Wie ergriff Calvimus in das Alltagsleben (Um 1550)?

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Du meinst: Wie griff der Calvinismus in das Alltagsleben um 1550 ein?

Zu finden in der Wikipedia zu Johannes Calvin:

"Calvin übte eine strenge Kirchenzucht aus, die von dem Betroffenen nicht als Strafe, sondern als Hilfe verstanden werden sollte. Die Massnahmen reichten je nach Schwere des Falles von Ermahnung bis zu Verbannung und Hinrichtung.[J 1][17] Ihre Härte mag teilweise durch die grossen Flüchtlingsströme motiviert gewesen sein. Zu den rund 10.000 Einwohnern von Genf kamen innerhalb von 30 Jahren etwa 15.000 Flüchtlinge hinzu, zumeist Hugenotten. Die Probleme, die dieser hohe Anstieg der Bevölkerung mit sich brachte, begünstigten die die Entscheidung zum Einsatz besonderer und harter Massnahmen, die der Stadtrat und das Konsistorum je für sich durchsetzten.[18] Calvin war in tiefer Sorge wegen der harten Verfolgung seiner hugenottischen Landsleute und der Waldenser in Südfrankreich, die sich der Reformation angeschlossen hatten. Katholiken wurden in Genf nicht eingekerkert oder hingerichtet. Anders als die katholische Kirche sowie manche Lutheraner und Reformierte soll Calvin auch die Hinrichtung von Täufern abgelehnt haben.[19] Ob Calvin als Wegbereiter moderner totalitärer Regime zu betrachten sei, ist umstritten. Zwar gab es in Genf keine Masseneinkerkerung, -folterung und -tötung Andersdenkender in der Dimension des Terreurs während der Schreckensherrschaft Robespierres französischen Revolution, aber doch ein Terrorregime durch massiven Einsatz repressiver Methoden, gelenkte Prozesse, gehäufte Anwendung von Folter, Körperstrafen, Verbannungs- und Todesurteilen und ein klar erkennbares Bestreben zur Unterdrückung der Freiheit und zur konsequenten Überwachung des Einzelnen.[20]

Calvin setzte sich für die Einheit der Kirche ein. Deshalb arbeitete er bei Einigungsversuchen auch mit katholischen Theologen zusammen. Nachdem sich das Konzil von Trient(1545–1563) scharf gegen die Reformation abgegrenzt hatte, beschränkte Calvin seine Anstrengungen darauf, eine Einigung der evangelischen Kirchen herbeizuführen.[O 3]

Der konkrete Lebensvollzug des Christen geschieht insbesondere im Beruf, wo er mit dem Nächsten verbunden ist und ihm dient. Gewisse Vorstellungen von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit sind dem Menschen „eingeboren“. Wie sich Calvin bei der Gotteserkenntnis der natürlichen Theologie nähert so in der Ethik naturrechtlichen Gedankengängen, ohne in beiden Fällen daraus eine explizite Lehre zu machen.[O 4] Diese rudimentären ethischen Vorstellungen werden durch die Zehn Gebote und das christliche Liebesgebot bestätigt und verstärkt (sozialethische Prinzipien). Daraus folgt für Calvin, dass eine Reihe von Rechten unantastbar sind und allen staatlichen Gesetzen zugrunde gelegt werden müssen. „Zu diesen Rechten gehören das Recht auf Bekenntnisfreiheit für den wahren schriftgemäßen Glauben, auf persönliche Freiheit […], auf das persönliche Leben und Eigentum, auf Wahrung der natürlichen Ungleichheit gegen allen gleichmacherischen Zwang bei aller Gleichwertigkeit der Menschen vor Gott und dem Gesetz“. Diese Freiheitsrechte berechtigen jedoch nicht zu individualistischer Eigenmächtigkeit, vielmehr müssen sie der Gemeinschaft dienen.[J 2]

