde Hufeisen brauchen?

7 Antworten

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indem man merkte, dass arbeitspferde beim anziehen schwerer lasten abrutschen.

zunächst zog man den pferden hufschuhe an.

nach und nach entwickelte man dann einen metallbeschlag. pferde, die z.b. einen pflug oder bäume ziehen mussten, bekammen griffeisen und die pferde, die in den städten, nachdem das strassenpflaster erfunden war, bekamen ebenfalls eisen, die "grip" geben, teils ging man auch wieder zu ledernen hufschuhen über (gegen ausrutschen auf basaltpflasterung)

Wenn der Hufabrieb höher war als das was nachgewachsen ist dann hat man Hufschutz drauf gemacht.

Früher waren das Lederwickel, später Eisen und heute Eisen oder noch besser Hufschuhe.

Man hat bemerkt, das die Pferde sehr fühlig liefen oder gar nicht mehr gelaufen sind.

Wenn zu viel Hufhorn abgelaufen wird, fängt das Pferd an zu lahmen. Arbeitspferde und Pferde in der Kavallerie brauchten auch meist Eisen, weil sie viel laufen mussten. Die heutigen Sport- und Freizeitpferde brauchen meist eigentlich keine Eisen.

Die heutigen Sport- und Freizeitpferde brauchen meist eigentlich keine Eisen.

In Deutschland mit seinen weichen Böden eher nicht. Aber in Spanien z.B. wo die Feldwege im Sommer so hart sind wie bei uns der Asphalt, sieht das schon anders aus. Dies nur als Anmerkung und Ergänzung!

Gruß an die fleißigen Ponies!

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@ZiegemitBock

Länder mit harten Böden haben in der REgel auch Pferde mit harten Hufen. Wenn es im Sommer lange trocken ist und die Böden wie Beton, dann läuft meine unbeschlagene Stute über Schotter wie nix. Im Winter hingegen, wenn die Böden nass und die Hufe weicher sind, weicht sie Schotter aus.

Ein Bekannter von mir hat mal in Nebraska auf einer Ferienpferdefarm gearbeitet. Der Boden rund um die Farm war harter Fels mit etwas Gras dazwischen. Die Pferde, die der FArmer selbst gezüchtet hatte, hatten nie Probleme. Ab und zu kaufte er mal neue Pferde aus einer anderen Gegend hinzu. Diese Pferde taten sich schwer mit dem felsigen Boden.

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@ZiegemitBock

Da der Huf sich an die Gegebenheiten des Untergrundes anpasst, brauchen normale Pferde auch in Spanien keinen Hufschutz.

Guck mal Merensponys an und wo die rum laufen - das gleiche gilt für Isis.

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@friesennarr

Es werden nicht nur einheimische Rassen in Spanien gehalten. Ich hatte Ponymischungen und eine Merensstute. Ohne Beschlag vorne nutzte sich der Huf zu stark ab, wenn sie regelmäßig geritten wurden. Es gab keine Pferdeschwemme und kein betautes Gras, die Hufe waren dadurch trocken und spröde. Die Araber taten sich natürlich wesentlich leichter, die brauchten meist keinen Beschlag.

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@ZiegemitBock

Egal, welche Rasse ich wo halte, wenn die Hufe die Möglichkeit bekommen, passen sie sich dem Untergrund an. Die Möglichkeit fehlt ihnen, wenn die Lederhäute unter Druck stehen, weil sie durch fehlerhafte Bearbeitung nicht in Balance sind. Ansonsten muss man nur einfach geduldig abwarten. Stimmt die Balance nicht, sehen das viele Menschen nicht dem Huf an - wenn man den Blick geschult hat, sieht man das durchaus, aber das haben die wenigsten. Aber spätestens am zu starken Abrieb erkennt man, dass da was nicht stimmt und muss dann eben mit Verbesserung der Bearbeitung dem entgegen wirken. Dass der Huf trotz guter Leistungsfähigkeit nicht mehr mitkommt, ist bei guter, zum Huf korrekt passender Bearbeitung erst ab > 6 Stunden täglich Arbeit auf sehr abreibenden Böden der Fall. Unsere Pferde haben im Auslauf Betonpflaster - deren Hufe wachsen wie noch was. Wenn da nach 5 Wochen der nächste Termin ist, sind die echt grenzwertig nachgewachsen. Zu jeder Jahreszeit, egal, ob im Winter die Hufe weich oder im Sommer hart sind.