Neben der Kirche hat für Calvin der Staat wichtige sozialethische Funktionen. Die Regierenden sind „Stellvertreter“ Gottes und ihre Aufgabe ist es, „den Frieden, die Religion und die Ehrbarkeit“ durch Gesetze und Rechtsprechung zu gewährleisten. Um Missbrauch der politischen Macht auszuschließen, müssen Regierungsorgane unterschiedlichen Ranges geschaffen werden, die sich gegenseitig stützen, aber auch kontrollieren. Calvin ist der Ansicht, dass sich aus der Bibel keine Staatsform verbindlich ableiten lässt. Er hält aber eine Art konstitutionelle Aristokratie, d.h. die Verbindung von Demokratie und Aristokratie, für die beste Regierungsform. Calvin kannte den hohen Wert der Demokratie:„Es ist ein unschätzbares Geschenk, wenn Gott es erlaubt, dass ein Volk die Freiheit hat, Oberhäupter und Obrigkeiten zu wählen“.[J 3] Das Volk ist zum Kriegsdienst in gerechten Verteidigungskriegen verpflichtet. Es muss auch Tyrannen erdulden. Diese zu stürzen ist Recht und Pflicht der niederen Obrigkeiten (z. B. Adel, Stände). Nur im Grenzfall ist Widerstandsrecht auch für den Einzelnen erlaubt, nämlich dann, wenn die Obrigkeit Ungehorsam gegen Gott befiehlt.[J 4][O 2]

Staat und Kirche sind getrennt, obwohl beide zum Wohl der Menschen zusammenwirken müssen. Eine christliche Obrigkeit hat dafür zu sorgen, dass die Kirche ihren Dienst in Freiheit ausüben kann. Im Extremfall muss die Obrigkeit gefährliche Irrlehrer verbannen oder hinrichten. Sie darf jedoch nicht die Übernahme des evangelischen Glaubens zu erzwingen versuchen.[J 4]

Die Landwirtschaft setzte Calvin als selbstverständliche wirtschaftliche Betätigung voraus. Handel und Geldgeschäfte beurteilte er grosszügiger als Luther, obwohl er wie dieser Wucherzinsen und andere Formen der Preistreiberei entschieden verurteilte. Notfalls haben die Obrigkeiten regulierend einzugreifen. Das Zinsnehmen ist erlaubt. Vermögen und Kapital sind Geld gewordene Arbeit. Wie Luther verstand Calvin Arbeit als Dank des Menschen für die von Gott in Christus geschenkte Erlösung und als Dienst am Nächsten. Rein meditative Beschaulichkeit lehnten sie ab, da sie diese als nicht im Neuen Testament bezeugt sahen. Sie verwarfen Müssiggang und Betteln. Der Gedanke, wirtschaftlichen Erfolg bzw. die Fähigkeit zu strengster Pflichterfüllung als Zeichen göttlicher Erwählung zu verstehen, spielte bei Calvin nur am Rande eine Rolle. [...]

Für die Reformatoren folgte aus der von Gott geschenkten Erlösung eine Lebensführung, die ihrer Auffassung nach Gottes Willen entspricht: Ehrlichkeit, Fleiss, Sparsamkeit, Disziplin und, vor allem bei Calvin, Verzicht auf Vergnügungen und Luxus. Dies hatte zur Folge, dass ständig 60 bis 80 Prozent des Gewinns eines Wirtschaftsunternehmens in die Produktionserweiterung und die jeweils neuesten und effektivsten Maschinen und Herstellungsmethoden investiert werden konnten. Auf diese Weise stärkten sich Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, die Calvin hoch einschätzte, wechselseitig. Dies führte – zur grösseren Ehre Gottes – zu einem weiteren Wachstum des Gewinns, also steigendem Wohlstand, nicht nur bei den Handwerksmeistern und Unternehmern, sondern auch bei ihren Arbeitern, die durch höhere Löhne in die Lage versetzt werden mussten, das immer grösser werdende Angebot an Produkten und Dienstleistungen kaufen zu können. Andernfalls wäre der Wirtschaftskreislauf zusammengebrochen. Gleichzeitig ermöglichten vermehrte Einnahmen aus Steuern und Abgaben es dem Staat, das Bildungswesen und die Infrastruktur ständig zu verbessern.[22] Die Allmacht Gottes, die der Mensch nach Calvins Überzeugung im Glauben erfährt, lähmt ihn nicht. Im Gegenteil, sie gibt dem Glaubenden Selbstvertrauen und setzt ihn in Bewegung, wissend, dass alles Bemühen, Gottes Willen in der Welt zu verwirklichen, Stückwerk bleibt, aber der Vollendung durch Gott entgegengeht."

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Mehr dazu in: Philip Benedict: Christ’s Churches Purely Reformed. A Social History of Calvinism. Yale University Press, New Haven, Connecticut u. a. 2002, ISBN 0-300-08812-4. 

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