GERADE auf harten Böden würde ich Beschlag noch mehr meiden als im Sandkasten, denn eins, was am Beschlag wirklich kritisch ist, ist der sogenannte Klirrfaktor. Versuch mal, ein Stück Eisen in der Hand zu halten und mit dem Hammer drauf zu klopfen, wie das in Schwingung gerät und wenn man das öfter macht, auch weh tut. Dieses "klirren", wie man diese kurzwelligen Schwingungen nennt, ist das, was in den Gelenken beschlagener Pferde Arthrosen verursacht. Neben dem Umstand, dass der Huf eine Schiefstellung nicht durch "in sich Verwinden" schlucken kann, sondern die Gelenke schief stehen müssen. Hufmechanismuss ist ja nicht nur weiter und wieder enger werden, sondern auch: https://docplayer.org/docs-images/71/64274478/images/2-1.jpg

Man sollte Hufe auch nicht wässern, wenn sie nur in trockenem Gelände unterwegs sind. Das ist ausgemachter Unsinn, denn für trockene Böden brauche ich einen trockenen harten Huf. Wenn ich den feucht mache, reibt er sich vermehrt ab. Für feuchte Böden passt ein weicher Huf. Also lässt man den Huf am besten selbst für sich sorgen. Da kommt immer das sinnvollste raus.

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@Baroque

Alle Pferde, die arbeiteten, hatten in Spanien wenigstens vorne Beschlag. Die Kutschpferde, die auf Asphalt liefen, waren rundum beschlagen. Kann ja sein,dass das falsch war, aber offensichtlich wurde es für nötig gehalten.

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@ZiegemitBock

Naja, schau an, wieviele Pferde unnötigerweise in Deutschland beschlagen sind und wieviele unfähige Barhufbearbeiter es gibt, die den Barhuf einfach nicht sinnvoll hinbringen und dann kommt's zum übermächtigen Abrieb und weil man es halt barhuf nicht besser kann, wird beschlagen. Ich wollte ja auch ewig umstellen auf Barhuf, aber es ging erst, als ich die Huforthopädin kennenlernte, die es wirklich top kann und die mir halt auch erklären kann, warum etwas vielleicht vorübergehend komisch aussieht anstatt selbst in Panik zu verfallen und mir zu sagen "da müssen wir was drauf machen", wie es die Schmiede vorher immer gemacht haben. Die hat auch eine Kundin, die gewerblich Kutsche fährt und deren Pferde wirklich viel unterwegs sind. Die nutzt selten mal Schuhe.

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Das klingt so, als ob du ganz früher meinst - also quasi wie ein Hufschutz entstanden ist?

Nun, die Pferde haben gelahmt (gehumpelt) und das wurde gesehen. Und dann wurde über die Ursache nachgedacht und gehandelt.

Und anfangs versuchte man es mit geflochtenen Hufschuhen bzw. Lappen etc. Bis dann einer entdeckt hat, dass man in die weiße Linie Nägel schlagen kann.

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@ZiegemitBock

Richtig.

Aber man sah es letztendlich genauso wie heute auch - Pferd geht fühlig bis lahm, Füße tun weh. Kannten Menschen zu der Zeit ja garantiert auch schon.

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@Punkgirl512

Die Römer mussten darum auch, wenn ihre ARmeen loszogen immer wieder wochenlange Ruhepausen für ihre Pferde einlegen.

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@Dahika

Aber Baroque schreibt ja, dass sich der Huf anpasst und dass gar kein Schutz nötig ist.

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@ZiegemitBock

Der Huf passt sich an, aber natürlich nicht an extreme Belastungen. Die meisten heutigen Freizeitpferde können sicher unbeschlagen laufen. Sie werden ja auch vergleichsweise wenig geritten und oft auf gutem Boden.
Aber ich bin mal mit meinem Vollblutaraber, der weltmeisterlich gute Hufe hatte, einen 60er Distanzritt geritten. 60 km Felsboden oder auch Hufraspel, wie ich das nannte. Er hat den Ritt auch gewonnen, aber mein damaliger Freund, Hufschmied, der uns dann abholte, schaute sich die Hufe an und meinte: den lässt du jetzt am besten mal 3 Wochen auf der Wiese in Ruhe. Seine Hufe sind wirklich "runter."
Ich glaube nicht, dass es ein pferd gibt, das den Tevis Cup Distanzritt - den schwersten, fairen Distanzritt (ohne Scheichs) ohne Eisen laufen kann.

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Indem man die Augen aufgemacht hat und gesehen hat, dass sich die Hufe viel mehr abnützen wenn ein Pferd einen Reiter trägt oder einen Wagen zieht als bei einem Pferd das nur auf einer Wiese rumlatscht.

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